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Korrespondenz mit Herrn Petrica Tinc
aus Australien


Corespondenta cu
domnu Petrica Tinc
din Australia



Petrica

Anfang des Jahres 2004 hatte ich im Internet Personen gefunden die Interesse an Kronstadt haben. Einigen schickte ich eine meiner Fotokollagen von Kronstadt mit einem Gruß. Das Echo war erfreulich.

Herr Petrica Tinc, empfahl mir unseren darauf folgenden Schriftverkehr zu veröffentlichen. Wir schrieben uns in rumänischer Sprache da der Herr aus Australien nur wenig Deutsch kann. Mit seiner und der Familie Kremer Genehmigung, gebe ich hiermit einen Teil unserer Korrespondenz, den ich ins Deutsche übersetzt habe, wieder.

Er ist ein Einblick in die Seele eines Menschen dessen Wurzeln in derselben Erde wie meine stehen.



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Lieber Willi,
Ich bin Rumäne aus Racos, Brasov, und meine Frau ist eine halbe Sächsin aus Deutsch-Weißkirch (Viscri). Wir sprechen rumänisch zu Hause und englisch in der Arbeit. Wir sind 53 Jahre alt, haben einen 27-jährigen Sohn und eine 25-jährige Tochter. Wir wurden als wir 1988 geflohen sind, in Deutschland nicht angenommen. So sind wir von Traitskirchen nach Perth, Australien gekommen, und es tut uns nicht leid. Hier habe ich meine eigene Ingenieur- und Computerservicegesellschaft.

Ich habe ziemlich gut deutsch in Österreich gesprochen, aber weil ich es nicht mehr übe, habe ich es vergessen. Ich spreche ungarisch fließend, französisch und russisch. Ich habe ans Siebenbürgersachsenforum geschrieben, weil ich seit langem Horst Kremer suche, er war mein Vorgesetzter, Chefingenieur und Freund in der Metromfabrik. 1983 siedelte er nach Deutschland aus. Er hat zwei Söhne. Hans Kremer, Forstingenieur, ist in München verheiratet. Horst Kremer jr. ist Autoingenieur. Die Jungen dürften 48-52 Jahre alt sein, und Horst Kremer ist ungefähr 75 Jahre alt.

Wenn Du sie mir finden hilfst, danke ich Dir!

Ich freue mich über jedes Foto von Siebenbürgen, die Heimat, die mir in der Seele geblieben ist.

Mit freundlichen Grüßen

Alles Gute

Petrica/Peter

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Lieber Petre,
Mir geht es ebenso mit Siebenbürgen, unserer gemeinsamen Heimat. Ein Drittel meines Lebens habe ich in Deutschland gelebt. Wenn ich von irgendwo zurück nach Bayern komme, fühle ich, dass ich nach Hause komme. Wenn ich Albträume habe, träume ich, dass ich in Kronstadt bin, sie mir den Pass abgenommen haben und ich nicht mehr nach Deutschland zurück kann. Und das nach 22 Jahren! Und trotzdem ist meine Seele in Rumänien geblieben. So sind wir und werden es auch bleiben, bis uns die Erde deckt.

Was Herrn Kremer betrifft, werde ich versuchen Dir zu helfen. Ich habe auf der CD mit Telefonnummern nachgeschaut: in Deutschland sind 76 Abonnenten mit dem Namen Horst Kremer und 47 mit dem Namen Hans Kremer. In München und Augsburg gibt es keinen. Frage: Waren sie Kronstädter? Wo sind sie geboren? Sind sie aus Kronstadt geflohen, oder haben sie anderswo gewohnt, bevor sie wegfuhren?

Willi

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Lieber Willi,
Vielen Dank für die Antwort. Meine Albträume sind fast identisch. Ich träume dass, an der Bahnhofskasse in Kronstadt eine hässliche, dicke und sehr aggressive Frau sitzt (eine die ich in der Wirklichkeit kannte, sie war Pförtnerin in der Fabrik), die meinen Pass nimmt und nach hinten zur Kontrolle reicht.... und sie gibt ihn mir nicht mehr zurück, und der Zug fährt ab… Es waren einige Jahre zwischen 88-92, in denen ich so geträumt habe, dann habe ich den australischen Pass bekommen, danach waren diese Träume eine Weile weg. Jetzt habe ich sie wieder!

Ich habe Technologie auf der Colina, in Kronstadt studiert, danach bin ich in die Metrom und Steagu Rosu Werke gependelt. Später bin ich nach Sf. Gheorghe umgezogen.

Familie Kremer sind alle in Hermannstadt geboren. (Die Söhne in Kronstadt) Ihr letzter Wohnsitz war Sf. Gheorghe. Der Alte war bis 1977 einige Jahre Chefingenieur bei den Metromwerken, als er seine Ausreise (Familienzusammenführung) beantragt hat. Darauf hin wurde er als einfacher Ingenieur zu IMASA Sf. Gheorghe versetzt, wo ich mit ihm in der Proiectare-autoutilitare gearbeitet habe. Hier wurden wir Freunde. 83 verließ er das Land. Von irgendwo, gegenüber von Aix-la Chapelle schrieb er mir einmal, danach wurden meine Briefe beschlagnahmt. Seico-meico (Securitate) machten mir Probleme weil ich mit dem „Feind des Volkes“ Sachsen und Ungarn sprach.

84 entschloss ich mich zu fliehen und habe es 88 geschafft. 08.08.88 war ich in Österreich im Lager.

Ich habe auch Kontakt mit einigen Kremer aus dem Telefonbuch und Internet aufgenommen. Ohne Erfolg.

Ein Priester hat mir danach versprochen sich zu erkundigen, aber er war kein Sachse, so….. Mit Dir habe ich vielleicht bessere Chancen. Ich möchte so sehr Horst wiedersehen und ihm die Hand geben, denn er war wie ein Mentor für mich.

Grüße an die Familie.

Mit freundlichen Grüßen

Petrica

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Lieber Petrica,
Ich fühle ein sehnsüchtig blutendes Herz. Ich werde alles versuchen um Dir zu helfen.

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Lieber Willi,
Wie kann ich Dir helfen? Ich werde Dir via Internet alles bezahlen was Du für Telefonate ausgibst, oder wenn Du Geldprobleme hast, bitte sag mir die Gesamtkosten, dazu auch deine Zeit. Ich bin arm genug und verarbeitet um die Arbeit der anderen zu respektieren, und zu schätzen. Ich habe nichts gratis erwartet und nichts gratis in meinem ganzen Leben bekommen, im Gegenteil, jetzt kämpfe ich um meine Wohnung in Sf. Gheorghe, für die einige Phantomgesellschaften mir maximal…. Euro in Aktien geboten haben. Eine andere Art zu stehlen.

Denkst Du, dass wir die Dümmsten sind, weil wir das Land verlassen haben?

Was hätte ich dort machen können? Vielleicht Produktionsleiter oder Arbeitsloser sein, wie alle klugen Leute dort? Hier war ich Chefingenieur, danach habe ich meine eigene Gesellschaft gegründet. Dieses alles hier unter den rassistischen Engländern, die viel schlimmer mit den Untermenschen als deine Deutschen sind.

Genug?
Bitte finde mir den Kremer. Ich bezahle.

Mit Freundschaft und Respekt.

Petrica

Salve, servus!

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Lieber Petrica,
Etwas über mich. In diesem Moment bin ich an der Aufarbeitung meiner kulturellen Aktivität der Jahre 1978-82. Damals habe ich mit Dias und Ton sächsische Kultur gesammelt und 40 Dia-Tonmontagen zusammengestellt. Ich sage es sind wichtige Zeitdokumente einer erlöschenden europäischen Kultur.

Jetzt bin ich in der Experimentierphase, der Digitalisierung und Bearbeitung der Dias und Ton. Ich habe 3 Videoprogramme, die ich studieren muss, um zu sehen welches das beste ist, um die Montagen zu bearbeiten und sie auf VHS Video und DVD zu kopieren um sie unter meine Sachsen zu verstreuen.

Ich habe mir einen neuen PC gekauft mit einem Intel 4 und Windows XP. Auch jetzt fange ich mir damit die Ohren ein (Rum. Sprichwort). Es ist eine 2 Jahres Arbeit. Ich nehme mich dieser Arbeit an, wissend dass ich diesem Projekt vom teuersten was ich habe, Jahre meines Lebens gebe.

Ich weiss, dass die Dokumente wertlos sind, wenn sie in der Schublade liegen bleiben. Ich muss sie digitalisieren, zugänglich der heutigen Generation machen, die den jungen Leuten und Bekannten damit zeigen werden, wie man in Siebenbürgen gelebt hat.

Was auf mich mit dem Ton wartet, weiß ich noch nicht. Ich habe alles mit einem Kassettenrekorder mit eingebautem Mikrofon aufgenommen. Die Aufnahmen wurden vor 25 Jahren gemacht. Wie der Rumäne sagt: “Wir werden leben und sehen”

Nur das Beste.

Willi

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Lieber Willi,
…Wir (Petrica und seine Frau) sind, wie zwei arme Kinder, die schönes träumten und flohen, um die Welt zu sehen. Ich war zwei mal dienstlich in Oxford. Danach bereiste ich London, Rom, Toronto, Kuala Lampur und Pen Malacca, auf den Kautschukplantagen.
Ich habe mit meiner Frau Reisen in die USA, nach Manhattan, Toronto, Yellowstone, Las Vegas, Los Angeles, Frisco, bis Honolulu gemacht. Hier war ich in Sydney mehrmals, dann Ausflüge mit der Frau nach Cairns, zum Korallenriff Uluru. Meine Frau war mit einer Freundin (meine Frau ist Biologin im Krankenhauslabor, die Kollegin ist Chemikerin, Rentnerin) 2002 in London, Paris, Loire, Madrid, Barcelona, Cote d’Azur, Monte Carlo, Paris.

Für nach der Olympiade habe ich eine Reise, mit ihr und dem Sohn, nach Paris, Zürich, Rom, Napoli, Pisa, Athen, Rumänien, und zu den Pyramiden und nach Hause geplant. Merkwürdigerweise nenne ich diesen Ort auch zu Hause, hier habe ich mein bezahltes Haus, ein gemütliches Leben, meine Katze, und viele Freunde, verschiedener Herkunft, nicht nur Rumänen. Ich war mehrmals mit dem Auto oder mit dem Flugzeug hier und dort. Diese Insel ist sehr groß. nächstens will ich Tasmanien und New Seeland besuchen. Mein Sohn fährt jährlich nach Nord von Adelaide zum Skifahren. Ich habe den Schnee vergessen. Mein Sohn kann immer weniger Rumänisch und meine Tochter ist mit einem Mann irländischer Herkunft verheiratet und kann fast kein Rumänisch mehr.

Auch meine Decke ist nicht zu groß und dick, aber ich werde mich irgendwie für Deine Hilfe revanchieren, zumal du ein wahrer Künstler, ein Mann mit einer guten Seele, freundlich und ein sächsisch- siebenbürgischer Patriot bist.

Zum Glück ist mein Ingenieurtalent OK und so habe ich einige patentierte Erfindungen und jetzt bin ich Projektleiter eines Prototypen zum Trinkwasser und Strom aus dem Meerwasser herauszuholen, wofür die Wellen die ganze Arbeit leisten.

All dieses will ich dem Kremer erzählen, der mein Talent gesehen hat als ich klein (unbedeutend) und arm war. Er hat mich gelehrt, dass ich Mut haben muss, und dass die Welt groß ist. Ich verdanke seelisch sehr viel dem B., ich will, dass er einen Ausflug her macht, damit wir ein Bier zusammen trinken und lachen wie wir es vor 20 Jahren machten. Ich hoffe er ist gesund, wie er damals war, und dass wir uns zusammen freuen werden, so lange wir noch leben.

Ich danke Dir nochmals und hoffe das viel geträumte Glück zu haben, ihn zu finden.

Wusstest Du von der zyklopischen Mauer in den Karpaten, zwischen Covasna und Focsani? Ich habe sie 1971 gesehen, damals arbeitete ich in den Ferien mit Topografen, ich dachte alle wissen davon. Letztes Jahr ist es in den Zeitungen, als ein großes unbekanntes Wunder erschienen … dann Racos sehr wichtiger dakischer Herd usw. Dann die Beschreibung alle Szekler Schlösser von Jokai Mor (der ungarische Walter Scott), und noch vieles Andere was man dort findet.

Vielleicht interessiert Dich nur der sächsischen Teil unserer Geschichte, aber ich, als Rumäne, bin interessiert an allen die dort waren, ohne chauvinistische Meinungen. Ich habe sehr klar im Kopf, den maßlosen Wert der Kulturmischung, welche Siebenbürgen zu einem Paradies auf Erden hätte machen können.

Mit Respekt und Freundschaft

Petrica

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Lieber Petrica,

Ich habe mich ein bisschen Dir gegenüber geöffnet, weil ich spüre, dass etwas in deiner Seele passiert. Auf keinen Fall um materiell zu profitieren. Unsere Decke ist ziemlich klein, aber wir passen auf, damit wir uns gut bedecken.

Racos, ja, ich kenne den Basaltbruch. Ich habe vor 30 Jahre einen Ausflug dorthin gemacht. Das Schloss war sehr baufällig. Weißt Du etwas über den Brauch der Ungarn den Hahn zu schießen?

Lieber Petrica, ich glaube es war für dich nicht einfach Dir eine adäquate Lebensplattform dort zu errichten. Die Dingos laufen auch nicht mit Brezen auf dem Schwanz und warten auf jemanden der aus Rumänien kommt. Ich freue mich, dass Du es geschafft hast.

Es ist schön jemandem eine Freude zu machen. Jetzt bin ich an der Reihe zu versuchen Dir einen Wunsch zu erfüllen. Vielleicht wird auch für Dich einmal die Zeit kommen mir mit einem Rat zu helfen. Wer weiß?

Am Sonntag werde ich alle Telefonnummern versuchen.

Gesendet: Freitag, 12. März, 2004, 12:36 PM


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Lieber Petrica,
Jetzt die große Nachricht:
Herr Horst Kremer Senior ist gestorben.
Ich habe seinen Sohn, Horst Kremer Jr., gefunden.
Adresse….
Mit Respekt und Freundschaft
Willi

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Hallo Herr Kremer,
Anbei die versprochene Adresse von Herrn Petrica….. Ich kenne Herrn Petrica Tinc über unsere Korrespondenz, die entstanden ist, nachdem er mich, mit der Bitte um Hilfe zu Kontaktaufnahme mit Ihrem Vater, den er sehr verehrte, gebeten hatte.

Einen schönen Tag.

Wilhelm Roth

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Lieber Willi,
Mein Herz erhielt einen starken Schlag, als ich erfahren habe, dass Kremer gestorben ist. Jetzt erwarte ich die Bestätigung von Horst Kremer Jr. Ich habe ihm sofort geschrieben, er hat mir noch nicht geantwortet, vielleicht hat er keine Zeit gehabt ausführlich zu schreiben. Ich erwarte es mit angespanntem Herzen… Aber so ist das Leben, alle sterben wir. Ich hoffte ihn noch einmal zu sehen und noch einmal mit einem Menschen so gut wie ein Vater, glücklich zu lachen.

Mein Vater ist seit 35 Jahre gestorben und B. war zu mir wie ein seelischer Vater, ohne mein Drama zu kennen.

Ich verbleibe äußerst dankbar und Gott wird mir helfen Deine schöne Geste zu belohnen.

Jetzt warte ich auf die Antwort des Sohnes.

Dein wahrer Freund von den Antipoden

Petrica

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Hallo Herr Roth,
Vielen Dank für Ihre Bemühungen, ich werde mit Herrn Petrica Kontakt aufnehmen.

Mit freundlichen Grüssen

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Lieber Willi,
Sie sind es und mein Freund ist seit ’87 gestorben, bevor ich geflohen bin! Ohne dass wir was davon in Rumänien geahnt haben, es war tabu.

Für sie ist es ein alter Schmerz, für mich ein aktueller, und es tut mir sehr weh. Ich habe stark geweint, als ich mit Kremer Jr. sprach.

Aber das ist das Leben, es endet mit dem Tod.

Mindestens die Jungen sind o.k. sind die gleichen gutherzigen Menschen geblieben, sie ähneln ihrem Vater.

Aber niemand kann sich mir Dir vergleichen, der sich für einen ganz Unbekannten, so wie mich, bemüht hat und mich glücklich macht. Ich weiß nicht wie ich Dir danken soll. Die Realität ist schmerzhaft, aber ich weiß es nun und habe mich beruhigt.

Bitte halt Kontakt mit mir, vielleicht kannst Du einen Artikel über mein kleines Drama schreiben, aber die Wirklichkeit ist meistens mehr als das Suprareale. Du hast in einer Woche geschafft, was ich in 15 Jahre nicht machen konnte, und ich kann sagen, ich habe alles versucht was ich nur konnte um ihn zu finden! Ich hoffe das dieses Glück Dir in allen was Du machst helfen wird, weil Du alles mit der Seele machst.

Du kannst meine Mails im sächsischen Forum zitieren, vielleicht gibt es auch anderen Leuten Mut, und zeigt, dass die Welt noch nicht den Terroristen gehört...

Hier seid Ihr immer willkommen und Ihr habt mein Haus und Autos zur Verfügung. Ich danke Dir nochmals.

Servus

Petrica

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----- Original Message -----
From: "Peter Tinc"
To: "Wilhelm Roth"
Sent: Saturday, May 22, 2004 5:27 AM
Subject: salut!

Lieber Willi,
Ich bin o.k. und bin glücklich, dass auch Hans mir endlich geantwortet hat, er war einige Tage verreist.

Sein wahrer Name ist Dr. Johann Kremer (nicht Johannes, vielleicht hast Du ihn darum am Anfang nicht gefunden) und er ist Akademiker in der Forstwissenschaft. Er hat viele soziale Aktivitäten, er setzt sich für die Sachsen in Deutschland und Rumänien ein. Er hat einen geselligen Charakter. Seine Frau ist auch Kronstädterin.

Vielleicht wisst Ihr von einander, ich bin sicher sie haben auch das Honteruslyzeum besucht. Hans könnte Dir wahrscheinlich in Deiner sehr wichtigen kulturell-historisch-patriotischen Aktivität helfen.

Wir sind hier circa 1000 Rumänen aller Farben. Zu viele sind Kriminelle die vom Töpfchen (Ceausescu freigelassen) dem Westen „geschenkten wurden“ Menschen die unseren guten Namen vollständig zerstört haben. Andere sind in der Mehrheit entgleiste Religionsfanatiker, verschiedener „moderner“ Kulturen, die auch so viel Schlechtes den Rumänen machen. Andere sind Szekler, die das hiesige Magyarische Haus auf ihrem Rücken tragen. circa 90% sind Szekler und die wahren Ungarn aus Ungarn halten sich von chauvinistischen unverbesserlichen Fanatikern zurück.

Ich kenne einige wahre 1955 her gekommene Ungarn, die ganz erstaunt sind über mein ungarisches sprachliches Niveau als Rumäne, der unzufrieden ist über die neu ankommenden Ungarn die weder englisch, noch rumänisch und was noch viel schlimmer ist, auch nicht mehr ungarisch können.

Ich habe zwei-drei Freunde mit den gleichen Ingenieur Beschäftigungen, Computer, Kunst, die gute, aber schlecht bezahlte Arbeiter zu Hause waren. Wir sind gleich gut oder sogar besser durch den Wettbewerb geworden, werden aber gut von den „Ausbeutern“ bezahlt.

Wir waren auch die Leiter der rumänischen Gemeinschaft hier, wurden aber von der blöden Masse die ganz kommunistisch erzogen ist gehasst, weil sie der Auffassung sind das dass was Dein ist, sie nehmen dürfen, aber dafür nichts zurück geben müssen, weil sie nichts haben. Ansonsten bewahren wir uns vor “Rumänen-Zigeunern-und-anderen”.

Ich war in Verbindung mit einem Zigeuneraktivisten, welcher auch der Zigeunergemeinschaft zu helfen versuchte. Jetzt ist er ein Direktorlein in Brüssel und hat die Grenze von einem ehrlichen, fleißigen, Aktivisten zum egoistischen Politiker überschritten, der so viel wie eine 0 sich um die Zigeuner kümmert.

Ich denke es ist Zeit das Du siehst wie wir und unsere Kinder aussehen.
(Bild im Anhang) Besten Dank und viel Respekt.

Wir wünschen Euch viel Gesundheit!

Petrica

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Lieber Petrica,
Aufrichtiges Beileid. Ich nehme Anteil an Deinem Schmerz.

Ich hatte auch einen fantastischen Menschen als Chef. Er war nicht Sachse, sondern Offizier der rumänischen Luftwaffe. Die militärische Erziehung hatte er in der Bukowina von deutschen Offizieren erhalten, die rumänische Offiziere vor dem zweiten Weltkrieg ausgebildet haben. Für Herrn Spineanu Nicolae war die Nationalität der Angestellten im Labor nicht wichtig. Mensch sein war sein Wahlspruch. Wir waren 3 Rumänen, ein Ungarn und ein Sachse in einem Nuklearen Labor. Mit ihm konnte man über alles sprechen.

Eines Tages kam er zu mir und sagte: ”Junge, schwöre auf die Augen deiner Mutter, dass du nie etwas von dem was ich dir sage weitersagen wirst.”
“Was ist los, Herr Spineanu?” habe ich ihn gefragt.
“Schwöre!”
“Ich schwöre, Herr Spineanu.”
“Ich wurde zur Securitate gerufen und sie haben mich über dich ausgefragt. Pass auf was du machst, Junge! Du hast eine Frau und zwei kleine Kinder, die dich brauchen. Pass auf! Pass auf!”

2002, einen Tag nachdem ich die Bronzerelieftafel, die ich nach Fotos modellierte, am Honterusdenkmal in Kronstadt befestigt hatte, ging ich, statt im Bett zu bleiben, mit großen Schmerzen im Bauch zu seinem Grab und habe mich entschuldigt, dass wir uns nie mehr getroffen haben. Ich habe ihm vieles, vieles, und wieder vieles erzählt.

Gestern, nachdem es mir gelungen war Herrn Horst zu kontaktieren, hat mich die diese Erinnerung eingeholt und dabei habe ich an Dich gedacht, der Du nicht am Grab des von Dir verehrten Menschen stehen kannst.

Nur das Beste, Petrica.

Bitte ärgere Dich nicht, aber ich muss meine Kraft und Zeit kanalisieren.

Nächsten Sonntag werde ich Dir wieder schreiben.

Willi

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Im Sommer 2004 erhielt ich diese Bild vom Herrn Petrica.
Er hat es sich nicht nehmen lassen von der wenigen Zeit die er bei seiner Rumänenreise zur Verfügung hatte das Honterusdenkmal mit meiner Relieftafel zu besuchen.

Das ist mir unter die Haut gegangen.

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