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Staatsbesuche in Kronstadt

Zeitdokumentschmuggel
Vorbereitung zur Aussiedlung

Fastnachtsbrauch
Blumenfest in Frauendorf.

Siebenbürgen

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Zeitdokumentschmuggel
Vorbereitung zur Aussiedlung

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Beim Patrimonium hatte ich angefragt, ob man Aufnahmen wo Personen in Trachten drauf sind, bei der Aussiedlung mitnehmen darf. Die Antwort war: ja, aber nur solche wo man selber drauf ist. Die andern sind Dokumente und dürfen nicht ausgeführt werden.

So blieb mir nichts anderes übrig, als andere Wege zu suchen.

Unsere Aussiedlung müsste bald erfolgen. Wie bring ich meine Zeitdokumente Dia und Ton über die Grenze?

Zu Weihnachten waren mehrere Bekannte mit den eigenen Auto bei ihren Verwandten in Kronstadt. Ich bat einige die Kassettenabspielgeräte in ihren Autos hatten, meine Tonkassetten mitzunehmen. Doch alle hatten Angst. So war halt nichts zu machen. Ohne den mühevoll erarbeiteten Originalton, sächsisches Brauchtum weiter zu zeigen war für mich unvorstellbar. Dazu war auch meine Stimme schon ziemlich im Eimer. Da musste ein anderer Weg gefunden werden.

Dias

Bei Bekannten sammelte ich leere Filmschachteln von westlichen Filmmarken. Aus meinen Diaserien nahm ich einige heraus die ich entrahmte. Ungefähr 200 Dias konnte ich in eine Filmkartonschachtel einlegen. Mit solch einer Schachtel machte ich Besuche wo ich hörte dass jemand aus Deutschland da war und bat, wenn sie einen Fotoapparat hatten um Mitnahme. Was auch öfters geschah.



Mein Sohn machte auch tüchtig mit, indem er sonntags beim Skifahren in der Schulerau, wo viele Deutsche Urlaub machten einzelne ansprach und sie zu einem Kaffee zu uns nach Hause einlud. Am Montag Nachmittag holte er sie beim Schuleraubus ab und kam durch den Kirchhof von Martinsberg, wo selten jemand durchging (um einen eventuellen Verfolger aus zu machen und abzuschütteln) und brachte die Gäste zu uns.

Ich hatte meine Projektoren vorbereitet so dass wir ihnen mit dem kleinen Löffelchen etwas über unsere Sachsengeschichte einflößten.

Bevor sie gingen bat ich sie eine Filmschachtel Dias mit zu nehmen. Niemand hat meine Bitte abgelehnt. Die Leute haben mir vertraut das ich keine Staatsgeheimnisse über die Grenze schmuggeln will. In Deutschland schickten sie diese an meinen Schwager.

In vier Monaten hatte ich einige Tausend Negative und Diaaufnahmen in Deutschland.

Meine Tonbänder meine Tonkassetten? Für diese fand ich keinen Weg. Die mussten aber auch hinaus!!


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Das Leben ging weiter.

Am 14. Januar 1982 hielt ich unter dem Titel: „Siebenbürgisches Bildermosaik“ in der Kulturwissenschaftlichen Universität Kronstadt einen Diaporamaabend.



Es war ein "Bildermosaik" da ein Großteil meiner Dia-Tonmontagen nicht mehr vollständig waren.

Am 21. Januar war ich, zusammen mit Frau Maria Gierlich-Gräf, Gast beim Literaturkreis der "Karpatenrundschau" wo ich das Großscheuerner Kronenfest vorführte.





Am 9. Februar hielt ich meinen letzten Diavortag in Rumänien, in Zeiden.



Zeiden war der zündende Funke 1978 gewesen wo ich zum ersten mal ein sächsisches Volksfest als Stadtkind erlebt hatte.

Nun schloss sich der Kreis mit Zeiden. Schloss sich ein Kapitel meines Lebens? :

das Sammeln und Vorführen in der fotografischen Kunstgattung Diaporama von lebendigen Volksbräuchen in Siebenbürgen. Zeitdokumente der Jahre 1979-1982, einer sich im Auflösen befindenden 850 jährigen deutschen Volksgruppe Europas.

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Mein Einsatz volkskundliches Wissen über die Kunstgattung Diaporama weiterzureichen fand in Rumänien ein Ende.

Ich war der Einzige der es bis dahin getan hatte. Leider fand ich keine Nachfolger. .

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem sächsischen Kunstfotografen den ich darauf ansprach das wir solche Zeitdokumente schaffen müssen die wir nach Deutschland in Sicherheit bringen müssen!
Zur Antwort bekam ich: "Willst Du in Altenheimen unsere Sachsen zum Weinen bringen?“

Das es sich um ein europäisches Kulturgut handelte, einer Kultur die sich in Auflösung befand, ausgelöst durch die Benachteiligungen und Eigentumsraub seitens der Mehrheitsbevölkerung seit dem ersten Weltkrieges und zumal der Drangsale nach dem zweiten Weltkrieg,war es kein Wunder das die Sachsen den Strohhalm ergriffen, den Ausverkauf des rumänischen Staates der Ausreisewilligen Deutschen an Westdeutschland zu benützen um den Nachkommen ein Leben als Minderheit zu ersparen.

Der Aderlass von über 10.000 Menschen pro Jahr bei einer Menschengruppe von 200.000 war in den anfangs 80ziger Jahren merklich spürbar.
Bei wiederholten Vorführungen, sah ich wie die Zahl der Besucher durch die Aussiedlung zusammenschrumpfte. Sah es am Zerfall der Kirchen und Häuser sowie der vielen Mischehen die an den Kirchentafeln ausgeschrieben waren. Sah wie es mit unserem Völkchen dem Ende zuging.

Ich sah wie die Intelligenz und die kulturell aktivsten sächsischen Familien aussiedelten, weil sie die Zeichen der Zeit erkannt hatten und ihre ganze Intelligenz einsetzten um durch das Fenster von 11.000 Ausreisegenehmigungen pro Jahr hinaus zu kommen.

Im Februar 1982 verlangte man mir die Fotografien für die Pässe.
In 3 Monaten sind wir in der Freiheit, in Deutschland.

Es war soweit.

Das hieß für mich: "auf und sammele so viel wie nur möglich Bildmaterial und Ton ein."


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