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Blasi, Kinderfest in Pretai



Blasi, Kinderfest in Pretai

Am 3. Februar am Blasiustag, großes Kinderfest, der deutschen Bevölkerung in vielen siebenbürgisch sächsischen Dörfern.

Nach dem Krieg wurde es ab 1949 bis 1990 wieder jährlich in mehreren Dörfer abgehalten.



Pretai,

erste urkundliche Erwähnung 1282



1941 Einwohnerzahl 1699, davon 702 Deutsche.

2007 waren noch 7 Siebenbürger Sachsen hier heimisch.


In der Gemeinde Pretai (rum. Brateu) neben Mediasch war es die Lehrerfamilie Moyrer, die 1960 ins Dorf kam und das Kinderblasifest wieder zum Leben erweckte.

1984 siedelte Fam. Moyrer aus. Die Kindergärtnerinnen Petra und Christina Schuster mit den Lehrerinnen Rosemarie Türk und Edith Eichner übernahmen mit der Nachbarschaft in den folgenden Jahren die Weiterführung dieses Brauches.

Gemeinsam mit den Nachbarschaften veranstalteten die Lehrkräfte das Blasifest bis 1990, als die ganze deutsche Dorfgemeinschaft Rumänien verließ.

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1982 benützte ich 3 Tage von den wenigen die mir bis zur Aussiedlung verbliebenen und bat bei der Pfarrerfamilie Georg Türk um Unterkunft, die mich freundlich aufnahm.

Da im Burzenland dieser Brauch unbekannt war, ließ ich mir von der Kindergärtnerin Frau Pauline Moyrer folgendes berichten:



In Pretai gab es 6 Nachbarschaften, die reihum die Vorbereitungen für das Fest machen.



Dazu gehörte: Einholen der Genehmigung zum Abhalten des Festes, Bestellung der Musik, Einsammeln des Brennholzes für den Saal und das Ausschmücken des Saales.

Die Frauen richteten die Trachtenkleider für die Kinder her und backten viele Krapfen.



Die Lehrer wurden eingeladen und gebeten den Aufmarsch vorzubereiten.
Von li: Rosemarie Türk, Edith Eichner, Petra Schuster.







Im ersten Jahr waren nur wenige Kinder in Tracht, aber in den darauffolgenden Jahren waren alle eingekleidet.





Auch Bidderstöckelchen, (gebraucht beim Einladen zur Hochzeit ) wurden in Pretai von den Schülern der 8. Klasse, die das letzte Mal beim Blasi mitmachten, beim Aufmarsch getragen.



Der Sohn und die Tochter des rumänischen Dorfpolizisten (vorne rechts) waren auch dabei.



Nach dem Aufmarsch folgten Volkstänze der größeren Kinder.



Danach der Tanz aller Kinder.





Ein Lebkuchenhäuschen wurde verlost.

Zu Beginn der Veranstaltung hielt Lehrer Hans Moyrer eine Ansprache:



Auf allen Ebenen des Zusammenlebens, ist der Mensch in Familie, Arbeit, Beruf und Gesellschaft auf andere angewiesen.

Sitten, Bräuche, Feste und Feiern entspringen Urbedürfnissen des Menschen. Daher sind sie unverlierbarer Ausdruck sozial kulturellen Lebens jeder menschlichen Gemeinschaft.

Ansatz und Anlass der Bräuche sind die Übergänge, die sich immer wieder im Jahreslauf und auch im Lebenslauf einstellen und die durch symbolhafte Handlungen schaubar bzw. hörbar gemacht werden.



Dann ist das aber so, dass die Volksbräuche von wirtschaftlichen Entwicklungen bestimmt werden, die nicht nur ihren Rhythmus sondern auch ihre Formen und Inhalte beeinflussen.



Wohl sind die Tage anders jetzt gestaltet
Und jene sel’gen Träume sind verblüht
Doch ihres Nachklangs süßer Zauber
Waltet lebendig fort im fröhlichen Gemüt.
Und der gewohnte alte Drang entfaltet
Erinnerungen, in der Sitten Lied.



In allen Bereichen des menschlichen Zusammenlebens sind wir auf andere angewiesen, das gilt für das Kleinkind, für den Heranwachsenden in der Zeit seiner Ausbildung und das gilt erst recht für jeden, der im Berufsleben steht.

Auch der alte Mensch bleibt bis zuletzt von andern abhängig. Das kommt uns gerade auch in diesen Februartagen deutlich zum Bewusstsein.

Ein still Behagen durchwebt den Raum
Halb ist’s ein Wachen und halb ein Traum.
O, Bauernstube in Wintersruh’
Wo ist ein sel’ger Heim als du.



Wir denken da auch an unser aller Blasi, das Kinderfest des Jahres, der seit jeher in unsern Dörfern als ein besonderer Termin festlich begangen wird.



Lieder begrüßen den kommenden Frühling.



Tanz und Spiel gestalten immer wieder auch unseren Blasi.
(im Bild: Birke Radler und Heidrun Leutschaft)

Man erlebt Gemeinschaft und fühlt sich als einzelner diesem Feste zugehörig.



Wir wissen, dass dieser Tag nicht zufällig auch für uns Erwachsene zum Symbol der Gemeinschaft wurde, Sinnbild des gemeinsamen Einsatzes für ein schöneres, besseres, freieres Leben unserer Liebsten.



So höret nun der Hymne Klang:
Sie gab uns Stolz und Kraft in allen Zeiten,
sie ist des Volkes mächtiger Gesang
sie will auch heute uns begleiten
im Brauchtum unserer Väter Werdegang.



Und was schrieb Maximilian Moltke 1846 in Berlin für die Siebenbürger?

Siebenbürgen süße Heimat
unser teures Vaterland
sei gegrüßt in deiner Schöne
Und um alle deine Söhne
Schlinge sich der Eintracht Band.

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Leider umschlang das Eintrachtsband im letzten Jahrhundert nicht alle Völker Siebenbürgens. So musste die deutsche Minderheit schwere Schicksalsschläge erdulden, bis sie die Möglichkeit hatte, schweren Herzens ihre über 850jährige Heimat zu verlassen und in ihre Urheimat auszusiedeln.


Meinen Dia-Vortrag mit Originalton vor Ort habe ich auf DVD gebrannt.

Er ist ein einmaliges Zeitdokument 850jähriger auslandsdeutscher Kultur,
die im Auflösen begriffen ist.


Informationen bei

   E-Mail: Wilhelm.roth@gmx.de

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