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Auf der Suche um finanzielle Unterstützung.

Vorträge in:
Stuttgart
Ludwigsburg
Heimattag in Dinkelsbühl
Kirchentag in Hannover
Martin Lutherbund Hanover
Universität Hannover für Bau u. Kunstgeschichte
Wolfsburg
Bad Neustadt



Mein neues Wirkungsfeld: Bundesrepublik Deutschland. (1982-84)


Juni 1982, in Augsburg angekommen, trat ich im ersten Monat in die Landsmannschaft ein. Der Tanzgruppe schenkte ich eins von den 10 für meine Mitarbeit erhaltenen Büchern "Deutsche Volkstänze, die man in Siebenbürgen tanzte und noch tanzt" Von Maria Luise Schuster, die nur in den Kulturhäusern Rumäniens verteilt wurden und nie zu kaufen waren.

In der Folgezeit bat ich bei der Landesmannschaft um finanzielle Unterstützung zur Anschaffung der nötigen Apparatur damit ich Siebenbürgen in der Öffentlichkeit weiter bekannt machen könne.
Die Landesfrauenreferentin O. S. nahm sich meiner an und lud mich nach München ein. Ich führte Gespräche mit der Leitung der LM und machte eine Vorführung im Haus des Deutschen Ostens und bei Herrn Dr. P. Ministerialrat im Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung.



Doch leider "außer Spesen nichts gewesen". Es hieß: Eine Privatperson können wir nicht unterstützen. Jahre später flossen Unsummen nach Siebenbürgen und versickerten dort im Sand. Die Unterstützung eines Arbeitslosen, der nachweislich in Rumänien unter harten Bedingungen einmalige kulturelle Leistungen erbracht hatte, die er hier als Öffentlichkeitsarbeit weiter führen wollte, gab es nicht.

Auf mich allein gestellt machte ich weiter. Baute mir eine Überblendungsvorrichtung und ging in die Öffentlichkeit.

Erste Erwähnung meiner Aktivität in der Siebenbürgischen Zeitung.



Es folgten Einsätze in verschiedenen Rahmen.



Hans Bergel, der Redakteur der SZ hatte meine Not erkannt und publik gemacht. Doch geholfen hat es nichts.



In Augsburg wurde ich bald zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen. Ich hatte Fuß gefasst und konnte in Bild und Originalton über siebenbürgische Kultur berichten.



1983 Auftritt am Heimatstag in Dinkelsbühl.
Ich hatte erwartet das jemand vom Landesvorstand zu meiner Dia-Tonschau vorbeikommt, stand sie doch im Veranstaltungsprogramm. Fehlanzeige. So begrüßte ich dann vor jeder Vorführung zuerst die Vertreter der LM wobei ich mich - zum Gelächter der Anwesenden - danach scheinheilig erkundigte, ob jemand da sei.

Auch hatte ich Handzettel auf der Straße unter die Besucher des Heimattages verteilt und zusätzlich gut besuchte Vorführungen vor einem dankbarem Publikum gehalten. Die Dia-Ton-Vorführungen mit der von mir selber gebastelten Überblendungstechnik waren auch hierzulande noch eine ungewohnte und für manchen Hobbyfotografen faszinierende Neuigkeit.

Lustig fand ich es, als mich eine Dame herzhaft begrüßte und als ihr Mann bemerkte, dass ich sie nicht kenne, er sie diesbezüglich aufmerksam machte. "Geh, ich bin doch in der ersten Reihe gesessen als Herr Roth bei uns in Siebenbürgen seinen Diavortrag gehalten hatte". Ja, so geht es einem. Hatte ich der Dame seinerzeit zu stark in die Augen gekuckt?



Zum Kirchentag in Hannover, bei dem wir als Neuankömmlinge mit Hilfe des Hilfskomitees der Siebenbürger Sachsen teilnehmen konnten, hatte ich einige Dia-Serien mitgenommen und in unserem Arbeitskreis vorgeführt. Am Messegelände fanden Vorträge (Pfarrer Zink) und Ausstellungen statt.

Da kann ich doch auch unser Fähnlein hissen. Also stellte ich mich in eine Ecke und machte meine Diaprojektion. Schnell hatte sich eine große Menschentraube um mich gesammelt. Die Jugendlichen saßen fasziniert am Boden um mich herum und immer wieder kamen die Fragen der neu Dazugekommenen. Wo sind diese Kirchenburgen? Wo sind diese Menschen in dieser schönen Tracht? Ich freute mich über ihren Wissensdurst den ich bei ihnen wecken konnte.

Einige Monate später erhielt ich eine Einladung zu einer Sitzung des Martin Lutherbundes Hannover.



Tagesordnung.



Wenn ich bis dahin gewohnt war, herzlich empfangen und vorgestellt zu werden, kam ich mir bei diesen Herrn im Schwarz wie ein Lakai vor. Nach meinem Referat und Diavorführung kam es zu Gesprächen um Subventionen für den Erhalt von Kirchen in Siebenbürgen. Auf meinen Hinweis, Restaurierungsarbeiten von Kirchen, in von Sachen bewohnten Gebieten vorrangig zu unterstützen, bekam ich zur Antwort "Wo eine Kirche steht, da finden sich Gläubige ein". Es handelte sich um eine Kirche in der Bistritzer Gegend, im Dorf lebten 1981 noch 11 Sachsen. Der Rest der Dorfbevölkerung waren orthodoxe Rumänen.

Die Herrn lebten in anderen Sphären und hatten nicht begriffen, dass dieses Kirchenvolk im Aufbruch war. Über 80% der Deutschen Rumäniens hatten die Ausreise beantragt.



Es folgten 2 Jahre Leben im Übergangsheim. Über 200 Bewerbungen, von Hamburg bis zum Bodensee, haben wir losgeschickt. Ich kam aus der Rüstungsindustrie und da war wegen Spionageverdacht kein Platz für Spätaussiedler.

Bei der Suche nach Arbeit beim Arbeitsamt war ich Zeuge eines Gespräches, in dem ein junger Mann bettelte, man solle ihm den Besuch der Umschulung bei der IHK erlassen, da er nicht mitkomme und er sich deswegen kein Magengeschwür anschaffen wolle. Zum Erstaunen des Beamten bewarb ich mich gleich um diesen Kurs. "Na, können Sie sich das in Ihrem Alter zumuten"? Ich war 45 Jahre alt. Nach einigen Monaten hatte ich das Elektronikzertifikat und einen Mikroprozessorkurs der IHK in der Tasche. (Endlich ein deutsches Zeugnis!!) Ein Drittel der Kursteilnehmer hatte es nicht geschafft.



Hannover.
Meine Ausbildung am Atomphysikinstitut in Bukarest zum Zerstörungsfreien-Werkstoff- Prüfer wurde mir hierzulande nicht anerkannt. Also kämpfte ich mich beim Arbeitsamt durch, bis ich in Hannover einen Ausbildungsplatz dafür ergatterte. 9 Monaten später hatte ich meine Zertifikate in der Tasche.

Materiell standen wir äußerst schlecht. Von meinem Arbeitslosengeld von knapp über 600,- DM musste ich meine Unterkunft, den Lebensunterhalt bestreiten und sehen das noch etwas für die Kinder übrig bleibt.(Tochter in Gymnasium Sohn in Berlin auf der Uni.)

Meine erste Vermieterin, nachdem sie meine finanzielle Lage ausgelotet hatte, quartierte mich in eine Familie um. Nun, die Gläser klirrten im Schrank wenn die Straßenbahn vorbeifuhr. Ein Eisenofen stand mitten im Zimmer. Die Tapeten lösten sich teilweise von den Wänden. Das Geschirr, das ich in der Küche mitbenützen sollte, war schmutzig. Die Alte zahnlucket und mit langen, ungekämmten Haaren. Die zwei Jungfern liefen in Unterkleidern durch die Wohnung. Ich hatte den Eindruck, ich bin im Roman „Die Elenden“ von Viktor Hugo gelandet.

Über den Kontakt mit der Landesmannschaft konnte ich in ein Männerwohnheim übersiedeln. Danach in ein Studentenheim für Kirchenmusiker. Da war ich wieder Mensch.

Neben den Kursbesuchen und Prüfungen hielt ich meine Vorträge über Siebenbürgen wo es nur möglich war. Bald hatte ich auch hier einen Namen. Mit dem erhaltenen Unkostenbeitrag kaufte ich mir die lang ersehnten zwei Projektoren mit Überblendtechnik und rüstete langsam die Tonapparatur auf.

Nun konnte ich mein Fähnlein so wie in der alten Heimat weiter tragen und somit Öffentlichkeitsarbeit für Siebenbürgen leisten.

Eines Tages bekam ich eine Einladung, meine Dia-Tonschau im Institut für Bau und Kunstgeschichte,der Universität Hannover, zu halten. Als ich das Gebäude betrat, erschauerte ich. Die ganzen Wände der Korridore waren mit Sprühfarben verschmiert.Im Vorführungsraum war eine ziemliche Anzahl langhaariger und nicht allzu vertrauenserweckender Studenten versammelt.

Diese Chaoten interessiert Siebenbürgen? Ich wurde eines andern belehrt. Wenn es nicht Mittag geworden wäre und der Magen geknurrt hätte, wären wir noch weiter zusammen gesessen. Die letzten nahmen mich in die Mitte und wir gingen in eine Kneipe, wo man billig einen Linseneintopf bekam und sich noch eine Weile unterhalten konnte.

Unvergesslich ist mir die Feststellung eines Studenten geblieben: „Herr Roth, Sie haben eine Heimat gehabt. Dafür beneide ich Sie“.

Nach einigen Tagen rief mich Herr Professor Dr. Ing. Conrad Meckseper zu sich und wir unterhielten uns weiter über Siebenbürgen. Beim Verabschieden gab er mir lächelnd ein Schreiben in die Hand und sagte: „Dies könnte Ihnen manche Türen für Ihre hervorragenden Arbeiten öffnen“.




Es folgte eine Einladung zur Aussiedlerkulturwoche in Wolfsburg. Vor meinem Vortrag referierte eine rumänische Ärztin, die mit einem Deutschen verheiratet war. Sie lobte in hellen Tönen das gute Zusammenleben der Rumänen mit den Deutschen, wie die Geschichte es bewiesen hat und hob besonders hervor, dass Rumänien seine Deutschen nicht vertrieben habe. Nachdem ich die Bühne betreten hatte, sagte ich in das Mikrofon: „Frau Doktor hat die volle Wahrheit berichtet. Das Einzige, was ich bemängele ist, dass da etwas fehlt, die Beleuchtung der Ereignisse seit 1916, die dazu geführt haben, dass wir, die Mehrheit der hier Anwesenden, in diesem Raum sind“. Tosender Beifall.

Es folgte eine Zeit, die ich bei Schulungen in Bad Neustadt verbrachte. Auch hier hisste ich mein Fähnlein. (Im Rotaryklub und Öffentlich)



Anhand der beigefügten Zeitungsberichte zu meiner Bewerbung wurde ich in die AV Abteilung des Fotostudio Reger in München angestellt, wo ich per Hand Diaduplikate und Trickdias herstellte und die elektronischen Apparaturen betreute. Danach fand ich Anstellung als Prüffeld-Techniker im Prüffeld Datentechnik bei Kleindienst Datentechnik in Augsburg.

Somit verlagerte sich mein kulturelles Wirkungsfeld endgültig nach Bayern.