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Nobelpreisträgerin 2009
Herta Müller

Am 10. Dezember2009 erhält Herta Müller Die gebürtige Rumänien-Deutsche den Nobelpreis.

Mein Buch Zwangsarbeit in Rumänien 1950-1961 ist eine Fortsetzung der in ihrem Buch „Atemschaukel“ beschriebenen Zeit, in form von „Oral History“, in dem 30 Zeitzeugen zu Wort kommen.

Das Probeexemplar erhielt ich heute den 9. Oktober 2009.
Die Bücher, mit 240 Seiten, werden in der kommenden Woche gedruckt.



Interessenten können sich bei mir wilhelm.roth@gmx.de melden.

Sponsoren sind willkommen.

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Zu meinem Buch.

Nach dem Erscheinen meines Artikels Zwangsarbeit in Rumänien in der Siebenbürgischen Zeitung am 15. März 2009 wurde ich von mehreren Betroffenen angerufen, andere haben mich angeschrieben und mir von ihren Erlebnissen aus der Zeit berichtet.

Die Wellen haben hoch geschlagen.

Dies hat mich veranlasst, einen Aufruf zu starten, in dem ich kund tat, ein „oral history – Projekt“ zu erstellen. Mit Erlaubnis der Anrufer nahm ich unsere Gespräche auf Kassetten auf. Andere schrieben mir ihre Erlebnisse. Hier sind sie veröffentlicht.

Man muss bedenken, dass diese Menschen heute, 2009, zwischen 70 und 83 Jahre alt sind. Es ist erstaunlich, dass manche Einiges auf den Tag genau aus dem Stegreif erzählten. Andere haben altersbedingte Probleme.

In Rumänien dominieren drei große deutsche Sprachgruppen, die sich aus den unterschiedlichen Einwanderungszeiten und Herkunftsgebieten (Sachsen 12. Jahrhundert, Banater Schwaben 18. Jahrhundert, Zipser 19. Jahrhundert) des deutschen Sprachraums herauskristallisiert haben. Dazu kommt auch das lokale Kolorit.

Die Dialekte sind bis zum Fall des Eisernen Vorhangs, als über 90 % aller Rumäniendeutschen das Land verlassen haben, überwiegend im Gebrauch gewesen. Im neuen Umfeld werden sie von der dritten Generation selten übernommen.

Nun hatte ich hier die Aussagen von Betroffenen und stellte dabei fest, dass sie auch ein Sprachzeugnis sind. Ihrer in Rumänien gesprochenen Mundart und dem in der Schule gelernten Hochdeutschen hat sich der Sprachgebrauch des neuen Umfeldes hinzugesellt. Dies ist der Grund, warum ich das gesprochene Wort und die Briefe hier in der Originalform veröffentlicht habe. Interessenten möchte ich hiermit auch einen Einblick in den heutigen Sprachgebrauch dieser Menschen vermitteln. Zum Verständnis der Zeugensaussagen musste ich nur hie und da kleine Korrekturen vornehmen.

Der rumänische Staat hat seinen Städtebau, seinen Bergbau, seine Eisenbahn, die Staudämme der Hydrozentralen, Kanalbauten, landwirtschaftliche Einsätze usw. durch die Schaffung der DRDM (Detasamente Regionale de Munca, = Regionale Direktionen der Arbeitseinheiten) ausgebaut. Dabei wurde der größte Menscheneinsatz durch schwere körperliche Arbeiten mit der Schaufel in der Hand durch Zwangsarbeiter durchgeführt. Bei Nichterfüllung der Norm konnte man mit körperlichen Strafen oder Versetzung in Strafbataillone rechnen. Diese Arbeitseinheiten wurden fünf Jahre nach Kriegsende aufgestellt und nach zehn Jahren abgeschafft.
Interessant zu vermerken ist auch, dass kaum jemand unsererseits damals von Zwangsarbeit sprach. Die Indoktrinierung, die Hirnwäsche durch ständige politische Berieselung, die Verdrehung der Tatsachen, die Lebensumstände der damaligen Zeit haben diese Erkenntnisse nicht aufkommen lassen. Wir meinten, wir absolvierten unsere Militärzeit bei den Arbeitseinheiten.
Die ständige politische Bildung (Berieselung) wirkt bei einigen bis heute. Sie gestehen sich nicht ein, Zwangsarbeit geleistet zu haben. Das sind aber meist solche, die ihren Beruf ausgeübt und nicht strafweise gezwungen wurden, schwere körperliche Arbeit zu leisten.
Manche meinen, wenn man von Zwangsarbeitern spricht, verstehe man darunter KZ–Insassen und Vernichtungslager. Dies ist aber eine vielschichtigere Angelegenheit.

Arbeitslager, aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:
Arbeitslager sind Stätten, an denen Menschen zur Zwangsarbeit festgehalten werden. Einweisung in ein Arbeitslager kann aus verschiedenen Gründen erfolgen und ist auf der einen Seite als Strafe für kriminelle Handlungen, aber auch unerwünschte politische oder religiöse Betätigungen gedacht, bedient aber auf anderer Seite gleichzeitig immer auch das wirtschaftliche Interesse des Einweisenden an der Ausbeutung der Arbeitskraft des Eingewiesenen. Arbeitslager hat es in verschiedener Ausprägung in der Geschichte immer wieder gegeben. http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitslager

Als ich 1958 in eine Arbeitseinheit eingezogen wurde, war ich nicht in der Verfassung, diese schwere körperliche Arbeit, sechs bis acht Kubikmeter Erde pro Tag, zu schaufeln. Ich war damals Uhrmacher von Beruf und hatte zehn Kilogramm Untergewicht. So habe ich jede Gelegenheit ergriffen, um von der schweren körperlichen „Schaufel“-Arbeit wegzukommen, was bei der großen Zahl, mehrere Tausende bei der Schaufel, nicht einfach war. Nach mehreren Versetzungen bin ich zuletzt beim Kommandament über das ganze Banat in Temesvar gelandet, dem 1960 über 15.000 DGSM-Angehörige unterstellt waren. Dadurch hat sich mein Kenntnisstand über die DGSM erweitert.

Dass wir Strafbataillonen angehörten, ist auch daraus ersichtlich, dass Angehörige des regulären Militärs strafhalber in unsere Arbeitseinheiten versetzt wurden.

Besonders hart betroffen waren die rumäniendeutschen Jugendlichen, die im Frühjahr 1944 mit den arbeitsfähigen Deutschen in die Sowjetunion in Kohlebergwerke zur Zwangsarbeit deportiert wurden. Von den Deportierten ruhen 14 % in ukrainischer Erde. Kaum heimgekehrt, wurden sie für weitere drei Jahre Zwangsarbeit verpflichtet.

Das Ganze war eine perfide eingefädelte Zwangsarbeit.

Offiziell galt sie als obligater Wehrdienst, dem man sich nicht entziehen konnte. Nach Beendigung der Quasi-„Dienstjahre“ stand im Wehrdienstausweis bei Waffengattung: „unausgebildeter Soldat“ und bei Nationalität „Deutscher“.

Ich bin heute froh, dieses erfasste Material der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, da wir Betroffenen bald nicht mehr befragt werden können. Es ist ein Acker, der bis jetzt so nicht beackert wurde.

Gemeldet haben sich mehrheitlich Betroffene, denen es gelungen ist, von schwerer körperlicher Arbeit wegzukommen.

Kultur ist Politik. Fast alle Aussagen heben das Singen deutscher Lieder hervor. Geknechtet, geschunden, sangen wir sie stolz, aus voller Brust, wenn man es uns nicht verbot.

Unsere persönliche Schuld war, als Deutsche geboren worden zu sein.

Diese Zwangsarbeitsjahre wurden nach Prozessen in den 80er Jahren von den deutschen Rentenkassen anerkannt.

In Rumänien erfolgte die Gleichstellung der Betroffenen mit politischen Inhaftierten durch ein Dekret im Jahre 2002 und sie bekommen für diese Zeit eine Zusatzrente.

Parallel zu der DGSM gab es auch die MAI Constructii, MFA Constructii mit Unterabteilungen, in denen die Soldaten nach einer kurzen militärischen Ausbildung Kasernen, Unterstände, Bahntrassen, Brücken, Tunnels und andere militärische Objekte ohne Bezahlung bauten.

Obwohl als Klassenfeinde eingestuft, wurden auch viele militärische Objekte von DGSM-Leuten ausgeführt. Manchmal versteht man die Welt nicht mehr.

Dieses Ausnützen der Arbeitskraft seiner Bürger durch den Staat hat nach der Auflösung der DRDM-Arbeitseinheiten 1961, in den anderen Militäreinheiten bis zum Sturz des Regimes angehalten.

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Einblick in zwei Zeitzeugenaussagen.

David Georg
Telefonaussage.
Geb. 1926 in Kaisd. Schäßburg, Bukarest, Chitila.
UDSSR Cischlovka.
DGSM Gotera, Hunedoara.



Zehn Jahre meines Lebens war ich schuldlos ein unfreier Mensch.

Ich war drei Monate zu jung, als die Männer Rumäniens in die deutsche Wehrmacht einberufen wurden. Und dann mussten wir 1943 in Schäßburg/Siebenbürgen sieben Monate die Fliegerbeobachtungsschule als Premilitar machen.

Als die Amerikaner Bukarest bombardiert haben, war ich im Posten. Die Flieger sind ja so tief geflogen, über unseren Posten dass wir sie mit dem MG hätten herunter holen können, aber die hätten eine Bombe geworfen, dann wäre alles weg gewesen. Wir durften ja auch nicht. Wir mussten nur weiter sagen, also welche Richtung sie fliegen.

Und dann im 44er habe ich acht Monate gemacht. Bis zum 23. August, da waren wir in diesem Fliegerbeobachtungsposten. Und dann nach dem 23. haben sie uns nach Bukarest auf Arbeit genommen. Da waren wir drei Monate dort, in Chitila. Wir mussten auf alle Bahnhöfe gehen bis zum Nordbahnhof, die hatten die Amerikaner ja alle gebombt und da mussten wir dann arbeiten. Wir waren auch ein wenig schlau, bis dass sie den Appell haben gemacht, waren wir dort, dann gingen wir in die Stadt, wir halfen den Zivilleuten die Häuser sauber machen, was bombardiert waren. Haben auch ein wenig Geld verdient.

Wir waren nicht in Uniform, sondern in unseren Sachen. Kommandiert wurden wir von Offizieren. Wir sind mal durchgebrannt, wir waren ja über 18.000 in den Baracken dort in Chitila und es war auch ein deutscher Offizier dort im rumänischen Militär. Ein Schwab war er. Na dann sind wir einmal durchgebrannt, viele sind ja durchgebrannt, nach Hause.

Und dann ist die Polizei gekommen, Gendarm wie man sie damals hat geheißen: „na, wollt ihr, ich soll euch von Posten zu Posten nach Bukarest schaffen, oder ihr fahrt alleine zurück?“ na, dann haben wir gesagt: „wir fahren alleine zurück.“ Mein Vater war damals auch gerade im Urlaub, er war ja auch beim Militär, im rumänischen Militär. Er war ja 44 damals und hatte den Deutschen gedolmetscht. Er war bei Odessa im rumänischen Militär. Danach beim 13. Infanterieregiment in Caracal. Wir sind dann zurückgefahren nach Bukarest und wie wir uns gemeldet haben, war da der Plutonier Major, (Oberstleutnant) so hat der damals geheißen, er hatte einen dicken Bauch: „ah futa muma în cur, (Fick die Mutter in den Arsch) habt ihr nicht zu fressen gehabt zu Hause, kommts her wieder?“ Ach dann hat es uns leid getan. Aber wir sind dann noch geblieben bis Christ-Samstag Abend.

1944 war Weihnachten Sonntag. Wir waren nur noch 80 Mann geblieben dort, und dann haben sie uns in das Chitila-Regiment einquartiert. Und dann ist der Offizier gekommen: „Ihr werdet alle in die Curtea Martiala (Militärgericht) gesteckt, wenn ihr durchgeht.“ Aber ich hatte mit dem Posten dort gesprochen. „Schau wenn du mich siehst, dann gehst du,“ die Mauern waren ja auch bombardiert dort, „nach rückwärts, ich tu dir dort auf die Mauer so viel und so viel.“ No der war ja froh! Der war ja in Militäranzug und wir nicht und dann als der Offizier um zehne weg ist gegangen da hab ich meinen kleinen Koffer den ich hatte, ich hatte auch manches weggeworfen, nur es sollte wenig sein, rausgezogen unterm Bett. Ich geh. „Du, hast du nicht gehört?“ „Was den andern 18.000 passiert, passiert auch mir,“ hab ich gesagt. Na da hat der Freund gesagt: „du ich komm auch“. Na, dann kam auch der dritte und dann sind wir gegangen. Dann kamen wir auf den Bahnhof, da war die Bahn schon weg. Na dann haben wir gewartet bis ein Uhr und etwas, da kam noch einer, der war so voll, ich bin auf die letzte Treppe und an der Stange habe ich mich festgehalten, bis Ploiesti. Hier gingen wir am Bahnhof hin und her, nichts war. Und dann war ein Lastzug und sind wir zu dem gegangen. „Wir geben dir soviel....,“ wir hatten ja ein wenig Geld verdient dort, wie wir den Leuten den Schutt gefegt haben. „Geht’s vorbei, wir fahren in 15 Minuten ab und dann springt auf.“ No und dann sind wir aufgesprungen. Aber es waren noch 7 Leute gekommen, auch durchgebrannt und dann sind wir den ersten Weihnachtstag den ganzen Tag gefahren. Wie er dann wieder gehalten dann sind wir an den Lokomotivkessel gekommen und haben uns gewärmt, es war ja furchtbar kalt im Prahovatal, das Eis hat gekracht. Am 2. Weihnachtstag, nachts um 1 Uhr waren wir auf Predeal. Und dort wollten wir in den Wartesaal gehen, aber da war eine Patrouille und die hätte uns geschnappt. Da sind wir nicht reingegangen. Und dann kam ein Lokomotiv’, der sollte runter fahren nach Kronstadt. No, er hat uns mitgenommen, aber was hat es gedauert! Er fuhr bis in die Hälfte, dann musste er die Züge herauf helfen fahren und dann kam er wieder und wieder herunter und wieder herauf und in der Früh um achte den 2. Weihnachtstag waren wir in Kronstadt. Da war auch wieder nichts, nur ein russischer Lastzug. Dann sind wir in ein Bremserhäuschen eingestiegen und da war alles Munition und wir sind gekommen bis Reps. Nachmittag um fünfe waren wir in Reps. Aber jetzt konnten wir vor Kälte auch nicht mehr. Wir hatten uns ja die Decken um die Füße gewickelt, jeder hatte ja selber eine Decke, so war das damals. Wir mussten ja eine Decke mitnehmen. Da sind wir ausgestiegen, nur auf einmal kam der russische Posten , murmelte etwas und sagte „dieti, dieti“ das heißt Kinder, Kinder. Aber dann hat er uns zu sich in das Bremserhäuschen genommen, das war ein wenig größer, er hatte auch einen Heizkörper. Ich weiß nicht mehr wie der ausgeschaut hat, aber er hat Wärme erzeugt. Und dann sind wir in Arken! Sind wir dann abgesprungen, das war so um 10 abends, jedenfalls sind wir durch den Wald gegangen noch drei km bis zu meinem Elternhaus. Und dann standen wir an der Tür, getrauten uns nicht weiter in das Zimmer. Jeder hat einen Schnaps bekommen, Hanklich und was Gebäck und na, die anderen sind weitergezogen. Ich bin an der Tür gestanden, bis das meine Eltern heißes Wasser gemacht haben, dann hab ich mich rasiert und gewaschen, wir waren ja voll Läuse.Da waren Ungarn gewesen, da waren Russen gewesen, da waren Deutsche gewesen und allerhand dort. Wir sind an die Jalomita gegangen Sonntag und haben die Hemden ausgezogen und dann die andern Kleider auf uns genommen und haben die Läuse geknackt. Wenn wir unter den Arm haben gegriffen, dann haben wir wenigstens drei Stück, wenn nicht fünf oder sechs in der Hand gehabt. Dann hab ich gebadet, mich frisch angezogen, die Kleider alle weg in den Backofen.

Die was noch dort geblieben sind, auch grade zwei Landsleute, die haben sie von dort genommen und haben sie nach Russland geschafft. Und dann am 14. Januar haben sie alle ausgehoben und in die Schule gebracht, auch im Saal bei uns in Keisd und haben ja auch von den Nachbardörfern gebracht und von Klosdorf und Deutsch-Kreuz. Aber ich hab mich versteckt, meinen Vater haben sie genommen, aber mich wussten sie nicht, dass ich zu Hause war. Und dann am 19. Januar, wir haben den Brunnen auf der Gasse, da bedienen sich alle Leute und meine Schwester geht außen um Wasser und da war die Hoftür nicht abgeschlossen, nur auf einmal kommt der Zigeuner: „du bist zu Hause?“ „ Ja, ich bin jetzt gekommen von Bukarest.“ Na, am andern Morgen war ein Russe, zwei Gendarmen und drei Zigeuner mit Axt und Mistgabel und haben das Haus umzingelt. Da bin ich rausgekommen, sonst hätten sie meine Mutter genommen, sie hatte ja noch zwei kleine Kinder, (10 und 7 Jahre alt) Dann haben sie uns in der Schule bei uns gehalten bis am 24. und von Denndorf, Appold, Schaas, noch ein paar gebracht. Von Klosdorf waren sechse, von Deutschkreuz waren zwei, wir waren so ein zusammengebrachtes Lager. Am 24. haben sie uns nach Schäßburg in die Bergschule gebracht. Am 25. in die Waggons eingeladen und am 26. in der Früh um fünf sind wir bei uns vorbeigefahren, nach Russland. Am 12. Februar kamen wir an, nach Russland neben Stalino nach Tschischlovka in die Kohlengrube. Und da hab ich so sieben Monate in einem Schacht in einem Bergwerk gearbeitet. Oben war ein See, zweimal so groß wie der Kuhsee (in Augsburg) und unten mussten wir arbeiten. Von oben hat’s geregnet, von unten ist das Wasser geflossen, aber bis zuletzt haben sie dann doch aufgegeben dort. Die Pumpen haben nicht mehr das Wasser auspumpen können. Von dort sind wir in eine andere Kohlengrube und dort habe ich dann fünf Jahre gearbeitet.

Die höchste Kohlenschichte war 80cm hoch, wie wenn man untern Tisch kriecht. Immer nur auf den Ellenbogen und Knien gerobbt. Und dann hab ich Furunkel an den Armen bekommen, nur wenn man Fieber hatte war man krank und dann hab ich den Natschalnik um andre Arbeit gebeten. Na ich soll zum Plotnik gehen, ich soll dem helfen. Diesem sein Sägeblatt ging wie wenn ein Ochse im Gehen pinkelt. Links und rechts und links und rechts. Da hab ich gesagt: „hat er eine Feile?“ „Ja“. Dann hat er mir eine Feile gebracht und ich hab das Blatt herausgenommen und das eine wenig auseinander geschrägt mit dem Hammer und hab dann das auch gefeilt von einer Seit und von der andern Seit, das war ja nicht mehr gefeilt worden, wer weiß wann. Und dann hab ich ein Stamm Holz gelegt und eine Schwart abgesägt und hab das umgedreht und hab das gesägt. Und dann ist der gegangen zum Natschalnik und da kam der Natschalnik: was ich gemacht hätte? Und da haben wir einen ganzen Tag solche Bretter gesägt und die haben sie alle auf die Seit geschiebt und nach Hause gefahren.

Wir waren ein Lager von 1800 Leuten und dann hat man 400 Leute in eine andre Ortschaft getan, da 400 dort gestorben waren. Ein Bekannter von Kreisch – den hat kein einziges Steinchen getroffen, um ihn herum waren alle Steine gefallen von oben, es war ja gefährlich dort in der Kohlengrube. Na, wenn man die Kohlen raus hatte, dann musste man immer, das haben die Mädels gemacht und die Frauen, ausfüllen mit Steinen. Wir haben gearbeitet und immer mit ihm gesprochen „Geduld ein wenig, wir sind gleich an Dir“ und als einer ihm die Hand reichte, hat sein Herz versagt und er war tot. Der Offizier wollte nicht einmal lassen wir sollen ihn anziehen. Wir haben seine Kleider gestohlen und haben ihn am Grab angezogen. Wir konnten das Grab nicht einmal ein Meter tief machen, es waren -38 Grad Kälte. Wir haben ihm ein Handtuch über die Augen getan so dass nicht gerade die Erde und der Schnee auf ihn gefallen ist. Wir sind noch nicht einmal weggekommen von dort, so sind die Viecher schon über ihn hergefallen.

Am 26. November 1949 bin ich heimgekommen.

Da war ich vom November bis 5. Juli zu Hause. Dann haben sie mich zu den Arbeitsdetaschamente genommen. Drei Jahre auf Arbeitsmilitär gemacht.

Zuerst hab ich ein Jahr auf einer Baustelle als Zimmermann gearbeitet, ich hab bei meinem Vater ein wenig gelernt Schreiner. Die Halle in Gotera hab ich aufgebaut. Das war in Hunedoara. Es waren vier kleine österreichische Hochöfen dort. Dann haben sie die abgerissen und haben drei andere gebaut, einen von 2.500 und einen 1.800 und so. Die Halle was ich dort habe gebaut, gut es war ein Ingenieur, Marinescu hat er geheißen von dem hab ich vieles gelernt....... ...............................(mehr im Buch).....................


Otto Christel

Telefonaussage.
Geb. 1928 in Zeiden.
DGSM 1950, 1952-1954.
Kronstadt, Hermannstadt, Bradet,
Macin, Turcoaia, Kogalniceanu.

Ich wurde im September 1945 ins Lager genommen, zuerst in die Tränengrube in Kronstadt, da haben wir Straßen gekehrt in Kronstadt, zwei Wochen.

Danach wurden wir einwaggoniert und nach Hermannstadt gefahren und von Hermannstadt nach Bradet bei Persani. Früher waren die gefangenen Russen drin und die Juden und nachher waren wir drin. Die von dem Deutschen Militär zurückgekommen sind und mein Jahrgang 1928.

Da ist ein Tunnel, da haben wir in dem Tunnel arbeiten müssen. Die Baracke war verwanzt, da haben wir auch die Krätze bekommen, weil wir uns nicht waschen konnten. Zu Essen war auch wenig. Zum Glück haben unsere Mütter Päckchen mitgebracht oder geschickt. So haben wir überlebt. Das ging dann bis im Frühjahr, da bin ich aus dem Lager ausgerissen und hab mich versteckt, beim Dr. Stephani, Marienburg/Brenndorf, der hat ein Gut dort gehabt. Da bin ich dort untergetaucht, hab auf der Landwirtschaft gearbeitet. 1948 wurde dann enthoben die Verfolgung der Sachsen, die heimgekommen sind vom deutschen Militär und untergetaucht waren. Da bin ich heimgekommen vom Stephani nach Zeiden, wo meine Mutter noch lebte und hab gearbeitet bei der Gemeinde. Die haben Landwirtschaft gehabt, es war noch keine Kollektiv, sondern Landwirtschaft. Ich war ein Bauernjunge, kein Beruf und so, aber das wurde mir dann zu langweilig, bis 1950 hab ich dort gearbeitet, dann bin ich zur DGSM einberufen worden. Und dann hab ich eine gute Verbindung gehabt, der Notar von Zeiden Modval, der hat mich nach 6 Monaten frei gemacht und bin wieder zu ihm gegangen, also in die Stadt auf die Landwirtschaft, hab dort weiter geschafft. Dann bin ich in die Industrie gegangen. Ich wurde Metzger in Kronstadt am Schlachthof. Da hab ich gearbeitet eine Zeit lang und dann bekam ich 1952 wieder die Einberufung zur DGSM und wurde dann an den Kanal geschickt.[Donau-Schwarzes Meer-Kanal] Am Kanal habe ich mit Pickel, Schaufel und Schubkarren gegraben. Harte Arbeit. Da waren nur Sträflinge, und die Chiaburs [Reiche Bauern] und überwiegend Deutsche.

Und da hab ich zweieinhalb Monate gearbeitet und wurde wieder versetzt nach Macin. Da war damals eine Steinmühle, die hat Steine gemahlen, in einer gewissen Größe und da war so ein Staub, ich hab nur noch durch den Mund geatmet, die Nase war voller Staub, wie zementiert, nicht nur ich, alle die dort gearbeitet haben, es waren alles Deutsche. Da haben wir jeden Abend die Nase ins Wasser gesteckt, da hat sich das wieder aufgelöst.

Auf den Händen vom Schweiß war auch wie Zement auf der Haut. Na ja,das ging dann auch eine Zeit lang. Dann wurde ich von dort nach Turcoaia am Macingebirge/Dobrudscha versetzt, in den Steinbruch. Da haben mir Steine aufgeladen auf die LKWs. Ich war beim Aufladen. Und da war a Norm, wir haben die Norm machen müssen und das Essen war ja spärlich. Es war sehr hart. Wie gesagt, aber wir waren jung und es waren lauter Banater, Sachsen waren mer net so viele, wenn wir neun oder zehn gewesen sind aus verschiedenen Dörfern, dann waren Rumänen deren Eltern, chiaburs waren. Meine Eltern waren keine reiche Bauern, sie hatten etwa elf Hektar Grund.

Es war ein Strafbataillon, da kamen immer wieder Versetzte zu uns, die nicht spurten; also die sich nicht fügten, die wurden zu uns versetzt. Das war wirklich harte Arbeit. Ich mein, ich war ein starker Bua, bin auch heute noch ziemlich korpulent, ich habe mich gut durchgewurschtelt, aber natürlich abgenommen, das waren keine Zustände. Wir wurden eingezogen auf drei Jahre DGSM. Im Februar 1954 wurden sie auf zwei Jahre heruntergesetzt, die hatte ich und dann wurde ich frei.

Die Offiziere, das waren auch solche mit Strafe, die nicht parteifreundlich waren. Das waren so alte Burschen. Die waren schon hart zu uns. Wir mussten spuren, es gab kein Pardon. Es waren ein paar Ungarn dort, die spurten nicht so richtig, die wurden dann noch einmal versetzt. Andere über Nacht in Arrest gesteckt. Am Tag mussten sie wieder arbeiten und das Essen wurde ihnen rationiert. Ja, es war schon hart. Sehr hart!

Wir mussten auch Nachtwache halten je drei Stunden und am Tag trotzdem arbeiten. Da hab ich mich einmal gedrückt und musste zwei Wochen die Nacht im Karzer verbringen. Da war nur der harte Holzfußboden, aber mir waren ja jung. Einfach war es nicht. Tagsüber wieder gearbeitet, das ging dann zwei Wochen so. Turcoaia wurde aufgelöst, dann sind wir nach Kogalniceanu gekommen zum Flughafenbau. Da haben wir betoniert mit der Schaufel. Wirklich harte Arbeit. Ich übertreib nicht, das war Knochenarbeit.

1970 nach Deutschland gekommen.

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Warum ich dieses Buch geschrieben habe? Ich war selber 1959-1961 ein Betroffener.

W. E. Roth