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Abgeschrieben und sich lächerlich gemacht.

In den 60er Jahren gab es in Rumänien eine Monatszeitschrift „Tehnium“, die einzige technische Zeitschrift, mit Anleitungen zum Nachbau elektronischer Schaltungen.

Der Fernsehempfang war damals ein Problem, da in allen größeren Städten, Störsender aufgestellt waren, um die Sendungen des amerikanischen Kurzwellensenders „Freies Europa“ für Rumänien, zu stören.

Die Fernseherbesitzer bauten in ihren Verzweiflung verschiedene Drahtgitterschilder um ihre Antennen, die sie erdeten, welche dadurch gute Blitzanzieher aber leider auch schlechte Blitzableiter mit Weg durch das Fernsehgerät wurden.

Eines Tages tauchte eine kleine Zimmerfernsehantenne zum Nachbau in der rumänischen Zeitschrift „Tehnium" auf. Das Besondere an ihr war, dass sie aus einem Drahtrahmen, aus einer Windung eines Coaxialkabels mit einer Seitenlänge von 15 cm. bestand, dessen Manteloberfläche mit noch zwei angelöteten blanken Kupferdrähten vergrößert werden mussten. Das ganze sollte man in ein dafür aus Plexiglas (von einer bestimmten Dicke) gebautes Gefäß, welches mit Wasser aufgefüllt wurde, einschließen.

Dazu bekam man die folgende wissenschaftliche Erklärung:
Wir wissen das sich die Wellen in verschieden dichten Medien mit verschiedener Geschwindigkeit ausbreiten. So zum Beispiel pflanzen sich die Schallwellen, mit 330 m/s in der Luft, aber im Wasser mit 1.470 m/s fort.

Wenn die Wellen der Fernsehübertragungen das Plexiglas durchdringen, vergrößern sie ihre Geschwindigkeit und somit ihre Wellenlänge. Wenn sie danach in das Wasser eintreten, verkleinert sich ihre Geschwindigkeit und Wellenlänge und bringt diese Rahmenantenne durch ihre besondere geometrische Form in Resonanz, was einen hervorragenden Fernsehempfang gewährleistet.

Toll, so eine Antenne muss ich nachbauen.

Das Phänomen der Schallwellen war mir bekannt.
In alten Büchern hatte ich Abbildungen von Rahmenantennen für den Empfang von Radiowellen gesehen.
Von den Ultrakurzwellen wusste ich kaum etwas, nur das sie in verschiedenen Medien verschieden abgebremst werden.

Es wird ja stimmen, wenn da ein Cleverer, mit neuen Erkenntnissen, zurück zu den Wurzeln gegangen ist.

Also rann.

Die Rahmenantenne war bald gemacht.

Plexiglas, ja das war nun ein Problem. In ganz Rumänien konnte man damals als Privatmensch kein Plexiglas kaufen und die Bekannten meiner Bekannten, hatten auch keine Bekannten, die Bekannte hatten, deren Bekannte, mit Plexiglas, an ihrem Arbeitsstellen zu tun hatten, welche für mich gegen Bezahlung, zwei handflächengroße Plexiglasstücke geklaut hätten.

Der Versuch des Empfanges mit der Rahmenantenne ohne Plexiglas und Wasser brachte aber leider rein gar nichts. Somit war die Sache für mich abgeschlossen. Die liebe und erwartungsvoll gebastelte Rahmenantenne wanderte in den Müll.

Einige Monate später fand ich in der einzigen Radiobastelzeitschrift "Paguo" (Radio) Russlands die man auch in Rumänien in russischer Sprache beziehen konnte dieselbe Abbildung.

Ha, diesmal hatten die Brüder die Bauanleitung von den Russen gemaust.

Jahre später erhielt ich von einem Touristen aus der DDR eine ganze Jahresausgabe der Zeitschrift „Jugend und Technik“, worüber ich mich sehr gefreut hatte.

Als ich sie oberflächlich durchblätterte, siehe da, da war der Bau derselben Zimmerantenne abgebildet.

Toll!!!

Ich forschte nach und fand nach dem Publikationsdatum der Zeitschriften das die Ossis die Ersten waren, die sich die Anleitung zu dieser Antenne ausgedacht und publiziert hatten. Danach hatten die Russen sie kopiert und danach die Rumänen.

Also hatten weder die Rumänen noch die Russen diese geistreiche Idee.

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Belehrt wurden wir damals in der Zeitschrift „Stiinta si technica“ (Wissenschaft und Technik) das die Russen die Erfinder der Lokomotive, des Bügeleisens, der elektrische Glühbirne u.a.m. waren.

Unter vorgehaltener Hand erzählte man sich die Anekdote dass, o Wunder, dem russischen Genossen Mitschurin sogar gelungen wäre eine Melone mit Flöhen zu kreuzen bei deren Aufschneiden die Kerne gleich heraussprangen. Gestorben ist er durch einen Genickbruch, als er von seiner selbst gezüchteten Erdbeere stürzte.

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Als ich dann Zeile für Zeile der Jahresausgabe „Jugend und Technik“ savourierte, fand ich in der Mai Ausgabe den Vermerk: „Wie hat euch unser Aprilscherz gefallen?“

Dies war deutsche redaktionelle Wertarbeit, über die wir oft gelacht haben.

Die Russen und die Rumänen hatten diese Bauanleitung Monate später publiziert. Zeichen, das sie als Fachleute auch hereingefallen waren und den Vermerk in der Mai Ausgabe übersehen hatten. In ihren darauf folgenden Ausgaben stand nichts von einem Aprilscherz.

Die Redakteure, von „Jugend und Technik“, werden sich bestimmt über die Abschreiber die sich in ihren Ländern lächerlich gemacht hatten, gefreut haben.

Ich auch.