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Großschenk.



Begebenheiten bei den Vortragsveranstaltungen

Großschenk 16. März 1980

Vorführung: "Urzelnlauf in Agnetheln und Großschenk“, "Zeidner Kronenfest“, "Nedea muntilor“.

Mein Ansprechpartner war ein Veterinärassistent. Er berichtete mir unter anderem von einer geheimen Zählung der Zigeuner im ganzen Land. In Rumänien nennen sie sich weder Sinti noch Roma, sonder stolz Zigeuner.

Man erzählte sich damals, dass wenn der rumänische Staat seine Deutschen weiter so nach Deutschland verkauft, so würde in 10 Jahren ein kleiner Zigeuner, wenn er mit seinem Vater über den Marktplatz geht, seinem Vater sagen: "Sieh, Vater, ein Sachse". 50 Jahre später wird er seinem Sohn sagen: "Sieh, Junge, ein Rumäne." Das Erste ist eingetroffen. Zum zweiten? In einigen ehemaligen sächsischen Dörfern, ja.

Ich besuchte den Volkskundler und Kunsthistoriker Herrn Dr. Erhard Antoni, der seinerzeit im "Burzenländer sächsische Museum“ in Kronstadt die Volkskunde Abteilung gegründet und eingerichtet hatte.

Wir sprachen über Brauchtum. Dabei erzählte er über Kronenfeste und das in Seiburg das Kronenfest beritten stattfinde. Einmal habe er auch bei der Ausrichtung des Festes geholfen und sie hatten dabei den Vertreter der deutschen Werktätigen Rumäniens, Dr. Eisenburger dazu eingeladen. Als die Jungen vorbeiritten hat er sich in den Boden geschämt, weil sie wie Mehlsäcke auf den Pferden gesessen sind.
Kein Wunder hatten doch die Siebenbürger Sachsen durch die Enteignung 1945 keine Pferde mehr. Sie waren über Nacht durch die Totalenteignung von Bauern zu Landarbeitern und Tagelöhnern gemacht worden.

Er empfahl mir das Seiburger Kronenfest, als etwas besonderes, unbedingt festzuhalten; was ich auf seine Empfehlung dann verfolgt und in Dia und Ton festgehalten habe.


Ich fragte meinen Gastgeber, warum er keine Plakate im Dorf ausgehängt habe?
„Plakate? Wir wollen keine Friedenstörer haben. Die Gemeinde befindet sich bei einem Nachmittagsgottesdienst, von da kommen die Leute direkt herüber. Das Nachbarschaftszeichen ist mit der Meldung der Veranstaltung von Haus zu Haus weitergereicht worden."

Und sie kamen und kamen in den ungeheizten Raum. Ich wärmte meine Hände über den Lampen meines Projektors. Der ganze Saal war mitgerissen als ich ihnen, ihren Fastnachtsumzug vorführte. Aus Emotion, Kälte und Angst vor der Securitate vor der mich mein Abteilungsleiter im Flugzeugwerk am Vortag gewarnt hatte, versagte mir die Stimme.

Es war schön der Gebende zu sein. Aber auch gefährlich.

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Bilder aus meiner Dia-Tonmontage "Urzelnlaufen in Großschenk 1980"


























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Am 20. Januar 2007 war ich beim Fastnachtsbrauch der Großschenker in Augsburg dabei.

Ich schäme mich nicht zu berichten, dass ich oft Tränen in den Augen hatte.


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Meinen Dia-Vortrag, mit Originalton vor Ort, habe ich auf DVD gebrannt.

Er ist ein einmaliges Zeitdokument 850jähriger auslandsdeutscher Kultur, die im Auflösen begriffen ist.


Informationen bei

   E-Mail: Wilhelm.roth@gmx.de

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