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Bistritz, Mettersdorf
Mönchsdorf, Senndorf








Begebenheiten bei den Vortragsveranstaltungen

Bistritz 15. April 1980

Die Ansiedlung deutscher Bevölkerung fand zwischen 1142-1162 statt. Die erste Erwähnung des Namens „Bystercze“ erfolgte 1285. Nach Verheerungen durch Mongolen, Einfällen von Tataren und anderen war 1857 der Anteil der deutschen Stadtbevölkerung auf 73% geschrumpft. 1975 bedingt durch Flucht im Zweiten Weltkrieg und Auswanderung betrug der Prozentsatz nur noch 5 %. Heute 2006, sieht man die Altersstruktur der hier noch lebenden an, ist ein baldiges Erlöschen dieser Volksgruppe vorauszusehen.

Am 15. April kam ich mit dem Zug in Bistritz an.

Abgeholt wurde ich von Herrn Hügel, Kulturverantwortlicher für Bistritz, der mich bei sich unterbrachte. Herr Hügel ist ein hervorragender sächsischer Künstler.



Den ersten Vortrag hielt ich am Abend im Kulturhaus in deutscher Sprache.



Am Tag darauf begab ich mich auf Spurensuche meiner Ahnen. Mein „Roth“ – Großvater stammte aus dieser Stadt.

      

Ich besuchte die Kirche.

Da saß ich nun und dachte an meine Vorfahren, die diesen Raum Jahrhunderte hindurch betreten hatten. Sah das Taufbecken wo sie getauft wurden. Hier in Bistritz hatte ich angeblich noch Verwandte, Nachkommen der Schwester meines Großvaters der 1911 verstorben war. Bei der Kirchenverwaltung nachgefragt, erfuhr ich, dass sie vor kurzem nach Deutschland ausgewandert waren.

(2001 hat meine Frau sie ausfindig gemacht und wir haben sie in Deutschland besucht.)

Am Abend hatte ich eine Vorführung im Fotoklub Bistritz im Programm, wo ich großes Interesse und Begeisterung für meine Technik und das, was ich damit erstellte, fand.

Hier machte ich Bekanntschaft mit einem Herrn, der in den 40er Jahren als Mitglied der DJ (Deutschen Jugend = HJ in Rumänien) in Uniform mit seinem Freund, Juden auf der Straße die Paikles abgeschnitten hatten.

Er ließ seinen Jugendfreund Eduard Eisenburger grüßen, der nun Abgeordneter der Großen Nationalversammlung und Mitglied des Staatsrates und des Zentralrates der Rumänischen Kommunistischen Partei, sowie Vorsitzender des Rates der Werktätigen deutscher Nationalität und in Kronstadt Chefredakteur der Wochenschrift Karpatenrundschau war.

Eduard Eisenburger war der höchste Partei- und Staatsfunktionär der Rumäniendeutschen. Von ihm hingen um eine Zeit viele Ausreisegenehmigungen zur Familienzusammenführung in den Westen ab. Er war sich bewusst, dass der Untergang der Minderheit in Rumänien und somit eine 800-jährige europäische Kulturgruppe vor der Selbstauflösung stand und hat sich dagegen gestemmt.

Den nächsten Tag hatte mich Herr Schiel zu einer Motorradfahrt in sächsische Dörfer eingeladen.

So besuchten wir die ehemalige sächsische Kirche in Mettersdorf.



Erste urkundliche Erwähnung 1317. Auch Kaiser Josef der II. hat 1773 Mettersdorf besucht. Bis zur Evakuierung im September 1944 hatte der Ort 78,8% Deutsche. Seit 1970 leben keine Deutschen mehr im Ort. Die Kirche wurde der orthodoxen Gemeinde verkauft und mit Geldmitteln der sächsischen Mettersdörfer aus aller Welt renoviert.



Diese war meine erste, in eine orthodoxe umgewandelte sächsische Kirche, die ich gesehen habe. Für eine orthodoxe Kirche waren die Sitzbänke in der Kirche unüblich. Mit Wandbehängen und einer Iconostase, der den Chor vom Längsschiff trennt, hatten sie sich die Kirche zurechtgemacht.

      

Als Männer durften wir den Chorraum betreten, wo wir den sächsischen Altar vorfanden. Die Heiligenstatuen waren entfernt worden, weil die Rumänen die Stelle in der Bibel „Du sollst dir kein Ebenbild von mir machen“ mit „Sa nu-ti faci chip cioplit“: „Mach dir kein gemeißeltes Bild“ übersetzt und somit keine Statuen in den Kirchen haben. Auch Ikonen werden zwar oft in Silber getrieben, aber das Gesicht wird immer gemalt.

      

Die Rumänin, die uns die Kirche aufsperrte, trug Bundschuhe. Und das 1980!
Das Denkmal der im ersten Weltkrieg gefallenen Sachsen war ein Opfer von Vandalismus.

In meiner Ergriffenheit hatte ich mein Blitzgerät am Altar abgelegt. Als wir zurückkamen war es weg, was einen Schaden von einem halben Monatsgehalt für mich bedeutete.


Der nächste Ort war Mönchsdorf.

      

Es ist eine der ältesten deutschen Gemeinden Siebenbürgens. Um 1215 wurde hier eine dreischiffige romanische Kirche errichtet, die zu den bedeutendsten architektonischen Bauten Rumäniens zählt.

      

Von den 297 Sachsen im Jahre 1941, lebten 1980 im Ort noch 6 Personen. 1992 waren es noch 3.

Die nach der Evakuierung 1944 zurückgekehrten wenigen Sachsen haben in der nachfolgenden Zeit: Enteignung, Lager, Zwangsarbeit, Entrechtung, kommunistische Unterdrückung (wie in allen sächsischen Dörfern nach 1945) den Weg der Auswanderung in die BRD eingeschlagen.



Ende der 90er Jahre wurde die Kirche von der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung, den früheren deutschen Mönchsdörfern und dem rumänischen Staat renoviert.


Senndorf. Bitte anklicken.
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