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Zwangsarbeit.



Zwangsarbeit 1950 - 1961 in Rumänien.

Zeugnisablegung

Zwangsarbeit, die Verpflichtung zu schwerer körperlicher Arbeit;
nur bei Freiheitsstrafe zugelassen; heute insbesondere in totalitären Staaten.
(Traunwein, Lexikon 1997)

„Haben sie Kontakt zu ihrem Onkel in Brasilien und dem in Westdeutschland?“
„Nein, weder ich, noch meine Eltern. Nur meine Großmutter schreibt ihnen.
Ich war 2 1/2 Jahre als sie 1940 umsiedelten. Wir kennen uns nicht“.

Das genügte den 2 Genossen, einer vom kommunistischen Parteibüro, der andere von der Staatssicherheit (Securitate), um meine Spitzensportlerlaufbahn zu beenden.

Das war das Gespräch im Herbst 1958, als ich zur Rekrutierungskommission vorgeladen wurde.

Die Militärsportklubs CCA Bukarest, Dinamo Kronstadt, sowie die Gebirgsjägereinheit in Kronstadt, hätten mich für den Fünfkampfsport als guten Kleinkaliberschützen nehmen wollen. Ich hatte die Norm für den Titel „Meister des Sports“ erreicht und Erfahrung im Skilaufen.

Die Würfel waren somit gefallen. Ich gehörte zu denen die ihren Militärdienst in Arbeitseinheiten durch 2 Jahre Zwangsarbeit ableisten mussten.

Wer dazugehörte und über die Zwangsarbeit in diesen Einheiten wurde bis jetzt so gut wie nichts veröffentlicht. Darüber werde ich im folgendem Zeugnis ablegen.

Von 06.03.1959 bis 21.01.1961 gehörte ich der DGSM an und tat Dienst in der Einheit DRDM-Ceala, DRDM-Aradul Nou, DRDM-Chisinau-Cris, DRDMC-Reschita, DRDM 103-Timisoara und DGSM 260.

DRDM = Directia Regionala a Detasamentelor de Munca.
Regionaldirektion der Arbeitseinheiten.

DRDMC = Directia Regionala a Detasamentelor de munca de Constructii.
Regionaldirektion der Arbeitseinheiten für Bauten.

DGSM = Directia Generala a Serviciului Muncii de pe lânga Consiliul de Ministrii ai R.P.R.
Generaldirektion der Arbeitseinheiten des Ministerrats der Rumänischen Volksrepublik



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Am 05.03.59 fuhr ein Personenzug nachts, zunächst mit unbekanntem Ziel mit Rekruten aus Kronstadt/Siebenbürgen nach Arad ins Banat. Mein Militärdienst begann.

Wer waren wir, die wir dahin fuhren? Wie kam es dazu das so viel deutsch im Zug gesprochen wurde?



Rückschau.

1939 Hitler - Stalin - Pakt. Deutschland nahm sich Polen, die Russen von Rumänien die Nord-Bukowina und Bessarabien.

Die deutsche Bevölkerung aus den von den Sowjets annektierten
Gebieten konnte -laut Vertrag- nach Deutschland umsiedeln.

Sie, der "unhaltbare Volkssplitter", wie man sie von deutscher Seite nannte, hatten mitbekommen was sich, jenseits der Grenze in Russland, nach der Oktoberrevolution 1917 abgespielt hatte.

Enteignung und Verschleppung nach Sibirien.

Es war die erste Umsiedlung, die in der Hitlerzeit durchgeführt wurde. Zu vermerken ist, dass für die Aktion "Heim ins Reich“ offiziell von deutscher Seite nicht geworben werden durfte. Dennoch machten sich Tausende Deutsche, auf den Weg.



Ein Bruder meines Vaters, der bei einer Stollwerkfiliale, in Kronstadt arbeitete, hatte seinen Konditormeister bei Stollwerk in Deutschland gemacht. Er träumte davon eine Konditorei in Deutschland zu eröffnen. Ein zweiter Bruder träumte von der Eröffnung einer Auto und Kutschen Tapezier- und Lackierwerkstatt. Da die Geschwister in der Moldau geboren waren, war es ihnen möglich sich der freiwilligen Umsiedlung anzuschießen. So verließen drei Brüder meines Vaters mit ihren Familien Rumänien.



Letztes Hauskonzert bei der Verabschiedung in Kronstadt.

Diese Umstände führten dazu, dass ich, als Neffe dieser Auswanderer, 20 Jahre später! vom Kommunistischem Regime, obwohl wir aus Angst nicht einmal Briefkontakt mit ihnen hatten, mit Beendung meiner Spitzensportlerlaufbahn und 2 Jahren Zwangsarbeit bestraft wurde.



Die Donau hinauf.
In der Gruppe, zwei Onkel, eine Tante, eine Cousine, ein Cousin.

Sie dachten in Deutschland nicht mehr unter dem Druck anderer Volksgruppen leben zu müssen.

Meine Eltern blieben in Kronstadt da sie unter großen finanziellen Mühen am eigenen Haus bauten.



In Weimar angekommen mussten sie in Barackenlagern, wo im Winter über Nacht das Wasser im Eimer einfror, mit Essen aus dem Kessel leben und in der Rüstungsindustrie körperlich schwere Arbeiten leisten.

Wer meckerte, verschwand für ein paar Wochen im KZ Buchenwald und kam täglich mit einer Ziege auf dem Rücken gemalt unter Bewachung in durch Stacheldraht abgesonderte Arbeitsplätze ins Werk zur Arbeit.



Von 1940 bis Anfang 1943 lebten sie in diesem Lager.

Danach, als reinrassig eingestuft, siedelten die Brüder aus dem Arbeitslager in Weimar nach Lublin ins Wartegau aus, wo man ihnen polnischen Privatbesitz übergab. Die Annahme ist ihnen nicht leicht gefallen, musste aber aus gesundheitlichen Gründen (Lungenerkrankung des einen Bruders) der körperlich schweren Arbeit im Rüstungswerk und dem Barackenleben vorgezogen werden.



Ein Leben lang mit anderen Völkern zusammengelebt, haben sie dort den Privatbesitzwechsel nicht als gut empfunden und dem früheren Besitzer soweit wie möglich mit Lebensmitteln geholfen.

Bei einer Polenreise in den 80er Jahren sagte mir der polnische Reiseleiter, dass Österreicher und Rumäniendeutsche ein menschlicheres Verhältnis zu ihnen gehabt hätten.



Gehetzt zwischen den Fronten, nach den Bombenangriffen in Würzburg und Bamberg fanden zwei der Onkel nach den Kriegswirren in Brasilien für einige Jahre eine Bleibe.

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Ein Hitler - Antonescu - Abkommen ( Mai 1943) erlaubte die Aufnahme der rumänischen Staatsbürger deutscher Nationalität, zur Waffen- SS oder Wehrmacht, wobei die meisten Rekruten sich in die Waffen - SS einreihten.

Der Blutzoll war extrem hoch. Nur wenige der Überlebenden kamen nach Kriegsende wieder in ihre Heimat, weil sie dort weitere Verhaftungen und Repressalien erwarteten. (Selbst Kriegsgefangene die 10 Jahre in Sibirien überlebt hatten kamen bei ihrer Heimkehr in Rumänien zuerst ins Gefängnis!)

Beim Rückzug der deutschen Truppen wurde ein Großteil der deutschen Bevölkerung aus Nordsiebenbürgen und dem Banat in Treckverbänden nach Österreich evakuiert. Wenige kehrten nach Kriegsende zurück.

Nach der Kapitulation Rumäniens wurde die deutsche arbeitsfähige Zivilbevölkerung (siehe Deportation) zur Zwangsarbeit in die russischen Kohlenbergwerke deportiert. Über 12% sind in russischer Erde geblieben.

Rumänien hat Seite an Seite mit Deutschland seine Truppe bis vor Stalingrad geschickt. Zur Zwangsarbeit zum Wiederaufbau der Sovjetunion wurden nur seine Deutschen Staatsbürger deportiert.

Die ersten Arbeitsunfähigen wurden als Deutsche nach Deutschland entlassen. Der rumänische Staat verweigerte seinen Staatsbürgern, die er ins deutsche Militär entlassen hatte, sowie denen, die in der Sowjetunion Zwangsarbeit geleistet hatten, und nun im Ausland lebten, die Wiederkehr in ihre Heimat.

Der Großteil dieser Menschen kehrte nicht mehr in die Heimat zurück.

Mütter, Väter, Jugendliche, die dem Heimweh nach ihren Lieben nicht standgehalten und Grenzen überwunden haben, wurden in Rumänien aufgegriffen und haben schwere Kerker und Zwangsarbeitsjahre jahre überstehen müssen.

In der Zwischenzeit hatte sich die Lage der Deutschen in Rumänien durch Totalenteignung furchtbar verschlechtert.

Durch den "Eisernen Vorhang" war die Trennung der Familien auf unbestimmte Zeit besiegelt.

Nach der totalen Machtergreifung der Kommunisten wurde jeder, der Verwandte selbst dritten Grades im Ausland hatte, für sein ganzes Leben gestempelt. Aber wer hatte unter den vorher angeführten Umständen keine?

So ist es nicht verwunderlich, dass wir ein größteil Deutsche in diesem Zug waren, da fast jede Familie außer den verstreuten Kriegstoten auch Familienmitglieder im Ausland hatte, wofür die Zurückgebliebenen Sippenstrafe verbüßen mussten.

Rumänen, Ungarn, Deutsche Juden, Serben, Kroaten, Bulgaren, Türken, usw. alle mit Verwandten im Ausland, hatten dasselbe Los.

Wer damit nicht belastet war, der saß aus anderen Gründen in diesem Zug; zB. wenn die Familie vor 1945 ein Privatunternehmen hatte. Mit anderen Worten: eine Ausbeuterfamilie, Besitzer eines Tante Emma Ladens, oder eines größeren Grundbesitzes war.Oder, zu der Familie gehörte jemand, der früher politisch tätig war, oder in die Mühlen der politischen Justiz geraten war.

Einige Ungarn kamen direkt aus politischen Gefängnissen. Die Freiheitsluft des Aufstands von 1956 in Ungarn hatte sie hier in Rumänien mitgerissen. Dazu kamen Söhne aus Pfarrerfamilien aller Konfessionen oder solche, die durch ihre religiöse Tätigkeit aufgefallen waren.

Die Personaldaten der Quasisoldaten dieser politischen Kategorie wurden in roten Ordnern verwahrt.

Dann gab es noch eine Kategorie: die Kriminellen, die eine Verurteilung mit Haftstrafe hinter sich hatten, Analphabeten meist Zigeuner,oder solche, die beim regulärem Militärdienst etwas verbrochen hatten und nun strafhalber in unsere Zwangsarbeitseinheiten, die somit den Charakter eines Strafbataillon hatten, versetzt wurden.

Der militärische Charakter der Einheiten.
Die 24 Monate Arbeitsdienst, (on 1950 bisr 1959 betrug er sogar 36 Monate), wurden als Wehrpflicht gehandhabt. Jeder Eingezogene bekam nach Beendigung dieser Zeit seinen Wehrpflichtausweis. Bei Waffengattung stand "unausgebildeter Soldat". Und bei Nationalität „Deutscher“, „Ungar“ usw.

Der Alltag verlief nach Militärvorschrift.

Kahl geschoren, eine Handvoll DDT (Insektizid, Heute Verboten) auf Kopf und Genitalien, die Sonntags- und Arbeitskleider gefasst, mussten wir unsere Zivilkleider nach Hause schicken und durften von nun an die ganze Zeit in der wir den Einheiten angehörten, keine Zivilkleider tragen. Auch im Urlaub im Heimatort nicht.

Für die Arbeitseinheiten wurde eine eigene "Uniform" entwickelt, die sich in Farbe und Form wesentlich von der des regulären Militärs unterschied. Die Farbe war ein undefinierbares Grau-Blau, mit erdbraunen Epauletten und Kragenspiegeln. Kennzeichen der "Gattung" war ein auf der Achselklappe angebrachtes, gleichschenkliges Dreieck, über dem sich ein Spaten und eine Spitzhacke kreuzten.

Wir, die wir 1959 als Arbeitskräfte der Landwirtschaft vermittelt wurden, hatten keine Kennzeichnung der Gattung.



Hans? Paul? Moser (Weidenbach ? Heldsdorf?) in Ausgangsuniform.

Auch von der Form her hatte diese Uniform wenig gemeinsam mit der des regulären Heeres: statt Stiefel trugen DGSM-Angehörige Schnürschuhe, statt Breeches- Keilhosen, statt einem Waffenrock ein Russenhemd (Rubaschka).

Die Winterkleidung bestand aus einer abgesteppten Wattejacke (Pufoaica) und abgesteppten Wattehosen. Kopfbedeckung war im Sommer ein Käppi und im Winter eine mit Kunstpelz verbrämte Russenmütze mit Ohrenklappen.



Meine Wenigkeit und mein Freund Schuster Werner.

Statt einer Koppel und einem Überschwung wurde die Rubaschka oder Pufoaica von einem Gürtel aus Hanffasern zusammengehalten.



Die Offiziersuniform wich nur in der Farbe (mausgrau) von der des rumänischen Landheeres ab.

Jeder bekam eine Reihe abgetragener, ausgebleichter, wattierter Arbeitskleider, die mit großen dunkelfarbigen Flicken an den Ellenbogen, Taschen und Knien ausgebessert waren.

Die zum Flicken verwendete Leinwand war neu, was einen zerlumpten Eindruck machte. Darum wurden wir auch "Armee des Tschiang-Kai-Scheck" genannt. Diese Kleidung musste ein Jahr halten. Danach wurde sie ausgesondert. Was einigermaßen brauchbar war musste der nächste anziehen.

Meine Hochschuhe waren voller Sand als ich sie bekam. Ich behielt meine eigenen an. Kurz darauf wurden mir die Militärschuhe geklaut. Selber welche -in der Nacht, wenn die andern schliefen- zu klauen, ging nicht über meine Hemmschwelle. So bat ich meine Eltern um Geld (ein viertel Monatslohn meines Vaters) und kaufte ein Paar vom Schuster der Einheit.

Die Unterwäsche wurde einmal wöchentlich gewechselt.

In der zweiten Woche mussten wir den Fahneneid ablegen. Zwei aus unserer Einheit verweigerten ihn aus religiöser Überzeugung, obwohl sie wussten, dass sie dafür ins Militärgefängnis kamen.

Ich hatte ein längeres Gespräch mit einem von ihnen. Seine endgültige Antwort war: "Der Weg des Herrn war auch voller Dornen".

Sie waren erst 20 Jahre alt und haben bewusst 8 Jahre Militärgefängnis auf sich genommen, denn wenn sie nach 2 Jahren, wieder von der Arbeitseinheit entlassen, den Fahneneid nicht leisten wollten, sollten sie für 4 weitere Jahre ins Gefängnis wandern. Danach für den Rest. Denn erst im Alter von 28 Jahren war man nicht mehr wehrpflichtig.

Untergebracht waren wir in Sammelunterkünften. Das waren meist Provisorate, je nach Baustellen: Baracken, ehemalige Lagerhallen u.a. Eine Einheit, der ich im Sommer 1959 angehörte, war von August bis Ende Oktober in einem ehemaligem Schafstall im Feld untergebracht.



Das Dach war mit Stroh gedeckt, das uns nur vor dem Morgentau schützte. Der Regen ging gleich durch. War das der Fall, bastelten wir uns, um einigermaßen trocken zu bleiben, aus unseren Leintüchern Zelte und lagen auf den blankem Stroh. Strohsäcke hatten wir auch keine.

Eine Nachbareinheit war in Neu Arad in einem ehemaligen großen Schweinestall untergebracht. Als Kopfkissen dienten die Tröge.( Aussage Rudolf Fischer)

Der Monatssold eines Soldaten betrug 7,50 Lei (Wert von 7 frankierten Briefen) und 10 Zigaretten pro Woche.

Ein nicht genehmigtes Fernbleiben von 24 Stunden musste der Garnison gemeldet werden und man wurde als Deserteur gehandhabt. Das Ausbleiben von mehr als 3 Tagen wurde mit Verurteilung und Einlieferung für 6 Monate ins Militärgefängnis bestraft.

So etwas ist öfters vorgekommen, zumal wenn die Braut nicht mehr warten wollte und einen anderen heiratete.

Die Bewaffnung der 15.000 Mann bestand aus 10 Gewehren und Seitenwehr, aus dem ersten Weltkrieg. Die Munition wahrscheinlich auch.

Die Torwache des Banater Kommandaments in Temeschburg verfügte über eines davon. Mit dem Rest war die Wachmannschaft in Sackelhausen ausgerüstet, die die Deserteure bis zur Einlieferung ins Militärgefängnis bewachte.

Die obligaten Tag- und Nachtwachen aller Einheiten waren mit einer Eisenstange ausgerüstet, mit der der Wachhabende an eine aufgehängte Schienenstange schlagen sollte, wenn wir vom Feinde angegriffen worden wären. (Feind =Armee der imperialistischen Westmächte)

Wer in der Nacht 2 mal 2 Stunden Wachdienst hatte, musste am folgendem Tag seine 10 Stunden arbeiten.



In all diesen Jahren ist nicht eine Stunde militärische Ausbildung- außer Salutieren, links um, und rechts um, durchgeführt worden. Dieses sogar von einigen Rekruten auf Befehl eines Jüdischen Gefreiten auf einem Baum. Im Dunkeln habe ich mir diesen Gefreiten vorgeknüpft.



In Gefechtsstellung.



Sonntags obligatorische politische Bildung



Das Detachement gliederte sich in Sektionen (Kompanien), denen 3-4 Züge (ein Zug = 40 Mann) unterstanden. Der Zug setzte sich aus 4 Gruppen mit je 10 Mann zusammen.

Die wichtigste Einheit in dieser Struktur war das Detachement. Seine Stärke war unterschiedlich, überschritt aber nur selten 1.100-1.200 Mann und war selten kleiner als 200-300 Mann.

Es wurde von einem Offizier befehligt, der im Rang eines Hauptmanns, zumeist aber Majors stand. Er hatte zwei Stellvertreter, einen für politische Erziehung (Loctiitor Politic) und einen für Kommandoangelegenheiten. Ferner war ihm ein Verwaltungsfachmann (Gospodar) und ein Sanitätsoffizier beigegeben. Die Sektion wurde von einem Leutnant oder Unterleutnant befehligt, dem ein wehrdienstpflichtiger politischer Erzieher (Educator politic) im Rang eines Sergeanten oder Unterfeldwebels beigegeben war. Dieser war von der Arbeit befreit. Nicht arbeitspflichtig waren auch die Zugführer, allgemein im Rang eines Sergeanten. Die Gruppenführer (Korporale oder Gefreite) mussten arbeiten.

Jede der 5 Regionaldirektionen hatte 1960 die Stärke von 15.000 bis 20.000 Mann, woraus zu schließen ist, dass die DGSM Rumäniens jährlich über 100.000 Männer zur Pflichtarbeit zwang.

Politisch überwacht wurden alle DGSM-Einheiten von Cl-Offizieren (Abwehrfachleuten), die der Securitate angehörten.

Offiziere :

Außer dem leitenden General (wir befanden uns 15.000 Mann im Banat unter dem Kommando vom General Trifan) und den politischen Bildungsoffizieren, die Parteiaktivisten waren, waren auch die Offiziere Strafversetzte. In den ersten Wochen trugen sie noch schweren Herzens die Uniform der Waffengattung aus der sie kamen, bis sie auch die grauen Uniformen erhielten.

Ich lernte einen rumänischen Oberst Crintea Eugen (gebürtig aus Zarnesti) kennen, der aus der Militärakademie her versetzt wurde, weil seine Mutter eine Wienerin war. (Er ist Ende der 60er Jahre rehabilitiert worden und wieder Lektor an der Militärakademie in Klausenburg gewesen)

Ein anderer, Major Tiberiu Grad, der als Jude Auschwitz von innen gesehen hatte und beim Staatssicherheitsdienst zum Major aufgestiegen war, wurde her versetzt, weil seine Verwandten nach Israel ausgewandert waren. Unsere Freundschaft hat über die Militärzeit gedauert, obwohl er in Bukarest und ich in Kronstadt gelebt habe. Er hatte ein besonderes Mitgefühl für uns Sachsen. 6 Jahre später ist auch er nach Israel ausgewandert.

Andere, die auf der Leningrader Militärakademie ausgebildet worden waren, wurden, wegen Erkalten der rumänisch-russischen Beziehungen, (und Spionageverdacht) her versetzt.

Selbstverständlich gab es auch schwarze Schafe unter den Offizieren z.B. solche, die bei Unterschlagungen ertappt worden waren oder sich aus Machtmissbrauch, brutales Vorgehen mit Todesfolge gegenüber ihren untergebenen Soldaten geleistet hatten und nun strafhalber in diese Bataillon versetzt wurden.


Arbeit.



Ein erzwungenes Lächeln für die Lieben zu Hause.

Wir wurden für alle Arbeiten eingesetzt, für die man schwer Arbeitskräfte bekam, zB Reinigen von Stadtabwasserkanälen, Bau von Kanälen für Bewässerungsanlagen der Reisplantagen: Allerhand Arbeiten die wir mit der Schaufel in der Hand ausführten, Flussbettvertiefen im Winter (Reschitza) in Gummistiefeln mit der Schaufel in der Hand (Frostbeulen an den Füßen waren an der Tagesordnung), bis zu Arbeiten am Bau oder an Hochöfen. Andere wurden in der Petroleumförderung, Pipelinebau, zum Streckenbau bei der Bahn, in Steinbrüchen, Straßenbau und Bergwerken eingesetzt.



Meine Kronstädter Kameraden 1959
Werner Schuster, Karl-Heinz Gross, Rolf Tellmann, ?, Otto Schwecht, Gyula Mathe (Klausenburg), Kurt Zerelles, Günther Heldsdörfer, Horst Blücher.

Im ganzen Land gab es solche Einheiten. Jede Einheit hatte einen Verwaltungsapparat, wie ein normales Unternehmen, bestehend aus: Buchhalter, Kassier, Arbeitsnorm-Aufsteller usw. Dazu kam das Verpflegungspersonal und die Offiziere in überwachender Stellung. Es wurden Arbeitsverträge zwischen den Einheiten und den Unternehmen, die Arbeitskräfte brauchten, ausgehandelt, die bezahlt und laut Vertrag ausgeführt wurden.

Bis Herbst 1959 bekamen alle außer denen die in den Landwirtschaftlichen Genossenschaften arbeiteten nach Abzug der Reji,(Gehälter des Offizierskorps) Verpflegung, Kleiderabnützung und andern Abzügen den Wert der Normüberschreitung ausgezahlt. Daran waren auch die Offiziere beteiligt und somit die Antreiber zu Mehrleistung der Zwangsarbeit.

Erlebnisbericht

Im Frühjahr 1959 trafen wir im Banat ein. Hier bildeten wir verschieden große Einheiten, je nach Bedarf der Arbeitgeber. In der ersten Zeit arbeitete ein Großteil von uns Kronstädtern in Ceala bei Neu Arad, wo wir eine große Reisplantage und eine Bewässerungsanlage für Hybridmais mit Spaten und Schaufeln anlegten.



Die Schaufel und ich.

Für einen, der körperlich schwere Arbeit nicht gewohnt war (ich kam aus einer Uhrmacherwerkstatt und hatte 13 Kg Untergewicht, sowie 6 Jahre Arbeit und Abendschule hinter mir, was an meiner Gesundheit gezehrt hatte) war die körperliche Arbeit äußerst schwer. Die Norm betrug zwischen 6 und 8 Kubikmeter Erde (jäh nach Härte des Bodens) die jeder täglich ausschachten musste. Die Arbeit wurde auf je 10 Personen aufgeteilt.



Bei Nichterfüllung des Tagessolls wurde die ganze Gruppe bestraft. Das hieß abends nach 10 Stunden schwerem Schuften,im Laufschritt in die Kaserne. Drohung, dass die ganze Arbeitsgruppe die an 2 Sonntagen im Monat vorgesehenen 4 Stunden Ausgang nicht bekommt (dadurch Gruppenzwang). Drohungen, keinen Urlaub zu bekommen. Karzer waren an der Tagesordnung. So macht man einen Menschen gefügig.

Einige hundert Meter weiter von uns entfernt wurde die gleiche Arbeit von Sträflingen ausgeführt. Uns unterschied von ihnen dass diese Menschen keinen Sonntagsausgang und keinen Urlaub hatten.

An einem der ersten Tage bekamen wir Besuch vom Militärrechtsanwalt Major Steuermann, einem Juden mit KZ-Häftlingsnummer. Er belehrte uns, dass "Nichterfüllung der Norm 3 Tage hintereinander als Befehlsverweigerung geahndet und mit 6 Monaten Militärgefängnis bestraft wird".

Unser Alltag verlief folgendermaßen: 5 Uhr aufstehen. 15 Minuten mit nacktem Oberkörper draußen turnen (auch bei -20 Grad. Es hat niemandem geschadet); danach waschen. 5.45 frühstücken: ein Linsen-, Bohnen- oder Kartoffelgericht und Tee 6 Uhr 15 Abmarsch zur Arbeitsstelle. In Arad wurden wir mit Lastkraftwagen auf die Felder gebracht. 7 Uhr Arbeitsbeginn.



Um 10 Uhr gab es 15 Minuten Pause. Jause: Brot und Speck.

13-14 Uhr war Mittagspause mit warmem Essen.







Als Abendessen 19 Uhr 30: Ein Stück Brot, ein Stück Marmelade und eine Schale Chicoréekaffee, wie man munkelte mit Brombeigabe.

Nach 10 Arbeitsstunden um 18 Uhr Arbeitsende.

Diese Gruppen schafften ihr Soll nicht. Sie arbeiteten an der Erstellung einer Reisplantage. Der Höhenunterschied in der Saatfläche durfte 5 cm nicht übersteigen. Da man den Spaten aber vielerorts nicht ganz in die Erde stechen konnte, konnten sie ihre tägliche Kubikmeter Erde nicht schaffen, sie hatten keinen Erfolg bei der Arbeit und mussten dafür die 5 km nach 10 Stunden Arbeit im Laufschritt in die Unterkunft zurücklegen.

Nachdem sich das öfter wiederholt hatte, haben die Jungs ihre Eltern um Geld gebeten, welches sie dann Zivilarbeitern gaben, die in der Nacht mit Planiermaschinen einen Teil ihrer Arbeit gemacht haben.

Für die Mahlzeiten waren in allen Einheiten 3.650 kcal vorgesehen. Dennoch waren wir hungrig wie die Wölfe.

Von 20 bis 21 Uhr Programm: politische Bildung, Marschieren in Kolonne, Appell usw.

Um 22 Uhr wurde Zapfenstreich geblasen.

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Neben mir arbeitete in der Gruppe ein kleinwüchsiger Bauersohn.



Der stach den Spaten in die Erde und schmiss sie aus dem Kanal hinaus. Was davon abfiel nahm ich mit der Schaufel auf und beförderte es über den Kanalrand.
Obwohl diese Arbeit leichter war als mit dem Spaten kam ich nicht mit.



Die andern 8 aus der Gruppe murrten wenn sie nach ihrer getanen Arbeit auch bei mir noch Hand anlegen mussten. Ich gab mein von zu Hause mitgebrachtes Geld für Zigaretten aus, die ich an sie verteilte. Mein 10 Uhr Brot mit Speckration bekam der Bauernsohn. Dennoch murrten sie. Es war für fast alle eine höllisch schwere Arbeit.

Nachdem die ersten Blasen an den Händen vergangen waren hatten wir Handflächen die wie mit Sohle überzogen waren. Wir machten Wettkämpfe, wer länger eine brennende Zigarette auf der Handfläche halten kann.



Ungesichert hievten wir die Erde auf die nächsthöhere Stufe.



Günter Heldsdörfer in der nicht genehmigten Badehose.



Sauschwer war die Erde, wenn das Wasser sich ansammelte.

"Wie komme ich von hier heraus?" In der Mittagspause schlich ich um die Büros. Ob man da nicht einen mit Abitur braucht? Leider Fehlanzeige. Da saßen einige mit Buchhalterausbildung.

Und dann geschah es, dass die mechanische Rechenmaschine streikte.



Als ich davon hörte, gab ich mich als Fachmann aus, obwohl ich bis dahin noch nie eine benutzt hatte. Ich zerlegte sie, wusch die Bestandteile in Benzin, ölte sie gut und die Monatsabrechnung konnte weiter gehen. Die Hauptsache: ich war 2 Tage weg aus dem Kanal.

Nach kurzer Zeit waren die Rechenmaschinen wieder blockiert. Das Öl hatte den Bestandteilen, die aus Spialter gegossen waren, nicht gut getan. Also musste ich in die Stadt (Arad) in eine Reparaturwerkstatt für Büromaschinen.

Hier traf ich Banater Schwaben, die mir dann auch bei den danach folgenden Schreibmaschinenreparaturen halfen (hilfreiche Kollegen aus dem Büro haben dafür gesorgt, dass es oft nötig wurde).

Für die Einheit war es wichtig, dass die Reparaturen gleich erfolgten und sie nicht eine oder zwei Wochen darauf warten mussten. (So wie ich es mit meinen Schwaben ausgemacht hatte, dass sie bei Anfrage meiner Einheit antworten sollten.)

Nach dem Fahneneid hatte ich das erste mal Sonntag Nachmittag Ausgang. Wohin geht ein ehemaliger Spitzensportler dessen Rumänienrekord mit Kimme Korn Kleinkalibergewehr noch nicht gebrochen war? Selbstverständlich zum Schießstand. Hier traf ich Bekannte von den vielen Sportwettkämpfen auf nationaler Ebene. Es stellte sich heraus, dass unter den Schützen ein Vermessungstechniker war, der bei diesen Bewässerungsanlagen arbeitete.



An der Messlatte: Bikali Janos aus Klausenburg.
Unten Rechts Lurtz Heinrich. (Grolla)

Durch meine Sportlerbeziehung lief ich von nunan mit der Messlatte über die Felder, und ein anderer tat in meine Stapfen in den Kanal.



Welche Lehre zieht man aus der Geschichte „Der kleine Muck“?

Des einen Vorteil ist des andern Nachteil.

Nach kurzer Zeit hatte ich, zur Freude des Vermessungstechniker, sein Handwerk mit meinen Augen gestohlen und machte die Vermessungen, während er im Büro die Berechnungen machte.

Bei der Versetzung der Einheit wurde ich dem nächsten Vermessungsingenieur wärmstens empfohlen. So kam es das in Chisineu Cris der zivile Vermessungsangestellte ruhig an seinem Haus bauen konnte und nur einmal in der Woche zur Überprüfung herauskam, während ich seine Arbeit vollständig ausführte.

14 Jahre danach habe ich einen Teil dieser angelegten Bewässerungsanlagen besucht. Die meisten waren unbenützt vergammelt.

Als der Winter hereinbrach, wurden die Einheiten, die in der Landwirtschaft arbeiteten, aufgelöst. Diejenigen, die ein in der Industrie brauchbares Handwerk hatten, wurden in die Industrie versetzt, die andern wurden entlassen und im Frühjahr wieder eingezogen.

Für die Bauernsöhne, wo die ganze Familie im Sommer in den landwirtschaftlichen Genossenschaften gearbeitet hatte, und im Winter davon zehrte, war das eine zusätzliche Belastung, da der Sohn, Ehemann, oder junger Vater im Sommer kein Einkommen erwirtschaftet hatte und nun zusätzlich mitgefüttert werden musste.

Die menschlichen Beziehungen waren so, wie bei Menschen die unter Kommando gezwungen waren, miteinander auskommen zu müssen. Durch den Drill war man in 2 Wochen ein gebrochener, gehorsamer, unfreier, seelisch geknechteter, kommandogehorchender Mensch.



Ich glaube, man sieht es mir an.

Besonders aggressiv waren Typen, die wegen Schlägereien oder Messerstechereien mit schweren Folgen, Gefängnis hinter sich hatten. Wenn die ihren Koller bekamen, brüllten sie, dass sie wüssten, wie es im Gefängnis sei, dass es ihnen nichts ausmacht, ihren Gegner umzubringen. Wir Politischen waren aber in der Überzahl, so ist nicht allzu viel passiert.

Lustig fanden wir es, wenn einer erklärte, dass er in der Nacht gestolpert war und sich angeschlagen hatte. Aber komischerweise hatte er Verletzungen im Gesicht, an der Brust und am Rücken.

Bei den Entlassungen der Einheiten im Herbst, die an die Landwirtschaft vermittelt waren, wurden zuerst die Soldaten entlassen und 3 Tage danach die Gruppenführer und Offiziere. Eine Vorsichtsmaßnahme damit die Peiniger auf dem Heimweg nicht zusammengeschlagen wurden.

Als es im Herbst 1958 bei uns der Fall war, mussten wir, nachdem wir unsere Militärkleider abgegeben hatten, alle antreten, die Koffer niederlegen und 3 Schritt zurücktreten. Danach trat jeder einzeln vor und öffnete vor dem Kommandanten seinen Koffer.

Da kamen so manche Bekleidungsstücke aus den Holzkoffern der Rumänen zum Vorschein.



Baron Tamas Banffy

Als mein Freund Baron Banffy (Palast in Cluj- Klausenburg) seinen Koffer öffnete, trauten wir unseren Augen nicht, ein abgewetztes Spatenblatt lag da. „Baron du? Was soll das?", hörten wir den Kommandanten fragen. „Genosse Kommandant, ich wollte mein Spatenblatt über das Bett hängen, damit ich jeden Morgen wenn ich aufwache an Sie denke“.

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Nach Hause, oder einen Winter weiter Zwangsarbeit leisten? Nein, ich wollte die unfreie Zeit hinter mich bringen und eine Familie mit Kindern gründen, nicht noch mehrere Jahre jeden Sommer einberufen werden.

So ließ ich meine Verbindungen spielen (ich hatte keine Nachweise das ich in einem der gesuchten Berufe ausgebildet war) und kam in die Industrie nach Reschitza.

Hier arbeitete ich als Elektromechaniker beim Aufbau einer Elektroschaltzentrale.

Da war die Arbeitszeit nicht wie in der Landwirtschaft 10 Stunden am Tag, sondern nur 8 Stunden.

Es war kein ungefährlicher Job, da oft Sabotageakte vorkamen. Als man die Zentrale in Funktion setzten sollte, veranlasste der zuständige Ing. eine zusätzliche Endkontrolle. Dabei fand man einen Nagel in einen Starkstromkabel eingeschlagen. Tage zuvor war ein Büro mit Plänen abgebrannt. u.s.w.

Danach arbeitete ich in einer Reparaturwerkstatt für große Waagen. Ich sollte da Gewichte (mehrere 100 kg) bei den Reparaturen und Eichungen auf die Wagen stellen und abräumen, während mein Quasimeister die Reparaturen machte.

Das Handwerk hatte ich bald begriffen. Auch stellte ich fest, dass mein Meister nur blasse Ahnung von Hebelgesetzen und deren Berechnung hatte. Kein Wunder: er hatte nur 4 Volksschulklassen besucht. Ob er den Meistertitel über das Parteibuch erhalten hat? Man sagte es hinter vorgehaltener Hand. Die Hauptsache war, dass er meine Berechnungen nach anfänglichem Widerstreben anerkannt hatte und ich nur den zehnten Teil der Eichgewichte von hunderten Kilo auf die Waagen stellen und abräumen musste.

Das Wiedererstellen der verschlissenen Waagenbestandteile war für mich als Uhrmacher kein Problem.

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wir unterschieden uns Von den Zivilaarbeitern dadurch, dass wir Zwangsarbeit leisten mussten, dass wir nach Feierabend einem Kasernendrill unterworfen waren und dass unser erarbeitetes Einkommen, nachdem alle Sozial- und Pflichtabzüge abgeführt worden waren, noch zusätzlich mit Abgaben für Kleidung, Nahrung, Wohnung und unsere militärische Verwaltung (Gehälter der Offiziere) und sonstige Leistungen gekürzt wurde.

Nur 3 Monate lang sind mir zwischen 200 und 400 Lei ausgezahlt worden. Die in der Landwirtschaft arbeiteten bekamen wegen des niedrigen Arbeitslohns außer dem Sold 7 Lei im Monat gar nichts in die Hand.

Ab Februar 1959 sind alle Auszahlungen an Soldaten eingestellt worden. Den Überschuss behielt der Staat. Dieses obwohl die Unternehmen als Arbeitgeber alle anfallenden Kosten an die Arbeitseinheiten überwiesen haben.



Hier in Reschitza waren wir in einer Kaserne ungefähr 1.000 Mann untergebracht. Eine zweite graue Einheit von 1.000 Mann gab es am oberem Stadtende.

Wir hatten die meisten Deserteure, die andern die meisten Unfall-Toten, da sie an Hochöfen arbeiteten.

Zur Arbeit mussten wir in Kolonnen marschieren, ebenso auf dem Heimweg, dabei mussten rumänische Soldatenlieder gesungen werden. Um eine Zeit begannen die Rumänen auch Volkslieder zu singen, die Ungarn ihre ungarischen Marschlieder.

Selbstverständlich waren wir bald auch mit unseren deutschen Soldatenliedern dabei.

Unsere hundsmüden Körper strafften sich, richteten sich auf und durch die Straßen von Reschitza erklang das "Westerwaldlied", "Schwarzbraun ist die Haselnuss", "Infanterie, du bist die schönste aller Waffen, Infanterie, du bist der Ruhm der deutschen Waffen". Dabei traten wir fester auf.

Fenster flogen auf.

In Reschitza lebten auch viele Schwaben deren Söhne Militärdienst weit weg von zu Hause durch schwere körperliche Zwangsarbeit leisteten. Selbstverständlich hatten wir Deutsche und Ungarn bald Singverbot.

Bezüglich des auf deutsch Singens, erzählte mir unlängst mein Freund Hans Kramer, (Gete) der in Savinesti/Moldau in so einer Arbeitseinheit in einem Werk, das zur Erzeugung von Nylon erbaut wurde, geleistet hat, folgendes:

Nachdem sie ebenfalls deutsche Soldatenlieder gesungen hatten, seien sie von den Facharbeitern aus Deutschland, die hier Maschinenmontage ausführten, gefragt worden, ob sie deutsche Kriegsgefangene seien. Dies weil sie so zerlumpt und unter Kommando stehend, deutsche Soldatenlieder sangen.

Zu vermerken ist, dass diese Menschen, die hier im Lande arbeiteten, keine Ahnung hatten, dass in Rumänien seit Jahrhunderten Deutsche lebten.

In der folgenden Woche hat man die Deutschen dieser Einheit nach Onesti zu einer anderen Baustelle, einem Kautschukkombinat, versetzt wo russische Montagearbeiter waren.



"Deutsche Soldaten" sonntags beim Baden. :-)

Ein anderer Freund erzählte mir, dass wenn sie, aus der Kaserne draußen, zur Arbeit marschierten, die Rumänen nicht mehr die in der Einheit gelernten rum. Soldatenlieder, sondern ihre faschistischen Kampflieder aus den zweiten Weltkrieg oder pornografische Songs der Antonescu- Armee sangen, während sie die DJ (HJ) und Wehrmachtslieder sangen.

Nach dem Verbot musste er seinem Kommandanten die Texte übersetzten, was er nur mit harmlosen Texten tat. Der Kommandant hatte die Worte Bomben, Bomben, im Ohr behalten und als er ihm auch dieses Lied zaghaft übersetzte, war der ganz begeistert. „Ja Bomben, Bomben auf England, Kampf den Imperialisten, dass ist gut, ist erlaubt.“



Wir sangen sonntags weiter unsere deutschen Volkslieder. Das amerikanische Gedudel hat unsere Herzen damals und auch heute nicht erreicht.
::: ?, Horst Blücher, Otto Schwecht, Karl-Heinz Gross, Udo Lauer, Gyula Mathe, Rudi Fischer.

Im Sommer 1960 wurde ich nach Temesvar, zur DGSM-Timisoara (Generaldirektion für Arbeitseinheiten Temesvar), das sich in einem Flügel des Militärkrankenhauses befand, versetzt.

Meine ungarischen Freunde hatten mir den Weg geebnet, indem sie öfters mutwillig die Büromaschinen unbrauchbar gemacht hatten und dafür unbedingt den Spezialisten für deren Instandhaltung brauchten. (Ein Sabotageakt und gleichzeitig eine kameradschaftliche Hilfe.)

In Temesvar nahm ich gleich Verbindung zu den zwei Büromaschinenwerkstätten auf wo Banater Deutsche arbeiteten, die meine Lage gut verstanden. Auf meine Bitte spielten sie von nun das gleiche Spiel wie die in Arad.

Auf die reparierten Schreibmaschinen musste von nun an, das Büro der DGSM, komischer Weise 2 Wochen und nicht mehr eine, wie bisher warten. Sie hatten plötzlich "viel Arbeit".

Durch meine prompte Instandhaltungstätigkeit war ich ein wichtiges Rädchen für die termingerechte Zentralisierung der Monatsbilanzen der DGSM geworden.

Die Schreibmaschinenmechaniker haben mir oft geholfen und mancher sein Butterbrot mit mir geteilt. Wir verstanden uns, hatte mancher von ihnen auch fern von zu Hause in solchen Einheiten Zwangsarbeit leisten müssen. Mein Dank gilt ihnen auch heute noch.

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In Temesvar war das Stadtzentrum Tabuzone für uns. Wir rumänischen Staatsbürger die das Todeskleid (Soldatenuniform) trugen, von denen jeder wusste, dass sie armseligen Zwangsarbeitern gehörten, waren ein Schandfleck für die Stadt.

Aber im Zentrum befand sich der einzige Ort wo man in der Telefonzentrale ein Überlandgespräch mit seinen Lieben, die zur vereinbarten Stunde im Heimatort auch in so einer Telefonzentrale auf einen Anruf warteten, führen konnte.

Von hier hat mich einmal ein Oberst verhaftet und bei der Garnison abgeliefert.

Zuerst dachte ich, er würde mich aus der für mich verbotenen Zone hinausführen, das war aber leider nicht so. Er war der Garnisonskommandant der Stadt Temesvar höchst persönlich.

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Die Urlaubsdauer bestand, wie bei den Zivilisten, aus 12 Arbeitstagen im Jahr.

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Der Arbeitsdienst durfte nicht in der Nähe des Heimatortes abgeleistet werden. Dieses galt für alle Militäreinheiten damit sie im Ernstfall ohne Skrupel auch gegen die eigene Zivilbevölkerung eingesetzt werden konnten.

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In den vorangegangenen Jahren wurden DRDM Soldaten auch in Privatquartieren untergebracht (wie auch manche Zwangsarbeiter im Nazi-Deutschland). Dies nur wenn sie sich verpflichteten, an der Baustelle noch etliche Jahre nach der Militärzeit zu arbeiten. Dabei konnten sie ein "normales Zivilleben“ führen und die Zeit wurde ihnen als Militärdienst angerechnet.

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Die DGSM wurde im Januar 1961 aufgelöst.

Man sprach unter vorgehaltener Hand, dass es auf internationalen Druck geschehen sei, da sie dort als Zwangsarbeitslager eingestuft worden ist.

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Da das Land aber weiterhin Arbeitskräfte zum Aufbau brauchte, wurde ein Großteil des regulären Militärs nach 3 monatiger Waffenausbildung (später auch ohne) weiter als billige Arbeitskraft an vielen Baustellen wie Donau-Schwarz-Meerkanal und andere eingesetzt, ohne dass die Wehrpflichtigen dafür einen Lohn erhielten. An der Kleidung waren sie nicht mehr vom regulären Militär zu unterscheiden.

Erst zu Beginn der 90er Jahre hat diese Menschenausbeutung aufgehört.

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Ein Husarenstück, Dezember 1960

Ich machte Telefondienst im Generalstab (DGDM Timisoara). Offiziell durfte ich es mit meinem roten Ordner nicht, aber man brauchte mich dringend wenn eine Büromaschine kaputt ging und die gingen meist kaputt wenn man mich auch nur in die nächstgelegene Einheit in Temesvar versetzte, wo ich Kies und Sand mit dem Schubkarren zum Straßenbau herumschleppte. So geht es halt wenn man gute ungarische Freunde wie Bikali Janos und andere Klausenburger hat. Minderheiten halten zusammen

Nun, da kam eines Tages einer der hohen Offiziere zu mir in die Telefonzelle und ich musste den Raum verlassen. Kurz danach bemerkte ich große Aufregung im Hühnerstall: Der Befehl der Auflösung der Arbeitseinheiten aus Bukarest war eingetroffen.

Im Gespräch mit meinen Kameraden ging es nur noch um eines: wie seile ich mich schnellstens ab, um nicht als letzter noch über meine reguläre Militärzeit hinaus an der Auflösung der Einheiten mitarbeiten zu müssen. Mir fehlten noch 2 Monate bis zu den 24 Monaten Wehrdienstpflicht die ich leisten musste. Aber ich musste weg. Ich musste weg, weg!

Gesuch an General Trifan aus dem Nebenzimmer geschrieben. Mutter krank im Krankenhaus, Vater krank, Großmutter im Sterben. Ich muss dringend mit der nächsten Einheit die entlassen wird, nach Hause. Datum, Unterschrift, und der Sekretärin zur Registrierung abgegeben.

Die Tage vergingen, mein Gesuch kam und kam einfach nicht aus dem Büro des Generals zur Registratur zurück. Die erste, danach die zweite und letzte Einheit in Temesvar wurde entlassen. Am Tag darauf dachte ich: "Aus, du kannst nicht mehr weg bis du nicht den letzten Fußlappen in die Züge für die Sammelstelle verladen hast!"

Und dann kam die Sekretärin strahlend mit meinem Gesuch angerauscht. Darauf der Vermerk: Der Soldat Wilhelm Ernst Roth wird mit der nächsten Einheit entlassen. Mit anderen Worten: er bleibt auf verlassenem Posten bis zum bitteren Ende.

Ich muss kein begeistertes Gesicht gemacht haben, denn Major Steuermann, der jüdische Rechtsanwalt, der vorbeiging, kam danach zu mir herein und nahm mir wortlos mein Schreiben aus der Hand. Nachdem er es gelesen hatte, sah er mich an und sagte: „Du Telefonist du, streng dein deutsches Köpfchen an, du kannst nach Hause fahren“.

Ich war wie erschlagen: verulkte er mich? Ich sah mein Gesuch an und las und las es immer wieder durch. Nichts Auffälliges. Steuermann kam wieder vorbei. „He, du bist noch hier?“ Danach: „Bist du Telefonist oder nicht?“ Und weg war er.

Dann traf es mich wie ein Blitz: Mein Gesuch trug nur den Eingabedatumstempel von vor über einer Woche. Die Jungs der letzte Einheit waren am Tag zuvor entlassen worden. Der General hatte unter seinem Vermerk kein Datum geschrieben.

In dem Moment hatte ich den Telefonhörer in der Hand. „Hallo, hier ist der Generalstab der DGSM. Wir haben hier einen Soldaten Wilhelm Ernst Roth, der die Bewilligung des Generals zur Abmusterung hat. Können Sie die nötigen Formalitäten noch erledigen?“

„Jawohl, das Büropersonal ist noch nicht entlassen worden. Wir haben aber keine Bahnfahrkarten mehr. Das würde noch 3 Tage dauern.“

„Ist nicht nötig“. „Gut dann soll er vorbeikommen“.

5 Stunden später stand ich in geborgter Zivilkleidung und Geld für die Fahrkarte von meinen Banater Freunden (meine Militärkleider hatte ich auch abgegeben), sowie meinem Entlassungsschein in der Tasche, am Bahnhof.

Bevor der Schnellzug abfuhr, rief ich meine Telefonzentrale an und sagte dem Kameraden -der nun dort saß, nachdem ich so plötzlich unauffindbar war- sie sollen mich nicht suchen, da ich mit dem nötigen Entlassungsschein auf dem Weg nach Hause sei.

„Komm zurück, wir können dich noch decken. Du wirst als Deserteur jetzt im letzten Moment eingelocht.“

„Informiert euch bitte bei der Einheit, die gestern aufgelöst wurde. Dort befindet sich der Durchschlag meines Entlassungsscheines. Ich danke euch für alles, was ihr für mich getan habt“.

Auf der Heimfahrt hatte ich, nach einer Art von Auftauen, doch höllische Angst verhaftet zu werden, da auf allen größeren Bahnhöfen Militärpolizei patrouillierte. Mit meinen kurz gestutzten Haaren war ich auf den ersten Blick leicht ausfindig zu machen.

Auch hatte ich eine Fahrkarte nur für die halbe Streck am Schalter bekommen und für den Zug gab es nur Karten mit Sitzplätzen.

Ich stieg aber nicht aus und hätte laut Gesetz wenn ich erwischt worden wäre 3 Fahrkarten für die ganze Fahrstrecke Temeschwar-Bukarest zahlen müssen und das wäre arg viel gewesen.

So stand ich nun am Koridor. Ein älterer Herr nach der Kleidung ein Pfarrer, bemerkte meine Unruhe und gesellte er sich zu mir. Wir kamen ins Gespräch. Er war der katholischen Stadtpfarrer Vasváry aus Kronstadt.

Aus dem darauf folgenden Gespräch erfuhr ich, dass er unlängst aus einem politischem Gefängnis entlassen worden war, wo er einen jungen Sachsen als Zellkumpanen hatte, der an den Schlägen und psychischen Foltern zu zerbrechen drohte.

Er erzählte mir, dass er, um ihn abzulenken, mit ihm Reime gebildet hatte. Einer sagte einen Satz und den Reim dazu musste der andere sagen. Dabei fing er gleich das Spiel mit mir an.

Als er sah das der Schaffner kam, schickte er mich auf seinen Sitzplatz ins Abteil und sagte dem Schaffner das niemand zugestiegen sein. Einem Pfarrer glaubt man doch. Oder? Nach 10 Stunden Fahrt hatte ich die Nacht gut überstanden.

Danke, Herr Stadtpfarrer Vasváry! Selbst wenn Sie schon lange in der Erde ruhen, leben Sie in meinem Gedächtnis weiter.

In Kronstadt habe ich mich tags darauf, am 22. Januar 1961, bei der Garnison gemeldet und meinen Entlassungsschein abgegeben.

Ich habe es geschafft unter Tausenden im Ganzen nur 3 Monate mit der Schaufel in der Hand zu arbeiten. Am 25. Januar übernahm ich eine Uhrmacherreparaturwerkstatt mit 2 Mitarbeitern der Genossenschaft Technica.

Den Militärausweis bekam ich erst nach Vollendung meines 28. Lebensjahres. Für 43 Tage hat man mich nicht mehr eingezogen. Bei Ausbildung stand: Unausgebildeter Soldat. Bei Nationalität: Deutscher.

Es war das einzige Dokument, das ich besaß, dass ich vom Rumänischen Staat als Deutscher einstuft war.

Die Gedanken sind frei.
Wer kann sie erraten?



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Ich danke Rudolf Fischer, der mir seine Negative aus dieser Zeit zur Verfügung gestellt hat. Schon das Erstellen dieser Fotografien hätte ins Auge gehen können. Nicht auszudenken ist, wenn seine Tochter, beim über die Grenzeschmuggeln in der Ceausescuzeit, damit erwischt worden wäre. Ihnen gebührt für diese Zeitdokumente mein Respekt und ein großes Dankeschön.



Rudolf Fischer, (Lugosch)

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Am 6. Juni 2002 erschien im rumänischen Amtsblatt (Monitorul Oficial) das Gesetz Nr. 309/2002 bezüglich der Anerkennung und Genehmigung persönlichen Rechte derer die im Rahmen der Generaldirektionen für Arbeitsdienst ihren Wehrdienst in den Jahren 1950-1961 geleistet haben.

Zur Zeit (2009) bekommt jeder ehemalige DGSM-ler, der rumänischer Staatsbürger ist, aufgrund der Bestimmungen dieses Gesetzes für jeden Monat, den er im Rahmen der DGSM gedient hat, monatlich je 2,53 Lei (etwa 0,58 Euro). Witwen von ehemaligen DGSM-lern bekommen die Hälfte der Summe, die ihren Ehegatten zustehen würde.