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Junii Brasov 1979



Einblick in die Dia-Tonmontage
"Fest der Junii."


Wer kennt seine Heimatstadt besser als einer der da geboren ist und hier 45 Jahre gelebt hat? Und dennoch kann man ein Leben lang neben anderen Völkern leben ohne über ihr kulturelles Leben Bescheid zu wissen.

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Kronstadt liegt in einem Tal. Heinrich Wachner schreibt im „Kronstädter Heimat und Wanderbuch“ 1934 über den Stadtteil Schei:

Die Obere Vorstadt füllt das Tal oberhalb der Inneren Stadt bis in die Gegend der Salomon Felsen, wo der Talboden in eine enge Schlucht übergeht, aus. Im Jahre 1372 kamen, wie alte Chroniken melden, viele Bulgaren nach Kronstadt, die als Tagelöhner und Handlanger beim Bau der großen Kirche Verdienst fanden. Wahrscheinlich waren darunter auch zahlreiche Rumänen aus Mazedonien, die in den ununterbrochenen Türkenkriegen ihre Herde verloren hatten. Der Rat siedelte sie in der oberen Vorstadt an. Die neu entstandene Siedlung nannte man sächsisch Belgerei, ungarisch Bolgarsec, rumänisch heißt die Obere Vorstadt Scheiu. Das ist ein slawisches Wort und bedeutet ebenfalls Bulgare.



Aus dem Haupttal dringen Gassen der Oberen Vorstadt in Nebentäler in die Berge ein und verlieren sich in Obstgärten der Berglehnen. Diese Gassen sind: Rahmengasse, Ober- und Untere Sandgassen, Cacova (slavisch Strauchwald) und Variste. Aus den Straßennamen ist die ethnische Ansiedlung erkennbar. (Soweit Wachner)

Während im der Inneren Stadt zugekehrten Teil der Oberen Vorstadt auch viele Sachsen und Magyaren wohnten, war die Obere Vorstadt ein ausschließlich rumänisches Stadtviertel.

Als Kinder liefen wir auf die Straße, wenn wir in der Rumänischen Kirchengasse das Hufgeklapper der Juniireiter hörten.

Die Faszination des Festes ließ mich nicht mehr los. 1975 besuchte ich erstmals die ganze Veranstaltung und schrieb einen ausführlichen Zeitungsbericht darüber, der als Zeitdokument in das Stadtarchiv aufgenommen wurde.







Kronstädter rumänische Tageszeitung „Drum Nou“ vom 13. August 1975

Junii aus Kronstadt.

Im Mai dieses Jahres war Kronstadt, wie in jedem Frühling, Bühne für ein einzigartiges Spektakel in neuer und alter Schönheit: Das Fest der Junii aus dem Schei.

Tausende Bürger warteten schon frühmorgens am Prund bis sich die Reiter gesammelt hatten und begleiteten sie bis zum Salomonsfelsen.

Die Reiter in ihren wunderbaren Trachten, nach alter Tradition geschmückt, entzückten das Auge. Die Kolonne wurde von der Blasmusik der „Jungen Junii“ angeführt. Sie trugen weiße gekrauste Hemden die bis zum Knie über die engen Filzhosen fielen, über dem Hemd eine ärmellose Weste (laibar), darüber eine langärmelige Jacke „spenter“ mit Kordeln und Silberknöpfen. Am Kopf trugen sie seidene Kappen mit trikoloren Bändern geschmückt.

Der Vataf, der große und kleine Armas, jeder mit einer Keule in der Hand, trugen am Hut Kokarden (Rosette), außerdem trugen sie ein breites Band schräg über die Brust in gleicher Farbe wie die Rosette am Hut: der Vataf rot, der Große Armas gelb und der Kleine Armas blau.

Nach den Jungen-, folgten die „Alten Junii“, reife Männer in der gleichen Tracht wie die Jungen, nur ohne Bänder am Hut. Dann kamen die „Curcani“ (Puter) die sich, durch ihre schwarzen Pelzmützen die mit Kokarden und Puterfedern geschmückt waren, unterschieden , dahinter die „Dorobanti“ mit grauen Mützen gefolgt von den Reitern der Altstadt. Den Abschluss der Kolonne bildeten die „Junii albi“ (weiß) die zusammen mit den Rosiori (roten) die prächtigste Gruppe bildeten, ihre Hemden bunt und mit Pailletten bestickt, mit breiten Gürteln gegürtet trugen sie auf ihren Pelzmützen Putenfedern. Bei den Rosiori überwog die Farbe rot in der Stickerei. Jede Gruppe bestand aus 20 Reitern.

Am Salomonsfelsen angekommen, stiegen die Reiter aus dem Sattel und begannen den „Reigen der Junii“, der nach einer besonderen Melodie und nur von Männern getanzt wird. In der Mitte des Reigens warf einer die Keule dreimal hoch. Im Laufe des Nachmittags gab es ein reiches Kunstprogramm.

Um 17 Uhr ordneten sich die Reiter von neuem und kehrten hinter der Blasmusik in die Stadt zurück, unter großem Beifall des Publikums das die Straßen säumte. Sie ritten durchs Waisenhausgässer Tor in die Stadt, am Grab der Mureseni sangen sie das Lied „Desteaptate române“ (wach auf Rumäne). Nach Umrundung des Rathauses löste sich die Kolonne auf. Das Fest hatte auch dieses Jahr ein großes Echo in der alten Stadt Kronstadt.

Die Tradition dieses Festes ist Jahrhunderte alt.(Nur so konnte dieser Artikel erscheinen). Erste schriftliche Erwähnung: "Siebenbürgische Quartalsschrift 1793."

In der "Gazeta de Transilvania vom 26. März 1839" spricht Gheorghe Baritiu von der Zeremonie der rumänischen Junii, die trotz schlechten Wetters stattfand. Für ihn war es ein unerhörtes Ereignis.

Um den Ursprung des Brauches ranken sich verschiedene Legenden, Tatsache ist dass es eine Kundgebung der Freude am Leben, der Stärke, des Liedgutes und der malerischen rumänischen Trachten ist.

W. Roth

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Seit der Annexion Siebenbürgens an Rumänien 1918, sind letztere mit allen Mitteln bestrebt ihr historisches Recht auf dieses Gebiet hervorzuheben indem sie alles auf die dakische Urbevölkerung und die römische 150jährige Besatzungszeit am Anfang des ersten Jahrtausends beziehen, um den Ungarn und Sachsen ihr Siedlungsexistenzrecht zu verweigern.

Tatsache ist das die Ungarn und die von ihnen gerufenen Deutschen Siedler Rumänen und Kumanen vorfanden. Aber keine Siedlungen der Daker und Römer die seit dem Anfang der Zeitrechnung, der Völkerwanderung standgehalten haben. Die Menschen lebten als Hirten in den Bergen.

So spricht die erste Urkunde (1211) für das Gebiet des Burzenlandes, von einem Grenzabschnitt zum "Walde der Walachen (Rumänen) und Kumanen".

Auch finden wir viele Flurnamen wie Bârsa (Burzen) die slavischen Ursprung sind und von den Rumänen Ungarn und Sachsen übernommen wurden. Also hat es hier nach dem Rückzug der Römer und dem Untergang der Daker und den vielen anderen Völkern die hier durchkamen, Slaven vor den Rumänen gelebt von denen sie die Ortsbezeichnungen übernommen haben. Die Slaven haben sich schließlich auf dem Balkan stabilisiert und den Staat Bulgarien gegründet.

Da der ungarische König Andreas das Burzenland dem Deutschen Ritterorden schenkte, bauten die Deutschen die ersten Siedlungen in diesem Gebiet und verteidigten sie nachweislich, so dass die Ortschaften bis in unsere Zeit bestehen. Kronstadt wird erstmals 1236 urkundlich nachgewiesen.

Es gibt keine rumänischen Ortschaften die vor der Landnahme der Siebenbürger Sachsen dokumentarisch nachgewiesen sind. Ihre Präsenz ist nur später am Rande der sächsischen Siedlungen und der Berge zu finden.

Kronstadt bestand aus folgenden befestigten Siedlungen: dem heutigen Stadtteil Bartholomä, Martinsberg und der Inneren Stadt. Später kam das Siedlungsgebiet Blumenau und der Schei dazu. Die Innenstadt war eine Handwerker- und Handelsstadt die von den Sachsen im Tal errichtet wurde uns somit das Tal absperrte.

Im Tal aufwärts, außerhalb der Stadt, geschützt durch den Riegel der Stadt, befindet sich der Stadtteil Schei wie ihn die Rumänen nennen. Eine übernommene bulgarische Bezeichnung.

Die Sachsen nannten ihn "Belgerei", die Ungarn "Bolgarsek". Dieser war spärlich besiedelt.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1484 wird vermerkt: "im Jahre der Erbauung der Welt 6900, 1392 nach Christus, sind Bulgaren an diesen Ort gekommen."

Mann nimmt an, dass Bulgaren auf der Flucht vor den Türken sich hier niedergelassen haben und mit Fuhrdiensten beim Bau der Schwarzen Kirche dem größten Hallenbau zwischen Wien und Istanbul, sowie bei den Befestigungsarbeiten der deutschen Stadt ihren Unterhalt verdient haben. Auch in andern sächsischen Ortschaften sind Bulgaren die im Mittelalter dazu gekommen sind, nachgewiesen.

Ihre Nachkommen haben sich mit der dort ansässigen spärlichen rumänischen Bevölkerung vermischt.

Straßennamen,Familiennamen von Alteingesessenen bezeugen heute noch bulgarische und rumänische Ethnien die hier, in der Sicherheit einer großen Stadt von der sie durch die Stadtmauer getrennt lebten, eine geschütztere Heimat als anderswo hatten.

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Von nationalistisch angehauchten Historikern wird die Existenz der Bulgaren vehement bestritten. Dr. Vasile Oltean schreibt in seinem Buch "JUNII DIN SCHEII BRASOVULUI" 2005 S. 19 "Und- nach den deutschen Chroniken- wurden Bulgaren zum Bau der Schwarzen Kirche gebracht, obwohl - wie man weiss - die Bulgaren keine gotische Kirche gebaut hätten sondern im besten Fall eine byzantinische und andererseits hätten die Sachsen leicht Arbeitskräfte in der Umgebung finden können ohne das sie sich an Personen von so weither hätten wenden müssen."

Sein Buch ist sehr aufschlussreich was die Junii anbelangt. Leider ist der Autor bemüht mit allem Erdenklichen nachzuweisen dass der Schei eine rein dako-romanische Siedlung mit kontinuierlichem Bestehn ist, zu der sich die Siebenbürger Sachsen hinzugesellt haben.

Hiesiges Brauchtum (das man auch anderswo in Europa findet) versucht er auf dakischen Ursprung zurückzuführen um damit hier eine Kontinuität einer rein rumänischen Bevölkerung seit Anfang des Jahrtausends nachzuweisen.

Einige Historiker die in ihren Werken dieses Thema behandeln, wie: Friedrich Philippi, Aus Kronstädter Vergangenheit und Gegenwart, Brasov 1974, S. 12; Lukas 1. Marienburg, Geografie des Großfürstentums Siebenbürgens, Hermannstadt, 1813, Vol. VII. S. 344: Gheorghi Nesev,"Neue Daten über die bulgarische Provenienz der Rumänen aus dem Schei" Sofia, 1970 (in bulgarischer Sprache), sowie andere sind nach seiner Meinung ".... schlecht Informiert."

Diese Hartnäckigkeit zur territorial national chauvinistischen Einstellung wird durch solche geschichtlichen Verdrehungen noch lange bestehen bleiben.

Was verliert der Historiker, wenn er zugibt das es keine dokumentarisch nachweisliche Kontinuität der Dako-Römer in Siebenbürgen gegeben hat?

Die rumänische Bevölkerung lebte im 10. Jahrhundert urkundlich nachgewiesen zusammen mit Cumanen in Siebenbürgen. Letztere sind wahrscheinlich in den Rumänen aufgegangen.

Im Schei gab es im 14. Jh. auch Bulgaren die ebenfalls in der rum. Bevölkerung aufgegangen sind.

Als es den Sachsen nach 850 Jahren bewusst wurde, das es mit ihnen zur Neige ging, dass sie sich als Minderheit nicht halten können, sind sie zum größten Teil 1990 in ihre Urheimat zurückgekehrt.

Auch über 200.000 Ungarn sind nach Ungarn heimgekehrt. Geblieben sind über eine Million Ungarn die ihre Heimat nicht aufgegeben haben.

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Nun zu den Junii.

Bei vielen Völkern gibt es die Einteilung: Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In der Umgebung von Hermannstadt wurden die jungen Rumänen auch Junii genannt. Auf den ältesten Bildern (von 1832) ist der Junii-Jüngling mit Hut in Melonenform und weiter Krempe, mit Haaren bis auf die Schulter, und hochgezwirbeltem Schnauzer zu sehn. Er trägt ein weißes Hemd ohne Kragen, bis knapp über das Knie, mit weiten offenen Ärmeln. weiße enge Hosen, Bundschuhe, oder Stiefel, einen breiten Gürtel in dem Pistolen steckten sowie ein Schafpelzumhang der sein Erscheinungsbild abrundet.

Dieses war die eigentliche rumänische Tracht der Zeit.

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Die Junii aus dem Schei von Kronstadt.

Eine Besonderheit finden wir hier und zwar dass es 7 männliche Gruppierungen gibt in denen sich sowohl die jungen als auch die alten Junii nennen.

Alle Gruppen haben einen Anführer genannt Vataf, der früher durch Lizitation diese Position einnahm. Heute wird der Posten in einigen Gruppen gewählt in andern folgt die Ernennung reihum.
Dazu kommen 2 "Armasi", Stellvertreter des Vatafs.

Der Vorstand ist durch besondere Kennzeichen an der Kleidung erkennbar. Die drei Vorstände aller 7 Gruppen tragen über Schulter und Brust eine Binde. Der erste rot der zweite gelb der dritte Blau. Diese Farben sind die Farben der rumänischen Fahne. Die Bekleidung der Gruppen ist verschieden.

Gehen wir die einzelnen Gruppen durch, so wie sie sich heute im 21. Jh. darstellen.

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Junii tineri
Die Jungen- Junii

Sie sind die erste Gruppe aus denen sich später die andern Gruppen abgespalten haben.

Bekleidet sind sie mit einem weißen Hemd mit Falten welches bis zu den Knien reicht. Darüber tragen sie ein "flanell", mit Ärmeln. Darüber ein "laiber" und ein "Spentel"( Bezeichnungen für Rock und Jacke aus dem deutschen übernommen), von dunkelblauer Farbe, mit Silber oder vergoldeten Knöpfen. Die Hosen "Cioareci" sind ebenfalls weiss, dazu schwarze Stiefel.

Die drei Anführer sind erkennbar durch ihre "ruji" (cocarde). Drei rote für dem Vataf, zwei gelbe für den Armas mare (Großarmas) und eine blaue für den Kleinarmas.

Alle drei tragen ein breites Band "banduliera" von der rechten Schulter herunter. Der Vataf rot der Großarmas gelb und der Kleinarmas blau.

Bei der Aufstellung verkörpern diese drei die rumänische Fahne.

Es ist bekannt das im Jahre 1949 durch ein Dekret das alle Vereine in Rumänien auflöste auch diese Gruppe verboten wurde. Dabei sind Fahnen, Keulen und Archivmaterial verloren gegangen. Die jetzige Fahne ist aus roter und blauer Seide, mit einer Applikation des rumänischen Lyzeum Saguna. Auf der rückseite ist ein Juni abgebildet. Sie wurde 1977 zur Hundertjahrfeier der Befreiung der Rumänischen Fürstentümer von den Türken, erstellt.

Die erste Satzung der Jungen Junii wurde 1894 veröffentlicht.

Die Fahne, die Keulen und anderes werden nach dem Umsturz im Museum der Junii bei der Sf. Nicolaekirche aufbewahrt.

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Junii Batrâni
Die Alten Junii

Dieses sind meist verheiratete Männer aus der Umgebung der Petocilestraße. Angezogen sind sie wie die Jungen. Ihre Anführer haben je ein Band mit einer Farbe der rumänischen Fahne während der Rest der Gruppe ein Band mit allen 3 Farben der rumänischen Fahne tragen.

Die Gruppe wurde nach 1877 gegründet. Sie organisieren am Palmsonntag bei der Sf.Treimekirche in der Petocilegasse den "Parastasul Junilor", einen Totengedenktag bei dem man Essen, Kleider und anderes an Verwandte und Freunde verschenkt, damit die Toten gut über die Hürden ins Jenseits kommen.

Beim Kreuz in der "Variste" organisieren sie ein Treffen mit den Jungen Junii, die ihre Mädchen zum Tanz mitbringen. Sie organisieren Feste bei denen sie Cocarden mit rumänischen Fähnchen den Anwesenden für eine Spende überreichen.

Sie besitzen eine Fahne aus dem Jahr 1977 auf deren Schaft alle Namen der Gruppe vermerkt sind. Ihr Sitz ist bei der Sf. Treimekirche in der Petocilestraße.

Junii National Albi.
Nationale weiße Junii.
Wurden im Jahr 1860 gegründet. Es waren meist Fleischhauer und Kaufleute aus dem Schei.

Ihre Kleidung besteht aus weißen Leinwandhemden die bis zu den Knien reichen, mit 12 Falten, verziert mit goldenen Pailletten und gestickt in rumänischem Muster. Nur der Vataf trägt ein "laiberica". (Weste) Auf dem Kopf haben sie eine weiße Fellmütze mit einer Cocarde "oc" und Truthahnfedern. Die Form erinnert an den rumänischen Fürsten Mihai Viteazu der 3 mal bei Kronstadt war. An den Füßen tragen sie Stiefel. Beim Aufmarsch zu den Salomonsfelsen sind sie immer die letzten.

Ihre Fahne wurde 1977 erstellt. Auf ihr finden wir das Porträt des Dichters Andrei Mureseanu, des Verfassers der heutigen Hymne Rumäniens und eine Abbildung eines Juni Albior. An der Fahnenstange sind die Namenstäfelchen der Mitglieder befestigt.

Junii Curcani
Truthahn Junii

Gegründet 1879 aus den Reihen der Verheirateten. Der Name stammt von einer militärischen Gruppe in den rumänischen Fürstentümern die sich im Befreiungskampf von 1877 hervorgetan hat. Bei diesem Befreiungskrieg durften sich die Rumänen Siebenbürgens nicht beteiligen, weil Siebenbürgen damals zu Österreich gehörte, sie ihre Neutralität bewahren wollten. Diese Tracht ist ein Symbol der ideellen Beteiligung am Befreiungskampf.

Sie tragen dieselbe Tracht wie die Jungen Junii nur auf dem Kopf haben sie schwarze Fellmützen mit "coc" verschönert mit Truthahnfedern. Der Gürtel ist in den drei Farben gewebt.

Die aktuelle Fahne stammt von 1977 mit der Applikation des Fürsten Mihai Viteazul und einem Juni Curcan. Am Fahnenschaft sind die Namen der Mitglieder vermerkt.

Zusammen mit den Dorobanti organisieren sie ihr Volksfest am Peter- und Paulstag 29. Juni beim Wegkreuz Musicoiului. Ihr Totengedenken halten sie bei der St. Nicolaikirche.

Juni Rosior.
Roten Junii.

Sie sind auch eine Gruppe die an den Befreiungskampf erinnern. Ihre Gründung erfolgte 1908 aus der Gruppe der Albiori. Sie besteht aus verheirateten Männern wohnhaft in der Cacovastraße.

Sie haben die schönste Tracht. Ihre weißen schön rot bestickten Hemden sind mit tausenden Pailletten versehen. Der Gürtel ist mit Perlen und vergoldeten Pailletten bestickt. Ihr weißer "Laibare" (kleiner Umhang) ist mit schwarzem ibrisin genäht und verziert mit Gaitane. Er wird vom Vataf auf der linken Schulter getragen, während die andern ihn auf der rechten- tragen.

Der Historiker Nicolae Jorga soll die Kopfbedeckung vorgeschlagen haben, welche er dann von der rumänischen Armee besorgt hatte, als die Junii bei den Feierlichkeiten 1906 in Bukarest waren.

Ihre Fahne wurde 1977 aus roter und blauer Seide hergestellt. Auf ihr befinden sich ein Porträt des Fürsten Alexandru Joan Cuza sowie eines Rosiorjuni. Am Fahnenschaft sind die Namen der Mitglieder der Gruppe vermerkt.

Juni Dorobantii
Dorobantenjunii
Der Vataf hat 3 rote Kokarden auf seiner Fellmütze.
Der Armasu mare (großer Armas) 2 gelbe und der Armasu mic (Kleine Armas)2 blaue.
Alle 3 sind mit einem Buzdugan (einer Keule) ausgestattet. Die 2 Letzteren mit etwas kleinerem.
Die Gruppe hat noch Fahnenträger und einen Kassier

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1979 erstellte ich mein Diaporama über dieses Fest.
Bei meinen Vorträgen berichtete ich zuerst über den Ablauf des Festes. Danach zeigte ich meine Dias in Überblendtechnik wobei synchron, meine Originaltonaufnahme zu hören war.



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Beschreibung des Festablaufs

Auf Nachbarschaften gruppiert trafen sich die berittenen Scheianer am Prund bei der Nikolauskirche, die von Neagoe Basarab, einem rumänischen Fürsten von jenseits der Karpaten, 1512 - 21 erbaut und im 18. Jh. mit Hilfe der Zarin Elisabeth von Russland vergrößert worden war.



Von hier kamen sie, in meiner Kindheit, in die Innenstadt zum alten Rathaus, das zweimal umrundet wurde. Danach ritten sie durch die Klostergasse, Langgasse, Rumänische Kirchengasse zu einem Bethäuschen das auf einer Wiese neben dem Mühlberg (nähe Feuerwehr) steht. Nach einer kurzen Andacht ritten sie durch die Innenstadt und Schei, zu den Salomonsfelsen. einem von hohen Felswänden und Waldgrün umrahmten Talkessel, wo früher am dritten Ostertag "Jocul Junilor," das große Volksfest der Obervorstädter Rumänen stattfand.



Rosiori. Der ältere Herr ist ihr Vataf .

In kommunistischer Zeit wurde die Kirche ausgeschlossen und das Fest vom 3. Ostertag auf den zweiten Maitag der arbeitsfrei war,verlegt.



Diese einmalige Männertracht ist sonst nirgends in Rumänien zu finden ist.



Jede Juniigruppe hat einen buzdugan (Streitkolben)



Die Familien waren vorgegangen und erwarteten die Reiter mit Essen und Trinken.
Die Tischgruppen waren nachbarschaftlich aufgestellt.



Albiori



Dorobanti



Junii tineri
Hier wird die Hora als Männerreigen getanzt, wobei der buzdugan (Streitkolben) in die Luft geschleudert und aufgefangen wird.



Und heimwärts geht der Ritt.



Da die Leute in den 70er Jahren keine Pferde mehr hatten, stellten ihnen die Gebirgsjäger der Armee Pferde zur Verfügung.



Die Häuser der Obervorstädter Gassen sind dicht zusammengebaut und umschließen enge kleine Höfe. Einige schön geschnitzte Holztore, sind auch heute noch (2006) mit eisernen Türklopfern versehen.



Da der Brauch kirchlich gebunden war, kam es in kommunistischer Zeit zu verschiedenen Repressalien: Auflösung der Nachbarschaften, Verbot des Festes und Versuch die besonderen Trachtenstücke zu beschlagnahmen um sie quasi im Lande in Museen zu verteilen.

Jahre später, wurde das Fest wieder genehmigt und dabei der kirchliche Teil und das Umrunden des Rathauses ausgeschlossen.

Und dennoch riefen die Reiter wenn sie am 3. Mai bei ihren Verwandten vorbei ritten:"Christus ist auferstanden". Die Antwort der Verwandten blieb nicht aus: "Wahrhaftig, er ist auferstanden".

Gleichzeitig hörte man in den Reihen der Junii: "Schweigt! Schweigt! Wollt ihr uns Unannehmlichkeiten machen?" In den 60er Jahren, ritten ein Teil der Junii im Dunkeln zum Grab von Andrei Mureseanu, dem Textautor des Liedes: „Desteaptate române“ (Erwache Rumäne).

Da dieses Lied, mit starkem nationalem Inhalt, am Anfang der kommunistischen Zeit als Rumänien von Russischen Truppen besetzt war, verboten war, gab es Zusammenstöße mit der Staatsmacht.

Seit 1848 bis 1989 bei den Protesten in Brasov wurde dieses Lied in schweren rumänischen Zeiten spontan gesungen.

Seit dem Umsturz werden 4 Strophen von den 11 des Liedes als Hymne gesungen.

Es ist die „Rumänische Marseillaise“


Desteapta-te, române, din somnul cel de moarte,
În care te-adâncira barbarii de tirani!
Acum ori niciodata croieste-ti alta soarta,
La care sa se-nchine si cruzii tai dusmani!

Acum ori niciodata sa dam dovezi în lume
Ca-n aste mâni mai curge un sânge de roman,
Si ca-n a noastre piepturi pastram cu fala-un nume
Triumfator în lupte, un nume de Traian!


Deutsche Übersetzung:
Erwache du Rumäne, aus deinem Todesschlaf
In den dich versenkten die tyrannischen Barbaren!
Jetzt oder niemals zieh dir ein anderes Schicksal auf
Vor dem sich bekreuzigen sollen deine grausamen Feinde.

Jetzt oder niemals sollen wir der Welt beweisen
Dass in dieser Hand noch Römer Blut fließt
Und das wir in unserer Brust mit Stolz bewahren einen Namen,
Den triumphierenden im Kampfe, den Namen des Trajan.

Als ich im Zeitungsartikel dieses Fest beschrieben habe, war das Singen dieses Liedes 1975 wieder erlaubt.

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Es wäre noch vieles zu berichten, wie Nachbarschaftsbrauchtum, über die Tracht der Frauen die die sächsische Patriziertracht war und anderes mehr.

Die erste Beschreibung dieses Festes wurde von Ion Mihlea in „Siebenbürgische Quartalsschrift“ 1793 veröffentlicht.

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Sagen:

Nach der sächsischen Variante war dieser Reiterumzug in die Innere Stadt mit Umrundung des Rathauses eine Unterwürfigkeitsbekundung, die jedes Jahr erneuert werden musste.

Rumänen aus dem Schei hätten versucht über Nacht in der deutschen Stadt Kronstadt zu bleiben um die Torwache zu überfallen, damit es einem rumänischen Fürsten von jenseits der Karpaten möglich wäre, die Stadt zu überrumpeln . Frühzeitig entdeckt, hat der Verrat verhindert werden können.

Es soll tatsächlich einmal vorgekommen sein, was mit harten Strafmaßnahmen quittiert wurde.

Rumänische Variante:
Silvestru Moldovan schrieb 1894 in „Unser Land“ dass zu seiner Zeit die Veranstaltung eine Woche lang gedauert hat, wobei beim Umzug die Kronstädter die Tore geschlossen hielten, damit die Jungschar nicht in die Stadt gelangen könnte, denn es bestand der Glaube, dass wenn die Jungschar dreimal um das Rathaus reiten würde, dann würde die Stadt ihnen gehören.

Dieser Wunschtraum der Vorstädter Scheier Rumänen ist nach 1918 in Erfüllung gegangen.