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Todesstrahlen



Todesstrahlen
Vorläufer der Krieg der Sterne.

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Es war im Jahr 1945, als ich, damals acht Jahre alt, es sehr aufregend fand, am Sonntag zu meiner Mutter ins Bett zu schlüpfen, (mein Vater war damals als Zivilperson nach Russland in ein Zwangsarbeitslager verschleppt) wo sie mir aus dem Buch „Erfinder und Erfindungen“ vorlas. Dieses Buch hat mich für mein Leben geprägt.

In diesem Buch hieß ein Kapitel „Todesstrahlen“.
Hier wurde beschrieben dass man in Deutschland daran arbeite, Flugzeuge vom Himmel zu holen, indem sie mit 2 Strahlenquellen – so - wie mit Scheinwerfern – angestrahlt werden.

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Man schrieb das Jahr 1968.
Der „Prager Frühling“ hatte sich eingestellt. Alle Ostblockstaaten – außer Rumänien – überfielen die Tschechoslowakei und merzten die Hoffnung auf einen politischen Frühling aus. Als Ceausescu der Aufforderung mit den rumänischen Truppen mitzumachen nicht Folge leistete, sondern die Invasion öffentlich verdammte, kam es zur einzigen spontanen, nicht organisierten Massensympathiekundgebung in der kommunistischen Zeit vor dem Gebäude des ZK der RKP in Bukarest.

In Rumänien machte man sich Sorgen, da das Land in der letzten Zeit aus der Reihe „gesprungen“ war. Die sowjetische Besatzung hatte man vor kurzem abgeschüttelt, und jeden Moment konnte das Land wieder besetzt werden.

Jeden Tag tauchten andere Gerüchte auf.

Zu der Zeit war den Ostblockstaaten ein Plan vorgelegt worden, der unter anderem vorsah, die rumänische Industrie flachzulegen und aus Rumänien ein Agrarland zu machen.

Auch sollte im rumänischen Militär die Gebirgsjäger aufgelöst werden. Dies in einem Land mit einer großen Gebirgskette.

Nun folgte eine große Mobilmachung und Verlegung der Truppen in die Berge.

In Kronstadt sprach man davon, dass ein großes Flugzeuggeschwader unangemeldet, statt über das Schwarze Meer, über Rumänien nach Bulgarien geflogen sei.

In Prag hatten die ersten sowjetischen Truppen, die auf dem Flughafen gelandet waren, den Landesradiosender besetzt.

Vorsorglich, hieß es, es sei darauf hin in Bukarest die Landebahn des Flughafens Otopeni mit Lastkraftwagen verstellt worden.

Jeden Augenblick erwartete man das Eindringen fremder Truppen.

Und dann tauchte ein tolles Gerücht auf.

Rumänien hatte knapp zuvor seinen ersten Reaktor aus der Sowjetunion importiert und in der Nähe von Bukarest in Funktion gebracht. Darüber wurde in den Medien viel positiver Rummel gemacht. Die Menschen wurden aufgeklärt, was man alles Gutes mit Strahlen machen könne. Und jetzt tauchte das Gerücht auf, dass zwei russische Panzer über eine Brücke nach Rumänien eindringen wollten, wobei die Rumänen ihre bis dahin geheime Strahlenwunderwaffe eingesetzt hätten, und die Panzer verdampft worden sind.

Toll, dachte ich mir, die Idee von den Todesstrahlen im Buch „Erfinder und Erfindungen“ ist ausgereift und zum Einsatz gekommen.
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1972 folgte ein neues Kapitel in meinem Berufsleben.

Ich wechselte nach 10 Jahren Metrologie, Reparatur von elektrischen Messinstrumenten, in eine nukleare Einheit für zerstörungsfreie Werkstoffprüfung in die Flugzeugfabrik ICA Brasov (Kronstadt). Die Ausbildung dazu erfolgte am Institut für Atomphysik in Bukarest. (Abitur war Voraussetzung.)

Ich vergesse nicht die erste Stunde über Strahlenschutz, wo uns der Professor jedem ein DIN A4 Blatt austeilte und diktierte:

„Sie haben eine Strahlenquelle von 70 Curie und müssen einen Gegenstand laut Berechnung 20 Minuten bestrahlen. Ihr Schutzschild, mit 5 mm Blei ausgekleidet, befindet sich 10 m von der Strahlenquelle. Mit was für einer Strahlendosis werden sie nach einer halben Stunde belastet worden sein?

Grabesstille in der Klasse. Dann stand unser ältester Kollege auf und sagte: „Genosse Professor“ (In Rumänien mussten sich alle Menschen mit Genosse ansprechen, mit Herr wurde man im Gefängnis angeredet) „ich glaube, Sie haben die Klasse verfehlt.“

„Ach so, ihr könnt das nicht berechnen? Das heißt dass ihr euch jetzt auch nicht schützen könnt. Nun gut, am Ende meines Kurses habt ihr damit kein Problem mehr.“

„Ich muss euch sagen, ihr braucht vor einer Strahlenquelle keine Angst zu haben. Ihr wisst, wo der Wau-Wau sich befindet. Somit habt ihr einen großen Vorteil allen anderen Giften gegenüber, die täglich auf uns einwirken. Diesen Monat haben die Deutschen einen Waggon Butter wegen hohem DDT Gehalt von unserem Export nicht angenommen. Ich garantiere euch, dass die Butter jetzt schon längst auf unseren Jausenbroten gelandet ist.“

„Vor Strahlen kann man sich schützen, wenn man sachgemäß damit umgeht. So ist es halt.“

(Zu der Zeit steigerte sich die Lebensmittelknappheit in Rumänien. Ein Stück Butter zu kaufen, war oft ein Ereignis. Um 2 Liter Milch für die Kinder stand man um 4 Uhr früh an. Um 5 kam die Milch, danach ging man in die Arbeit. Die Regierung verkaufte alles, was nur möglich war ins Ausland um ihren Haushalt von ausländischen Schulden zu befreien. Zuletzt auch ihre deutsche Bevölkerung.)

Und weiter ging die Belehrung unseres Professors. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war der Ausspruch, dass es angebracht sei, ein Schutzschild zwischen sich und der penetranten Strahlenquelle zu haben. „Je dicker, um so besser. Am besten die Erdkugel!“

Es war toll, die Experimente mit Alpha-, Beta-, Röntgen-, Gama- und Neutronenstrahlen durchzuführen. Dabei besuchten wir auch öfters den Reaktor.

Ich vergesse nicht, wie die Geigerzähler rasselten und man uns sagte: „Ach, das ist nichts, auf 10.000 m Höhe würde man im Flugzeug auch soviel abbekommen.“

Als Jause bekamen die am Reaktor Tätigen unentgeltlich täglich Brot mit gebratener Leber. Diese sollte die durch die erhaltene Strahlenbelastung geschädigten eigenen Leberzellen ersetzen.
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Auf dem stark durch Staatssicherheitseinheiten abgeschirmten Reaktorgebiet befand sich ein Gebäude, vor dessen Eingangstür zusätzlich Posten standen. Selbstverständlich machte uns das neugierig, und wir erfuhren unter vorgehaltener Hand, dass hier an Laserstrahlen, die Metall schmelzen können, gearbeitet wird.

Fantastisch, also war doch etwas Wahres an der Verdampfung der russischen Panzer.
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Jahre später kam ein Kontrollbesuch vom Reaktor in unser Labor. Am Anfang wusste ich nicht, was dieser Mensch eigentlich wissen wollte und was ich ihm sagen durfte, weil seine Fragen sich auf das bewachte Werktor, die Wachablösung und die Unterbringung unserer Iridium-Strahlenquelle bezogen.

Nachdem wir warm geworden waren, erzählte er, dass eine neu aufgeladene Kobalt-Strahlenquelle an ein Unternehmen mit einer nuklearen Einheit geliefert worden war. Da es Abend war und alle schon aus dem Labor weg waren, habe man sie beim Portier abgegeben. Der, aus Angst vor Bestrahlung, hatte sie außen neben das Wachhaus gestellt. Bei Dienstwechsel vergaß er, es weiterzumelden und ging in Urlaub.

Nach einigen Tagen reklamierten die Leute aus dem Labor, dass die Lieferung der aufgeladenen Strahlenquelle noch nicht erfolgt sei.

Nun fing das Karussell sich an zu drehen und drehte sich immer schneller, da man feststellte, dass die Strahlenquelle in eine Alteisensammlung gewandert war und sie wahrscheinlich schon im Zug Richtung Hochofen befand. Dieses löste nun einen Großalarm im Land aus, und damit so etwas nicht mehr vorkommen solle, wurden alle nuklearen Einheiten im Lande einer eingehenden Kontrolle unterzogen.
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In weiteren Gesprächen hörte ich, dass mein Besucher in der Abteilung Laserstrahlen arbeitet. „Und können sie auch Metalle schmelzen?“ lautete meine vorsichtige Frage. „Ja, ja“, war seine Antwort. Ansonsten tat er sehr zurückhaltend. Dennoch sagte er, wahrscheinlich höflichkeitshalber: „Wenn Sie mal zu uns zum Reaktor kommen, so besuchen Sie mich“.
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Unsere Feinde, die kapitalistischen Weststaaten die ihre armen arbeitenden Menschen ausbeuten, die es auf der ganzen Welt zu befreien galt (so wurde man auf Schritt und Tritt belehrt) verkauften uns Oststaaten in der Zeit des Kalten Krieges, Technologie von Rüstungsgütern.

Aber auch zwischen den Kapitalisten gab es harten Konkurrenzkampf wie man sich unter vorgehaltener Hand erzählte. So sollen die kapitalistischen Länder aufgeschrien haben als die Sowjetunion bei der BRD Maschinen und die Technologie zur Gasrohrherstellung einkaufen wollte. Ja damit könnte man Kanonenrohre herstellen. Gut der brave Michel trat zurück und die Engländer machten ohne Skrupel das Geschäft.

In Kronstadt bauten wir Hubschrauber nach französischer Lizenz. Bezahlt wurden die Franzosen mit Fertigprodukten und von uns, aus ihren Materialien, gefertigten Bestandteilen. Einige Flugapparate behielten wir, andere wurden in die Krisenherde der Welt exportiert. Kam eine ausländische Delegation wurden die Hubschrauber mit Waffen ausgerüstet und in einem abgeschirmten Raum vorgeführt. Die Hauptsache war, der Rubel rollte.

Einmal fragte ich unseren Franzosen, der im Werk die Herstellung überwachte, woher sie wüssten dass bei Nichterfüllung bestimmter Parameter der Bestandteil zur Reparatur zurückgegeben werden muss. Er lächelte und sagte: „dieses sind die Normen der Deutschen die sie im Krieg erstellt haben.“
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Zu der Zeit wurde in Craiova (Rumänien) in Zusammenarbeit mit Jugoslawien ein Bomber, den uns die Engländer verkauft hatten, gebaut.

Eines Nachmittags (wir arbeiten 6 Stunden pro Tag wegen der Strahlenbelastung, ansonsten arbeitete man 8 Stunden inklusive Sonnabend) wurde in unserer Nuklearen Einheit ein Herzstück des Bomberprototypen zur Kontrolle abgegeben. Da es ein dickwandiger Bestandteil war reichte unser Röntgengerät nicht aus und ich hätte unsere Iridium-Strahlenquelle einsetzen müssen.



Am Tag darauf als mein Chef davon erfuhr hieß es: „ab nach Bukarest zum Reaktor. Prototyp ist Prototyp. Ich will nicht das ein Namen aus unseren Labor in den Unterlagen des Prototypen im Falle des Falles gefunden wird und man uns zu Hause besucht.“

So wurde der Bestandteil nach Bukarest geschickt und ich machte mich zum Reaktor auf.

„Ihr seid doch für so eine Prüfung ausgerüstet“, wurde mir von meinen ehemaligen Lektoren gesagt.
„Ja unsere Strahlenquelle ist leider nicht mehr genügend aufgeladen und wir brauchen das Resultat schon gestern.“

Zu guter Letzt habe ich selber die Radiografien mit ihrer Strahlenquelle durchgeführt aber mich geweigert das Resultat, das in Ordnung war, zu unterschreiben. Auftrag war Auftrag und den hatten sie von uns. Wohin der Bestandteil gehörte stand nicht in dem Aufrag.

Wie recht mein Chef, ein rumänischer ehemaliger Fliegeroffizier hatte, sollte sich bald zeigen. Der Bomberprototyp stürzte beim Probeflug ab.

In Rumänien gab und gibt es gute Fachkräfte aber Prototyp ist halt mal Prototyp.

Mein Chef hatte mich Deutschen, mit langjährigen Bemühungen um eine Ausreise in die BRD, vor einem Absturz bewahrt.
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Zurück zu meinem Ausflug zum Reaktor.

Da sah ich wieder das geheimnisvolle Gebäude. Diesmal war es aber nicht mehr zusätzlich bewacht. Ich rief hausintern meinen ehemaligen Besucher an und erinnerte ihn an seine Einladung. Nachdem er die Genehmigung des Abteilungsleiters eingeholt hatte, holte er mich ab, und ich hatte die Möglichkeit, mit dem neuesten Stand der Wunderwaffe, Lasertechnik Rumäniens, Bekanntschaft zu machen.

Ein Spind war voll gefüllt mit Kondensatoren, die für Rundfunktechnik im Handel waren. Nachdem ich eine Schutzbrille bekommen hatte, konnte ich einem Lochschmelzen auf einer Distanz von einigen cm in ein 0,8mm dickes Eisenblech beiwohnen.

Ja, nun sah ich nach Jahren mit eigenen Augen den neusten Stand der Wunderwaffe mit der man feindliche Panzer an der rumänischen Grenze verdampft hatte.

Wie mir unlängst jemand bestätigte ist die „Mär der Todesstrahlen“ auch in Bukarest kursiert. Wahrscheinlich wurde sie im ganzen Land verbreitet.

Ja, Wunder gibt es, Wunder über Wunder – man muss nur daran glauben!
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1980 kam mir die Idee wie ich in Kronstadt ein sächsisches Fähnlein setzen könne.

Ich war mit meinem Kulturschaffen Dia-Tonmontage "Hirtenfest in Fundata" Landespreisträger des Landesfestivals "Preis dir Rumänien" geworden."

Diese Dia-Tonmontagen zusammen mit den Dia-Tonmontagen: "Hirtenmarkt in Sacele" und zumal das "Zeidner Kronenfest" mit dem ich unsere Präsenz zeigen konnte, wollte ich in Kronstadt am Marktplatz auf eine Wand des Rathauses projektieren.

Ich recherchierte die technischen Möglichkeiten, sprach mich mit den Kollegen vom Drahtfunk (Radioficare) die ihr Studio und die Verstärkerstation am Rathausplatz hatten ab, dass ich für mein Vorhaben von ihnen eine Stromleitung aus ihrem Fenster über einen Baum legen könne.

Danach nahm ich Kontakt mit den Zuständigen vom "Kulturkomitee für sozialistische Erziehung" auf.



Auszug aus Interview „Brauchtum im Diaporama“.
Zeitschrift Volk und Kultur Nr.10 Oktober 1981

Von da wurde ich in die Purzengasse in ein Büro wo ich mein Vorhaben einem Genossen xxxx? vorstellen sollte geschickt.

Ich musste im Vorraum warten. Eine Tür war nicht ganz zu, so hörte ich einen telefonischen Rapport aus Sacele mit. Es ging um die Stimmung in der Bevölkerung im Zusammenhang mit einer Schraube die der Staat fester angezogen hatte.

Hier in Deutschland habe ich die Bestätigung erhalten das es mehrere verdeckte Punkte der Partei und Sicherheitsbehörden gab wo Informanten über die Stimmungen in der Bevölkerung eingesammelt und Gerüchte ausgetragen wurden.

Verbreitung von Zukunftsangst, wie Geldeinwechslung und anderem, die Hauptsache Schürung von Angst, sowie belastende Falschaussagen über Menschen der Öffentlichkeit wie Homosexualität und anderem waren die Aufgaben dieser Stellen.

Scheinbar befand ich mich in einer solchen Zentralstelle. Das erklärt mir heute wie die Verbreitung über das Vorhandensein einer bis dahin geheimen rumänischen Wunderwaffe im Land erfolgt ist.

Endresultat: Man hörte mich an. Doch die Zusagte der Stromleitung wurde zurückgezogen. Befehl von oben flüsterte mir jemand.


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Bei der Vorführung vor den Direktoren der Kulturkomitees aller Landesregionen in Sacele hat man mir dann klar gesagt das, das Vorführen des Zeidner Kronenfestes, eines traditionellen Volksfestes einer Minderheit, allein ohne Mehrheitsbevölkerung gegen die Direktiven war.
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Ein Freund, der in einer Redaktion arbeitete, erzählte mir in jenen 70er Jahren in Rumänien ganz stolz, dass es ihm, unbemerkt von der Zensur, gelungen war, folgenden Satz zu publizieren:

Wenn man einem Zwerg immer wieder sagt, „du bist ein Riese“, wird er es eines Tages glauben. Handeln aber wird er nur mit der Kraft eines Zwerges können.


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