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Antikommunistische Losung
Jugendwaghalsigkeit die mein ganzes Leben in Rumänien
hätte ruinieren können.



Jugendwaghalsigkeit die mein ganzes Leben in Rumänien hätte ruinieren können.

Anfang der 50 er Jahre.

Die Parteien kämpften nach dem Krieg um Machtpositionen. Doch bald war durch die russische Besatzungsmacht der Kampf zu Gunsten der Quasikommunisten entschieden und besiegelt.

Wahlen waren nur noch eine Farce. Dennoch gab es einige, die strenge drakonische Bestrafungen riskierten und mit anti gouvernemental Sprüchen, die sie in der Nacht vor dem Wahltag an Zäune und Häuser in der Nähe der Wahllokale malten, kundtaten dass das geknebelte Volk an seinen Fesseln zerrte.

Als unorganisierter jugendlicher Revoluzzer, dessen Mutter man den deutschsprachigen Kindergarten (Bis 60 deutsche, rumänische, ungarische und jüdische Kinder) gesperrt, den Vater zur Zwangsarbeit in die Kohlenbergwerke in die UDSSR verschleppt, den Großeltern und Verwandten am Land den Grund, Haus, Hof Vieh und Gerätschaft enteignet hatte, war es für mich selbstverständlich als Einzelkämpfer da mitzumischen.



Meine Großeltern vaterseits wohnten in Kronstadt in der Rumänischen Kirchengasse. Ihr Grundstück reichte bis in die Steinbruchgasse worauf meine Eltern ihr Haus gebaut hatten. Somit konnte man durch den gemeinsamen Garten zu meinen Großeltern und in die Rumänische Kirchengasse gehen. In Letzterer befand sich das Wahllokal im Gebäude der Operette.

Her hatte man auch 1945 die Deutschen die zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert wurden zusammengetrieben. Meinen Großvater hob mich über den Zaun und ich sah damals als letzter der Familie meinen Vater.

Es muss noch hinzugefügt werden dass mein Stiefgroßvater früher auf seinem großen Hof eine Kutschen- und Schildermalerwerkstatt hatte, die er auf Anordnung der kommunistischen Obrigkeit schließen musste.

Unser Haus stand am Hang. Die obere Wohnung hatte Straßenhöhe während das Untergeschoss halb in den Berg gebaut in Gartenhöhe war. Durch die Kriegswirren war das Haus nicht ganz fertig geworden so dass das Klo sich im Untergeschoss befand und nur vom Hof zugänglich war. Also wanderte man wie in der Zeichnung von Wilhelm Busch mit dem Nachtstopf in der Hand aus der oberen Wohnung in die Untere.

Ja da war noch eine Begebenheit. Die obere Wohnung mussten wir mit einem rum. Ehepaar teilen die auch zwei Fenster zu Gasse hatten. Um eine Zeit wunderten wir uns dass oft nachts vor unser Haus geschissen wurde. Mit der Straßenbeleuchtung war es nach der Kriegszeit auch schwach bestellt.

Aber warum wurde auf der Gasse gerade vor unser Haus geschissen, welches wir dann wegputzen mussten?

Nun gut die Lösung des Rätsels stellte sich von selber ein, da wir eines Nachts durch Gedrämmer an unserem Thor aufwachten, weil da ein Mann sich persönlich bei der Person bedanken wollte, die ihn mit dem Nachtstopf angeschüttet hatte.

Dies war das Umfeld aus der meine Aktion entstand.


Aus der Werkstatt in der ich damals als Elektromotorenwickler arbeitete ließ ich ein Döschen schwarzer Farbe und Pinsel mitgehen.

Die Nacht der Nächte war da.

Nur nicht einschlafen.

Als meine Elter mit dem Schnarchen anfingen (wir hatten im eignem Haus nur ein Zimmer und eine halbe Küche für uns) zog ich mich an und ging quasi als eventuelles Alibi hinunter ins WC. dabei aber durch den Garten in den Hof meiner Großeltern und rangelte mich auf den Eichenpfosten des Gassentores.

Hier hatte ich Jahre zuvor sitzend, auf die Straße nach meinem Vater Ausschau gehalten, wobei sich manchmal eine Träne über meine Wange schlich, als ich mit gefalteten Händen den Himmeltata bat er solle doch ein Wunder, wie man uns im Kindergottesdienst erzählte, geschehen lassen und meinen lieben Tati jetzt in der Gasse kommen lassen.

Aber der da Oben fand es nicht so wichtig wie ich und hat in mir unbewusst schon als Knirps die Feuerbachtheorie "der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde" aufkommen lassen.

Nun gut, jetzt hing ich, etwas größer geworden, am selben Eichenbalken und beobachtete die Gasse.

Auf der anderen Straßenseite. ca. 200 m entfernt vor dem Operettengebäude stand ein Posten mit aufgeflanztem Gewehr. Polizist? Soldat?

Mitten auf der Straße gingen 2 Zivilisten zusammen Streife.

Ich hatte vorgehabt wenn sie mir den Rücken kehrten, über die Straße zu sprinten und mein Message dort an einem großen Tor im Sichtschatten der Torummauerung anzupinseln.

Ja aber, dann hätte ich wieder über die Straße zurück gemusst und in der spärlichen Beleuchtung konnte ich nicht unterscheiden wohin die Gesichter der Aufpasser gerichtet waren. Somit hätte ich 2 mal gewagt erwischt zu werden.

Also gut, dann muss halt das Gassentor meines Großvaters herhalten. Das ging nach innen auf und mein Vorhaben konnte man somit von Weitem nicht sehen.

Als die Streife wieder die Straße hinaufging öffnete ich leise die Gassentür, und mahlte mit klappernden Zähnen schnell „Jos comunistii“ (Nieder mit den Kommunisten) darauf.

Das Werk war vollbracht. Ab durch den Garten. Farbdose und Pinsel versteckt und ab ins Bett.

In der Früh nach dem Frühstück ging ich durch unser Haustor in unsere Gasse und aus der Hintergasse in die Rumänische Kirchengasse um mein Werk bei Tageslicht von weitem zu betrachten.

Ja, aber da war leider nichts zu sehen. Mein Meisterwerk ist bei Tageslicht entdeckt worden und mein Großvater wurde aufgefordert das Gassentor auszuheben und in Hof an die Hauswand zu lehnen.

Danach hat er Farbreste die im Haus waren zusammengerührt und das Gassentor überstrichen.

Verzeih mir Otata der du nach deiner Ansicht im Himmel bist dass ich dir Aufregung und Arbeit bereitet habe. Aber wie ist die Jugend?

Ja die ist manchmal in ihrem Tun und Handeln nicht vorausschauend genug.

Das war so, das ist so, und das wird so bleiben.