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Geschichte des
Siebenbürgenliedes


Interview in Siebenbuerger.de

Projekt Grabmal
J. Lukas Hedwig


Projekt Hedwig
auf Eis gelegt.


Grab J. L. Hedwig
im Juni 2007




Wir singen bei jeder Gelegenheit mit voller Inbrunst „Siebenbürgen Land des Segens“, während das Grabdenkmal des Vertoners Lucas Hedwig zerfällt.

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Am 20. Juli 1846 wurde erstmals beim Honterusfest in Kronstadt das Siebenbürgenlied gesungen. In kurzer Zeit hat sich das Lied über das ganze sächsische Gebiet verbreitet. Wir Siebenbürger haben es uns ins Herz gesungen, wo wir es ein Leben lang, seit Generationen tragen. Wer waren seine Urheber?

Leopold Maximilian Moltke

Geboren 1819 in Küstrin in Preußen, wurde als Angestellter einer Buchhandlung auf Siebenbürgen aufmerksam. Über Frankfurt an der Oder, Tyrnau (Slowakei) kam er 1841 nach Kronstadt, wo er in der Buchhandlung W. Nemeth Anstellung fand. Bald wurde er auch Mitarbeiter beim “Siebenbürger Wochenblatt“, dessen Schriftenreihe er 1849 in der „Kronstädter Zeitung“ umbenannte.

1846 schrieb er das Gedicht „Siebenbürgen, Land des Segens“, welches nach der Vertonung zur Volkshymne der Siebenbürger Sachsen wurde.

Durch seine Teilnahme an der Revolution geriet er in österreichische Gefangenschaft und wurde 1852 aus Österreich ausgewiesen. Über Küstrin, Berlin, führte ihn sein Weg 1894 nach Leipzig, wo er als Bibliothekar der Handelskammer angestellt wurde. Als geschätzter Sprach– und Shakespeare-Forscher verstarb er am 19. Januar 1894. Zeit seines Lebens hat er mehrere Gedichtbände herausgegeben und eine rege Publikationstätigkeit entfaltet.


Siebenbürgenlied

Siebenbürgen, Land des Segens,
Land der Fülle und der Kraft
mit dem Gürtel der Karpaten
um das grüne Kleid der Saaten,
Land voll Gold und Rebensaft!

Siebenbürgen, Meeresboden
einer längst verfloss`nen Flut!
Nun ein Meer von Ährenwogen,
dessen Ufer, waldumzogen
an der Brust des Himmels ruht.

Siebenbürgen, Land der Trümmer
eine Vorzeit stark und groß!
Deren tausendjähr'gen Spuren
ruhen noch in deiner Fluren
ungeschwächtem Ackerschoß

Siebenbürgen, grüne Wiege
einer bunten Völkerschar!
Mit dem Klima aller Zonen,
mit dem Kranz der Nationen
um des Vaterlands Altar.

Siebenbürgen, grüner Tempel
mit der Berge hohem Chor!
Wo der Andacht Huldigungen
steigen in so vielen Zungen
zu dem einen Gott empor!

Siebenbürgen, Land der Duldung,
jedes Glaubens sichrer Hort!
Mögst du bis zu fernen Tagen
als ein Hort der Freiheit ragen
und als Wehr dem treuen Wort!

Siebenbürgen, süße Heimat,
unser teures Vaterland,
sei gegrüßt in deiner Schöne,
und um alle deine Söhne,
schlinge sich der Eintracht Band.


Bei Veranstaltungen wird die erste, zweite und letzte Strophe gesungen.


Johann Lukas Hedwig

Geboren am 5. August 1802 als Bauernsohn in Heldsdorf. Nach dem Besuch der Honterusschule in Kronstadt begab er sich als 17jähriger nach Wien, um Musik zu studieren. Da die finanzielle Unterstützung seiner Eltern versiegte, musste er, wie viele Musiker, mit Spielen auf Tanzböden und in Schenken sein Leben fristen. In einem Brief berichtet er: „Oft wenn mich kein Abendessen erwartete, lief ich zum Brunnen, wo ich mir mit meinem Durst gleichzeitig auch den Hunger stillte.“

Während er in der Nacht musizierte, besuchte er morgens die Stunden von Drechsler und Blumenthal, um den Generalbass zu studieren und in Kompositionslehre Fortschritte zu machen. Aus dieser Zeit stammen mehrere Konzertouvertüren, die am Leopoldstädter Theater aufgeführt wurden.

1836 schloss er den Ehebund mit Josefa Karrer. Mit Musizieren im Kirchendienst und im Operntheater sowie durch Stundengeben konnte er seine Familie ernähren.

Als am 17. April 1839 die neue Orgel in der Schwarzen Kirche eingeweiht wurde, nahm Hedwig dies zum Anlass, um eine Kantate zu schreiben und nach Kronstadt zu schicken. Das wird wahrscheinlich beigetragen haben, dass man ihm den Posten des Chordirigenten der Kronstädter Stadtpfarrkirche und Musiklehrers am Honterus Gymnasium anbot. Nach 21 Jahren Aufenthalt in Wien kehrte er heim.

Es folgte die Betreuung der Gesangsklassen an der von den Kronstädter Musikfreunden gegründeten Violine- und Gesangschule. Dafür hat er seine „Kronstädter Gesangschule“ geschaffen und drucken lassen.

Auf musikalisch-schöpferischem Gebiet entstanden in den folgenden Jahren zwei Kantaten und der erste Teil des Oratoriums „Der Allmacht Wunder“. Letzteres wurde anlässlich der Wiederkehr seines 200jährigen Geburtstages 2002 vom Bachchor der Honterusgemeinde in Kronstadt aufgeführt.

Mit dem aus dem Rheinland stammenden Organisten Heinrich Mauss gründete er einen Männergesangverein. Dieser hatte das Gedicht Moltkes „Siebenbürgen, Land des Segens“ als erster vertont.

Die Melodie schrieb Hedwig ursprünglich nicht zu Max Moltkes Worten, sie war die Vertonung eines Textes auf Frau Apolonia Hirscher, die Stifterin des Hirscherhauses (Cerbul Carpatin) in Kronstadt.

Der Dichter und der Komponist haben sich wahrscheinlich nicht gedacht, dass das Lied „Siebenbürgen, Land des Segens“ eine so große Bedeutung für alle Siebenbürger Sachsen haben wird.

(Die Karpatenrundschau hat über Maximilian Moltke und Johann Lukas Hedwig in der Folge 38/S.9 1969 und 13/S.6 1982 berichtet.)


Das Grabdenkmal Johann Lukas Hedwigs
(Am Grab steht Lucas geschrieben, in Schriften Lukas)


Am 8. Januar 1849 starb Johann Lukas Hedwig und wurde auf dem Innerstädtischen Friedhof in Kronstadt beerdigt.

1923 war einem beherzten Kronstädter das verwahrloste Grab von J. L. Hedwig aufgefallen. Durch seine unerlässlichen Bemühungen wurde das Grabdenkmal 1924 in der heutigen Form aus Kunststein errichtet.

2002, nach der Montage der von mir wiedererstellten Relieftafel des Honterus Denkmals, ging ich zum Grab der Bildhauerin Margarete Depner, um ihr zu berichten, dass das Samenkorn, welches sie mir damals 11jährigem ins Herz gelegt hatte, Früchte getragen hat. Dabei sah ich den desolaten Zustand von Hedwigs Grabdenkmal. Das 1924 aus Kunststein errichtete Grabdenkmal ist inzwischen stark verwittert und durch die Sprünge, die durch den ganzen Stein gehen, kann es jeden Moment zerfallen.

Auf meinen Hinweis nahm Stadtpfarrer Christian Plajer unverzüglich Kontakt mit Hermannstadt auf. Doch leider konnte man ihm bezüglich einer Renovierung von Grabsteinen nicht weiterhelfen.

Danach hat Herr Horst Hügel die Oberfläche der Sprünge, so weit es möglich war, mit Silikon verklebt.

Nach Deutschland zurückgekehrt habe ich hier ebenfalls die Sturmglocken gezogen, aber leider hat sich all die Jahre von selbst nichts getan, um dieses in meinen Augen wichtige Denkmal vor dem Zerfall und für die Zukunft zu bewahren.

Im Mai 2006 habe ich mich der Sache angenommen und bekam die Zusage aus Kronstadt, mich um das Grabmonument bemühen zu können.

Seit Beendung meiner Recherchen liegt bei der Honterusgemeinde in Kronstadt mein Projekt im Zusammenhang mit dem Grabdenkmal vor.

Wir sind wahrscheinlich die Letzten, die die Mühe nicht scheuen und sich dieser Arbeit annehmen.

Das Siebenbürgenlied wird uns Siebenbürger Sachsen überleben.

Dieses Projekt ist eine Chance, in den nächsten Jahrhunderten auf den Vertoner und sein Lied zu verweisen, das alle Siebenbürger Sachen seit Generationen mit Inbrunst gesungen haben und manche unserer Nachkommen, selbst wenn sie, kulturell gesehen, "keine" Siebenbürger Sachsen mehr sind, noch singen werden.

Packen wir es an ! ! !


Wilhelm Ernst Roth



Augsburg, 31. März 2007


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Das Lied Siebenbürgen, Land des Segens kann man in meinem Zeitdokument
"Zeidner Kronenbaumfest 1978" am Ende der festgehaltenen Veranstaltung hören.


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