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Oberwischau







Begebenheiten bei den Vortragsveranstaltungen.

Deesch (rum. Dej) 1980

Am 13. April fuhr ich weiter nach Oberwischau mit dem Zug mit 3 Stunden Aufenthalt in Deesch. Ich gab mein Gepäck ab und erkundete die Stadt.



Eine alte Kirche im gotischen Stil aus Stein, wahrscheinlich 14. Jh. fiel mir dabei auf.

Später hörte ich, dass früher hier Deutsche gelebt hatten.

Auf einem Marktplatz war ein imposanter Bau auf dessen Fassade sich ein Wappen befand. Das ist wahrscheinlich das Stadtwappen, dachte ich mir. Fotoapparat heraus, Teleobjektiv daran und anvisiert.

Die Menschen, die an mir vorbeigingen sahen mich irgendwie komisch an. Einige drehten sich auch noch um. War ich gerade so auffällig mit meiner Fotoapparatur am Hals? Ein rumänischer Offizier kann auf mich zu, so dass ich einen Schritt zur Seite machte um nicht von ihm angerempelt zu werden, komische Hinterwälder, dachte ich mir.

Also noch einen Schritt nach rechts, anvisiert und abgedrückt. Danach das starre 300er Teleobjektiv (Vario gab es damals in den Ostblockstaaten noch nicht) wegen seiner Länge, Gewicht und Größe mit einem normalen ersetzt und weiterspaziert.

Als ich zum zweiten Mal an der auffälligen Hausfront vorbeikam, sah ich das Schild: Fotografieren Verboten!!!

Beim Fotografieren hatte ich es nicht sehen können, da die Tafel mit der Kante zu mir stand. Es lief mir kalt über den Rücken. Vom Hörensagen wusste ich, dass sich hier in Deesch eines der berüchtigtsten politischen Gefängnisse befand.

Hatte ich das unwissend fotografiert? Ab zum Bahnhof.
Was in dem Gebäude war, weiß ich bis heute nicht. Gut, dass es nicht dazugekommen ist, dass man mich offiziell aufgeklärt hat und mir dafür, laut Aussage des Geheimdienstoffiziers (siehe Securitate Großwardein) meinen Fotoapparat laut Gesetz einbehalten hat. Auch wäre ich bestimmt nicht mehr bei Zeiten in Oberwischau angekommen um meinen Vortrag zu halten. Das Dia habe ich zu Hause vernichtet.

2006 war ich dabei, als ein Tourist der Gruppe der ich angehörte, in Chisineu (Hauptstadt von Moldawien) eine Aufnahme von russischen Wachsoldaten des russischen Gesandtschaftsgebäudes gemacht hatte und man ihm die Kamera abnehmen wollte. Besser ist es mir in Bukarest ergangen als ich das Schillerkulturhaus neben der Amerikanischen Botschaft filmen wollte. Ich hatte meine Kamera nicht auf das nebenstehende Gesandtschaftsgebäude gerichtet, sondern bin mit dem Rücken zur Gesandtschaft gestanden. Dennoch haben sich die Truthähne aufgeregt.

Oberwischau.
Nachmittag kam ich in Oberwischau an.



Mein Schulfreund, Claus Stephani hatte 1975 das Buch „Erfragte Wege“ herausgebracht, (das zwei Jahre in der Zensur gelegen war) welches für mich und vieler meiner Generation, die erste Information über die Zipser aus Nordsieb enbürgen und der Südbukowina war.



Schon 1213 werden „Teutonen“, deutsche Siedler in der Maramuresch, im Nördlichen Siebenbürgen erwähnt. Zu Beginn des 15.Jh. erfolgte eine neue Einwanderungswelle aus Sachsen, die im Bergbau tätig waren. Seit Jahrhunderten waren in den Bergwerken von denen einige ab 1490 den Fuggern gehörten, hauptsächlich Deutsche beschäftigt. In den Seitentälern lebten Rumänen und Ruthenen.

Ab 1778 waren Österreicher aus Bad Ischl und Ebensee nach Oberwischau gekommen. Die letzte größere Einwanderungsgruppe traf 1812 aus mehreren Zipser (Slowakei) Ortschaften ein. Sie wurden als Bergleute gerufen, wurden dann Holzarbeiter und Flößer.

Diese wollte ich besuchen. Von Claus Stephani hatte ich die Adresse eines seiner Bekannten Herrn Helmut Werner bekommen, der mir die Möglichkeit einer Vorführung im Kultursaal des Ortes und die Unterkunft bei einer Familie organisiert hatte.

Als ich in Oberwischau eintraf hatte Herr Werner die Genehmigung für einen Verwandtenbesuch in Westdeutschland erhalten und war nicht mehr zurückgekehrt. So sprangen andere ein und ich konnte vor vollem Saal unsere Kulturaktivität zeigen.



Meine Gastgeberfamilie.



Der die Organisation übernahm, hatte nicht alle Daten von mir und hat mich zu Professor L. Roth gemacht. Vielleicht hatte er den Name St. Ludwig Roth einmal gehört.

In den Gesprächen stellte es sich heraus, dass sie früher kulturelle Aktivität hatten, die aber durch die letzten Restriktionen, die vorsahen, dass Ausfahrten nur im Umkreis von 70 km finanziell unterstützt würden und durch Auswanderung der Aktiven, sie nun zu einer Insel wurden, wohin Kulturveranstaltungen weder hinein noch hinaus kamen.

Aktiven Kräften die Ausreisemöglichkeit zu gewähren, war eine neue Taktik der Regierung zur Assimilierung von Minderheiten.




Interessant war die Aussage meines Gastgebers über seinen Urgroßvater, der als Kind in der Zipps sich einer Gruppe Waldarbeiter angeschlossen hatte, die in den Südosten aufgebrochen waren. „Nicht geh, Stephan, nicht geh, Stephan“, soll seine Mutter gesagt haben. „Wenn du gehst, kommst du nicht mehr zurück.“ „Lass, Mutter“ sagte der Junge „Dort ist gut zu leben“ und mitgegangen ist er. Unterwegs kamen sie an einer Schenke vorbei. Die Waldarbeiter kauften sich Schnaps und gaben ihm auch. Er aber trank ihn nicht, sondern rieb sich damit die wunden Fußsohlen ein.

Mitten im Wald bekamen sie eine Parzelle, die sie rodeten und ein Haus mit „Hausgarten“ errichteten. Danach ging es ans Bäume fällen. Als er größer wurde, wurde er Gruppenleiter und Flößer.



Der Fluss hatte wenig Wasser. So bauten sie Wehre, sammelten ihre Flöße und mit der Wasserwelle jagten sie ins Tal hinunter, was eine sehr gefährliche Arbeit war. In späteren Jahren kam eine Schmalspureisenbahn hinzu, welche die gefährliche Strecke verkürzte und das geschlagene Holz zu allen Jahreszeiten herunterbrachte.

Am Tag darauf ging ich durch Oberwischau und fotografierte die schmucken Holzhäuser der Zipser Reihe. Es war für mich ein ungewohnter Anblick, da ich bis dahin in Siebenbürgen in allen von Deutschen besiedelten Ortschaften nur Ziegelhäuser gesehen hatte.





      




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Und weiter ging es mit dem Zug durch ein schönes Hügelland mit einzelnen Gehöften nach Bistritz. Unterwegs fiel mir auf, dass Hirten rumänische Frauen in Alltagstracht waren. Und noch etwas fiel mir auf, dass im Gegensatz zu dem gewohnten Bild, der Hirte, der sich auf seinen Hirtenstock stützt, die Frauen im Stehen Wolle spannen.