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Schwein gehabt
Sylvester 1950






Schwein gehabt
Sylvester 1950 stand vor der Tür.
Ein richtiger dreizehnjähriger Junge muss es doch an diesem Tag krachen lassen.


„Otata, Alleswisser und Alleskönner, du kannst mir bestimmt helfen.“
Und Ota zeigte mir, wie man ein Ding zum Knallen baut.



Man nehme einen Schrankschlüssel mit Loch. Dazu suche man einen Nagel mit ungefähr dem gleichen Durchmesser wie das Loch des Schlüssels, so dass dieser hineinpasst. Man schneide die Spitze des Nagels ab. Dann fixiere man beide jeweils an eines der Enden einer Schnur.

In das Loch des Schlüssels stopfe man fünf abgeschabte Zündholzköpfe und führe den stumpfen Nagel hinein. Man fasse die Schnur und schleudere Schlüssel samt dem drinsteckenden Nagel, an der Schnur haltend, mit dem Nagel voran gegen die Wand.



Erklärt – getan. Toll so eine Detonation!

Ja, und dann von Knall zu Knall steigerten wir die Ladung mit immer mehr Zündholzköpfen, bis uns eines schönen Tages der Schlüssel barst. Wir fanden alles toll. Aber wir hatten nun keinen Schlüssel mehr.

Mein Freund Hans Gustav Morawetz, Butzi genannt, bestellte bei seinem Vater ein ordentlich großes Stück – einen Stahlzylinder, der den herkömmlichen Schlüssel ersetzen sollte, dazu den passenden Stahlstift. Sein Vater fertigte alles „auf Bestellung“ an der Drehbank an. Man konnte den Daumen in das Loch stecken, so groß und so tief war es.

„Ja, dieses Stück wird bestimmt nicht platzen“, hofften wir. Anstatt der alten Schnur, verband ein dicker Draht die beiden sich ergänzenden „Instrumente“.

Es knallte höllisch. Wir steigerten die Ladung, und unser Spaß an den Entladungen steigerte sich ebenfalls.

Und dann kam Sylvester. Vereinzelt sah man Leuchtraketen am Abendhimmel und hörte manchmal einen Schuss. Damals konnte man kein Feuerwerk kaufen. Nur Militärangehörige schossen einige Raketen mit Raketenpistolen ab.

Butzi füllte sein Gerät aufs Maximum. Jetzt oder nie!

Wir Kinder, die wir zusahen, gingen in Deckung. Und Butzi schlug den Stift samt Zylinder mit aller Gewalt an die Wand. – So einen Donner kannten wir nur aus Kriegszeiten.

Gleich darauf noch ein dumpfer Knall, auf der gegenüberliegenden Seite der Langgasse.

Was war geschehen? –

Die Explosion war so heftig gewesen, dass das „Geschütz“ aus Butzis Händen entglitten und im Bogen über die Straße ungefähr 24 Meter (Wurde Januar 2009 Nachgemessen) weit geflogen war.

Mein Freund hatte Schwein gehabt. Hätte er dieses improvisierte Spielzeug unvorsichtiger gehandhabt, wären ihm wahrscheinlich einige Finger buchstäblich „abhanden gekommen“.

Die Folgen eines mutwilligen Handelns werden oft unterschätzt.