Sie sind der
GOWEBCounter by INLINE Besucher



Kulturaktivität
Januar, Februar 1981.

Pocerspiel:
Politisches Gefängnis
oder Aussiedlung.

Kulturaktivität
März, April, Mai 1981.

Interview mit R. L.
Vortrag in Pretai
Vortrag in Hermannstadt Meine Stimme verkrampft sich

Kulturaktivität
Juni, Juli 1981.

Zwei dritte Preise in der Endphase des Landesfestivals "Preis dir Rumänien."

Kulturaktivität
Aug. Sept. Okt 1981.

Genehmigung der gemeinsamen Aussiedlung mit meinen Eltern
Magenoperation.

Kulturaktivität
Nov. Dez. 1981.

Maria Gierlich-Gräf.
Der finanzielle Wert
eines Diaporamas
Gedanken zum Jahresende
......................



Kulturaktivität: November, Dezember 1981



:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::



Im April hatte ich diese Verständigung von Volkskundler und Kunsthistoriker Dr. Phil. Erhard Antoni aus Großschenk erhalten.

Mit Kleinschenk hat es nicht geklappt aber mit dem Hinweis zum Johannes-Baumfest in Großscheuern.

Den Termin der Veranstaltung gab ich dem Kulturattaché der Botschaft der DDR weiter.

Maria Gierlich-Gräf.

Mit Marianne machten wir uns auf und besuchten anlässlich der Johannis-Kronenbaumfeier Frau Maria Gierlich-Gräf in Großscheuern, die volkskundlich sehr rührig war.

Als sie uns ihre Schätze an Trachtenstücken von zwei Generationen zeigte, die bei verschiedenen Anlässen getragen wurden und den Namen jedes Kleidungsstücks dazu nannte, gingen uns Städter die Augen über.

Sie fotografierte auch. Ich schenkte ihr zwei Diafilme und bat sie, sie solle Aufnahmen von Veranstaltungen machen, ich würde ihr den Weg für Vorträge in verschiedenen Orten ebnen.

Danach gingen wir auf den Kirchhof, wo das Kronenfest stattfand, welches ich in Dias festhielt.

Um eine Zeit wurde ein Herr Roth gesucht. Es stellte sich heraus, dass ein Lektor aus der DDR, der Deutsch in Klausenburg unterrichtete, von der Botschaft verständigt worden war und zu dieser Veranstaltung kommend, mich suchte.

Wir wohnten gemeinsam der Veranstaltung bei und wurden vom Pfarrer zur Besichtigung der Kirche eingeladen.

Hier befanden sich seit kurzem die renovierten, bemalten Holztafeln mit Jahreszahl aus der Draaser Kirche. Ein wertvolles Zeugnis von Bauernmalerei.

Damals war der Ortspfarrer gerade auf dem Sprung der Auswanderung.

Tage danach organisierte ich in Kronstadt und Zeiden einen Vortragsabend, wo Frau Maria Gierlich-Gräf Gedichte in Mundart vorlesen und ich ihre Dias zeigen sollte.

Ich verständigte sie, erhielt aber keine Antwort. Telefon hatte sie keines. So musste ich schreiben und bekam wiederum keine Antwort. Zum Schluss bat ich jemanden von der Redaktion der Karpatenrundschau, sich nach ihr zu erkundigen.

Was war geschehen? Das Auto mit dem Besucher aus der Deutschen Demokratischen Republik war aufgefallen. Dabei war ein ortsfremder Roth gesucht worden. Dieser mit seiner Frau wurde in Begleitung von Frau Gierlich-Gräf gesehen.

Das genügte um sie am Tag nach dem Fest vorzuladen und nach uns auszufragen. Da wir aber zum ersten Mal mit ihr zusammengekommen waren, wusste sie nichts über uns zu berichten, außer dass wir uns für Volkskunde interessieren.

Endlich fasste sie wieder Mut und schrieb mir.



Dezember.

Im Dezember war ich nach der schweren Magen-OP wieder so weit auf den Beinen, dass ich einen Vortrag gemeinsam mit Frau Maria Gierlich-Gräf halten konnte.



Wochenzeitschrift Karpatenrundschau



Tageszeitung Neuer Weg

Der Vortrag war gut besucht.
In Zeiden, als es dunkel war und wir mit der Projektion anfangen sollten, sagte Frau Maria Gierlich-Gräf zu mir: "Herr Roth, Herr Roth, ich habe eine solche Angst!" Dabei war das Mikrofon eingeschalten und der ganze Saal bekam es mit, was ein wohlwollendes Gelächter auslöste. Somit aber war das Eis gebrochen. Sie kam schnell in ihr Fahrwasser, da sie von ihrer eigenen, gelebten Kultur berichtete.

Die Vorladun hate sie nicht gebrochen. Ein Fernsehteam des ZDF drehte einen offiziellen Kurzbericht über sie, der danach in der BRD ausgestrahlt wurde.

Ich habe mich sehr gefreut, als ich damals den Bericht über sie, noch im Übergangswohnheim in Augsburg lebend, sehen konnte.

Nur wer in Rumänien zu der Zeit gelebt hat, konnte ihre gewagten angedeuteten Aussagen verstehen, die sie da eingebracht hat.

Als der Eiserne Vorgang fiel sah sie zu, dass alle in ihrem Dorf, auch die Zigeuner, von den Hilfsgütern etwas bekamen.

Bei der Bodenrückgabe hat sie auch eine wichtige Rolle gespielt, da man den verbliebenen Sachsen in ihrem Dorf keinen Grund vom Kollektiv geben wollte, weil ihnen laut Gesetz keiner zustand, da sie nicht mit Grund in die Genossenschaft eingetreten waren.

Wie sollten sie mit Grund beitreten, wenn man ihnen vor der allgemeinen Zwangskollektivierung den Grund enteignet hatte?

Sie hat als Letzte das Dorf verlassen, bevor der Aufnahmevorhang in Deutschland fiel.



Maria Gierlich-Gräf.


::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

"Wie viele Diafilme haben Sie für das auf Landesebene preisgekrönte Diaporama 'Nedeea muntilor' verwendet?"

"Zwei ORWO (DDR Erzeugnis) Diafilme", war meine Antwort.

"Gut, wir geben ihnen 6 Diafilme für ihr Diaporama."

"Ja, wissen Sie, Genosse Direktor, ich habe da noch zusätzliche Ausgaben wie Entwicklung, Diarähmchen, Diamagazine, Tonkassetten, Kassettenrekorder, Tonbandgerät, Tonbänder und die nötige Diaprojektoren mit teuren Birnen und anderes zur Erstellung dieses preisgekrönten Diaporamas gehabt. Ich schlage vor, dass wir uns über den Kunstfotografenverband des Landes, dessen Mitglied ich bin, den Ankauf von Ihrerseits als Regionales Kulturkomitees für sozialistische Erziehung Brasov abwickeln sollten. Ich gebe Ihnen die Adresse aus Bukarest durch."

Ich legte das Telefon nieder.

Kurz darauf rief ich Bukarest an und erzählte dem Vorsitzenden Dr. Cornel Comanescu über das Angebot welches mir gemacht wurde.

"Herr Roth, Ich rate ihnen, versuchen Sie Duplikate von den Dias im Ausland zu erstellen und verkaufen sie die Serie an das Kulturkomitee. Mit denen ist nicht gut Kirschen essen. Sie könnten politische Schwierigkeiten bekommen und es wäre aus mit ihrer Aktivität."

"Wir werden bei einer Anfrage die offiziell gängigen Preise präsentieren. Ich glaube aber, dass das Komitee von einem Kauf absehen wird. Wir halten sie am Laufenden."

Ich hatte hie und da versucht Duplikate von meinen Dias zu machen, doch das Resultat war leider jedes Mal unbefriedigend.

Wer nimmt sich meiner im Ausland an und was kostet das Erstellen eines Duplikates in der BRD?

Bald hatte ich die Antwort. Ein handgefertigtes Diaduplikat kostete 10 DM. 60 Dias 600 DM. 600 DM mal 8 (Schwarzkurs der DM) 4.800 Lei. Eineinhalb Monatsgehälter.

Nicht erschwinglich. Also abwarten und Tee trinken.

Nach 2 Wochen erhielt ich eine Kopie des Antwortschreibens des Kunstfotografenverbandes auf die Anfrage des Kulturkomitees.

Der Mund blieb mir offen. Ein Begutachter sollte aus Bukarest angefordert werden, der sich die Erstellung des Diaporama ansehen und finanziell bewerten sollte.

100 Lei war der offizielle Preis für jedes Dia. (von der Presse bekam ich damals 22 Lei für ein publiziertes Bild) Dazu kamen noch Aufschläge weil die Montage mehrfach preisgekrönt worden war. Unter dem Strich sollte das Kulturkomitee für sozialistische Erziehung mit ungefähr 10.000 Lei rechnen.

Ich war sprachlos. Also solchen Wert schuf ich ohne es zu wissen.

Verständlicherweise kam es nicht mehr zum Ankauf.

Drei Jahre später hatte ich im Reger Studio in München in einer AV Abteilung Arbeit gefunden, wo ich den ganzen Tag per Hand, Diaduplikate anfertigte. Damals kostete ein Duplikat noch immer 10 DM. Während der Preis für eine Diashow für 2 Projektoren von 10 Minuten bis auf 10.000 DM belief.

..................................

Gedanken zum Jahresende 1981

Zu Weihnachten schnitten wir unseren Tannenbaum im Garten. Er sollte hier einmal groß und stark werden.

Was wird uns das Jahr 1982 bringen?

Werden wir die Ausreiseerlaubnis erhalten?

Werden wir in Deutschland zu Essen haben?

Werden wir frieren? Werden wir Kohle schaufeln müssen?

Mein Bauch wollte an einer Stelle nicht zuheilen. Musste oft verbunden werden. Das Essen rutschte mir oft aus dem Magen in den Oberbauch. Ich hatte furchtbare Blähungen und war schweißgebadet vor Schmerzen.

Die Lebensmittel wurden im Land immer knapper. Selbst Brot wurde zur Mangelware in Rumänien.

Ich wog 10 kg unter meinem Normalgewicht und es wollte nicht besser werden.

Was erwartete uns 1982? Werden wir es schaffen in Deutschland menschlich zu leben? Oder werden wir in die von Viktor Hugo beschriebene Gesellschaft abrutschen?

Nein, das werden wir nicht. Wir sind aus einem anderen Holz geschnitzt.

;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;;