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Ein Foto und seine Geschichte




Vor einigen Tage kontaktierte mich Herr Dr. Hans Georg Franchy.
Er war auf meine Homepage aufmerksam gemacht worden.
Herausgekommen ist ein Bericht im WIR NÖSNER


Ein Foto und seine Geschichte
Dr. Hans Georg Franchy



Maria und Katharina Schuller, verewigten sich in jugendlichem Leichtsinn am Gründonnerstag dem 6. April 1944 auf der Holzvertäfelung hinter der Orgel.



1981 fotografiert Wilhelm Roth in Senndorf diese an und für sich bedeutungslose Inschrift.

Wilhelm Roth schrieb dazu folgendes:

„5 Monate später war das Dorf auf der Flucht.
Als ich diese Aufnahmen machte, waren 36 Jahre und 10 Tage vergangen seit die Mädchen sich hier verewigt hatten. 2008 stellte ich mir die Frage: Haben diese damals bestimmt jungen Mädchen die Flucht überlebt? Leben Sie noch heute? Immerhin sind 64 Jahre seither vergangen. Kann ich sie finden und ihnen die Abbildung ihrer Spur zukommen lassen? Und ich fand Katharina Schuller, die nun Knoblauch heißt, in Österreich. Sie ist gut in den 80er Jahren und geistig noch immer fit. Maria war in jungen Jahren gestorben. Ich schickte ihr meine Bilder aus Senndorf und bat sie um eine Beschreibung ihrer Flucht für meine Homepage. Die Bitte hat sie mir erfüllt."

Den Beitrag über die Heimkehr haben Herr Roth und Frau Knobloch für unser Jahresblatt freigegeben. Er wird weiter unten abgeduckt. Das von Frau Knobloch beschriebene Schicksal der Senndorfer trifft für alle nach Siebenbürgen 1945 Heimgekehrten zu, und wird viele an das eigene Schicksal erinnern.



Im April 2009 schickt Annemarie Wagner Ostergrüße an viele Bekannte und verweist darin auf Wilhelm Roths Homepage. Diesem Link folgend sehe ich das Foto mit dem Eintragungsdatum „Gründonnerstag 6. April 1944“. Welch ein Zufall, es ist mein Geburtsdatum, die Eintragung verfolgte mich tagelang. Dann sah ich das Foto mit den gemeißelten Köpfen auf dem Grabstein und wunderte mich. Ich war oftmals in letzter Zeit in Senndorf, diese Ruine mit dem wunderbaren gotischen Chor hatte es mir angetan, hatte aber nie Grabsteine gesehen.





Umgehend bat ich per E-Mail den Bistritzer Kunsthistoriker Vasile Duda, sich in Senndorf nach dem Verbleib der Steine zu erkundigen. Er bestätigte, die Steine müssten noch in der Mauer sein, sind aber durch Buschwerk völlig überwuchert. Ich bat Herrn Duda in der Annahme, dass Senndorf mittlerweile zur Stadt gehört, sich doch dieser Ruine anzunehmen, da es kulturgeschichtlich sich lohnt, auch wertvolle Ruinen zu erhalten.





Die Senndorfer Kirche war schon mehrfach zum Kulturdenkmal erklärt worden, jedoch wegen fehlender Mittel immer wieder dem Verfall preisgegeben. Herr Duda und weitere Künstler um ihn, Bildhauer und Maler, haben sich zusammengeschlossen und wollen hinter der Kirche einen Treffpunkt für Künstler einrichten und im Gegenzug sich für den Erhalt der Ruine einsetzen. Der Budaker Bürgermeister, zu dem Senndorf administrativ gehört, hat uns bei einem ersten Gespräch brutal abblitzen lassen. Trotzdem geben wir die Hoffnung nicht auf. Das Grundstück gehört nach wie vor der Kirchengemeinde, wird aber von der Landeskirche verwaltet. Hauptanwalt Gunesch unterstützt das Projekt.

Der Bistritzer Verein „Nösner Land" hat sich zum Ziel gesetzt, die Ruine so zu konservieren, dass sie ein Zeugnis der Geschichte der Senndorfer Sachsen bleibt.

Im Frühjahr 2010 wird eine zweisprachige Broschüre gedruckt, mit der man versuchen will, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Der Text dieser Broschüre in deutscher Sprache lautet:

Die Ruine der Senndorfer evangelischen KircheVasile Duda

Senndorf ist eine kleine Ortschaft in der Nähe der Stadt Bistritz. Sie wurde im XI. - XII. Jahrhundert von deutschen Siedlern gegründet. Urkundlich wird Senndorf in einem Dokument des Papstes Urban IV. im Jahr 1264 erwähnt.

Die Kirche dieser Ortschaft wird urkundlich in mittelalterlichen Dokumenten im XIV. Jahrhundert erwähnt, es ist jedoch anzunehmen, dass die ersten Bauphasen schon in den Jahrhunderten davor liegen. Heute sind noch deutliche Elemente der späten Gotik des XV. -XVI. Jahrhunderts sowie spezifische Fragmente der Barockzeit des XVIII. Jahrhunderts vorhanden.

Die Kirche war eine Saalkirche, die im XVIII. - XIX. Jahrhundert wiederhergestellt wurde und besaß einen vieleckigen gotischen Altar, auf dessen Säulen sich typische gotische Bogen stützten. Der Kirchhof ist von einer Ringmauer umgeben, zu der ein hoher Kirchturm gehört, der als Spähturm Verteidigungszwecken gedient hat.

1514 malt ein Meister Thomas eine Szene in das Altarbild, dieses wurde durch den Maler Gabriel aus Bistritz 1516 vollendet. Es zeigt den Heiligen Petrus, den Schutzherren der Kirche.

Mitte des XVI. Jahrhunderts, nach der lutherischen Reformation, werden die Wandmalereien mit Mörtel abgedeckt. Anlässlich dieser Maßnahmen wird die gesamte Kirche einschließlich der Ringmauer renoviert. 1776 erfolgt der Umbau des Gewölbes der Kirche im Barockstil. Weitere Renovierungen erfolgen in den Jahren 1820 und 1901, ohne dass dabei wesentliche Veränderungen vorgenommen werden.

Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges sowie die nachfolgende kommunistische Diktatur veranlassten die Senndorfer Sachsen das Dorf zu verlassen. 1976 wird die evangelische Kirchengemeinde Senndorf aufgelöst und die Kirche aufgegeben, nachdem keine evangelischen, sächsischen Gläubigen hier leben.



In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts verfallen der Dachstuhl und das Kirchendach. In den neunziger Jahren stürzt das Gewölbe der Kirchenhalle ein. Nur der Chorraum mit dem gotischen Gewölbe bleibt erhalten. Wind und Regen führen zum Abbröckeln des Putzes im Chorraum und es erscheinen nach und nach die wunderbaren Wandmalereien des Malers Gabriel vom Anfang des XVI. Jahrhunderts - übrigens der einzige bekannte Bistritzer Maler des Mittelalters.

1992 und nochmals 2004 wird die Senndorfer Kirche zum Kulturdenkmal erklärt, den Behörden fehlen jedoch die finanziellen Mittel zur Restaurierung, so dass die Kirche immer mehr verfällt. Das Chorgewölbe ist gegen Regen nicht gesichert und wird nach und nach von Pflanzen überzogen, das Innere der Kirchenhalle ist von Buschwerk überwuchert.

Für 2010 hat sich der Bistritzer rumänische Verein „NOESNER LAND" vorgenommen, dieses bedeutende Kulturdenkmal durch ehrenamtlichen Einsatz von Fachkräften und mit Hilfe von zu beschaffenden Mitteln soweit möglich zu restaurieren. Später soll hier um die Kirche ein Treffpunkt für Maler und Bildhauer aus dem In- und Ausland entstehen, um dieses bedeutende architektonische Kulturerbe ins rechte Licht zu rücken.

Kunsthistoriker Vasile DUDA

Bistritz im Januar 2010

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Mein Bericht in meiner Homepage mit Bilder aus der Senndörfer Kirche 1981

Senndorf 1981

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