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50 gemeinsame Jahre







Goldene Hochzeit

Das muss gefeiert werden.

Aber wo?







Hier wär' es angebracht





Ans Werk:
Einladungen



und 39 Tischkarten erstellt





Und dann war es so weit









Mariannes Rückblick anlässlich unserer Goldenen Hochzeit

Warum feiern wir heute und heuer Goldene Hochzeit?

Wir haben uns am 27. September 1958 im Schillerhaus in Bukarest beim Sonntagsnachmittagstanz kennengelernt. Willi hatte bei einer Landesmeisterschaft im Kleinkaliberschießen mit Kimme und Korn an dem Tag einen neuen Rumänienrekord aufgestellt.

Den Tag darauf besichtigten wir einen Großteil der orthodoxen Klöster in Bukarest. Wir hatten gemeinsame Interessenebenen.

Kurze Zeit darauf nahm ich die Einladung meiner Cousine Erika, nach Kronstadt zu kommen, wahr. Sie wohnte in einem Wehrturm unter der Zinne, in einem kleinen Raum mit Mann und Kind. Die Küche war in einer der drei Fensternischen des Turmes, den Kinderwagen schob sie auf die Mauer, die ca. 1m breit war. Klo und Bad im Keller mit einer zweiten Familie gemeinsam. Das war das erste mal dass Willi und ich mehrere Tage zusammen sein konnten.

Wir trafen uns danach öfters am Samstag - Sonntag im Prahovatal, wobei wir Gebirgstouren machten.

Einige Male konnte ich auch bei Familie Direktor Dr. Liebhard in Kronstadt unterkommen. Seine Frau war die rechte Cousine meines Vaters. Bald waren wir uns einig, dass wir heiraten würden. Verheiratet sein und danach zum Militär? Oder über Bestechungen versuchen, die nächsten 6 Jahre durchzukommen? So trat Willi im März 1959 seinen Wehrdienst (Zwangsarbeit bei der Schaufel) an. Januar 61 entwischte er legal von dort.

Er war noch beim Wehrdienst, als in seinem Elternhaus ein Mieterwechsel bevorstand. Daraufhin entschlossen wir uns am 14. September 1960 zur standesamtlichen Trauung. Wir hofften, als Ehepaar die freiwerdende Wohnung in seinem Elternhaus belegen zu können. Leider mussten wir aber zusehen wie erst der neue Mieter seine Möbel einstellte und danach der alte Mieter seine Möbel hinaustrug.

Wir waren verheiratet und wollten zusammen sein. Ich quittierte 1961 meine Arbeitsstelle in Bukarest und zog nach Kronstadt. Willi hatte für mich ein „pat în familie“, Bett in der Familie als Untermieterin gefunden. Das war ein Zimmer, welches ich mit noch 2 Mädeln teilte, wo jede hinter einem Vorhang ihr Bett hatte. Wohngemeinschaft ist heute nicht vergleichbar.

Wir trafen uns, wenn Willis Eltern mal ins Kino gingen. Wir waren die Glücklichsten, als einmal die Eltern unseres Freundes, Ortwin Götz, auf Kur waren, und wir bei ihm diese Zeit wohnen durften.

Oft waren wir am Sonnabend Nachmittag bis Sonntag mit dem selber genähten Zelt unterwegs, wobei wir uns eine Nacht in den Armen halten konnten. Das Zelt nannten wir unsere Villa.

Eine Weile hatten wir auch ein Bett in Schwiegermutters Küche. Das wurde ihr jedoch bald zu viel. So war ich nun wieder längere Zeit in Bukarest.

Am 7. Oktober 1961 erfolgte die kirchliche Trauung in Bukarest. Danach hatten wir in der Wohnung meiner Eltern in unserem nationalisierten Haus 35 Gäste.

Wir waren verzweifelt. Keine Möglichkeit zu einem gemeinsamen Eheleben.

Da tauchte ein Sonnenstrahl am Horizont auf.

Wohnungstausch!

Meine Tante Entschi nahm mich in ihre Einzimmerwohnung auf. Danach verließ sie die Wohnung zu meinen Gunsten und zog in die Wohnung meiner Eltern in mein Zimmer ein.

Nun hatte ich eine Einzimmerwohnung welche ich mit einer Einzimmerwohnung in Kronstadt mit einer Person, die dienstlich von Kronstadt nach Bukarest versetzt worden war, offiziell tauschen konnte.

So kamen wir zu einer Einzimmerwohnung von 16 m² und Küche von 2m² in Kronstadt.

Ich zitiere aus unserem Gästebüchlein:
16. April 1962 Hurra! Wir sind endlich zu Hause.
22. IV. 1962 Ostersonntag. Einweihung der Wohnung. Viele Gäste.
29. IV. Ausflug durch die Kulturen (Berggebiet), abends Gäste.
6.V. Bastelsonntag mit allen Freiwilligen die unsern Hilferuf vernommen haben.

1964 vermehrte sich unsere Familie mit unserm Sohn. Ich strahlte vor Glück, Willi schwoll vor Stolz, weil er einen Sohn hat. „Macht es mir nach“, sagte er allen.

Er wurde zuerst in ein Körbchen verfrachtet. Danach hängten wir sein Bettchen am Fußende unseres Bettes an die Wand, wie einen Vogelkäfig.

1964 haben wir den ersten Ausreiseantrag zur Familienzusammenführung in die BRD gestellt.
Nach Absagen der rumänischen Behörden haben wir immer wieder Anträge gestellt.

Willi machte im Dienst Neuerungen, von denen einige sogar als Erfindungen in Rumänien patentiert wurden.

1967 erlitt er bei der Führung von DDR-Touristen einen Unfall in den Bergen.
Seit langem ist er Kandidat für ein künstliches Knie.

Später kam unsere Tochter zur Wellt, ein Mädchen mit dunklen Augen und schwarzen Haaren.

1969 erfolgte eine Gesetzesänderung. Der Hausbesitzer konnte bei Freiwerden einer Wohnung im eignen Haus von nun an selber bestimmen, wen er als Mieter annimmt. Wir konnten es kaum glauben und am 6. November 1969 zogen wir mit unseren 2 Kindern in ein Zimmer von 18 m² in Willis Elternhaus ein, in dem ein Zimmer von ihrer Zweizimmerwohnung seit Kriegsende, seit 24 Jahren von Fremden belegt war.

1973 zogen die anderen zwangseingestellten Mieter aus.

Willis Vater, Willi und ich krempelten uns die Hemdärmel hoch, nahmen die Schaufeln in die Hand und bauten aus einem 18 m² Zimmer und einer 12 m² Küche in Willis Elternhaus eine110 m² Wohnung.

Juni 1973 saßen wir zum ersten Mal im Terrassenzimmer am festlichen Tisch.

Im November, bei großem Frost, haben wir endlich die Doppelfenster dicht. Eine Woche vor Weihnachten legen wir den Teppich im Terrassenzimmer auf große Palplatten aus. Die Parketten kamen erst später.

Kachelöfen, Gasheizung, Warmwasser über den Küchenofen, Terrasse, Hof, 900 m² Garten. Von da an lebten wir wie Menschen. „Hurra, unsere große Wohnung“ ist am 15. Juli 1974 endlich fertig.

Willi hat Erfolge in der Kunstfotografie. Er wurde dreimal Landespreisträger in dieser Kunstgattung.

Von 1979 bis 1982 sammelte er kulturhistorische siebenbürgische Bräuche in Dias und Ton und hielt seine Diatonvorührungen vor über 10.000 Interessenten in Rumänien.

Dies wissend, dass verschiedene Bekannte von der Securitate auf ihn angesetzt waren. Was er bei der Einsichtsnahme seiner Securitateakten 2010 in Bukarest bestätigt fand.

1982, nach einem Vortrag in der Botschaft der DDR in Bukarest, erhielten wir nach 18 Jahren Bemühungen die Zusage zur Ausreise aus Rumänien. Das Haus mussten wir dem Staat für ein Almosen überlassen.

Wir haben unserer Hände Fleiß, unser Haus, nur 8 Jahre benützen können.

In der BRD als 45jährige angekommen war es für uns trotz guter Berufsausbildung schwer einen Arbeitsplatz zu bekommen. Nach über 200 Bewerbungen und Schulungen hat es dann doch geklappt.

Unsere Kinder machten ihre berufliche Ausbildung, heirateten und heute erfreuen wir uns unserer Enkel.

1996 bezogen wir gemeinsam mit Willis Vater unsere Eigentumswohnung, in der wir ihn bis zu seinen Tod in seinen 92. Lebensjahr betreuten.

Heute sind wir beide Rentner.

Nach 21 Jahren reger Kulturarbeit legte Willi sein Ehrenamt "Kulturreferent der Kreisgruppe der Siebenbürger Sachsen Augsburg" nieder und wurde ehrenvoll verabschiedet.

Heute, am 18 September 2010, feiern wir unsere Goldene Hochzeit







Ich habe unsere Familie und Freunde nicht ins Internet gestellt, weil das heutzutage nicht angebracht ist



Vor unserer Heimfahrt machte Marianne eine Entdeckung



Gut gelaunt fahren wir scheppernd dahin





Ein Teil der Glückwünschkarten



Und das Leben geht weiter



Wenn ich Marianne so ansehe und wir nicht verheiratet wären so würde ich sie auf der Stelle zum Standesamt führen.

Wir sagen: wir haben gut gewählt.

Die gemeinsamen Interessen waren unser Fundament, welches alle Stürme der Zeit unsere Gemeinschaft gemeinsam überwinden ließ.



Das war`s!