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Geschichte einer Vortagsreihe im Zusammenhang mit Rumäniendeutschen in Augsburg



Geschichte einer Vortragsreihe
im Zusammenhang mit Rumäniendeutschen in Augsburg


Bis 1989 gab es in Augsburg nur sporadisch Vorträge über Rumäniendeutsche. Sie wurden zum größten Teil von Rumänienbesuchern bei verschiedenen Anlässen wie Seniorenzusammenkünften, Tagungen oder bei anderen Begebenheiten gehalten. Dabei bediente man sich meistens des mitgebrachten Diamaterials von Kirchenburgen und Trachten die man als etwas Exotisches präsentierte.

Die Situation mit Rumänien vergleichend, wo ich zwischen 1979-82 über 10.000 Zuschauer meist im Rahmen der Volksuniversitäten gehabt hatte, konnte ich feststellen, dass ostdeutsche Kultur im Rahmen der Volksuniversität wenig gefragt war. (An einem memorialen Tag der Sudetendeutschen, an dem Herr Dr. Ortfried Kotzian im Rahmen der Volksuniversität einen Vortrag darüber hielt, waren wir 8 Personen anwesend Dabei spricht man von den Sudetendeutschen als 3. Volksstamm in Bayern.)

Ein Ort, wo Vorträge über ostdeutsche Kultur angeboten werden, wo sich ein interessiertes Stammpublikum trifft, war mein erstrebtes ZIEL.

5 Jahre nach meiner Ankunft in Augsburg war es endlich so weit, dass sich meine Situation Wohnen und Arbeiten in Augsburg endgültig geregelt hatte. Nun konnte ich hier aktiv werden. Zuerst besuchte ich eine Reihe von Vorträgen, die in Augsburg gehalten wurden, um die Möglichkeit und alles, was damit zusammenhing zu erforschen. Danach verhandelte ich wegen einem Gaststättenraum. Ich dachte, wenn ich eine Anzeige in die Zeitung setze, dass ich einen Vortrag über Siebenbürgen anbiete, die Leute strömen würden.

Von Erfolg konnte man nicht sprechen.

Aus diesen Erfahrungen heraus fixierte ich mich auf Zusammenkünfte wo sich ein Stammpublikum traf und trug somit in solchen Rahmen mein Scherflein zur Bekanntmachung Siebenbürgens bei. Es war nicht das Gelbe vom Ei, aber mein Wirken brachte letzen Endes in mancher Hinsicht das Angestrebte.

z.B. bei einer zweiten Vorführung in einem Seniorenkreis in Königsbrunn kam eine Dame auf mich zu und sagte: "Herr Roth, Herr Roth, Sie wissen nicht, was Sie da tun. Seit 3 Jahren kommen wir in diesen Seniorenkreis. Mein Mann und ich sitzen meistens an dem Tisch dort, trinken unseren Kaffee und verfolgen das, was man uns so bietet. Hie und da, wenn kein Platz mehr ist, setzt sich jemand zu uns und wir wechseln belanglose Worte. Seit Ihrem Vortrag ist das Eis gebrochen. Man spricht mit uns. Man stellt uns Fragen über unsere gewesene Heimat. Siebenbürgen steht im Mittelpunkt. Danke, Herr Roth."

Im Herbst 1989 wurde das Bukowina Institut in Augsburg gegründet. Im Januar 1990 machte ich dem Geschäftsleiter Herrn Dr. Ortfried Kotzian (wir hatten uns durch unsere Vorträge kannengelernt) den Vorschlag, eine Vortragsreihe unter dem Titel "Die Deutschen in Rumänien" ins Leben zu rufen. Dafür sollten die drei Landsmannschaften: Siebenbürger, Banater und Bukowiner abwechselnd jeden Monat einen Referenten stellen. Mein Vorschlag wurde angenommen und den Anfang machte ich am 1. Februar 1990 mit meinen Dia- Tonmontagen "Fastnachtsbräuche in Siebenbürgen."

Die Vorträge wurden gut besucht. Leider mussten wir bald feststellen, dass das Interesse für Kultur und Geschichte der ehemalig benachbarten deutschen Bevölkerungsgruppen für einander nicht allzu groß war, was sich in der Besucherzusammensetzung widerspiegelte.

Und dennoch, wir hatten unser gemeinsames Herzensanliegen erreicht und zwar, dass in Augsburg eine Plattform geschaffen war, von der auf hohem Niveau Information über ostdeutsche Kultur angeboten werden konnte.

Ausgewiesene Kenner der Materie - Historiker, Volkskundler, Politologen, Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Publizisten - konnten nun als Referenten geworben werden. Meine 2 Projektoren standen nicht mehr auf 2 Bierkisten, meine Dia - Tonmontagen liefen nicht mehr in nur halb abgedunkeltem Raum, damit die Kellner und der Wirt ihr Geschäft machten und die Zuschauer ihren Braten essen und Bier trinken konnten. Ein würdiger Rahmen war geschaffen.

1992 wurde der Rahmen der Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Die Deutschen im Osten" erweitert. Verständlicherweise kamen Referate über uns Rumäniendeutsche nur noch selten an die Reihe.

Seit 1997 betreue ich, mit meiner Frau Marianne, finanziell unterstützt von der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen Kreisgruppe Augsburg, die von mir ausgegliederte und in "Verständnis für einander" umbenannte Vortragsreihe.

Dieses Jahr werden wir den 2.000 Besucher (1997-2005) begrüßen. Das sind im Durchschnitt 33 Besucher pro Vortrag. Sie ist die einzige Vortragsreihe in Deutschland, in der nur Themen im Zusammenhang mit Rumäniendeutschen vorgetragen werden. Die Vorträge finden dank der Kirchengemeinde St. Andreas jeden ersten Montag im Monat in ihrem Gemeindesaal Eichendorffstraße 41 statt.

Wir freuen uns auf ihr Kommen.