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1954
(Aus meinem Archiv vor 57 Jahren)

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Vortrag in St. Anna in Augsburg
Faltblatt zu einem Vortrag, am 4. September 1954 in Augsburg


DER SÜDOSTDEUTSCHE
Zehnjahresbilanz der Deutschen Rumäniens

Buchenlanddeutsche Zeitung Folge 2 / September 1954 /Nr 18.

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Faltblatt









Als 17jähriger erarbeitete ich mir, nach einer beruflichen Ausbildung von 2 Jahren zum Elektromotorenwickler, in Akordarbeit, ein Monatseinkommen von ungefähr 400 Lei. Mein Vater verdiente 600 Lei. Unser Einkommen verwaltete meine kranke Mutter.









Man muss bedenken das durch die Währungsreform das angesparte finanzielle Kapital verloren gegangen ist.

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DER SÜDOSTDEUTSCHE
Zehnjahresbilanz der Deutschen Rumäniens — Rote Wirtschaftspolitik entnationalisiert

Buchenlanddeutsche Zeitung Folge 2 / September 1954 /Nr 18.

Die kommunistische Auslandspropaganda rührt heute die Werbetrommel mit Berufung auf die „Förderung der mitwohnenden Nationalitäten“ durch das Regime der Rumänischen Volksrepublik. In ihren Schwarz –Weiß – Vergleichen zwischen Vergangenheit und Gegenwart wird seit etwa drei Jahren auch der deutschen Siedlungsgruppen in Rumänien gedacht deren Gros nach dem Frontwechsel. Rumäniens am 23. August 1944 in der Heimat verblieben ist.

Tatsache ist, dass 1948 die kollektive Diskriminierung der Banater Schwaben und der Siebenbürger Sachsen sowie des Streudeutschtums in Altrumänien aufgehört hat. Die Gründung des „Antifaschistischen Deutschen Komitees“ unter dem heutigen Berner Gesandten Rumäniens, Emmerich Stoffel, leitete eine Periode offizieller „Gleichstellung“ ein. Ebenso muss vorweg festgestellt werden, dass es zu massenweisen Austreibungen — wie etwa in Polen, in der Tschechoslowakei und in Jugoslawien — nicht gekommen ist. Deshalb nicht, weil das bodenständige Deutschtum Rumäniens keinerlei „imperialistischen Charakter“ besaß und weil das tolerante Rumänentum sich selbst im Überschwang des „Antifaschismus“ nicht zum Völkermord gegen eine schutzlose Minderheit hinreißen ließ.

Trotzdem muss von einem schwerwiegenden Substanzverlust des Deutschtums unter bolschewistischer Herrschaft gesprochen werden. In erster Linie ging nach 1944 eine ganze Siedlungsgruppe — nämlich die Sathmarer Schwaben — mit einer Seelenzahl von 40.000 durch Madjarisierung ihrem Volkstum verloren. Noch gelegentlich der rumänischen Volkszählung im Jahre 1948 bekannte sich unter dem Druck der Umstände fast die Hälfte der Banater Schwaben zu dem „ideologisch“ besser angeschriebenen Madjarentum. Grotesk, dass sich diese Madjarisierung unter der Ägide der rumänischen Volksrepublik vollzogen hat.

Schon im Januar 1945 wurde ein beträchtlicher Teil der Altersklassen, 18 bis 45 des Deutschtums für ungefähr 5 Jahre zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert. Die frühesten Enteignungen des bäuerlichen und industriellen Besitzes bezogen sich 1945 ausschließlich auf die Deutschen Rumäniens, mit deren alleiniger „Sozialisierung“ es in den folgenden Jahren allerdings nicht sein Bewenden hatte. Bis auf ein Zwergbauerntum -darf man heute die 17-Millionen-Bevölkerung Rumäniens als besitzlos bezeichnen.

Der kommunistische „Klassenkampf“ wirkte sich besonders nachteilig gegen das deutschsprachige Bauern- und Handwerkertum aus, das wegen seiner verhältnismäßigen Wohlhabenheit, sozial als „Bourgeoisie“ und „Kulakentum“ liquidiert worden ist. Deshalb betrafen auch die Deportierungen aller, arbeitsunfähiger und „klassenfeindlicher“ Elemente aus Industrie- und Rüstungszentren, zwischen 1951 und 1953 deutschsprachige Bewohner in verstärktem Maß. Aus den rumänischen Grenzbezirken des Banates wurden neben Rumänen und Serben mindestens 35.000 Banater Schwaben in die Baragan -Steppe ausgesiedelt.

Am folgenschwersten sollte sich das Verbot zur Rückkehr in die Heimat für etwa 50 .000 ehemalige Angehörige der deutschen Wehrmacht auswirken. Die Zerreißung und Verelendung der deutschsprachigen Familien, in Rumänien wurde ferner durch eine irrtümliche sowjetische Verwaltungsmaßnahme gefördert: Ein Teil der aus. der UdSSR entlassenen Zwangsarbeiter (Männer und Frauen) wurde nicht in die Heimat, sondern nach Frankfurt/Oder entlassen. Sie dürfen aus Deutschland und zum Teil aus Osterreich, wohin sie inzwischen gelangten, nicht zu ihren Familienangehörigen in die Heimat zurückkehren.

1930 zählte das Deutschtum Rumäniens über 800.000 Seelen. Nach Umsiedlung der Deutschen aus Bessarabien, dem Buchenland und zum Teil Altrumänien ergibt sich folgendes Bild:

Banater Schwaben 1939 rund 350 000
heutige Schätzzahl rund 250 000

Siebenbürger Sachsen 1939 rund 240 000
heutige Schätzzahl rund 190.000

Die Frage, wie es zu diesen Verlusten kommen konnte, kann zum Teil, wie folgt beantwortet werden:

Einberufen zur deutschen Wehrmacht ab Juli 1943;

Banaler Schwaben 29.587
Siebenbürger Sachsen 18.040

Deportiert nach der Sowjetunion Januar 1945:
Banaler Schwaben 73.858
Siebenbürger Sachsen 23.904

[ Historiker Dr Michael Kroner schreibt 1994 in der Broschüre Flucht - Deportation - Enteignung - Entrechtung: "Über die Zahlen der deportierten Rumäniendeutschen gibt es keine genauen Angaben. Es wird gewöhnlich die Zahl 75.000 genannt. Nach Erhebung der Evangelischen Landeskirche wurden aus Siebenbürgen 26.000 Sachsen, darunter 60 Prozent Frauen verschleppt."]

Es ist zu beachten, dass bis zuletzt ein Teil der wehrfähigen Deutschen Rumäniens in der rumänischen Armee gedient hat. Die Todesfälle unter den Kriegsgefangenen und den Deportierten waren beträchtlich. Von den 1944 aus Nordsiebenbürgen durch die deutsche Wehrmacht evakuierten 21.000 Siebenbürger Sachsen kehrten rund 12.000 wieder in die Heimat zurück. Während der Kampfhandlungen wurden ebenso über 8.000 Banater Schwaben nach dem Westen evakuiert. Auch gruppenweise gelangte immer wieder eine größere Anzahl der Deutschen zum Arbeitseinsatz außerhalb der Siedlungsgebiete. Insgesamt beträgt die heutige Schätzzahl des Deutschtums in Rumänien etwas über 430.000 Seelen, ist also fast auf die Hälfte zurück gegangen.

Das Deutschtum Rumäniens unter dem Sowjetstern ist heute, nicht nur in seinem biologischen Bestand, ernstlich bedroht. Die Zusammenballung gemischt nationaler Arbeitermassen in den neuen Industriekombinaten, die Errichtung bewusst übernationaler landwirtschaftlicher Kollektive die übernationalen Kultur- und Jugendgruppen leisten einer Entnationalisierung unablässig Vorschub. „Kultur-folkloristisch“ gesehen betreibt heute das volksdemokratische Regime eine „Internationalisierung“ sämtlicher Nationalitäten Rumäniens, wobei die Zubilligung der Muttersprache in dem verstaatlichten, wiedererrichteten Schulwesen als Mittel der nationalen „Eunuchisierung“ dient.

Abschließend bliebe also festzustellen, dass Rumäniens Deutschtum nach furchtbaren Prüfungen der Nachkriegszeit — vor allem dank hervorragender Arbeitsleistung — mit den übrigen Nationalitäten „gleichgestellt“ wurde und sich in einem gemeinsamen, harten Schicksal bewährt. Die kulturellen Beziehungen zum Muttervolk, auch in der Sowjetzone, wurden so gut wie völlig unterbrochen.

0, L,



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