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Reliefkarte 1971






Reliefkarte Schuler - Hohenstein

Unsere neu gewonnenen Freunde aus der DDR schickten uns ihre Freunde die wir beraten aber nicht mehr in die Bergwelt führen konnten.

Nach dem Unfall in den Bergen 1967 konnte ich keine weiteren Bergführungen mit DDR Jugend Touristen machen. Dazu kam, das ein Jahr danach unsere Tochter zur Welt kam und Marianne auch nicht abkömmlich war.

Kartenmaterial gab es nicht im Handel. Die einheimischen und ausländischen Touristen die in die Schulerau kamen, hatten keinen Überblick über die gut markierten Wanderwege zu den 60 Hütten die der Siebenbürgisch Sächsische Karpatenverein von 1880 bis 1945 in den Süd- und Ostkarpaten angelegt hatte.

Man müsste in der Schulerau ein großes Relief aufstellen, mit allen markierten Wanderwegen der meistbegangenen Gebirgszüge Rumäniens. Das würde dem Tourismus im Lande dienen.

Kontakt mit der Kronstädter Filiale der ONT aufgenommen.

- "Ja, es ist gut und schön, im Ausland gibt es das. Aber wer macht so etwas hierzulande?" Zum Schluss kamen wir überein das ich die Erstellung der Reliefs übernehme. Zu erst sollte ich einen Teil, das Gebiet Schulerau, Schuller, Hohenstein in 4 m² Größe herstellen. Daduch könnte man sich eine Vorstellung machen wie so etwas aussieht und die nötigen Vorkehrungen treffen.

Es sollte eine Anlage in der Größe von 60 m² werden die folgende Gebirgszüge darstellte:
Fogarascher Gebirge, Königstein (Piatra Craiului), Fundata, Buceci, Schuler (Postavarul) mit Schulerau (Poiana Brasov), Hohenstein (Piatra Mare), und das Krähensteingebirge (Ciucas).

Meine Aufgabe war das Modellieren des Reliefs, den Rest würde die ONT übernehmen. Belohnt würde ich mit einigen Auslandsreisen.

Ich bekam Geld für 400kg Gips den ich auf den Namen der ONT einkaufte. Die Skizzen als Kartenmaterial die ich von ihnen bekam waren als Vorlage nicht zu gebrauchen. So holte ich meine verbotene SKV Karte 1:50.000 hervor, fotografierte das Gebiet in der Natur von verschiedenen Berggipfeln aus und über Projektion erstellte ich meine Vorlagen im Maßstab von 1:20.000.

Durch die Orientierungswettkämpfe bei denen ich mitgemacht hatte wusste ich das Karten ab 50.000 zu besitzen in Rumänien verboten war. Darauf habe ich die Leitung des Kreis- Touristenamtes hingewiesen die mir versprachen dass das Tourismusministerium es zur gegebenen Zeit in Bukarest bestimmt regeln werde. Um ins Gespräch zu kommen müssen wir erst etwas haben das wir den Leuten vorzeigen können. Das ist die beste Ausgangsbasis.

Langsam wuchs mein Schuler- Hohenstein Relief aus Gips den ich nach der Erstarrung durch Ausschaben modellierte. Die Berge und Täler erstellte ich um das 3 fache erhöht.



Relieftafel in Arbeit.

Als das Gipsmodell fertig war wurde es von einer Kommission der Kronstädter ONT Geschäftsstelle begutachtet und mit Begeisterung akzeptiert. Es folgte der Transport in die Schulerau wo man es in einem Schuppen des ehemaligen Höhenheims aufstellte. Nun sollte der endgültige Platz im Sporthotel festgelegt werden und ein Tischler ein Podest und eine schöne Umfassung erstellen.
Danach wollte ich es einfärben und die Wälder, Bäche und Wege mit ihren Markierungen und die Wegstunden von Wegkreuzung zu Wegkreuzung einzeichnen.

Die Zeit verstrich, nichts tat sich.

Eines Tages bekam ich einen Anruf im Dienst ich solle mich beim Genossen Mosora, Sekretär des Stadtvolksrates Kronstadt/Brasov, zu einer bestimmten Stunde melden.

Was wird der von mir wollen? Bis dahin hatte ich nichts mit ihm zu tun. Woher weiß das Büro des Stadtrates meine Diensttelefonnummer?

Das Gespräch lief dann etwa so ab:

- Wer hat sie veranlasst eine Reliefkarte herzustellen?
- Niemand, es war meine eigene Idee.
- Haben Sie Verwandte im Ausland?
- Ja.
- Haben die es ihnen suggeriert?
- Nein. Niemand hat es mir suggeriert. Ich kenne die touristische Situation in der Schulerau (Poiama Brasov) und wollte zu deren Verbesserung einen Beitrag leisten.
- Wie kamen sie dazu so eine Reliefkarte herzustellen und in der Schulerau aufzustellen?
- Ich habe dem Tourismusamt diesen Vorschlag gemacht.
- Und das hat ihn angenommen?
- Ja, ich habe noch die Quittungen mit dem der Gips auf ihren Namen gekauft wurde. Sie haben meine Arbeit begutachtet und akzeptiert.
- In was für einem Maßstab haben sie die Reliefkarte erstellt?
- 1:20.000
- Was? Woher haben sie das Kartenmaterial dafür gehabt?
- Ich habe das, was mir die ONT zur Verfügung gestellt hat gebraucht und eigene Fotografien verwendet.
- Fotografien?
- Ja, ich bin Mitglied des Kunstfotografenvereins Rumäniens und weiß was zu fotografieren erlaubt ist. Es stand im Gespräch in der Schulerau eine große Anlage aufzustellen die die ganzen Südkarpaten repräsentieren. Dieses war mein Vorschlag den ich der ONT von Anfang an gemacht habe. Das wären etwa 60 m² geworden, die überdacht hätten werden müssen. Diese 4m² sind der Anfang meiner Arbeit.

Er war sprachlos.

- Haben ausländische Touristen das Relief zu Gesicht bekommen und es fotografieren können?
- Ja, DDR Leute haben mich in der Schulerau daran arbeiten gesehen und ich habe ihnen erklärt wo sie wandern können.
- Genosse Roth, was haben sie da getan. Eine Relieftafel mit der Umgebung von Kronstadt im Maßstab 1:20.000 in der Schulerau Ausländern zur Schau zu stellen!
- Ich habe die zuständigen Genossen der ONT darauf aufmerksam gemacht dass Kartenmaterial ab 1:50.000 nicht erlaubt ist. Sie wollten die Genehmigung für die Erstellung in diesem Maßstab, nachdem man einen Teil vorstellen konnte, durch ihr Ministerium in Bukarest einholen.

- Genosse Roth, morgen wird die Tafel aus der Schulerau abgeholt.

Ich war draußen. Wut packte mich. Mein Traum war zu Ende. Ich hatte es zwar geahnt das es so kommen könnte, gleichzeitig aber im geheimen gehofft das sich das Tourismusministerium für das Aufstellen einer solchen Reliefkarte im größten Internationalem Touristikzentrum Rumäniens mit Erfolg einsetzen könnte. Dieses Werk hätte einen Anstoß geben können dass der Unsinn im Bezug des Kartenmaterials ab einem Maßstab 1: 50.000 aufhört. Waren doch in den Jahren 1910 bis 1945 weit verbreitete Wanderkarten von diesen Gebieten im Handel erhältlich.

Nach Karten in den Karpaten Rumäniens wieder wandern zu dürfen war einfach nicht durchsetzbar. Die Obrigkeit hatte Angst vor ihrem eigenen Schatten.



Am Nachmittag bin ich mit meinen Sohn in die Schulerau zu meinem Relief gefahren.



Kurz entschlossen habe ich die Reliefkarte zerschlagen.
Danach einzelne Stücke zum fotografieren nochmals auf die Arbeitsfläche gelegt.







Ich musste schnell handeln um nicht erwischt zu werden, weil die von mir erstellte Reliefkarte nicht mehr mein Eigentum war.







Entsetzte Augen meines 7 jährigen Sohnes Eckhard
der nicht begreifen konnte warum sein Vater das tat.



Aufgeräumt.



Das Zertrümmerungswerkzeug.



Dieses war einmal der Anfang einer großen Reliefkarte, eines Teils der Karpaten, für Wanderer und Bergsteiger gedacht.< br>
Die Stücke der Reliefkarte sind abgeholt worden.
Nach einem Jahr erzählte mir jemand der mich bei der Erstellung besucht hatte, dass er meine Reliefkarte in einer Parteizentralstelle gesehen habe.

Ob sie noch existiert? Ich habe nichts mehr davon gehört.

Man schrieb das Jahr 1971