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Wissen gibt Macht









Wissen gibt Macht


Man schrieb das Jahr 1968. Ich arbeitete damals als elektrotechnischer Metrologe (nach Prüfungsablegung für Eichung) indem ich elektrische Messinstrumente in der PTTR (Post Telefon Telegraf Radio) reparierte.

Kamen außergewöhnliche mechanische Feinarbeiten vor, so wurde bei Willi Roth angeklopft.

Damals hatte Kronstadt ca. 180.000 Einwohner und ca. 1.500 Telefonanschlüsse. Einen Telefonanschluss zu bekommen war äußerst schwer.

Über die Anschlussvergabe in der Stadt verfügte der damalige Direktor des Kreises Brasov und nicht der Direktor der PTTR der Stadt wie es eigentlich zuständigkeitshalber sein sollte. Der Schwager des Ersteren war Minister des Ressorts PTTR und das Direktorchen war mit 7 Volksschulkassen zum Direktor ernannt worden, machte sein Abitur im Fernkurs und studierte im Fernkurs Forst (statt Elektrotechnik) wobei die Uniprofessoren dem Genossen Direktor in seinem Dienstbüro Unterricht gaben, da dieser ja nicht immer Zeit hatte die Kurse zu besuchen.

Mit anderen Worten wer über solche Familienbeziehungen und die Anschlussvergabe der Telefone verfügte war ein gemachter Mann in der Welt des Sozialismus, wo alles Mangelware war.

Meine Wohnung hatte ich inzwischen im Elternhaus ausgebaut. Marianne war im Kirchenamt angestellt und somit konnten wir uns auch ein Telefon für meine sonstigen Aktivitäten leisten.

Gesuch abgegeben.

Antwort: „Wir haben leider keine freien Nummern in der Zentrale.“

Ein Verwandter hatte die Ausreisegenehmigung nach Deutschland erhalten.

Gesuch mit freigewordenen Telefonnummern abgegeben.

Antwort: „Wir haben keine freie Leitung in ihrer Straße.“

Darauf habe ich den Betreuer der Telefonleitung meiner Straße ausfindig gemacht. Der hatte eben sein Universalmessgerät (Wert: ein Monatsgehalt) fallen gelassen und mir zur Reparatur gebracht.

Seine Antwort: „Ja, da sind 2 freie Leitungen. Eine müssen wir für die Securitate frei halten die andere wäre im Notfall verwendbar!“

Notfall, na gut warten wir mal einen Notfall ab. Lange musste ich nicht warten. Das Blitzgerät mit dem man die Gesprächszählerblöcke fotografierte und die damit erzeugten Negativfilme über ein Sichtgerät auswertete, hatte seinen Geist aufgegeben. Und zu wem ging man? Zum neamtu (Deutschen) in die Metrologie. Schnell hatte ich festgestellt, dass die Blitzröhre ihren Geist aufgegeben hatte.

„Ich muss sehen, ob ich in der Reparaturwerkstadt für Fotoapparate so eine Blitzröhre bekomme. Das ist Importware und dieses ist ein spezielles Gerät“! Gesagt, getan.

Meine Freunde in der Werkstatt freuten sich auf meinem Besuch. Eine passende Blitzröhre war auch vorhanden.

Nun machten wir aus, dass wenn das Unternehmen anfragt, sie antworten sollten: dass so eine Röhre bei Leica im Westen für harte Währung bestellt werden müsste. Was einige Monate bis zum Erhalt dauern würde.

Zufrieden mit der Röhre in der Tasche ging ich zum Stadtdirektor der PTTR.

„Weit und breit ist so eine Blitzröhre nicht zu kriegen, ich habe aber eine Reserveröhre für mein Blitzgerät zu Hause. Mit der funktioniert das Blitzgerät.“

„Gut, wir kaufen dir die Röhre ab. Du weist was der Ausfall dieses Blitzgerätes für uns bedeutet. Ich muss wieder, wie früher, Frauen auf Leitern an die Zählerwand stellen, die mit Bleistift und Papier die Stände der Zähler abschreiben. Bei 1.500 Zählern dauert das eine Woche und ist oft mit Fehlern verbunden. Dies führt zu Reklamationen für die uns die Beweise unsererseits fehlen! “

„Ja bei dieser ganzen Sache gibt es nur einen kleinen Haken“, war meine Antwort.

„Ich stelle Euch das Gerät bei mir zu Hause innerhalb von 2 Tagen zusammen, aber leider kann ich euch nicht anrufen und sagen dass es fertig ist.“ „Mein Telefongesuch liegt seit einigen Monaten bei euch. Wäre es genehmigt worden, hätten wir jetzt kein Problem. Eine freie Leitung in der Straße ist auch vorhanden.“

„Das ist Erpressung und woher weißt du Bescheid über die Leitungen, das ist Staatsgeheimnis.“

„Aber nein, das ist nur gegenseitige Hilfe.“

Am Abend danach konnte Marianne mit ihren Eltern in Bukarest telefonieren.

Später hatte ich einen guten Freund in der Telefonzentrale, der mir am Wochenende den Draht vom Zähler ablöste und dann mit dem isolierten Teil des Drahtes auf den Kontaktstift zurückwickelte. So sah es aus als wäre der Anschluss vorhanden.

Danach konnte ich nach Herzenslust im Lande telefonieren. Es ist gut, wenn man Freunde hat. Gewissensbisse hatte ich keine.