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Ergänzung zur DVD
Junifest in Kronstadt







Ergänzung 1 zur DVD "Junifest in Kronstadt"

Wer kennt seine Heimatstadt besser als einer der da geboren ist und hier 45 Jahre gelebt hat? Und dennoch kann man ein Leben lang neben anderen Völkern leben ohne über ihr kulturelles Leben Bescheid zu wissen.

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Kronstadt und der Stadtteil Schei.

Kronstadt liegt in einem Tal. Heinrich Wachner schreibt im „Kronstädter Heimat und Wanderbuch“ 1934 über den Stadtteil Schei: "Die Obere Vorstadt füllt das Tal oberhalb der Inneren Stadt bis in die Gegend der Salomonsfelsen, wo der Talboden in eine enge Schlucht übergeht, aus. Im Jahre 1392 kamen, wie alte Chroniken melden, viele Bulgaren nach Kronstadt, die als Taglöhner und Handlanger beim Bau der großen Kirche (Schwarzen Kirche) Verdienst fanden. Wahrscheinlich waren darunter auch zahlreiche Rumänen aus Mazedonien, die in den ununterbrochenen Türkenkriegen ihre Herde verloren hatten. Der Rat siedelte sie in der oberen Vorstadt an. Die neu entstandene Siedlung nannte man sächsisch Belgerei, ungarisch Bolgarsec, rumänisch heißt die Obere Vorstadt Scheiu. Das ist ein slawisches Wort und bedeutet ebenfalls Bulgare."

Aus dem Haupttal dringen Gassen der Oberen Vorstadt in Nebentäler in die Berge ein und verlieren sich in Obstgärten der Berglehnen. Diese Gassen sind: Rahmengasse, Ober- und Untere Sandgasse, Cacova (slavisch Strauchwald) und Variste. Aus den Straßennamen ist die ethnische Ansiedlung erkennbar. (Soweit Wachner)

Bestimmt lebten hier auch Walachen vor dem Stadtbau von Kronstadt durch die Sachsen.

Erst nach der Gründungszeit der Stadt Kronstadt durch die Sachsen taucht die erste Urkunde, eine Beschwerde auf, in welcher sich ein Sachse beklagt, dass ein Walache seine Schafherde auf seinem Acker hat weiden lassen.

Mit den Jahren, im Schutze der Stadt, die mit ihren Mauern den Eingang in das Tal versperrte, entwickelte sich auserhalb der Stadtmauern eine rumänische Vorstadtsiedlung.



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Als Kind lief ich auf die Straße, wenn in der Rumänischen Kirchengasse am dritten Ostertag das Hufgeklapper der Junipferde zu hören war, die zu einem Bethäuschen am „Malomdom“ in der Nähe der Feuerwehr kamen.

Von hier ritten sie durch die Stadt, das Tal in dem sich Kronstadt befindet, zurück bis an eine Stelle wo eine Gruppe von 4 großen Felsen, Salamonsfelsen genannt, das enge Tal umgeben, um dort ihr Fest zu feiern.

Dieser Ort wird nach einer sächsischen Sage Salomonsfelsen genannt weil angeblich König Salomon, nach einem Kampf mit dem Kumanen auf der Flucht in dieses Tal kam. Seine letzten Getreuen baten ihn, um nicht erkannt zu werden seine Krone abzulegen. So legte er sie auf einen gefälltem Baumstamm und ritt weiter in das Tal hinein.
Auf einem der 4 hohen Felsen angekommen, mit den Feinden im Rücken, richtete er ein Stoßgebet gegen Himmel und der große Sprung über 300 m. gelang. Danach lies er sein Pferd laufen und versteckte sich in einer Höhle.

Jahrhunderte später kam ein sächsischer Bauer aus Bartholomae im Tal herauf und fand die Krone auf dem Baumstamm. Hier bauten die Sachsen danach den Rathausturm von Kronstadt und als Stadtwappen wurde die Krone auf dem Baumstamm verwendet.



Nach dieser Sage heißt nun in aller Munde: Rumänen, Deutschen, Ungarn, diese Felsengruppe die Salomonsfelsen.

Ich könnte wetten, das nur sehr wenige Rumänen in Kronstadt wissen, dass die Felsengruppe nach dem König Salomon (1063 - 1074) benannt ist der beim vordringen der Ungarn nach Siebenbürgen mit den Kumanen und Walachen Krieg geführt hat.

Ausgrabungen zwischen den zwei Weltkriegen haben bei den Salomonsfelsen eine nicht ganz durchbohrte Steinaxt, ein Hockergrab, sowie Keramik zutage gefördert die im Burzenländischen Sächischen Museum (vom rum. Staat eteignet und als Museum weitergeführt) ausgestellt wurden.

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Die Faszination der Junireiter ließ mich nicht mehr los. 1975 besuchte ich die Veranstaltung und schrieb einen ausführlichen Zeitungsbericht darüber der als Zeitdokument in das Stadtarchiv Kronstadt aufgenommen wurde.







Junii aus Kronstadt.

Übersetzung meines Artikels aus der Kronstädter rumänischen Tageszeitung
„Drum Nou“ vom 13. August 1975


Im Mai dieses Jahres war Kronstadt wie in jedem Frühling Bühne für ein einzigartiges Spektakel in neuer und alter Schönheit: Das Fest der Junii aus dem Schei.

Tausende Bürger warteten schon frühmorgens am Prund bis sich die Reiter gesammelt hatten und begleiteten sie bis zum Salomonsfelsen.

Die Reiter in ihren wunderbaren Trachten, nach alter Tradition geschmückt, entzückten das Auge. Die Kolonne wurde von der Blasmusik der „Jungen Junii“ angeführt. Sie trugen weiße gekrauste Hemden die bis zum Knie über die engen Filz- Hosen fielen, über dem Hemd eine ärmellose Weste (laibar), darüber eine langärmelige Jacke „spenter“ mit Kordeln und Silberknöpfen. Am Kopf trugen sie seidene Kappen mit trikoloren Bändern geschmückt.

Der Vataf, der Große- und Kleine Armas, jeder mit einer Keule in der Hand, trugen am Hut Kokarden (Rosette), außerdem trugen sie ein breites Band schräg über die Brust in gleicher Farbe wie die Rosette am Hut: der Vataf rot, der Große Armas gelb und der Kleine Armas blau.

Nach den Jungen-, folgten die „Alten Junii“, reife Männer, in der gleichen Tracht wie die Jungen nur ohne Bänder am Hut. Dananch kamen die „Curcani“ (Puter) die sich, durch ihre schwarzen Pelzmützen die mit Kokarden und Puterfedern geschmückt waren, unterschieden. Dahinter die „Dorobanti“ mit grauen Mützen gefolgt von den Reitern der Altstadt. Den Abschluss der Kolonne bildeten die „Junii albi“ (weiße) die zusammen mit den Rosiori (roten) die prächtigste Gruppe waren, ihre Hemden bunt und mit Pailletten bestickt, mit breiten Gürteln gegürtet trugen auf ihren Pelzmützen Putenfedern. Bei den Rosiori überwog die Farbe rot in der Stickerei. Jede Gruppe bestand aus 20 Reitern.

Am Salomonsfelsen angekommen, stiegen die Reiter aus dem Sattel und begannen den „Reigen der Junii“, der nach einer besonderen Melodie und nur von Männern getanzt wird. In der Mitte des Reigens warf einer die Keule dreimal hoch. Im Laufe des Nachmittags gab es ein reiches Kunstprogramm.

Um 17 Uhr ordneten sich die Reiter von neuem und kehrten hinter der Blasmusik in die Stadt zurück, unter großem Beifall des Publikums, das die Straßen säumte. Sie ritten durchs Waisenhausgässer Tor in die Stadt. Am Grab der Mureseni sangen sie das Lied „Desteaptate române“ (wach auf Rumäne). Nach Umrundung des Rathauses löste sich die Kolonne auf. Das Fest hatte auch dieses Jahr ein großes Echo in der alten Stadt, Kronstadt.

Die Tradition dieses Festes ist Jahrhunderte alt. Erste schriftliche Erwähnung: "Siebenbürgische Quartalsschrift 1793."

In der "Gazeta de Transilvania vom 26. März 1839" spricht Gheorghe Baritiu von der Zeremonie der rumänischen Junii, die trotz schlechten Wetters stattfand. Für ihn war es ein unerhörtes Ereignis.

Um den Ursprung des Brauches ranken sich verschiedene Legenden, Tatsache ist daß es eine Kundgebung der Freude am Leben, der Stärke, des Liedgutes und der malerischen rumänischen Trachten ist.

W. Roth

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