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Fastnachtsbrauch
in Marpod (Urtseln)

Fastnachtbrauch Gansschlagen in Törnen
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Fastnachtsbrauch
in Wurmloch



Marpoder Fastnachtsbrauch




Marpod

Mit Zug nach Hermannstadt gefahren. Weiter mit Bus nach Marpod. Lehrer Gerhard Werder in der Schule aufgesucht und ein Interview in einer Schulpause mit dem Kassettenrekorder aufgenommen. Zum Pfarrhaus gegangen. Bekanntschaft mit Pfarrer Werner Ungar und seiner Familie gemacht die mich herzlich in Kost und Quartier aufgenommen haben. Kirche besichtigt. Interessante Gespräche über Brauchtum geführt.



Den sächsischen Brauch der "Hieschen" und der "Lole" gibt es nur in Marpod. Ein Brauch der Jugend. Früher wurde er am Faschingsdienstag abgehalten. 1982 so wie in den folgenden Jahren am Sonnabend vor Aschermittwoch.



In Marpod fand kein Faschingsumzug statt sondern Freundeskreise "Parten" gingen in Gruppen von Haus zu Haus. Auch Mädchen waren dabei.



Der Anführer der Parte war ganz weiß gekleidet und trug am Kopf eine weiße Schildkappe und zum Zeichen seiner Autorität einen dünnen Stock, verziert mit einer Masche. Umgehängt hatte er eine größere Tasche.

Die "Lolen de Hesijen" die "Häßlichen", trugen ein schwarzes Fleckenkleid. Der Anzug bestand aus weißen schlaffen Langhosen und Ärmelrock, beide über und über mit Schwarzen Wolllappen benäht.

Am Kopf trugen sie eine dem Anzug gleiche Zottelkapuze die an der pelzverbrämten Drahtgittermaske befestigt war.



Über der Stirne waren an der Maske Bussard- oder Krähenflügeln angebracht.



An der Kapuze hing ein Hanfzopf in den eine rote Schleife eingeflochten war.

In der einen Hand hatte sie eine "Ratsche" und in der anderen eine Ochsenpeitsche mit der das Knallen schon wochenlang vorher geübt worden war.

Unter dem Hemd trugen sie an einem Ledergürtel eine Kuhglocke mit der sie Applaus oder Protest durch die dafür nötige Körperbewegung kundtaten.

Die Lole oder Schwarzen wie sie genannt wurden liefen voraus und verkündeten mit ihren Schellengeläute das Herannahen der Parte.

Diese Fastnachtkleidung war dieselbe wie die der Urzeln in Agnetheln und Großschenk wo mir Umzugsteilnehmer durch ihre Masken mit Vogelflügeln aufgefallen waren. Damals erzählte man mir von Marpod und nun war ich da.



Die "Hieschen", die Schönen, Weissgekleideten waren mit bunten Bändern und Perlenketten geschmückt. An den schwarzen Hosen ein buntes Band mit Masche. Am Hut hatten sie ein grünes Büschel Asparagus.



Zur Gruppe gehörte noch ein Eiersammler mit einem Handkorb und Musikanten, meist mit Ziehharmonika.



Die Parte ging mit Musik von Haus zu Haus. Wo ein Tor oder Fenster sich öffnete blieben sie stehen und vollführten den Fastnachtstanz. Dabei hielten sich je 2 Jungen mit den Fingerspitzen an den Zipfeln eines Tüchleins fest, das hochgehoben wurde und drehten sich im Rhythmus einer Melodie, die bei allen Parten dieselbe war.



Für den Tanz erhielten die Tänzer Geld, das der Hauptmann übernahm, oder einige rohe Eier, die in den Eierkorb wanderten. Damit wurde das Essen in der Nacht hergerichtet. Blieben Eier übrig so wurden sie der Genossenschaft des Dorfes verkauft und kamen in den Handel.

Selbstverständlich wurde das Pfarrhaus nicht ausgelassen wo oft gleichzeitig mehrere Gruppen eintrafen und ihren Obolus bekamen.



Dieses ist nur ein sächsischer Brauch. Interessant dabei ist, dass die Rumänen diese sächsischen schwarzen Maskenkleidungträger aus Agnetheln, Großschenk und Marpod als Lole bezeichnen. Ebenso werden im schweizerisch-alemannischen Raum Fastnachtteilnehmer Lole genannt.

Im Heimatbuch Marpod 1998 von Herrn Georg Engelhard Schuster herausgegeben ist vermerkt:

Im Marpod wird dieser Brauch folgendermaßen gedeutet und erklärt: Die "Lole" (die "Schwarzen") sind die Wintervertreiber. Die "Hieschen"(Schönen) verkörpern das Herannahen des Frühlings und das Erwachen der Natur, verbunden mit dem Fruchtbarkeitsgedanken. (Spende des Eies)

1987 bildete die Jugend sieben Parten, 1989 waren es noch fünf und 1990 zum letzten mal noch 3 Parten. So die Information des Heimatbuches.



Langsam bröckelt der Stein.

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Zurück zu 1982.

Auf den Straßen konnte ich das Treiben der Parten beobachten und fotografieren sowie den Ton der gespielten Melodie aufnehmen.

In der Zwischenzeit hatte die Schwiegermutter des Pfarrers nicht nur Krapfen und Kleingebäck sondern auch ein Festessen vorbereitet. Besonders gut hat mir eine fette Suppe mit viel Einbrenn geschmeckt. Hatte ich doch seit Jahren so eine Suppe (aus Vorsichtsmaßnahme meiner Frau) nicht mehr gelöffelt.

Die Reaktion meins Bauches mit dem offenen Magensack blieb nicht aus. Ein Glück das es mich erst am Abend in der Dunkelheit erwischt hat, da ich oft nicht mehr beim Klo, welches sich außerhalb des Hauses befand, ankam. Gut das genügend Schnee war mit dem ich meine Spuren bedecken konnte.

So habe ich leider mit der Familie Ungar abends nicht zum Fasching der Nachbarschaften mitgehen können.

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Anfang der 90er Jahre, bei einem Chorfest in St. Ulrich in Augsburg kam der zweite Pfarrer mit seiner Frau zu Besuch. Ich sah die Pfarrfrau an, ja die kam mir so bekannt vor. Mit Pfarrer Ungar erkannten wir uns gleich obwohl ich vor 10 Jahren nur einige Stunden Gast bei ihnen gewesen war.

Inzwischen ist er Pfarrer der St. Johannesgemeinde in Augsburg und wir haben seit damals öfters gemeinsame offene siebenbürgisch- sächsisch kirchliche Veranstaltungen durchgeführt.

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Mehr über den Ort Marpod in:

http://www.siebenbuerger.de/ortschaften/marpod/

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