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Eine Fotografie
und zwei
Begebenheiten.




Solarisierte Fotocollage Kronstadt




Kronstadt im Winter.

1971 erfolgte ein Aufruf des Landestourismusministeriums an alle Kunstfotografen Rumäniens Bilder und Dias für eine Fotoausstellung einzusenden, die in mehreren Ortschaften ausgestellt und in verschiedenen Publikationen veröffentlicht werden sollten.

Gesucht wurden Aufnahmen von bekannten touristischen Zentren des Landes.

Das war eine Herausforderung für mich. Als Kronstädter musste man doch das Beste und das Repräsentativste von Kronstadt schaffen können.

Mit einer Fernrohrlinse bastelte ich mir ein Teleobjektiv von 1.000 mm und machte Aufnahmen aus der oberen Vorstadt von der Innenstadt wobei ich durch die spezielle Optik alle sehenswerten Gebäuden aneinandergedrängt erfasste.

Das Resultat war leider unbefriedigend. Die Mitte der Bilder waren scharf, die Ränder trotz kleiner Blende unscharf. Dazu kam noch, dass die Sicht an diesem Tag nicht die beste war.

Der Eingabetermin rückte immer näher. So opferte ich einen Urlaubstag für mein Vorhaben. Frischen Mutes mit einem Rucksack voller Ausrüstung, ich hatte zusätzlich auch den Plattenapparat meines Großvaters mit Planfilm bestückt und ein großes Holzstativ mitgenommen, ging ich morgens in die Innenstadt.

Am alten Rathaus angekommen musste ich feststellen, dass dieses sowie die Schwarze Kirche und das Katharinentor besser in der Abendsonne zu fotografieren wären.

Was könnte man noch fotografieren? Die Pappelallee der Stadteinfahrt, das würde eine interessante Grafik ergeben. Dann wäre noch das neue Bahnhofsgebäude. Aus grafischer Sicht auch interessant.

Also fuhr ich zum Bahnhof. Zum fotografieren kam ich leider nicht mehr weil ein starker Regenguss niederging.

Nun stand ich im Bahnhofsgebäude gefangen und sah mein Bemühen beim Fotosalon mitzumachen davonschwimmen.

Da fielen meine Augen auf einen Stand mit Ansichtskarten von Kronstadt.

Damit müsste man doch was anfangen können!

Ich kaufte sämtliche schwarz-weiße sowie farbige, Sommer und Winteraufnahmen zusammen.

Zu Hause schnitt ich die wichtigsten Fotoobjekte aus und erstellte damit meine Collage.

Mit dem Resultat war ich aber nicht zufrieden. Da musste noch ein Kick, mein künstlerische Beitrag hinzukommen.

So legte ich meine Collage unter den Vergrößerungsapparat und in die Filmbühne ein Stück kontrastreichen Lit-Planfilm. (von einem Bekannten für mich aus der Druckerei geklaut da so etwas nicht in Handel erhältlich war).

Danach drehte ich für einen Moment das Licht an und fotografierte mit meinem Vergrößerungsapparat meine Bildcollage.

Den Planfilm legte ich danach in die Entwicklerschale und wartete bis das Bild anfing sichtbar zu werden. Danach drehte ich für einen kurzen Augenblick die Lampe an, wodurch der Planfilm belichtet und somit schwarz wurde. Dabei tat der unter Solarisation bekannte Effekt seine Wirkung und zwischen den grauen und weißen Stellen die nun alle schwarz wurden bildete sich ein feine weiße Linie. Somit entstand ein schönes grafisches Negativ.

Es folgte Wässern, Fixieren, Trocknen und mit Hilfe des Vergrößerungsapparates die Erstellung der Fotografie von diesem Negativ.







Diese sollarisierte Fotocollage ist in vielen Zeitungen, Zeitschriften, Fotoausstellungen veröffentlicht worden und wurde auch in das Fotoarchiv Tg. Mures aufgenommen. Viele Abzüge davon wurden von Privatpersonen als Ansichtskarten in die Welt geschickt.

Außer meiner, kenne ich keine sollarisierte Schwarz-Weiß-Collage, aus der früheren und späteren Zeit die in Rumänien erstellt und in Fotoausstellungen zu sehen gewesen ist.



Und wie es so kommt wurde sie auch unter fremdem Namen veröffentlicht.
Herr RICHARD ADLEFF ist unschuldig !!.
Irren ist halt menschlich.

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Ein Kollege, Friedrich Schwab vom Fotoklub Kronstadt, hatte den Eingang des ehemaligem ARO Hotels für eine Nachtaufnahme für diesen Fotosalon ins Visier genommen. Nach einem Abendregen stellte er sich mit Stativ und Fotoapparat vor das Hotel und freute sich über die Lichtspiegelungen der Beleuchtungen in den Wasserpfützen.




Es dauerte nicht lange so wurde er von einem Polizisten gefragt was er hier mache?
„Ich will den Hoteleingang mit der Eingangshalle fotografieren.“
„Schauen sie dass sie weiterkommen, bevor ich ihnen den Fotoapparat konfisziere. Ich versteh was von Fotografie. Im Dunkeln kann man nicht fotografieren“.
„Danke für den Hinweis“

Gibt es noch so Kluge bei dir im Dorf, oder sind sie alle bei der Polizei dachte er sich, während er seine Ausrüstung zusammennahm.

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Anfang der 70er Jahren war ich öfters dienstlich in Hermannstadt.
Als ich einmal über den Marktplatz ging und zum Bruckenthalmuseum blickte, dachte ich. das fotografierst du! Ansichtskarten davon gab es damals keine. Ich drückte ab. Danach sah ich mich noch einmal nach einem sonstigen interessanten Fotoobjekt um.




Ach ja, da war das zur Kreuzung hin gerundete Gebäude. Solche Gebäude gab es in Kronstadt nicht. Den Fotoapparat hochgehoben und schon spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. „Kommen sie mit,“ hörte ich den Polizisten sagen.
"Weswegen?" Mich am Arm fassend zerrte er mich zur Straßenbahn, die er extra für uns anhielt und schubste mich hinein.

Nach einer kurzen Fahrt hielt er sie wieder an und wir stiegen aus. Weiter ging es in ein Gässchen, eine Tür tat sich auf, ich war im Polizeihof gelandet.

Eben ging ein Offizier über den Hof dem mein Entführer achtungsvoll seine heroische Tat rapportierte. Nach kurzem Warten wurde ich vorgeführt.

„Personalausweis. Was haben sie hier in Sibiu fotografiert?“
„Nichts von Bedeutung.“
„Der Genosse, der sie hergebracht hat sagte dass sie das Parteigebäude fotografiert hätten“.
„Parteigebäude? Nicht das ich wüste. Ich kenne Sibiu (Hermannstadt) kaum und welches das Parteigebäude ist weiß ich auch nicht“.
"Tun sie nicht so. Es steht gegenüber dem Bruckenthalmuseum.“
Ach das Gebäude? Ja das wollte ich fotografieren. Es ist mir aus architektonischer Sicht aufgefallen. Ich war aber zu nahe dran und es kam mir nicht ganz ins Bild. Als ich es dann nochmals von ferne anvisierte, wurde ich am Fotografieren gehindert“.
„Geben sie den Film her!“
O Schreck, da hatte ich ein paar Aufnahmen mit Nudisten aus einer DDR Zeitschrift drauf. Daraus konnte mir ein Strick gedreht werden. Fotografien mit Nackedeis jeglicher Art waren Tabu in Rumänien. Nach zähem Verhandeln kam ich endlich mit meinem Film frei. Nicht ohne vorher belehrt worden zu sein: „wenn in den nächsten 2 Jahren das Gebäude in die Luft fliegt, sind sie dran Genosse“.
In die Luft fliegt? Die Städte in Siebenbürgen werden mit Erdgas beheizt. Ich habe mehrere explodierte Häuser gesehen. Bitte Hergott bewahre mich.

So fand ich Hobbykunstfotograf, durch den Versuch ein Haus zu fotografieren, Eingang in die politische Verbrecherkartei Rumäniens, dieses als Bürger der im Fall eines Falles, in die Mangel genommen werden sollte.

Zu vermerken ist das es zu der Zeit in Rumänien, bezüglich Fotografieren, noch keine Verbotsschilder gab.

Weitere Karteieinträge folgten. Darüber ein anderes mal.