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Zeittafel zur Geschichte Siebenbürgens und der Siebenbürger Sachsen

Auszug aus meiner Ausstellung:
"Die Ausstrahlung der Confessio Augustana nach Siebenbürgen."
(Tafel: Geschichte Siebenbürgens)


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Es ist nicht belegt dass der Name Siebenbürgen etwas mit 7 Burgen zu tun hat.
In den ungarischen Urkunden werden die deutschen Siedler "Sachsones" genannt.
Im "Goldenen Freibrief" (Adreanum 1224) als "Hospites Flandrensis" bezeichnet.
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FRÜHGESCHICHTE, ALTERTUM, FRÜHMITTELALTER

Günstiges Klima, fruchtbarer Boden, geschützte geografische Lage im Karpatenbogen lockten Menschen und Völker an, die sich seit der Steinzeit in Siebenbürgen für kürzere oder längere Zeit niederlassen.

6. Jh. v. Chr.   Agathyrsen, das erste namentlich bekannte Volk in Siebenbürgen

514 v. Chr.    Herodot berichtet über die Daker im Karpatenraum

4. Jh. v. Chr.   Keltische Stämme in Siebenbürgen

70-44 v. Chr.    König Burebista einigt die Daker und gründet ein erstes Staatswesen

86-106 n. Chr.   König Decebal erneuert den dakischen Staat

105-106    Kaiser Trajan besiegt Decebal im 2. Dakerkrieg ( Trajanssäule in Rom). Dakien wird römische Provinz. In dieser Zeit bildet sich nach der Ansicht rumänischer Historiker das Rumänische Volk

271     Kaiser Aurelian gibt die Provinz auf.

3.-4. Jh.     Goten in Siebenbürgen

um 335     Schlacht zwischen Goten und Vandalen am Mieresch

376     Einfall der Hunnen, sie herrschen bis Mitte des 5Jhs.

5.-6. Jh.    Gepiden in Siebenbürgen

567     Zusammenbruch des Gepidenreiches; Niederlassung der Awaren

7.Jh.     Niederlassung der Slawen. Allmähliche Slawisierung der einheimischen Bevölkerung

um 800     Vernichtungen des awarischen Reiches durch Franken und Bulgaren

Ende des 9. Jh.   Eindringen der Petschenegen

896     Landnahme der Ungarn in Pannonien



MITTELALTER

SIEBENBÜRGEN ALS TEIL DES UNGARISCHEN KÖNIGREICHS

Das Reich, das Stephan der Heilige gegründet und seine Nachfolger vergrößert haben, wird nach abendländisch-deutschem Vorbild aufgebaut. Siebenbürgen wird ihm im 10.-12. Jh. angegliedert. Aus militärischen und wirtschaftlichen Erwägungen werden Deutsche ins Land gerufen, die vorwiegend aus dem Rhein-Mosel-Gebiet, sowie auch aus anderen Teilen des Deutschen Reiches kommen. Sie erhalten Privilegien ( ius Theutonicum ) und vollbringen in kurzer Zeit eine erstaunliche Aufbauleistung: Sie machen Land urbar, beleben den Bergbau und Handel, gründen Städte. In der Verteidigung gegen die Osmanen bezeichnet Papst Eugen IV. Hermannstadt 1442 als „Bollwerk der Christenheit“. Die Sachsen schließen sich im 15.Jh. in der Sächsischen „Nationsuniversität“ und in der Kirche „Ecclesia Die Nationis Saxonum“ zusammen. Ihr „Eigenlandrecht“ begünstigt die Entwicklung Siebenbürgens zur Hochblüte seiner Wirtschaft und Kultur.

997-1038    Stephan I. der Heilige, im Jahr 1000 zum König gekrönt.

1068     Sieg der Ungarn über die Petschenegen

1075     Urkundliche Erwähnung der Salzgewinnung durch Deutsche bei Thorenburg

1141-1162    Geysa (Geza) II., König von Ungarn. Er ruft deutsche Siedler nach Siebenbürgen

1186     Bela III. erhält von den „Gastsiedlern des Königs jenseits der Wälder" jährlich 15000 Silbermark als Steuer

1191     Der Papst bestätigt die Errichtung einer eigenständigen Propstei der Deutschen in Hermannstadt

1211-1225    Dem Deutschen Ritterorden wird das Burzenland geschenkt. Er versucht, hier einen Ordensstaat zu gründen und wird vertrieben. Der Versuch glückt danach in Ostpreußen.

1224     Der ungarische König Andreas der II bestätigt im „Goldenen Freibrief“ (Andreanum) die Privilegien der deutschen Siedler: Freies Besitz- und Erbrecht, Zollfreiheit, freie Richter- und Pfarrerwahl, eigenes deutsches Recht

um 1235     Hermannstadt und Kronstadt als „civitates" bezeichnet

1241/1242    Mongolensturm. Zahlreiche Ortschaften vernichtet

1271     Deutsches „Bergrecht von der Rodenaw"

1316     Stadtrecht für Klausenburg

1325     Bildung der sächsischen (Gerichts-) Stühle

1323     Erste Münzprägestellen in Klausenburg und Hermannstadt

1349     Erste Pestepidemie in Siebenbürgen („Schwarzer Tod")

1358     Handelsfreiheiten der Walachei für Kronstadt

1373     Martin und Georg von Klausenburg gießen die St.Georgs Statue für die Prager Burg

1376     Erste Zunftordnung: 25 Gewerbe, 19 Zünfte

1395     Erster Türkeneinfall in Siebenbürgen

1420-1421    Verheerender Türkeneinfall. Räte von Kronstadt werden verschleppt

1437/38     Aufstand der Bauern, der armen Stadtbevölkerungen und des Kleinadels gegen die Feudalherrschaft und die Willkür des Katholischen Klerus (bekannt als der „Bauernaufstand von Bobâlna“) 1437/38     Union der ständischen „Nationen" des Adels, der Szekler und der Sachsen gegen Türkennot und Bauernaufstand

1438     Türkeneinfall. Zerstörung von Mühlbach, der spätere Verfasser des „Türkenbüchleins" (1481) wird verschleppt

1442   Sieg über die Türken bei Hermannstadt „Bollwerk der Christenheit“ (Papst Eugen IV.) 1453     Die „Sieben Stühle" übernehmen den Schutz des Roten-Turm- Passes (Südkarpaten)

1475     Bistritz übernimmt den Schutz des Rodnapasses

1479     Sieg der siebenbürgischen Völker ( sächsisches Aufgebot unter Georg Hecht) über die Türken auf dem Brotfeld

1486     König Matthias Corvinus bestätigt das „Andreanum" für alle freien Deutschen Siebenbürgens. Herausbildung der „Sächsischen Nationsuniversität" als politisch- ständische Vertretung

1498     Kronstadt übernimmt die Grundherrschaft Törzburg und damit den Schutz des Passes im Karpatenbogen

1519     Erste Lutherschriften in Siebenbürgen

1526     Schlacht bei Mohács. Vernichtung des ungarischen Heeres durch die Türken. Das Königreich beginnt zu zerfallen

1529     Erste türkische Belagerung von Wien

1529-1569    Conrad Haas ist Leiter des Hermannstädter Zeughauses und schreibt eine erste Abhandlung über den Bau einer Stufenrakete

1539     In der Kronstädter Druckerei des Johannes Honterus erscheinen zehn Werke

1541     Eroberung von Ofen durch die Türken. Zentralungarn wird türkische Provinz, Westungarn fällt an die Habsburger, Siebenbürgen wird autonomes Fürstentum unter türkischer Oberhoheit



NEUZEIT

FÜRSTENTUM SIEBENBÜRGEN, DANACH PROVINZ DES HABSBURGERREICHES

Fast anderthalb Jahrhunderte lang ist Siebenbürgen ein autonomes Fürstentum unter türkischer Oberhoheit, in dem die drei ständischen Nationen (Adel, Szekler, Sachsen) eine entscheidende Rolle spielen: Sie wählen den Fürsten, sind im fürstlichen Rat vertreten, beschließen im Landtag die Gesetze. Im Kampf um Siebenbürgen zwischen Habsburgern und Osmanen treten die Siebenbürger Sachsen konsequent für Österreich ein. Wirtschaftlich erlebt das Land einen Niedergang. Die Kultur verzeichnet trotzdem einen Höhenflug. Humanismus, Renaissance, Barock sind durch wichtige eigenständige Leistungen vertreten. Die Reformation trägt zur Herausbildung einer deutschen Volkskirche bei. Der Grundsatz der religiösen Toleranz wird in Siebenbürgen verwirklicht. Nach der Belagerung von Wien vertreibt Österreich die Türken aus Ungarn und Siebenbürgen. Damit wird das Land einer neuen, abendländisch orientierten Großmacht eingegliedert und blüht allmählich wieder auf. Bedeutendster Vertreter der Aufklärung in Siebenbürgen ist der Gouverneur Samuel von Brukenthal.

1542     Der Landtag erkennt die türkische Oberhoheit an.

1547     „Kirchenordnung aller Deutschen in Sybembürgen". Unter maßgeblicher Beteiligung des Kronstädters Johannes Honterus treten die Siebenbürger Sachsen zum Luthertum über

1557     Religiöse Toleranz vom Landtag beschlossen

1572     die geistliche Synode der Sachsen nimmt das „Augsburger Bekenntnis" an. „Eigen-Landrecht der Siebenbürger Sachsen". Das Gesetzbuch bleibt bis 1853 in Kraft

1591     Rede des Sachsengrafen Albert Huet vor Fürst und Landtag. Verteidigung der Privilegien

1610     Fürst Gabriel Bathory besetzt und verwüstet Hermannstadt

1683     Belagerung von Wien

1687     Nach der Befreiung Ofens von den Türken erobern die Habsburger Siebenbürgen

1688     Kronstädter Aufstand gegen die österreichische Besatzung. Das „Leopoldinisches Diplom" regelt die Beziehungen zwischen Siebenbürgen und Österreich

1722     Grundschulpflicht für alle sächsischen Jungen und Mädchen

1734     Beginn der Zwangsumsiedlung nach Siebenbürgen, der unter dem Namen „Landlern" bekannt gewordenen vertriebenen Protestanten, aus verschiedenen Gebieten des katholischen Österreich

1742     Beginn der Einwanderung evangelischer „Durlacher"

1774-1787     Samuel von Brukenthal Gouverneur von Siebenbürgen

1784     Auflösung der Sächsischen Nationsuniversität durch Kaiser Joseph II. Nach seinem Tod lebt sie wieder auf. „Siebenbürger Zeitung" erscheint als erste Zeitung des Landes

1817     Eröffnung des Brukenthalmuseums

1840     Gründung des „Vereins für siebenbürgische Landeskunde"

1846     Ansiedlung von evangelischen Württembergern in Siebenbürgen

1848/49     Bürgerlich-demokratische Revolution in ganz Europa. Die Sachsen bleiben kaisertreu. Vor der Frankfurter Nationalversammlung bekennen sie sich zu ihrem Deutschtum „und“ zum Staat, dem sie angehören.
Der sächsische Pfarrer, Schulmann (Pestalozzimitarbeiter) und Nationalpolitiker Stephan Ludwig Roth wird des Vaterlandsverrates beschuldigt und in Klausenburg von Ungarn standrechtlich erschossen.
Die Sachsen wiedersetzen sich dem Magyarisierungsziel der Ungaren.

1876     Auflösung der Sächsischen Nationsuniversität. Die Ev. Kirche tritt an Stelle der Nationsuniversität und bildet sich aufgrund der Kirchenverfassung zur siebenbürgisch sächsischen Volkskirche heraus. Sie wird zur Trägerin des deutschen Schulwesens und Beschützerin der deutschen Sprache und Kultur in Siebenbürgen.

1861     Wiederherstellung der Nationsuniversität

1867     österreichisch-ungarischer Ausgleich. Siebenbürgen fällt an die ungarische Reichshälfte

1876     Endgültige Auflösung der Nationsuniversität, neue Verwaltungsgliederung in Komitate. Verstärkte Magyarisierungsversuche

1892     Carl Wolff und Oskar von Miller betreiben den Bau des ersten Elektrizitätswerks in Südosteuropa (Inbetriebnahme 1896)

1914-1918    Erster Weltkrieg

27.08.1916    Rumänische Truppen überschreiten die Karpaten. Sie werden nach 2 Monaten zurückgedrängt.

1916    Besuch des bayerischen König Ludwig II in Siebenbürgen.

1917    Besuch des Deutschen Kaisers Wilhelm II in Siebenbürgen.

2. Nov. 1918 Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und den Alliierten.

24 Nov. 1918 besetzen rumänische Truppen Siebenbürgen.

1.12.1918    Die Rumänen Siebenbürgens erklären in Karlsburg den Anschluss an das Königreich Rumänien und sichern den Minderheiten völlige Gleichberechtigung.

Als Folge des 1. Weltkriegs zerfällt Österreich-Ungarn.



IM KÖNIGREICH RUMÄNIEN

Die Siebenbürger Sachsen stimmen dem Anschluss an Rumänien zu, werden aber in ihren Erwartungen enttäuscht. Die zugesagten Minderheitenrechte werden nur zögernd und eingeschränkt verwirklicht, die Agrarreform schmälert ihren Besitz. Sie geraten in den Sog der nationalsozialistischen Volkstumspolitik des Reiches. Ein Abkommen (Mai 1943) zwischen Hitler und dem rumänischen Diktator Antonescu erlaubt die Aufnahme der Volksdeutschen zur Waffen-SS bzw. der Wehrmacht. Der 2. Wiener Schiedsspruch reißt die sächsischen Siedlungsgebiete auseinander. 1944 werden die Nordsiebenbürger Sachsen in Richtung Deutschland evakuiert. In Restrumänien werden 1945 die arbeitsfähigen Deutschen in die Sowjetunion deportiert. Durch Krieg, Kriegsfolgen und Deportationen werden viele Familien auseinander gerissen.

1919     Die Sachsen stimmen in Mediasch ihren Anschluss an Rumänien zu.

1920     Die Pariser Verträge sichern den Anschluss international ab

1921     Ferdinand von Hohenzollern-Sigmaringen wird in Karlsburg zum König von Großrumänien gekrönt

1923     Die deutschen Abgeordneten lehnen die neue Verfassung Rumäniens ab, da die Minderheitenrechte nicht berücksichtigt werden.
< Hermann Oberth veröffentlicht sein bahnbrechendes Buch „Die Rakete zu den Planetenräumen".

1932     Gründung der „Nationalsozialistischen Selbsthilfebewegung der Deutschen in Rumänien"

1939     Rumänisch-deutscher Wirtschaftsvertrag

1940     2. Wiener Schiedsspruch. Nordsiebenbürgen fällt an Ungarn. Deutsche Militärkommission in Siebenbürgen

1941-1944     Rumänien erklärt Russland den Krieg und nimmt als Verbündeter Deutschlands am Weltkrieg teil

1943     Abkommen zwischen Deutschland und Rumänien. Den jungen Männern ab dem 17 Lebensjahr wird es freigestellt, in die Wehrmacht, der Waffen-SS oder der rumänischen Armee zu dienen.

23.8.1944    Rumänien kapituliert und verbündet sich mit der Sowjetunion. Die Verluste der Deutschen Wehrmacht sind in Rumänien größer als bei Stalingrad.
Evakuierung der Sachsen Nord- und, teilweise, Mittelsiebenbürgens. In Südsiebenbürgen werden viele Sachsen interniert.

ab 11.1.1945     Deportation der arbeitsfähigen Männer und Frauen zur „Zwangsarbeit" in die Sowjetunion

23.3.1945    Enteignung der Deutschen ihres ländlichen Besitzes und der Höfe

1947     König Michael I. muss abdanken. Ausrufung der Volksrepublik



IM KOMMUNISMUS.

SEINE FOLGEN FÜR DIE SIEBENBÜRGER SACHSEN

Unter sowjetischer Regie wird Rumänien seit 1945 im kommunistischen Sinne umgestaltet. Die wirtschaftlichen Existenzgrundlagen der Siebenbürger Sachsen werden vernichtet. Zudem werden sie pauschal als verräterische Kollaborateure verfolgt: Es erfolgt die Enteignung des Grundbesitzes, der Betriebe, Höfe, Häuser. Aberkennung der bürgerlichen Rechte.
Allmählich lockern sich die bedrückenden Zustände: 1956 werden den Deutschen der Minderheitenstatus zuerkannt und die Höfe auf dem Land zurückgegeben.
Die Zusammenführung der auseinander gerissenen Familien beginnt schleppend. Die kommunistische Diktatur entfremdet die Siebenbürger Sachsen noch mehr vom rumänischen Staat. Der Wunsch nach Aussiedlung wächst. Nach 1989 verlassen fast alle Rumäniendeutsche ihre seit über 800 Jahren angestammte Heimat. Sie finden Zuflucht und Geborgenheit in Deutschland.

1945      Enteignung von Grund und Boden der Rumäniendeutschen.

1948      Nationalisierung sämtlicher Betriebe

1949     Einführung der sozialistischen Planwirtschaft und Beginn der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft.

1950     Rumäniendeutsche erhalten das Wahlrecht zurück

1953     Der Bundestag beschließt Gesetze über Lastenausgleich für Vertriebene

1956     Rückgabe von Häusern und Höfen auf dem Land; der Grundbesitz bleibt sozialisiert. Anerkennung der deutschen Minderheit als „Nationalität"in Rumänien

1957-1959    Schriftsteller- und viele andere Prozesse gegen Angehörige der deutschen Minderheit in Rumänien

1967     Aufnahme diplomatischer Beziehungen Rumäniens zur BRD.

1978     Deutsch-rumänische Vereinbarung über eine geregelte, konstante Aussiedlung von Deutschen aus Rumänien im Wege der Familienzusammenführung. (10.000 bis 12.000 Aussiedler pro Jahr)

1989     Sturz des Ceausescuregimes in Rumänien. Massenexodus der Siebenbürger Sachsen

1991      Vom 21. Dezember 1989 bis Oktober 1991 kommen nahezu 80.000 Siebenbürger-Sachsen in die Bundesrepublik Deutschland



DIE EVANGELISCHE A. B. KIRCHE IN RUMÄNIEN

Durch Krieg, Deportation (Zwangsarbeit in Russland 14 % Tote) sowie Familienzusammenführung nach dem Westen Europas, schrumpft die lutherische Kirche nach der politischen Wende 1989 von ehemals ca. 240.000 Gläubigen auf eine Mitgliederzahl von heute weniger als 15.000 Seelen, als eine massive Auswanderungswelle der Siebenbürger Sachsen einsetzt.

Die Gemeinden schrumpften so stark, dass die Volkskirche in ihrer traditionellen Form zu bestehen aufhört. Dem neuen Bischof fällt die Aufgabe zu, den Übergang von der siebenbürgisch-sächsischen Volkskirche zur Lutherischen Diasporakirche in Rumänien zu verwirklichen.

Die Zahl der Kirchenbezirke wird reduziert. Jeder Pfarrer betreut mehrere Gemeinden. Nach dem Stand vom 30. Juli 1999 gehören der Evangelischen Kirche A.B. 16.543 Seelen in 260 Kirchengemeinden und Betreuungsorten an, die von etwa 60 Geistlichen betreut werden. Diese Zahlen erfassen nicht nur die Sachsen, sondern auch nichtdeutsch sprechende Mitglieder, die verstreut in Rumänien leben und deutscher Herkunft sind.

Von 1999 bis 2005 schrumpft die Mitgliederzahl als Folge von Aussiedlung und Tod um ca. 4.000. In den siebenbürgischen Städten und einigen großen Gemeinden werden allsonntäglich Gottesdienste abgehalten. In kleineren Gemeinden zwei- bis dreimal, in Diasporagemeinden drei- bis viermal im Jahr. Taufen, Trauungen und Beerdigungen sind flächendeckend gesichert, wobei immer öfter – und das auch in Gottesdiensten – Rumänisch als Verkündigungssprache dient.

Aus eigenen Mitteln kann sich die Kirche nicht erhalten. Sie ist immer mehr auf Hilfe von außen angewiesen. 1998 setzen sich die Zuwendungen aus 45 % ausländischen, hauptsächlich deutschen, Zuschüssen, 15 % Subventionen vom rumänischen Staat und 40 % Eigenleistung zusammen.

Das Theologische Institut in Hermannstadt bildet weiter akademische Pfarrer aus. Hier studieren nicht nur Sachsen sondern zeitweilig auch Gaststudenten anderer Konfession und aus anderen Ländern.

Das Diakonische Werk der Ev. Kirche Rumäniens betreut Altenheime in mehreren Ortschaften, gewährt ambulante Pflege und Verköstigung mit „Essen auf Rädern“ sowie medikamentöse Versorgung, verteilt Kleider und unterstützt mit Lebensmitteln Familien in Not. Für die betagte in Siebenbürgen verbliebene sächsische Bevölkerung ist die Kirche mit ihren diakonischen Einrichtungen und ihrem seelsorgerlichen Dienst die wichtigste Stütze.


Die Ev. Kirche hat auch die Aufgabe der Rettung und Wahrung des wertvollen kirchlichen Kulturerbes. Dazu gehören Restaurierungsarbeiten an Kirchen, Kirchenburgen, Pfarrhäusern, Maßnahmen zur Bergung der Pfarrarchive und Büchereien. Ferner Aufbewahrung und Schutz der Abendmahlskelche, Altäre, Taufbecken, Glocken, Kirchenfahnen, Orgeln, anatolischen Teppichen, sowie die Betreuung und Pflege der Friedhöfe. Sie wird dabei von mehreren Stiftungen und von den in Deutschland gegründeten Heimatortsgemeinschaften der Siebenbürger Sachsen unterstützt. Bei aufgelösten Kirchengemeinden ist man bemüht, die Gotteshäuser und Friedhöfe anderen Konfessionen anzuvertrauen, um sie vor Verfall, Schändung und Verwüstung zu schützen.

Die lutherische Landeskirche ist um eine Öffnung zu anderen Konfessionen und Volksangehörigen und um eine aktive Rolle im gesellschaftlichen und ökumenischen Umfeld bemüht.

„Bei uns geht es um die Öffnung für das rumänischsprachige Umfeld“, so Bischof D. Dr. Christoph Klein auf der Landeskirchenversammlung vom 28. Nov. 1998, „und für andere Aufgaben, die uns vor die Füße gelegt werden, oder um Schritte heraus aus unserem bisher abgezirkelten Wirkungsbereich. Nur dadurch kann es uns geschenkt werden, dass es nicht beim ständigen Rückgang unserer Gemeindemitglieder bleibt, der einmal zum Nullpunkt führt. Gott öffnet uns eine Tür vielleicht zu einer völlig neuen Kirche mit einer Generation evangelischer Christen deutscher Herkunft und evangelisch-sächsischer Prägung, die das in anderer Weise weiterführt, was jetzt in der durch 800 Jahre geprägten Tradition unserer Kirche so nicht mehr gehalten werden kann ...“

Minderheiten in Siebenbürgen

Volkszählung 1930
2.841.641 Einwohner

1.625.863 Rumänen (57,2 %)
828.144 Magyaren (29,1 %)
237.024 Deutsche (8,3 %)
65.324 Juden (2,3 %)
69.324 Zigeuner (2,5 %)
15.854 Sonstige (6 %)

Von der Gesamtbevölkerung Rumäniens betrug der Anteil der Minderheiten (28,1 %).


Deutsche Bevölkerung in Siebenbürgen
1941 247.926 (7,9 %)
1977 168.031 (4 %)
2005 weniger als 12.000



Seelenzahl der ev. Lutherischen A.B. Gesamtgemeinde am 31. Dezember 2004

Laut den diesbezüglichen Meldungen der Bezirksdekanate zählt die evangelische Kirche in Rumänien am 31. Dezember 2004 14.543 Gemeindeglieder. Davon gehörten:

- zum Kirchenbezirk Hermannstadt 3.350 Seelen
- zum Kirchenbezirk Kronstadt 5.033 Seelen
- zum Kirchenbezirk Mediasch 1.837 Seelen
- zum Kirchenbezirk Mühlbach 1.818 Seelen
- zum Kirchenbezirk Schäßburg 2.505 Seelen
zusammen: 14.543 Seelen

Gemäß derselben Meldung der Bezirksdekanate gehören diese 14.543 Gemeindeglieder zu 254 Kirchengemeinden, wobei die Kleinstgemeinden und Betreuungspunkte mitgezählt werden.

Im Einzelnen hatten:128 Kirchengemeinden weniger als 20 Seelen
davon:
11 Kirchengemeinden mit 1 Seele
37 Kirchengemeinden zwischen 2 und 5 Seelen
65 Kirchengemeinden zwischen 20 und 49 Seelen
31 Kirchengemeinden zwischen 50 und 99 Seelen
14 Kirchengemeinden zwischen 100 und 149 Seelen
5 Kirchengemeinden zwischen 150 und 199 Seelen
1 Kirchengemeinden zwischen 200 und 249 Seelen
(Bartholomae 209)
2 Kirchengemeinden zwischen 250 und 299 Seelen
(Bistritz 290, Sächsisch-Regen 253)
2 Kirchengemeinden zwischen 300 und 399 Seelen
(Heltau 374, Fogarasch 313)
1 Kirchengemeinde zwischen 400 und 499 Seelen
(Zeiden 474 Seelen)
5 Kirchengemeinden über 500 Seelen.



Die 6 Kirchengemeinden mit mehr als 500 Gemeindegliedern sind:

- Hermannstadt 1.440 Seelen
- Kronstadt 1.099 Seelen
- Bukarest 1.005 Seelen
- Mediasch 843 Seelen
- Mühlbach keine Angaben
- Schäßburg 522 Seelen

Die angeführten 5 Stadtgemeinden zählen zusammen 4.909 Glaubensgenossen, das sind 33,75 % der Gläubigen.

Die Gesamtgemeinde hatte am 31. Dezember 2003 14.770 Seelen.
Sie ist vom 31. Dezember 2003 bis zum 31. Dezember 2004 auf 14.543 Seelen, um 1,54 %, geschrumpft.





Weitere Informationen in: http://www.siebenbuerger.de