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Begebenheit beim fotografieren





Begebenheit beim fotografieren

Fotoreporter bei einem Ministertreffen aller Ostblockstaaten
Rumänische Ostern
Mit Benzin übergossen

Eines Tages wurde ich als Fotoreporter zu einem Treffen aller Telekommunikationsminister der Ostblockstaaten das in Rumänien stattfand, eingeladen.

Hierbei stellte ich fest, dass die Minister auch nur Menschen sind. Besonders amüsierte mich ihre Eitelkeit. Griff ich nach meiner Brille, nahmen die "Herrn Genossen Minister" ihre Brillen ab. Winkte ich mit der Hand nach links, machten die Herrn einen Schritt nach links.

Bei Tisch zogen die Rumänen die jungen Mädchen des Dienstpersonals auf ihren Schoß und ließen sich dabei fotografieren. Der DDR Minister war vorsichtiger ließ das Mädchen das man ihm auf den Schoß gedrückt hatte sitzen ohne, wie es seine rumänischen Kollegen taten, zu betatschen.

Die Filme wurden mir, nachdem ich die Bilder in der Nacht gemacht und am Morgen übergeben hatte, vom Staatssicherheitsdienst abgenommen, wobei ich mit meiner Unterschrift bestätigen musste, dass außer den abgegebenen Fotografien keine weiteren exstieren.




Zeitung "Neuer Weg"



Zeitung "Hargita"



Wenn man meine damaligen in der Presse publizierten Fotografien betrachtet, könnte man denken, was war das für ein lauer Fotograf? Man muss aber dabei die Zeit der Diktatur und ihre Zensur berücksichtigen der alle Publikationen unterworfen waren.

Bilder von parteizujubelnden Menschen bei Aufmärschen habe ich keine für die Presse gemacht.

Jede Fotografie ist ein Dokument.

Rumänische Ostern. Das wäre interessant einmal zu fotografieren. Also wartete ich bis es dunkel wurde und ging zum Auferstehungsgottesdienst.

Die meisten orthodoxen Kirchen sind klein, weil sie nicht, so wie die der Sachsen, von der Ortsbevölkerung errichtet wurden, sondern von reichen Stiftern die sich damit einen näheren Platz bei Gott erhofften. Das hat dazu geführt das die Ostergottesdienste nicht nur in der Kirche sondern auch draußen stattfinden weil die Gläubigen keinen Platz in der Kirche haben. Ostern wurde somit zum größten kirchlichen Fest des Jahres an dem alle Gläubigen auch bei einer kleinen Kirche teilnehmen können.

Weil dabei Kerzen im Einsatz sind, müsste das ein interessantes Bild ergeben. Eine selbst gestellte Herausforderung. Also drauf auf und dran.

Mitternacht trat der Pope mit seiner Kerze zu der Menschenmenge heraus und unter dem Gesang „Cristos a inviat din morti.....“ (Christus ist auferstanden) reichte er die Flamme des Lebens weiter. Bald hatte jeder eine brennende Kerze in der Hand.

Das war das Bild. Ich lehnte mich an einen Baum um die Aufnahme nicht zu verwackeln und knipste einmal, zweimal.



Ob die Aufnahme wohl gelungen war? Blitz zerstört die Atmosphäre. Wennschon? Also Blitz heraus, auf den Fotoapparat montiert, abgedrückt. Fotoapparatur unter die Jacke, Jacke zu, dabei aus Instinkt ein paar Schritte weitergegangen.

Ja, da war der Teufel los! Bald schwärmten einige um mich herum und fragten immer lauter werdend „Wer hat fotografiert?“, „Wer hat fotografiert?“.

Hiesch hemlich (Klamm heimlich, Sieb. Mundart) trat ich den Rückzug an. Dabei wurde mir erst richtig bewusst warum man den Fotografen suchte.

Auf dem Weg der sozialistischen Erziehung wurde den Parteimitgliedern der Gottesdienstbesuch verboten. Ihren Glauben aber konnten sie ihnen nicht nehmen. Unter dem Mantel der Dunkelheit wagte es mancher, der am Tag den Erzkommunisten, zum eigenen Wohl, zur Schau trug, nun doch den Gottesdienst zu besuchen, hoffend dass man da nur von Gleichgesinnten gesehen wird. Und nun wurde man hier fotografisch festgehalten!!

Später hörte ich eine Behauptung, dass da bestimmt jemand für eine westliche Zeitung fotografiert habe, um zu zeigen dass die rumänische Bevölkerung nach Jahrzehnten der kommunistischen Herrschaft noch immer ihren christlichen Glauben behalten hat.



An einem Winterabend machte ich mich auf um im Park bei Neuschnee die tief verschneiten Statuen und Bänke zu fotografieren. Dabei ist eine schöne Bildserie entstanden.



Als ich am nächsten Tag meinen Arbeitskollegen davon berichtete wurde ich gefragt ob ich den Mann der sich in seiner Verzweifelung vor dem Parteigebäude mit Benzin übergossen und angezündet hat, auch fotografiert habe?

Nein, hatte ich nicht, ich war einige Minuten vorher an der Stelle gewesen.

Ob ich ihn fotografiert hätte? Nein bestimmt nicht. Ich hätte versucht ihm zu helfen, selbst wenn mir von der Zeitschrift "Stern" im Hamburg dafür bestimmt ein schönes Honorar gewinkt hätte.