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Seiburger Kronenfest



Seiburger Kronenfest.

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Seiburg.

erste urkundliche Erwähnung 1289.

1941 Einwohnerzahl 1609.

davon 801 Deutsche.

1991 verließ die Mehrheit der Siebenbürger Sachsen ihre alte Heimat.

2007 waren noch ca. 20 Siebenbürger Sachsen hier heimisch.

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Am Peter- und Paulstag feierte die sächsische Bevölkerung in den meisten sächsischen Dörfern das Kronenfest.

Das Besondere in Seiburg war, dass der obere Teil der Krone im Feld versteckt, von berittenen “Knechten“ gesucht und danach mit den “Mägden“ gemeinsam, mit Musik auf den Kirchhof zum Kronenbaum gebracht wurde.

In der Kriegs- und Nachkriegszeit war das Kronenfest verboten. Langsam wurde es danach wieder erlaubt und in mehreren ehemaligen deutschen Dörfern bis 1990 veranstaltet.

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Auf Anregung des Herrn Erhard Antoni, Volkskundler und Kunsthistoriker (+ 1985) machte ich mich mit meinem Sohn auf, das Kronenfest in Seiburg mit meinen Möglichkeiten festzuhalten.

Ich besaß damals einen halben Kodak Diafilm, einen ORWO Diafilm, einen 24 x 36 mm Negativfilm und einen 6 x 9 Negativfilm. Damit musste ich zurecht kommen. In Kronstadt (250.000 Einwohner) war im damals einzigem Fotogeschäft kein Diafilm erhältlich.

Ich hätte den Hosenriemen auch nicht enger schnallen können wenn es Kodakfilme gegeben hätte, denn die Preise für westliche Ware waren horrend.

Zu Hause machte ich von dem 24x 36 mm Negativfilm auf geklautem Röntgenfilm im Badezimmer Kontaktabzüge und konnte somit das Bildmaterial dieses einmaligem Brauchtumsfestes in Farbe und Schwarz/Weiß vollständig zusammenstellen.

Vom 6 x 9 Film machte ich ein Bild, dass ich der Wochenzeitschrift Karpatenrundschau übergab.



Was ich dafür erhielt war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. (den Wert der 2 Schwarz-Weiß-Filme ohne Entwicklung.) Das waren halt die Preise.

Meine Ausgaben für das Filmmaterial, Tonaufnahmematerial, Transport zur Veranstaltung, danach Diarahmen, Magazine für den Projektor, Tonbänder für das Tonbandgerät auf denen ich die Tonkolonne zusammenstellte und danach auf eine Rekorderkassette überspielte, mit der ich in die Öffentlichkeit ging. Dieses alles überstieg ein Viertel meines Monatseinkommen, das ich in einem Monat nicht ersparen konnte. Dazu kam, nach Dienstschluss zu Hause, ein Monat Arbeit.

Horrende Ausgaben für Apparatur und Material und das Kostbarste was ein Mensch hat „ Zeit “ setzte ich - so weit es mir nur möglich war - ein, um das Kulturgut „ Brauchtum “ meiner sich im Ausverkauf durch den rumänischen Staat befindenden Volksgruppe, der ich angehörte, unverfälscht festzuhalten.

Und ich tat es in vollem Einsatz ohne Frage nach Gefahr und Verlusten.

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Ein Jahr später lernte ich im Übergangswohnheim in Augsburg eine Familie kennen die gebürtige Seiburger waren waren. Wir sprachen über Seiburg, dabei erzählten sie mir, dass sich viele Seiburger gefreut hätten, dass endlich auch ein Bild von ihrem Kronenfest in der Zeitung zu sehen war.

Gibt es eine schönere Nachricht, um das Herz zu wärmen?

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Den Ton nahm mein Sohn mit seinem Kassettenrekorder auf. Nicht bedacht hatte ich, dass er, flink wie ein Wiesel, sich immer in die beste Aufnahmeposition stellte, wobei wir zu Hause dann feststellten, dass die Erschütterungen des Gerätes beim Platzwechsel auch auf der Kassette aufgezeichnet wurden.

Auch dieses ist ein Dokument der Zeit, in der ich immer wieder Lehrgeld zahlte, was mich aber nicht abhielt sieb. sächsisches Brauchtum mit meinen bescheidenen finanziellen Mittel weiter zu sammeln.

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Die Ansprachen wurden im sächsischen Dialekt gehalten, was kein Problem bei den Vorführungen vor Siebenbürgern war.

In Deutschland habe ich eine zweisprachige Tonkassette zusammengestellt. Auf der linken Tonspur war der Originalton und auf der rechten meine Übersetzung ins Hochdeutsche. Mit der Stereoeinstellung konnte ich somit die eine oder andere Sprachversion bei meinen Diavorführungen wiedergeben.

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In der jetzt erstellten DVD habe ich den Originalton in der sieb. Mundart behalten und die Übersetzung ins hochdeutsche als Untertitel beigefügt.

Da oft so schnell gesprochen wurde, dass man als Leser dem Text nicht folgen kann, musste ich mancherorts den übersetzten Text kürzen.

Weil der Gesamttext ein Zeitdokument ist, habe ich die ganzen Ansprachen, die ich unter nicht ungefährlichen Umständen aus Rumänien 1982 herausgeschleust habe, ins Hochdeutsche übersetzt, in diese Homepage gestellt.

Es werden bestimmt einige Seiburger Nachkommen sein,und mit der Zeit immer mehr die nicht mehr die Mundart sprechen.

An diese Nachkommen und an Interessierte dieses Festes habe ich bei der Erstellung dieser Seite in Kombination mit der DVD gedacht.

Ich habe das Bestmögliche getan und in vielen Vorträgen dieses besondere Kronenfest mit den berittenen Burschen vorgeführt, welches es anderswo so nicht gab.

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Die Festveranstaltung:

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Zuerst wird die Aufsatzkrone der Kronenbaumkrone von den „Mägden“ im Kornfeld versteckt und von den ältesten Jungen „Knechten“ die beritten sind, gesucht.



Danach geht es mit Blasmusik, Pfarrer, Kurator, Altknecht und der Jugend in Tracht, immer drei „ Mägden “ die sich an je einem Tuch halten, gefolgt von 3 berittenen " Knechten " ins Dorf zum Kirchhof, wo der Kronenbaum steht.



Der Altknecht trägt die Aufsatzkrone.



Am Kirchhof machen die Mädel einen Halbkreis um den Kronenbaum, wobei die Jungen ihn auf den geschmückten Pferden umschließen. Die sächsische Dorfgemeinschaft schließt mit dem Pfarrer und Wortführern den Kreis



Ansprache des Kurators (Vertrauensmann) Friederich Martin Brenner:

Liebe Brüder und Schwestern, auf Wunsch vieler junger Menschen und sogar alter- haben wir uns in diesem Jahr wieder zusammen gefunden um dieses Kronenfest zu feiern.

Was ist die Ursache der Festfreude in diesem Jahr? Ich weiß es nicht. Es ist aber ein Zeichen, dass in unserer Gemeinde der Lebenswille wieder erwacht ist, denn wenn Menschen Feste feiern wollen, ist wieder Lebenshoffnung erwacht.

Ich grüße daher zum heutigem Fest unsere Volksrepublik Rumänien und an deren Spitze ihren Sekretär Nicolae Ceausescu.

Ich begrüße unseren ehrwürdigen Herrn Pfarrer und die Frau Pfarrer, die sich die größte Mühe gegeben haben, diesem Fest eine Gestalt zu geben.

Ich begrüße alle Anwesenden die von nah und fern herbei gekommen sind, um an diesem Fest teilzunehmen.

Ich begrüße unsere ganze Gemeinde Seiburg, alle Anwesenden und wir schicken durch euch, die ihr hier erschienen seid, einen schönen Gruß an all diejenigen, die heute nicht dabei sein können.

Liebe Brüder und Schwestern. Wir haben dieses Fest von unseren Vätern übernommen.

Die Peter- und Pauls Krone ist immer ein Fest der Jugend gewesen, weil aber die Jugend in unserer Gemeinde sehr abgenommen hat, haben wir alle zu diesem Fest beigetragen.

Wir sind wieder jugendlich geworden. Jugendlicher Lebensmut ist in uns aufgeflammt.

Wir haben uns auch zu euch, ihr lieben Burschen und Mädchen gestellt, wir wollen auf die schöne Krone der Apostel Petrus und Paulus sehen.

Aussage für mich unverständlich. -- - - - - - - ????

Wir wissen von der Lebenskrone, die allen beigelegt werden soll. Die Krone des Lebens ist die größte Freudenkrone und zum Zeichen dass von ihr Freude kommt wirft der Altknecht Süßigkeiten unter die Kinder, damit auch sie ihre Freude haben. Was wir auch machen wollen.

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Ansprache des Presbyters (Kirchenvaters) Johann Guist

Liebe Anwesende.

Im Namen der Kirchengemeinde Seiburg, heiße ich euch alle herzlich Willkommen zu diesem Kronenfest. Wir haben uns alle hier versammelt, nach alter Sitte und Brauch, am Peter- und Paulstag das Kronenfest zu feiern. Denn der Peter- und Paulstag ist der Tag, der dem Korn die Wurzel bricht. Wir werden unsern lieben Herrgott bitten, dass er uns zum Segen die Frucht gedeihen lässt.

Wir Seiburger haben uns nach 3-4 Jahren wieder zusammen gerafft, die Krone zu machen, denn es ist das Sprichwort: "Verzage nicht du Häuflein klein." Das sehen wir auch an diesem schönen Tag, das hat sich bewiesen.

Ich bedanke mich bei allen die mitgeholfen haben und bei denen die von nah und fern hier erschienen sind.

Liebe Jugend, ich will Euch auch ein Sprichwort sagen: Des Volkes Zukunft ist die Jugend; damit übergebe ich der Jugend die Krone.

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Es wurde das Lied„ Af deser Ierd do es en Lond, si hiesch as nichen ondert....“. (Auf dieser Erde ist ein Land, so schön ist kein anders....) gesungen, während der Altknecht zur Krone hinaufstieg und die mitgebrachte Haubenkrone aufsetzte.

Die untere Krone ist aus Feldblumen und Eichenlaub gebunden, die Haubenkrone aus Gartenblumen.



Es folgte die Ansprache des Altknechtes Hans Göldner.

"Liebe Brüder und Schwestern, die Seiburger Jugend, in ihrem Namen richte ich an Euch vor versammelter Gemeinde das Versprechen:

-- Wir Knechte und Mägde aus Seiburg wollen eifrig die Bräuche und Sitten unseres Volkes lernen und achten und wollen unseren Vorgesetzten ehren und die Lehren die er uns gibt, zu Herzen nehmen.

Wir wollen unsere Eltern: Vater und Mutter in Ehren halten.

-- Wir wollen zuletzt, alle Brüder und Schwestern, einander in christlicher Liebe verzeihen.

-- Wir wollen auch unseren Herrgott bitten, dass er uns Kraft zu einem christlichen Leben gibt. Unserer Gemeinde sei Dank.

In dieser Stunde gedenken wir dankbar unserer Vorgesetzten, die eifrig bemüht sind das Wohl unseres Volkes zu heben.

Wir gedenken auch an unseren hochwürdigen Herrn Bischof Albert Klein, der mit väterlichen Liebe über unserem Volk wacht. Unser Herrgott gebe ihm Wissen und Kraft.

Es folgen Hochrufe auf Bischof, Dekan, Pfarrer und die Gemeinde.

Ihr lieben Kinder nehmt das Geschenk von dieser Krone."

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Ein Regen mit Süßigkeiten ergoss sich über die Kinder.



Während der Altknecht vom Kronenbaum abstieg wurde das Lied „Großer Gott wir loben dich“ gesungen.



Danach hielt Pfarrer Wilhelm Maurer seine Ansprache.

"Ich will zum heutigen Anlass auch einige Worte sagen. Ihr wisst alle, dass außer den großen Feiertagen, die das Leben und die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus betreffen, in unserer christlichen Kirche auch andere Feiertage, sogenannte Gedenktage, begangen werden. Darunter wären auch der Johannistag und der Peter- und Paulstag zu erwähnen.

Diese Gedenktagetage fallen nicht zufällig in so kurzer Aufeinanderfolge in die Trinitatiszeit, sondern in Petrus, Paulus und Johannes haben wir einmalige Vorbilder und Bekenner des christlichen Glaubens und des dreieinigen Gottes. In diesen drei christlichen Männern sind auch drei der wichtigsten christlichen Tugenden verkörpert.

 

Der Mut durch Petrus, der den Märtyrertod nicht gescheut hat und sich zum Glauben und zu Jesus Christus bekannt hat, bis zum Ende.

Die Geisteshaltung durch Paulus in seiner Gewissheit des Beistandes des heiligen Geistes, wodurch er es gewagt hat sogar dem Geist der Heiden, der Pharisäer und der Juden die Stirne zu bieten und zu bestehen.

Und nicht zuletzt die Liebe durch Johannes, welcher der ergebenste Jünger Jesu war.

 

Diese drei christlichen Tugenden wollen wir aber am heutigen Tag in einem einzigen Begriff zusammenfassen: in dem der Treue! Das heißt in dem, was uns Siebenbürger im Laufe der Zeit immer irgendwie ausgezeichnet hat. Für uns Christen ist es vor allem die Treue zu unserem Glauben und zu dem, an den wir glauben. Und jedem unter uns, der diese Treue ernst nimmt, dem gilt auch der Spruch aus der Offenbarung Kapitel 2, Vers 10 „Sei getreu bis in den Tod so will ich dir die Krone des Lebens geben.“

 

Es ist nicht immer leicht treu zu sein. Darum errichten wir heute mahnend diese Krone.

Der Stamm, der eigentlich die Richtung unseres christlichen Lebens und Strebens zeigt, das heißt nach oben, auf unseren Herrgott zu und die Krone oben drauf sind Sinnbild der Lebenskrone, die uns Gott der Herr am Ende unserer Zeit auf Erden verspricht in seiner Ewigkeit.

Genau wie der Altknecht den schwierigen und nicht wenig gefährlichen Weg an diesem Stamm zu dieser Krone gewagt hat, mit der Gewissheit das ihn Hunderte Augenpaare im Rücken stützen und begleiten, dürfen auch wir den Weg unseres Lebens, den Weg des christlichen Glaubens und der Treue wagen. Nicht nur in der Gewissheit des Beistandes unseres Herrgottes sondern ganz besonders in der Gewissheit des Beistandes dieser christlichen Gemeinde, des lebendigen Herrn. Zu diesem Glauben, zu solchem Vertrauen und zu solcher Treue helfe uns Gott.

 Wir singen zum Abschluss das Lied Siebenbürgen.



Es folgte eine Darbietung der Tanzgruppe der Gemeinde, nach der der festliche Teil endete.



Die Gemeinde zerstreute sich. Man ging Mittag essen. Die "Knechte" gaben die Pferde ab.



Am Nachmittag traf sich die Dorfgemeinschaft zum Tanz unter dem Kronenbaum.

Die Tanzunterhaltung wurde am Abend im Gemeindesaal fortgesetzt.

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1981 hatte ich diese Brauchtumsveranstaltung in Dia und Ton festgehalten. Sie gehört zu einer Serie von siebenbürger sächsischen Bräuchen die ich 1979-82 in meiner Heimat gesammelt und innerhalb von 3 Jahren in Rumänien vor über 10.000 Zuschauern vorgeführt habe.

Meinen Dia-Vortrag mit Originalton vor Ort habe ich auf DVD gebrannt.

Er ist ein einmaliges Zeitdokument 850jähriger auslandsdeutscher Kultur,
die im Auflösen begriffen ist.


Informationen bei

   E-Mail: Wilhelm.roth@gmx.de

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