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Fastnachtbrauch
in Marpod (Urtseln)

Fastnachtbrauch Gansschlagen in Törnen
Ganzabreiten

Fastnachtbrauch
in Wurmloch

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Fastnacht in Wurmloch.





Von Törnen fuhren wir nach Wurmloch. Ich weiß nur noch dass wir unterwegs auf einmal richtig laufen mussten weil wir den Zug in der Ferne kommen sahen.

Gelaufen war ich seit 3 Monaten wegen meiner Magen-OP nicht mehr. Auch hatte ich noch Probleme mit der Stelle wo ein Dränageschlauch in meinem Bauch gelegt worden war, welche noch nicht ganz geheilt war. Marianne nahm mir den Rucksack ab und ich hielt mit den Händen meinen Bauch fest und lief.

In Klein-Kopisch angekommen, waren wir entsetzt über die furchtbare Verschmutzung des Ortes und der Umgebung durch die Rußfabrik.

Der Bus nach Wurmloch war seit langem weg. Wie viel km sind es bis Wurmloch? 5 km. Alsdann.

Es dämmerte und wir marschierten in die Winternacht hinein. Es schneite nicht und der Schnee war auf der Straße abgefahren so dass wir den Weg im Dunkeln erahnen konnten. Nach einigen km hatten wir Glück dass ein Traktor, ohne Kabine, vorbeikam der uns in der Kälte mitnahm.

In Wurmloch meldeten wir uns beim Pfarrerehepaar Brandstätter, die wir angeschrieben hatten. Hier wurden wir sehr herzlich aufgenommen.



Frau Edda Brandstetter war Methodistin für Erziehung im Kindergärten und Verantwortliche für den pädagogischen Kreis mit bis zu 197 Kindergärtnerinnen. Sie war bekannt durch ihre gemalten Bilder sowie als Autorin von Texten für Kinder.

Wir hatten uns, bei meinem Vortrag, über das zweite Mundartdichtertreffen, in Hermannstadt kennen gelernt und sie hatte mich mit Gattin eingeladen die Fastnacht bei ihnen zu erleben.

Am Faschingsdienstag fand um 10 Uhr ein Männergottesdienst statt,



wobei sie alle in Tracht und Kirchenpelz kamen.

Die Kirchenlieder nur von Männerstimmen singen zu hören war eimalig.

Es war ein ergreifender Moment. Leider habe ich keine Bilder davon. Es sollen auch keine existieren.



1982 hatte die Gemeinde ca. 820 evangelische Seelen d.h. Sachsen die in 6 Nachbarschaften zusammen gefasst waren.

Nach dem Gottesdienst gingen sie nach Hause und man traf sich wieder in "Zivil" beim Nachbarvater.

Beim eintritt wurde gegrüßt: "Ech wänschen Fridden uch Braderengjert!"

Auf Hochdeutsch: "Ich wünsche Frieden und Brüdereinigkeit."

Interessant fand ich dass sich die Dorfgemeinschaft mit Brader (Bruder) und Saster (Schwester) ansprach.



Es wurde Kassensturz gemacht und die Vorkommnisse des Jahres besprochen.
Wie Hilfe einer Wöchnerin bei der Versorgung der Familie, Hilfe beim Hausbau, Totenbestattung, Kirchenburgreparaturen u.a.m.



Zwei Nachbarn hatten sich wegen einer Kleinigkeit so verstritten, dass sie nicht mehr miteinander redeten. Ihr Problem mussten sie vor der Gemeinschaft ausbreiten, die danach Recht sprach. Dann mussten beide sich die Hand zur Versöhnung reichen. Dies, obwohl man sah dass es einem von ihnen besonders schwer fiel. Um 13 Uhr wurde die Sitzung geschlossen. Die Männer gingen nach Hause. Das neue Jahr konnte in Frieden und Eintracht beginnen.



Am Abend kamen die Ehepaare zur Tanzunterhaltung. Die Frauen hatten dafür ein besondere Tracht an: weißer Rock, genetztes Häubchen, weiße Bänder und eine Bluse mit gelochtem Stickmuster.



Während des Abends kamen kleine Gruppen aus den anderen Nachbarschaften auf Besuch, die lustige Theaterszenen zum besten gaben.



Mit dem Siebenbürgerlied hörte der Gemeinschaftsabend auf.

Am Aschermittwoch war ein gemeinsames Frühstück beim Nachbarvater.



Die Frauen die nicht pünktlich erschienen, weil sie zu viel Zeit vor dem Spiegel brauchten (so der Volksmund) wurden mit einem Handwagen an ein Bündel Maisstängel gebunden, mit großem Hallo herbeigekarrt.





Zum Gaudi aller wurde in den letzten Jahren die Pfarrfrau, eine angesehene Person des Dorfes, so durchs Dorf, zum gemeinsamen Frühstück, gekarrt.





Es folgte ein gemeinsames Mittagessen



und Zusammensein bis in die Nacht.



Um 24 Uhr wurde der Fasching, eine Puppe aus Maisstängeln verbrannt. Wobei Lieder in Mundart und Hochdeutsch gesungen wurden. Mit dem Siebenbürgerlied hörte die Festlichkeit auf.

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Am Tag darauf sahen wir wunderbare Handarbeiten und angewandte Volkskunst.



Den Sachsen war bewusst dass sie ohne Hilfe der Gemeinschaft in Siebenbürgen nicht überleben konnten. Darum stellten sie eigene Nachbarschaftssatzungen auf, die das Zusammenleben im Ort regelten.

Die härteste Bewährung der Nachbarschaftshilfe waren die Jahren 1945 - 1949 als alle arbeitsfähigen Deutschen Rumäniens nach Russland zur Zwangsarbeit deportiert waren, und der Acker, die Höfe samt Gerätschaft und Vieh enteignet worden waren. (1952 bekamen die Deutschen ihre Häuser zurück)

Entrechtet, unentgeltlich enteignet, in ein Zimmer , von den rumänischen Familien denen der Bauernhof von nun an gehörten, zusammengepfercht, fragt man sich wie die alten Menschen mit den vielen Kindern ohne Eltern, ohne Ernährer zurechtgekommen sind.


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In Wurmloch machte ich die letzten Aufnahmen über Brauchtum in Siebenbürgen.

Heute wird Wurmloch von Touristen aus aller Welt besucht. Im Pfarrhaus sind 15 Gästebetten, eine Küche und ein Badezimmer eingerichtet. Autos können in dem abgesperrten Hof abgestellt werden. Die Kirchenburg und die Wehrkirchen aus der Umgebung sind sehenswert.

Die Besucher von heute und morgen dieser Orte werden staunen über die Leistungen dieses kleinen deutschen Volkssplitters im Osten Europas.



Was sie aber nicht begreifen werden ist die Seele und der Drang nach Freiheit, nach Geborgenheit für sich und ihre Nachkommen, sowie die Erinnerung, nach in Gemeinschaft verbrachten vergangenen guten Tagen, die in der Erlebnisgeneration viele schmerzhafte Sprünge, so wie die Sprünge ihrer Wehrkirchenmauer, inne hat.

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