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Kulturaktivität
Januar, Februar 1981.

Pokerspiel:
Politisches Gefängnis
oder Aussiedlung.

Kulturaktivität
März, April, Mai 1981.

Interview mit L. R.
Vortrag in Pretai
Vortrag in Hermannstadt Meine Stimme verkrampft sich

Kulturaktivität
Juni, Juli 1981.

Zwei dritte Preise in der Endphase des Landesfestivals "Preis dir Rumänien."


Kulturaktivität
Aug. Sept. Okt 1981.

Genehmigung der gemeinsamen Aussiedlung mit meinen Eltern
Magenoperation.

Kulturaktivität
Nov. Dez. 1981.

Maria Gierlich-Gräf.
Der finanzielle Wert
eines Diaporamas
Gedanken zum Jahresende
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Kulturaktivität: März, April, Mai 1981

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März



In Bukarest hatte ich nach der Vorführung bei der Kirche der Reporterin Ruth Lissay ein Interview gegeben welches in der kulturellen Monatszeitschrift Volk und Kultur veröffentlicht wurde.













Vorträge März

03. März. Obervorstädter Kirche in Kronstadt.

07. März. Volksuniversität Heldsdorf

10. März. Jugendstunde der Martinsberger Kirche in Kronstadt.
Hier traf sich am Samstagabend die sächsische konfirmierte Jugend der ev. Kirchengemeinde.

Diese Jugendstunden bei zwei Kirchen in Kronstadt waren wichtige Treffpunkt für unsere Jugend, die nach Volksschulabschluss in verschiedene rumänische Fachschulen ging und nur hier mit ihresgleichen zusammenkam, was für eine Minderheit von großer Wichtigkeit ist.

Auf den Vorschlag meines Sohnes, dass man hier auch Sachsengeschichte vorlesen könnte, weil diesbezüglich im Schulleben nichts gelehrt wurde, hat der Pfarrer, wie in meinen Jugend vor 25 Jahren, aus Angst vor Unannehmlichkeiten, abgelehnt.

Mit meiner preisgekrönten Dia-Tonvorführung konnte ich einspringen und nebenbei die Jugendlichen auf unsere Kirchenburgen sensibilisieren.

11. März. Cidoniakreis für Volks- und Heimatkunde in Zeiden



14. März Volksuniversität Heldsdorf

Vom 16. bis 26. fand eine Fotoausstellung auf Kreisebene in Kronstadt statt,





wo einige meiner Arbeiten Eingang fanden.



Dabei erzielte ich einen 2. Preis in der Kategorie Landschaftsfotografie.

17. März Kulturheim Pretai.



In Pretai war ich zu Gast bei Pfarrer Türk. Hier hatte ich eine Veranstaltung nachmittags für Schüler und abends für Erwachsene organisiert.

Für die Abendveranstaltung hatte ich vorgesehen auch eine Führung durch die Kirchenburgen der Repser Gegend zu zeigen. Als ich in den Saal kam, bemerkte ich, dass in der ersten Reihe etliche Stühle frei gehalten wurden. Auf meine Frage warum, sagte man mir, dass sich eine Kontrollbrigade der Partei im Ort befinde, für die man die Stühle frei hält.

Hui!! Das hatte ich gebraucht!
Meine Kirchenburgmontage war bei diesen Leuten nicht salonfähig und hätte als kirchliche Werbung von diesen Totengräbergesellschaftsvertretern interpretiert werden können, da sie Bilder von einer Konfirmation und von einer kirchlichen Hochzeit enthielt.

So wechselte ich das Diaporama mit der Junii aus Kronstadt. Die Herrn Genossen (in Rumänien durfte man nur mit „Genosse“ angesprochen werden, mit „Herr“ nur in den Gefängnissen) kamen - sahen und gingen. Der gute Wein, der in dieser Gegend wuchs und sie nichts kostete, war verlockender.

Schon das Sammeln von Volksmärchen wurde einem Schulfreun Claus Stepfani, damals Stelvertretender Redaktör der Zeitschrift Neue Literatur, als "Erweckung des faschistischen Deutschtums" angekreidet.

Als ich mit der Abendvorstellung fertig war, merkte ich, dass die Leute nicht weggingen. Nanu? Die Bestuhlung des Saals wurde aufgeräumt, die Tische zurechtgerückt und, ja, Tischtücher kamen zum Vorschein, Körbe mit Essen und Wein waren plötzlich da.

Es war ein Abend, den ich nie vergessen werde. Es stellte sich heraus, dass Interessenten aus einem Nachbardorf sich einen Bus besorgt hatten und zu meiner Vorstellung gekommen waren. Es wurde ein fröhlicher Abend, der mit dem Siebenbürgerlied endete.







20. März Diapanorama-Vorführung im Hermannstadt.









Bei der Vorführung des Kirchenbauwerks der Mühlbacher Kirche in rumänischer Sprache, wollte ich sagen, dass in Siebenbürgen die europäische Baukultur: Romanik und Gotik, aufhört.

Wörtlich sagte ich jedoch auf rumänisch: "In Siebenbürgen hört die europäische Kultur auf."

Der Organisator dieser Veranstaltung Herr..., feixte vor Freude und sagte: "Das haben Sie mal gut gesagt." Ich selber hatte nicht bemerkt, dass ich meinen Satz nicht vollständig ausgesprochen hatte.

So können einem ungewollt Fehler unterlaufen, die in einem totalitären, chauvinistischen, nationalistischen Staat zum Verhängnis werden.

Von da an passte ich höllisch auf, was ich sagte. Oft verschlug es mir bei sächsischen Veranstaltungen vor Ergriffenheit die Sprache. Die Verkrampfung meiner Stimmbänder konnte ich, auch nach Jahren logopädischer Hilfe, nicht rückgängig machen.

Dazu muss noch gesagt werden, dass Europa nicht an den EU-Grenzen aufhört sondern beim Ural.



Bei der Datumseingabe (22 XI ) hatte hier ein kleines Teufelchen seine Finger im Spiel.

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Dieses Jahr fand die Endphase der Kulturveranstaltung „Preis Dir, Rumänien“ 1979 - 1981 statt.
Jegliche Kulturaktivität musste unter diesen Slogan gestellt werden.



Einige Dias und mein Diapanorama "Kreis Kronstadt im Festgewand", das ich speziell dafür erstellt hatte, kamen mit Brio in die nächste Phase.

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April 1981

14. April Hermannstadt








Ich habe im Leben schon manches geschafft, aber wie hier verlangt um 17 Uhr in Hermannstadts einen Vortrag zu halten und um 19 Uhr in Schäßburg den nächsten, ging über meine organisatorischen Möglichkeiten.



Gut, dass sich das Problem lösen ließ.

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Bei meinem Aufenthalt im Hermannstadt meldete ich mich beim Theologischen Institut für eine Vorführung über unsere Kirchenburgen an.

Zu der Zeit war gerade Besuch von Studenten aus der BRD im Institut angesagt. Ich hätte gerne unseren Studenten gemeinsam mit den Wessis, einen Einblick in unsere Kirchenburgen gegeben. Die Securitate war mir aber zuvorgekommen und hatte angeordnet, dass „keine Veranstaltungen zur Verbrüderung zwischen Einheimischen und Gästen“ gefördert werden dürften. Ein Fußballspiel war vorher vereinbart, ob es abgehalten wurde weiß ich nicht.

Herrn Bischof Dr. Albert Klein konnte ich meine Diapanoramen nicht zeigen, wahrscheinlich hat ihn das Gesetz davon abgehalten, das vorsah, dass nur mit seiner und der Erlaubnis des Patrimoniums offiziell in Kirchen fotografiert werden durfte.

Dr. Paul Philippi, der als Gastprofessor hier tätig war, machte mir unter zwei Augen den Vorwurf, dass ich „mit meinen Dia-Tonmontagen an der Aussiedlungsschraube drehe." Ich hatte als letzte Kirche in meinem Diapanorama den Zerfall der Draaser Kirche mit Krähengeschrei und dem Lied "Unsern Ausgang segne Gott" zusammengestellt.

Man sagte hinter vorgehaltener Hand, dass es für ihn leicht sei zu reden, da er einen deutschen Pass und eine deutsche Rente hatte und sich immer zwischen Deutschland und Rumänien bewegen konnte.

Zu einer anderen Stunde zeigte ich unter anderem mein Diapanorama "Kirchenburgen im Repser Land" den Gästen aus der BRD.



Die rumänische Reisebegleiterin war sprachlos. So etwas gibt es in Rumänien? Auf den Vorbereitungskursen für diesen Job hatte man ihnen so etwas nicht vermittelt. Schwerpunkt der Ausbildung und Prüfung war die Aussage des meistgeliebten Sohn des Volkes Nicolae Ceausescu beim letzten Parteikongress.

Jahre später erhielt ich in Deutschland diesen Zeitungsausschnitt.



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Mai 1982

Im Mai bin ich mit meinem Magengeschwür zusammengebrochen. Die Informationen dass die Securitate mich auf Schritt und Tritt beobachten ließ, hatte auch dazu beigetragen. Kronstadt hatte meine Ausreise akzeptier und wir warteten auf die Ausreisegenehmigung meiner Eltern. Aufhören weiter Brauchtum zu sammeln? Nein das kam nicht in frage. Ich war der Einzge der es mit diesem Medium tat und musste es weiter tuhn.

Nach der Arbeit einen ganzen Monat im Garten gelegen und den Bäumen und Blumen zugeschaut wie sie blühen. Zwischendurch an der Erstellung von Diaporamas aus dem in der Zwischenzeit gesammelten Material gearbeitet. Dabei das Medikament Tagamet eingenommen, welches ich mir aus der BRD durch Verwandte habe kaufen und schicken lassen müssen. (Es kostete mich fast zwei meiner Monatsgehälter.)

Ich spürte kaum eine Besserung.

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