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20 Jahre Vorträge über die Rumäniendeutschen und ihrem Umfeld

Bis 1990 gab es in der BRD nur sporadisch Vorträge über Rumäniendeutsche. Sie wurden zum größten Teil von Rumänienbesuchern bei verschiedenen Anlässen wie Seniorenzusammenkünften, Tagungen oder bei anderen Begebenheiten gehalten. Dabei bediente man sich meistens des mitgebrachten Diamaterials von Kirchenburgen und Trachten, die man als etwas exotisches präsentierte.

Im Herbst 1989 wurde das Bukowina-Institut in Augsburg gegründet. Im Januar 1990 machte ich dem Geschäftsleiter Herrn Dr. Ortfried Kotzian den Vorschlag, eine Vortragsreihe unter dem Titel "Die Deutschen in Rumänien" ins Leben zu rufen. Dafür sollten die drei Landsmannschaften: Siebenbürgen, Banat und Bukowina abwechselnd jeden Monat einen Referenten stellen und finanziell unterstützen. Mein Vorschlag wurde angenommen.

Den Anfang machte ich am 1. Februar 1990 mit meinen Dia-Tonmontagen "Fastnachtsbräuche in Siebenbürgen."
Ausgewiesene Kenner der Materie - Historiker, Volkskundler, Politologen, Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Publizisten - konnten nun als Referenten geworben werden.

1992 wurde der Rahmen der Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Die Deutschen im Osten" erweitert. Verständlicher weise kamen Referate über uns Rumäniendeutsche nur noch selten an die Reihe.

Der hervorragendste Referent war: seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg.



Seiner Kaiserliche Hoheit überreichte ich die, auf eigene Kosten herausgebrachte Broschüre
"Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen".

Seit 1997 betreue ich, mit meiner Frau Marianne, die von mir ausgegliederte und in "Verständnis füreinander" umbenannte Vortragsreihe. Es ist die einzige Vortragsreihe die nur Themen in Verbindung mit den Deutschen in Rumänien beinhaltet.
In den letzten 13 Jahren (1997- Febr. 2010) konnte ich 3.256 Besucher begrüßen. 41 mal waren es Referenten mit Doktortitel.



Seine Hochwürden, der Evangelischer Bischof Rumäniens D. Dr. Christoph Klein war als Referent auch dabei.

Unseren diesjähriger Februarvortrag hielt D. h. c. Hans Bergel über den „Prozess deutscher Schriftsteller 1959 in Kronstadt“.





Was er hier als Betroffener berichtete war vielen neu. Man hatte mit den Jahren so einiges erfahren aber was Bergel erzählte ging unter die Haut.



Ein Fächer von kommunistischer Willkür tat sich vor unseren Augen auf.



Zum Gespräch mit seinem Verteidiger vor seinem Prozess waren nur vier Minuten vorgesehen.. Bei der Gerichtsverhandlung verteidigte er sich selber und bekam nur “15 Jahre“ aufgebrummt, was in Vergleich zu den anderen vier Schriftsteller die bis 25 Jahre bekamen beachtlich ist. Weiter berichtete er weswegen die Schriftsteller, verhaftet wurden. Berichtete wie einzelne mit den Verhören zurecht kamen.



Zum Schluss hob er besonders hervor das man trotz unmenschlichen Behandlungen die er selber am eignem Leib erfahren hat, Menschen nach ihrer Nationalität nicht pauschalisieren darf. „Es sind nicht die Rumänen, die Juden, die Deutschen. Es sind einige.“



Herr Dietrich Weber las sein Gedicht vor welches er 2003 nach Herrn Dr.Hans Bergels Vortag über sein Sekuritatenakten geschrieben hatte.

Bespitzelt und Verraten
(Einsicht in Geheimdienst-Akten)


Freund und Feind
vereint
im Bösen? Wer kann es je
fassen?
wer kann das je
lösen?

Buchführung
über sein Leben
und Streben,
verlogen
und zurechtgebogen.

Wieso?
Warum?
Die Antwort bleibt stumm!

Verleumdung, Trumpf?
der Lügen Triumph?

Es steht schon
längst fest,
dass in Ost
und West
so mancher gecheckt,
ins Kitchen gesteckt
dass er
dort verreckt.

Er sollte verrecken,
der Hund.
Er
hielt nicht
seinen Mund
und tat stets
allen kund
-jederzeit-
was Menschlichkeit
und was gerecht
und was schlecht.

Und er hatte Mut.
Das war
nicht gut!
das war
gegen die Macht!
Was hatte er
sich nur dabei gedacht?

Die Wahrheit,
die durfte
nicht siegen!
man musste
ihn schnell
klein kriegen!

Die Macht
sie musste bestehen
und weiter
und weiter
so gehen

Man musste mit Dreck
auf ihn schmeißen,
bespitzel,
verleumden,
bescheißen,

Und das
steht heute fest
war in Ost
und West!

Er denkt heute nach
über das Sein
und fühlt sich
oft allein.

Wie gemein!
Man setzt sich
für andere ein
für Freiheit und Recht,
um zu helfen
und heult
nicht mit den Wölfen.
Man wehrt sich
dagegen
und steht oft
im Regen:
Wie ungerecht
ist oft
das Leben

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(Aus Achtung für Herrn H. Bergel)

D. Weber (März 2003)

Die Zeit vergeht. Solche Zeitzeugen sind rar geworden. Dr. h. c. Hans Bergel war schon im November 1990 Referent in unserer Vortragsreihe. Der Vortrag des bald 85-Jährigen ist noch immer wie vor 20 Jahren dynamisch und aufschlussreich. Kein Wunder das Münchner nicht 150 km Fahrt gescheut haben um bei Bergels Vortrag dabei zu sein.

Wir wünschen ihm Gesundheit und viel Schaffenskraft zur Festhaltung der Geschehnisse als Antwort auf die Frage die unsere Nachkommen stellen werden.

Das 20-jährige Jubiläum der Vortragsreihe wurde anschließend mit Sekt und Baumstritzel gefeiert.









Am Tag darauf schrieb mir Dr. h. c. Hans Bergel:
….. „Zugleich spreche ich Dir meine Achtung für Deine persönliche Leistung im Blick auf die Vortragsreihe und deren Dauer aus. Ich habe im laufe der Jahre immer wieder beobachten müssen, wie Landsleute mit ähnlichen Vorhaben starteten, sie aber in der Regel nicht durchhielten, wie oft schon nach relativ kurzer Zeit ihre Initiative versandete. Dass dieses in Augsburg dank Deiner nicht der Fall war, verdient Anerkennung. Ich bin froh, einen kleinen Teil durch meine Präsenz als Vortragender zu Deiner Arbeit beigetragen zu haben. Ich weiß auch, wie wenig Dank derlei Tätigkeiten ernten. Das soll Dich nicht hindern, weiter zu machen. Denn Du hast auch am Mittwoch Abend gesehen, wie dankbar das Publikum reagiert, das - vom Vortragstisch aus gesehen – exzellent zugehört hat und innerlich an meinen Mitteilungen interessiert war.……“

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