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Staatsbesuche in Kronstadt

Zeitdokumenteschmuggel
Vorbereitung zur Aussiedlung

Fastnachbrauch
Blumenfest in Frauendorf.

Siebenbürgen

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Blumenfest in Frauendorf.
Siebenbürgen

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Fastnachtzeit 1982.

Die Fotografien für den Pass waren abgegeben. In 3 Monaten werden wir in Deutschland sein.

Und wie sagte Luther?: Wenn morgen das Weltende wäre, würde ich doch noch mein Apfelbäumchen pflanzen.

Das war wegweisend. Ran an die selbst gestellte Aufgabe bis zum letzten Atemzug den wir noch in unserer alten Heimat waren.

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Bei der Wochenzeitung Karpatenrundschau nachgefragt, sagte man mir welche Bräuche, wann und wo in der Fastnachtszeit in Siebenbürgen stattfinden werden. So suchte ich mir einige aus, die von der Zeit her passten. Ich schrieb die Leute die ihre Veranstaltungen bei der Zeitung gemeldet hatten an und bat sie um eine Unterkunftsmöglichkeit.

Danach nahm ich meinem Jahresurlaub.

Ausgewählt hatte ich mir das Blumenfest in Frauendorf, Urzeln in Marpod, Gansschlagen in Törnen und Fastnachtbrauch der Nachbarschaft von Wurmloch.

Das müsste noch zu schaffen sein.

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Frauendorf

Ich fuhr mit dem Zug nach Mediasch wo ich bei Familie Heiser übernachtete. Am nächsten Tag ging es mit dem Bus nach Frauendorf (Axente Sever). Es war saukalt, der Bus nicht beheizt. Obwohl der Gottesdienst angefangen hatte, klopfte ich bei der Wohnung des Pfarrers an und hatte Glück jemanden vorzufinden.

Ein Herr (?) aus der Nachbarschaftsorganisation nahm sich meiner an und begleitete mich diesen Tag.

Zuerst gingen wir auf den Platz wo der Tanz der Trachtenpaare nach dem Aufmarsch im Dorf stattfinden sollte. Hier waren schon einige am Werk. Weil in den vergangenen Jahren die Zuschauer immer enger zusammen rückten, so das die Paare beim Tanzen behindert wurden, kam jemand auf die Idee eine Abgrenzung mit geschmückten Stäben zwischen denen eine Schnur gespannt war, zu schaffen.

Die Stäbe waren da. Auch Krampen, zum Schlagen der Löcher in die die Stäbe gesetzt werden sollten. Doch „wai Backe“, zwei Krampenholzstiele gaben ihren Geist auf und zersprangen als man mit ihnen die Löcher in den hart gefrorenen Boden schlagen wollte. Es waren bei - 20 Grad. Wahrscheinlich war bei dieser Temperatur auch das Holz brüchig geworden.

Die an der Aktion beteiligten waren ratlos.

„Ich hab’s,“ sagte einer und verschwand. Kurz darauf kam er mit 2 Eimern wieder.

„Halt mal die Stange da wo sie stehen soll.“ Danach schüttete er den aus seinem Keller mitgebrachten Sand um sie und besprengte ihn mit Wasser. Nach einigen Minuten war die Stange bombenfest auf die Erde gefroren.

„Man schaut das du als Gefangener in Sibirien auch etwas brauchbares für die Heimat gelernt hast“ scherzte sein Freund.

Nach kurzer Zeit standen alle Stangen und wurden mit Seilen verbunden. Somit war die Abgrenzung geschafft.



Da hörte man schon die Blasmusik. Die Burschen hatten ihren Jungknecht abgeholt und befanden sich auf dem Weg zum andern Dorfende wo sich die Mädchen versammelt hatten.



Einladung der Mädchen. (Ansprachentext folgt)



Mit der Blasmusik voran, gefolgt von der Gruppe der Mädchen und danach der Jungen ging es ins Dorf hinein.

Um eine Zeit hörte ich einen kleinen Jungen neben mit sagen: „Nei paaren se sech.“
(Jetzt paaren sie sich)

Ich schaute verdutzt drein.



Dann sah ich wie eine Mädchenreihe langsamer fortschritt und eine Jungenreihe aufholte.



Danach rückten die Jungenreihen auf und sie waren gepaart.



Der Zug marschierte auf der Hauptstraße bis ans andere Dorfende und kam danach zur Dorfmitte zurück wo sie von den Gästen erwartet wurden.





Die Veranstaltung war von Besuchern aus nah und fern, trotz großer Kälte, gut besucht. Auch die angefrorenen Stangen taten ihren Dienst.



Es folgten die seit Monaten einstudierten Volkstanzdarbietungen.



Diesen Blumenschmuck aus Papier der manchmal über 2 kg wog fertigten die Mädchen ihren Jungen an was eine tiefere Bedeutung für die zwei hatte.



Danach ging es zum Dorfsaal.







Hier eröffnete der Jungknecht den Tanz.

Weitere Einzelheiten über diesen einmaligen Brauch sind mir entfallen. Werde sie aber noch einholen, aus sicheren Quellen ergänzen.



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Auf der Suche nach mehr Information fand ich Herrn Ludwig Seiverth der, 1970 als es möglich wurde, dieses Volksfest in Frauendorf wieder zum Leben erweckte.

Frauendorf trug vor dem ersten Weltkrieg den rumänischen Nahmen Fruia. Ein aus Frauendorf nichts sagendes abgeleitetes Wort, danach hieß es Axente Sever.

Auf meine Bitte um Information für meine Homepage hat er mir folgenden Text geschickt den ich hier dankend anhänge.

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Blumenfest in Frauendorf/Siebenbürgen

Ludwig Seiverth

In der stattlichen Gemeinde Frauendorf, die nicht weit von der Mündung des Weißbachs in die Große Kokel liegt, gab es eh und je eine rege Kulturpflege alter Sitten und Bräuche, der Siebenbürger Sachsen.

Den Höhepunkt aller Festlichkeiten bildet jedoch das schöne „Blumenfest" oder der sogenannte „Fuasenichdunz mät den Gepeschker."Dieses schöne Fest der Jugend ist sehr alt und blickt auf eine sehr lange Tradition zurück. Keiner weiß, wie alt dieser Brauch ist, der - das muss betont werden - in dieser Form nur in Frauendorf zu finden ist.

Ich habe im Zuge der Wiederbelebung sächsischen Brauchtums viele alte Leute im Dorf über den Ursprung und Sinn dieses Brauches gefragt - die Antwort war immer gleich: „Wir haben selber in unserer Jugend mitgemacht, und unsere Eltern auch." Schriftliche Aufzeichnungen oder eine Urkunde über den Ursprung dieses Festes habe ich bis heute nicht gefunden.

Das Frauendorfer Blumenfest fand in der Faschingszeit (Fuasnich) statt und wurde gewöhnlich Ende Februar oder Anfang März abgehalten. Die vielen bunten Blumen, die zu „Gpeschker" (Sträußen) gebunden wurden, verkörperten anscheinend die Ankunft des Frühlings und die Vertreibung des Winters. Dahinter aber steckt vielleicht auch noch ein tieferer Sinn. Für die Dorfbewohner gibt das Fest Anlass genug, geheime Liebschaften und Zuneigungen unter der Jugend zu entdecken und somit auf „neues Leben" zu hoffen.

In den Jahren des zweiten Weltkrieges und der schweren Nachkriegszeit war dieser schöne Brauch zwar nicht in Vergessenheit geraten, aber doch, bedingt durch die widerwärtigen Umstände, aus dem Gemeindeleben verschwunden. Wer hätte es auch in dieser bewegten Zeit, in der die sächsischen Schwester-und Bruderschaften zerschlagen wurden, gewagt sächsische Veranstaltungen zu machen?

Nach 1944 hätte man gleich eine Organisation dahinter vermutet und alle Organisationen waren außer der Kommunistischen verboten.

Erst im Jahre 1970 gelang es mir, den Brauch mit Unterstützung vieler treuer Frauen und Männer in der Gemeinde nach einer fast 30-jährigen Unterbrechung wieder ins Leben zu rufen.

Die Arbeiten zur Herstellung der vielen schönen Blumen,die teilweise aus Stoff, in der Hauptsache aber aus Krepp- und Buntpapier gefertigt wurden fingen schon Anfang Januar an.

Beim Blumenmachen halfen alle mit. Die Mädchen, ihre Mütter, Großmütter; Verwandte und Nachbarinnen. Es wurden mit viel Mühe und Kunst alle Blumengattungen hergestellt. In wochenlanger Arbeit entstanden kleine Kunstwerke, von denen man erst die richtige Vorstellung bekam, wenn man sie an Ort und Stelle' gesehen hatte.

In der Zeitspanne nach dem 1. Januar bis zum eigentlichen Festtag bestellte jeder Bursche bei einem Mädchen den Blumenstrauß. Dieses Straußbestellen blieb jedoch ein Geheimnis. Man wusste nicht wer bei wem den Strauß bestellt hatte. Erst am Festtag beim Aufmarsch konnte man dann die Pärchen erkennen. Und Überraschungen soll es noch allemal gegeben haben.

Der Ablauf des Festes mit Aufmarsch und Tanz war gut organisiert und vollbracht. Am Vorabend schickte jeder Bursche durch ein Schulkind, das nicht verraten durfte, woher es kam, den Hut zu seinem Mädchen damit der Strauß aufgenäht wurde.

Diese Arbeit erforderte eine besondere Geschicklichkeit, da doch 300-350 Einzelblumen in einen Strauß und auf einen Hut zu vereinen waren.

Am nächsten Morgen holten die Kinder die Hüte mit den Blumensträußen wieder ab und übergaben sie im Gemeindesaal den Burschen.

Während dessen hatten sich die Mädchen in einem Haus versammelt und warteten voller Ungeduld auf die Burschen.

Zur festgesetzten Stunde begann der Aufmarsch durch das Dorf. Voran die Blaskapelle. Die Burschen, mit den Sträußen auf dem Hut und in Festtracht gekleidet, gehen die ' Mädchen zum Tanz einzuladen. Vor dem Haus, in dem die Mädchen versammelt sind brachte die Blasmusik ein Ständchen dar.

Dann lädt einer von den Burschen die Mädchen zum Tanze ein. Die Einladung hat etwa folgenden Wortlaut:

„Law Med uch Frendannen! Mir sen hegt ha erschingen, am ech em Numen oller Burschen zem traditionelle Bleamendunz enzeloden. Am Numen oller Burschen bedunken ech mech fiur da vill hiasch Bleamenstreiss met dian ir eas um hegdichen Doch esi hiesch geschmeckt hot. Des hiasch Bleamensteiss uch eas hiasch sochsesch Trochten, seilen eas eng wedder un eas ölt Brech uch Sitten, de mir vun easen Viiurfueren ha befanden hun, uch wegter fliajen warden, erennn.

Und nea ir law Medcher loden mir ech ollen medenunder oft harzlichst zem Dunz an. Mir warden es bemahn, ech desen hegdichen Doch esi hiasch ze gestolden, dot hia ech iwig an Eränerung bleiwen wird." (Sächsischer Dialekt)

Seitens der Mädchen dankt die Wortmagd mit folgenden Worten:
„ Mir dünken ech fiur de Elodung zm Dunz! Et fruat es, dot ir eas Gepeschker ugeniun hot. sä schmecken ir Het esi hiasch! Uch mir wealen methealfen, dot des hiasch ölt Brech uch eas sochsesch Drocht wegter beston bleiwen. Mir versprechen, eas esi ofzefaren, dot ollen är Fruad un eas hun Mir sen beriet zem Ofmarsch uch zem Dunz. Ower (schelmisch) int net vergest: de irscht drua Ruan sen Damenwahl."

„Liebe Mädchen und Freundinnen! Wir sind heute hier erschienen, um euch im Namen aller Burschen zum traditionellen Blumentanz einzuladen. Im Namen aller Burschen bedanke ich mich für die vielen schönen Blumensträuße mit denen ihr uns am heutigen Tag so schön geschmückt habt. Diese schönen Sträuße und die schönen sächsischen Trachten sollen uns immer wieder an die alten Bräuche und Sitten, die wir von unseren Vorfahren hier vorgefunden haben und weiter pflegen werden, erinnern.

Und jetzt ihr lieben Mädchen laden wir euch alle miteinander herzlichst zum Tanz ein. Wir werden uns bemühen euch diesen heutigen Tages so schön zu gestalten, dass er euch ewig in Erinnerung bleiben wird.“

Seitens der Mädchen dankt die Wortmagd mit folgenden Worten:
„Wir danken euch für die Einladung zum Tanz. Es freut uns, dass ihr unsere Sträußchen angenommen habt, sie schmücken eure Hüte sehr schön. Auch wir wollen mithelfen, dass dieser schöne alte Brauch und unsere sächsische Tracht weiter bestehen bleiben. Wir versprechen uns so aufzuführen, dass alle ihre Freude an uns haben werden. Wir sind bereit zum Aufmarsch und zum Tanz. Aber (schelmisch) sollt ihr eins nicht vergessen: die ersten drei Reigen sind Damenwahl!“

Alle werden mit warmen Krapfen und Glühwein bedient und dann setzt sich der Aufmarsch in Richtung Dorfmitte in Bewegung.

Hinter der Blasmusik marschieren zunächst die Mädchen in Zweierreihen, dann die Burschen. Erst vor dem Tanzplatz, warten die Mädchen auf ihre Partner, und nun ist der große Augenblick da in dem von den neugierigen Zuschauern die einzelnen Pärchen ausgemacht werden können.

Nach dem Einzug auf die Tanzfläche, stellen sich alle Jugendlichen in einem Kreis auf und es erklingt das „ Siebenbürgerlied." Anschließend folgten drei Tänze.

Dann wird der Aufmarsch mit den Blumensträußen durch das ganze Dorf fortgesetzt und endet schließlich im Gemeindesaal, wo ebenfalls drei Tänze getanzt werden wobei die Mädchen zum Tanze auffordern. Nach der Mittagspause wird weiter bis in den frühen Morgen getanzt.

Nach dem Fest wird allemal noch lange über das schönste Paar und den schönsten Blumenstrauß gerätselt. Die Antwort kann immer nur lauten: Jeder ist schöner als der andere.

Ingolstadt, 16. Oktober 2006

Ludwig Seiverth



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Bilder von Herrn Ludwig Seiverth





Herr Ludwig Seiverth mit der Frauendorfer Jugend.



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Weitere Informationen über Frauendorf in:

http://www.siebenbuerger.de/ortschaften/frauendorf/

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