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Staatsbesuche in Kronstadt

Zeitdokumentschmuggel
Vorbereitung zur Aussiedlung

Fastnachtsbrauch
Blumenfest in Frauendorf.

Siebenbürgen

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Staatsbesuche in Kronstadt


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Im 14. Jahrhundert residierte in Kronstadt monatelang Sigismund von Luxemburg (ungarische König 1387 - 1437, deutscher König 1410 - 1437, böhmischer König 1419/ 146 - 1437 und deutscher Kaiser 1433 - 1437) der von hier aus einen abendländischen Kreuzzug gegen die vordringenden Osmanen vorbereitete, der bei Nikopolis. scheiterte.

1916 besuchte der bayerische König Ludwig der III. Kronstadt.

1917 der deutsche Kaiser Wilhelm der II. Kronstadt, wo deutsche Truppen in der Etappe waren. Im Beisein des Kaisers wurde eine Kiefer auf der Warte in der Nähe des weißen Turmes gepflanzt, die auch jetzt noch steht.

Ich vermute dass man die, die diesen Baum kennen, bald an den Finger abzählen kann.

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Zurück in meine Zeit.
Nachdem sich Rumänien auf die Seite Jugoslawiens geschlagen hatte, sie gemeinsam die Donau gestaut und jeder eine Hydrozentrale in das Stauwehr eingebaut hatten, kam Tito bei seinem Staatsbesuch in Rumänien auch nach Kronstadt.

Dafür mussten die Durchfahrtsstraßen in Kronstadt mit Fahnen und Fähnchen geschmückt werden und die Belegschaften der großen Fabriken weit vor Kronstadt an der Landstraße Spalier stehen.

Auch unser Unternehmen war dabei. Ich war gespannt wie dieser Mensch aussah, kannte ich ihn nur von den großen Schautafeln die im ganzen Land aufgestellt waren wo er mit einem blutigen Beil und wutverzerrten Gesicht seine armen Kommunisten köpfte. Darunter stand Tito der Henker.

Es hieß dass bei einem Staatsbesuch in Jugoslawien die rum. Delegation in einen Raum geführt worden wäre wo alle Karikaturen die in Rumänien über Tito veröffentlicht hatte, ausgestellt waren (peinlich, peinlich.).

Damals hatte ich meine Fotoapparatur mit einem 150mm Fokus Objektiv von einer Plattenkamera ergänzt welches ich mit einem Tubus den ich aus Bronze hatte drehen lassen, an den Fotoapparat angepasst hatte. Mit dieser klobigen Angelegenheit konnte ich mit meiner Spiegelkamera scharfe Aufnahmen von 15 m bis unendlich machen. Als sich die Kolonne näherte und ich meinen Fotoapparat hoch hob, wurde er mir aus den Händen gerissen. Nachdem die Kolonne vorbeigefahren war musste ich meinen Adapter Tubus vom Fotoapparat abschrauben weil der eifrige Hüter des Gesetzes da durchsehen wollte. Sein Gehirn hatte meinen Fotoapparat mit dem Messingrohr, den ich vor die Augen hielt, als Schusswaffe eingestuft. So konnte ich den historischen Moment nicht festhalten.


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1967 kam der spätere österreichische Ministerpräsident Rudolf Kirchschläger nach Kronstadt zu Besuch.

Marianne arbeitete damals als Reiseleiterin für DDR Jugendtouristen in der Schulerau (Poiana Brasov). An diesem Tag hatte sie vor ihre Gruppe über den Leiterweg auf den Hohenstein zu führen.

Am Abend zuvor war sie nach Hause gekommen um die Schuhe zu wechseln. In der Früh stiegen die Unternehmungslustigen in den Linienbus um nach Kronstadt herunter zu kommen. Dieser war mehr als überfüllt, da an diesem Vormittag die Landstraße Schulerau - Kronstadt wegen des Besuches des Österreichers gesperrt werden sollte. Auf der Warte versagten die Bremsen und der Bus raste über die Aussichtswarte und kippte um. Eine Tote und 18 Verletzte war die Bilanz.

Maßnahme der Obrigkeit: Marianne musste den Dienst verlassen.

Wir wollten vor Gericht gehen, da sie doch nicht für den Verkehrsunfall eines Linienbusses schuldig gesprochen werden konnte. Unter vier Augen wurde ihr gesagt dass es ihnen bekannt ist, dass noch kein Reiseleiter so viel mit den DDR Jugendtouristen unternommen habe wie sie, und sie es zu schätzen wissen, aber gezwungen seien eine derartige Maßnahme dem Minister vorzuweisen. Als sie sich sträubte wurde sie gefragt: "Wünschen sie einen politischen Prozess ? Oder wollen sie bis zum nächsten Jahr warten, bis etwas Gras darüber gewachsen ist, wir rufen sie dann wieder".

Im Jahr darauf hat man sie tatsächlich wieder gerufen.


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1969 war wieder großer Auflauf in der Stadt, der österreichischer Bundespräsident Franz Josef Jonas besuchte Rumänien, wobei er auch nach Kronstadt und Herrmannstadt kam. In Kronstadt wurde ihm auch die Schwarze Kirche gezeigt, dabei durchbrach ein Kronstädter den Sicherheitsgürtel und rief den Präsidenten beim Namen. Sie waren einmal Studienkollegen gewesen. Kurze Zeit darauf bekam er die Aussiedlungsgenehmigung.


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1971 kam bei einem Rumänienbesuch der deutsche Bundespräsident Gustav Heinemann auch nach Kronstadt. Die Stadt bereitete sich dafür folgendermaßen vor: Pfarrer Morscher, meine Trauzeugin Annemarie Knopp, sowie andere wurden 24 Stunden in Sicherheitsverwahrung genommen.

Ich arbeitete damals im Metrologie Labor im Postgebäude, im Zentrum der Stadt.

Am Morgen des Tages bekam mein rumänischer Arbeitskollege Eugen Emilian per Telefon den Auftrag zu verhindern dass ich das Gebäude verlasse. Als ich auf dem Korridor zum WC ging sprach mich eine Dame an, die mir ihr Mitleid bekundete das ich den Deutschen Bundespräsidenten nicht sehen dürfe und mir vorschlug ich solle auf den Balkon ihres Büros kommen, von da könnte ich einen Blick auf die vorbeifahrende Kolonne erhaschen. Ich bedankte mich für ihr Angebot, nahm es aber nicht an. Überrascht war ich dass auch andere Leute von meinem Hausarrest wussten.

Die Kolonne fuhr 200 m vor dem Haus vorbei. Den Bundespräsidenten zu sehen hätte auch nichts gebracht, außer dass besagte Dame vielleicht Schwierigkeit bekommen hätte.

Später erfuhren wir dass die Deutschen aus der Zuschauermenge vertrieben wurden, damit man keine deutschen Gesichter sehen solle.

Dem sächsischen Stadtpfarrer wurde befohlen bei Fragen seine Antworten in rumänischer Sprache zu geben.

Grotesk und ulkig fanden wir dass auf die Frage des Bundesdeutschen Ministerpräsidenten ob hier in dieser Kirche deutsch gepredigt würde, der Stadtpfarrer ihm rumänisch antwortete: "ja in deutscher Sprache wird hier Gottesdienst gehalten." Was danach dem Ministerpräsidenten ins deutsche übersetzt wurde.


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1978 besuchte Bundeskanzler Helmuth Schmidt Bukarest, dabei hat der Partei- und Staatspräsident Rumäniens Nicolae Ceausescu ihm zugesagt jährlich etwa 11.000 Rumäniendeutschen die Ausreise in die Bundesrepublik zu ermöglichen. Dafür kassierte Rumänien für jeden Aussiedler Kopfgeld.


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1981 besuchte Bundespräsident Karl Carstens mit Gattin Rumänien, wobei er nach Craiova fuhr und sie nach Kronstadt kam.

Ich war nach meiner Magen OP noch krank geschrieben und dachte mir das musst du dir mal ansehen.

Was wird in Kronstadt einem Gast gezeigt? Die Schwarze Kirche. Da muss ich hin. Genau so dachten auch viele andere Sachsen. Wir versuchten am Gehsteig der Kirche gegenüber einen Platz einzunehmen. Gleich hörten wir Rufe: weitergehen, weiter, weiter, niemand bleibt hier stehen.

Inzwischen hatte es angefangen leicht zu regnen und siehe da, der Regen schied die Securisten von den Sachsen aus. Wir kamen von zu Hause und hatten Regenschirme mit, während die Securisten und die Polizei in Zivilkleidung, die Torbögen als Regenschutz benützen mussten.

Über Mundfunk bekam ich mit, dass man ihr auch die erste rumänische Schule des Landes in der Vorstadt zeigen würde. Sie ist urkundlich im 18. Jahrhundert belegt.

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Eine deutsche Schule ist in Kronstadt urkundlich in einem Leumundszeugnis von 1388 belegt. Die ersten Schulen in unseren ländlichen Gemeinden sind urkundlich ab 1334 belegt.

In 153 Jahren (1377-1530) haben 1.019 Sachsen nach ihrer Schulausbildung in Siebenbürgen, in Wien studiert. 16 sind Professoren geworden. Im 15. Jahrhundert gab es kaum ein sächsisches Dorf ohne Schule.

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Die direkten Straßen zum Marktplatz wo sich die Kirche und alte rum. Schule befanden waren gesperrt. Auf der, der Schule gegenüberliegenden Seite des Platzes, sah ich Menschen stehen. Als ich dort ankam, war Frau Dr. Veronika Carstens schon im Schulgebäude. Als sie herauskam fingen wir an zu applaudieren um uns bemerkbar zu machen. Und siehe da, sie kam über den Platz zu uns herüber. Im nächsten Augenblick drehten sich eine Menge Leute in unserer Menschentraube um und bildeten eine Kette zwischen uns und ihr.

Ich war erstaunt wie viele Sicherheitsbeamte zivil in dieser kleinen Menschenmenge waren.

Im Januar 1983, in Deutschland lebend schrieb ich ihr einen Brief und schilderte ihr ihren Besuch als einer der auf der anderen Seite des Sicherheitskordons gestanden hat. Ich bedankte mich bei ihr und ihrem Gatten weil eine Wahrscheinlichkeit bestand das wir auf einer Liste gestanden hatten, die beim Besuch in Rumänien der dortigen Regierung übergeben worden war.

In meinem Brief wies ich darauf hin dass ich keine Antwort erwarte, dass ich nur vorhatte zu informieren und nicht etwas von ihrer kostbaren Zeit haben wollte. Trotzdem bekam ich eine persönliche Antwort, was mich sehr gefreut hat.



In Hermannstadt kam es trotz starker Securitate Präsenz zu eindrucksvollen Begegnungen des Präsidentenehepaares und Siebenbürger Sachsen, wobei einige ungeachtet der eventuellen Folgen um Hilfe für ihre Familienzusammenführung gerufen haben.

Bei diesen Staatsbesuchen musste nicht der Staatsgast geschützt werden, sondern das Image Rumäniens vor der Weltöffentlichkeit.






Ich fühlte mich verpflichtet zu schreiben um diesen Persönlichkeiten zu zeigen das wir Siebenbürger nicht nur Bittsteller sondern auch Dankbare sind, die sich bemühen sich in die neue Heimat einzubringen.





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