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24 Tage schwanger.










24 Tage schwanger.

Mittagspause. Günther Tartler kam auf Besuch in unser Labor. Er wohnte 1977 zusammen mit seinen Eltern am Stadtrand von Kronstadt (Siebenbürgen , Rumänien) in ihrer ehemaligen Gärtnerei.



Der Staat hatte die Hälfte der Gärtnerei beschlagnahmt und zwei große Wohnblocks darauf gebaut. Was er nicht beschlagnahmen konnte war der Schaffensgeist der Familie Tartler.

Durch ihrer Hände Fleiß und viel Mühe brachten sie nebenberuflich unglaubliche Erträge zustande. Rhabarber, Tulpen und andere Pflanzen gediehen bei ihnen, für uns damals, in unbekannten Größen. Daneben hielten sie auch Kleintiere wie Nutrias, Hasen, Füchse und um eine Zeit sogar Polarfüchse, deren Felle sie verkauften.

1977 beobachtet jeder krankhaft sein Cholesterin.

In der Hoffnung auf guten Verdienst nahmen sich die Tartlers, wegen dem kleinen Cholesteringehalt der Eier, der Wachtelzucht an.

So war es selbstverständlich das wir uns über den Bau einer Brutmaschine unterhielten, wobei meine Elektrokenntnisse gefragt waren.

Als wir die Parameter durchsprachen, stellte ich mir die Frage ob ich nicht selber ein Zwerghuhnei ausbrüten könnte da die Temperatur der Henne nahe der des Menschen ist. Da das Ei auch klein ist, könnte ich es in meine Achselhöhle platzieren. Da wäre die Temperatur und eventuell die nötige Feuchtigkeit gesichert. So könnte man das Ei auch die ganze Brutzeit über mit sich herumtragen. Starke Erschütterungen würde ich versuchen so viel wie nur möglich zu vermeiden. Es könnte auch sein dass kleine Erschütterungen keine Rolle spielen. Vielleicht sogar der Entwicklung des Küchen gut tun. Ergo es wäre machbar. Ein Versuch ist es wert.

Durchstehen würde ich das selber schon, aber ob es mit den Anforderungen an meinem Arbeitsplatz möglich wäre? In unserem nuklearem Labor mussten wir die vitalen Bestandteile der Flugapparate mit den Strahlenquellen in die benötigten Positionen bringen.

Günther fand die Sache toll. Am nächsten Tag brachte er ein befruchtetes Ei. Marianne, meinen Durchhaltewillen kennend, nähte es mir zu Hause in ein Verbandzeug ein das ich mir quer über die Schulter knüpfte und fertig war der Willi-Zwerghuhn-Brüter.



Als die Laborkollegen mitbekamen das ich mich zum Eibrüter gemausert hatte, wurde ich wie eine schwangere Frau umsorgt. Sie nahmen mir die meiste Arbeit, wo ich beide Hände brauchte, ab und waren sehr lieb zu mir.



Ich hütete mich vor allzu großen Erschütterungen. Über Nacht band mir Marianne mit einem Schal den Arm an die Brust, damit ich den Arm nicht hochhebe und sich das Ei erkältet. Von Zeit zu Zeit drehte ich das Ei, weil man das in der Brutmaschine so macht.

Die Tage vergingen. Im Labor sahen wir, mit einer besonders scharfen Lampe mit der wir unsere Röntgenfilme begutachteten, das sich im Ei etwas verdichtete.

An die Ruhigstellung des Armes hatte ich mich schnell gewöhnt. Der Tag an dem das Kücken schlüpfen müsste kam immer näher. Der Wetteifer meiner Kollegen wer die Patenschaft übernehmen sollte, war ein tolles Gaudi.

Und dann kam der Tag an dem das Kücken schlüpfen musste.
Doch nichts tat sich. Nach weiteren 3 Tagen war unsere Geduld zu Ende.

Wir machten im Labor eine Röntgenaufnahme des Eies, doch da war auch nichts Wesentliches, wegen der Form des Eies, zu erkennen. So öffneten wir mit Günther das Ei. Eine schwarze Masse kam zum Vorschein.

Experiment durchgeführt, aber leider das erhoffte Ziel nicht erreicht. Oder hatte ich eine Methode entdeckt wie man chinesische schwarze Eier ohne sie zu vergraben aus Zwerghuhneiern herstellen kann?

Ich vermutete dass dem Ei das Tanzen an meinem vierzigsten Geburtstag nicht gut getan hat. Dies obwohl ich nur Tango getanzt hatte. Oder war die Feuchtigkeit zu gering? Oder? Oder?

Zeugen meines Experiments.



Mein damaliger Freundeskreis.

Heuer 2005, nach 27 Jahren las ich folgendes in der Augsburger Zeitung.



Am Freitag 11. November schlüpften dann doch die Kücken in der Brutmaschine.



Vielleicht gelingt das Ausbrüten eines Eies, so wie ich es in der Achsel getragen hatte, doch!

Man könnte den Versuch nochmals mit einer Brutmaschine durchführen wobei man die Parameter so einstellt wie es in meinem Fall war. (Körperfeuchtigkeit, Körpertemperatur und leichte Erschütterungen.) Wenn es gelingt könnte man den Versuch mit der Achselhöhle nochmals starten.

In diesem Fall hätten wir Natur pur und keine "eigens dafür entwickelte Eiertasche" auf dem Bauch eines Menschen wobei letzterer als Wärmequelle dient.

Wer mehr über diese Parameter aus praktischer Erfahrung weiss, möge sich bitte bei mir melden.

Mein Dank im voraus.


Wer nur quasselt und nichts riskiert, kann selber keine Erfahrungen sammeln.