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Blut-Zoll






Blutzoll
Herbst 1967.

Die letzte Gruppe DDR Jugendturist Gruppe war in der Schulerau angereist. 12 von ihnen wollten auf die Bucecispitze den Omul. "Leute ich mache mit. Steigt von Busteni auf, ich komme nach Dienstschluss nach."

Um 23 Uhr trafen wir uns in der Caraiman Hütte.

In der Nacht regnete es und am Sonntag Morgen war alles verschneit. Die Jepii zurück hinunter? Nein das ging nicht mehr. Also wie geplant stand Omul, Malaiesti, Rosenau, Kronstadt, Schulerau auf der Tagesordnung.



Eiskruste mit Schnee, das konnte ernst werden.





Der Traum ist manchem aus der DDR Jugendgruppe zur Wahrheit geworden.
Die Omulspitze 2.507 m ist erreicht.



Der gängige Abstieg nach Malaiesti war wegen Vereisung zu gefährlich.



Rechts in diesen Kaminen hinunter wird man beim Abrutschen nicht über eine Felskante abstürzen. Das war unser Weg. Den konnte ich der Gruppe, unter denen einige in Halbschuhen waren, zumuten.





Bevor wir in den vereisten Kamin einstiegen Empfahl ich allen, ihre Strümpfe als Handschuhe zu benützen und ab ging es, wobei einer den andern mit den Händen sicherte.





Trat man auf einen Stein, hielt er weil er angefroren war. Wenn man sich mit dem ganzen Körper darauf stützte brach er ab.

Ich hatte das Essen der Gruppe, ungefähr 15 kg, in meinen Rucksack genommen, damit ich meinen Bergfreunden den Abstieg erleichtere.





Und dann hatten wir es alle gut überstanden.
Im Hintergrund die Kamine.

Aus der Schnee- und Eiszone herausgekommen, bin ich etwas zurückgeblieben um einen lädierten Zeh zu verpflastern.

Danach lief ich den andern wieder nach.

Durch das Gewicht des Rucksacks und die Steilheit des Weges kam ich bald in zu großen Schwung.

Um nicht zu fallen stoppte ich.

Da krachte mein Bein wie ein morscher Baum und ich flog im Bogen ins Gebüsch.

Mein Mund war vollkommen trocken, ich konnte nicht einmal rufen.

Da muss etwas gebrochen sein. Die andern hatten es gemerkt und kamen zurück.





Mit 2 Stöcken, die mit Handtüchern umwunden wurden fixierten wir beide Füße. Traubenzucker und Schokoladenreste suchten sie für mich zusammen.

Immer nur lächeln war meine Devise, dabei presste ich meine Finger zu Fäusten.

Ein Stock unter meine Füße der von 2 Mädchen getragen wurde und auf einem anderen sitzend, den 2 Jungen trugen, denen ich dabei meine Arme um die Schultern legte, ging es dann weiter bergab.

Von oben sahen wir im Tal einen PKW. Um ihn zu erreichen, verließen wir den Weg, doch der Hang wurde so abschüssig, dass zwei sich gegenseitig sichernd vor mir her krochen, und meine zusammengeschnürten Füße über die Hindernisse hoben während ein anderer mich an der Anorakkapuze langsam hinunter gleiten ließ.

Das Auto brachte mich nach Kronstadt. Wir hielten vor dem Haus an. Marianne wurde geholt. "Hast du deinen Fuß auch mitgebracht?" hör ich sie heute noch sagen und weiter ging es ins Krankenhaus.





Meine Devise lautete weiter: "immer nur lächeln, immer nur lächeln," was ich auch gut durchgehalten habe.

Als ich allein war, verlangte ich nach einer schmerzstillenden Spritze.
Am folgendem Tag besuchte mich die Gruppe mit einem schönen Blumenstrauß. Ich hatte sie gebeten meinem Unfall nicht weiter zu sagen. Ich war froh dass es mir passiert war und nicht einem DDR Bürger, denn das hätte für mich und meine Familie böse Folgen haben können.





Diagnose: Wadenbeinkopf Bruch, Plateau Bruch mit einer 5mm Treppenbildung im Kniegelenk, dazu beide Meniskus schwerstens verletzt.

Prognose des Arztes: "in 10 Jahren sehen wir uns wieder damit wir ihr Knie steif machen weil sie vor Schmerzen nicht mehr auftreten können."





Viele Jahre sind ins Land gegangen. Die Tage sind selten in denen mein Knie mich nicht an seine Existenz erinnert.

Ob es in meinem Leben, wegen den häufig starken Schmerzen, noch zu einem künstlichen Kniegelenk kommen wird?

Heute kann einem geholfen werden. Ich hoffe dass es nicht dazu kommen muss.





Mein Bericht über meinem Unfall wurde in der DDR vervielfältigt und weitergereicht.

Im Jahr darauf, wegen der Schmerzen auf den Stock gestützt, nahm ich meine Aktivität wieder auf. Leider waren größere Bergwanderungen nicht mehr zu machen.





1968 überreichte mir Peter Winkler, ein Berliner Reiseleiter die Ehrennadel in Silber. Er entschuldigte sich das es nicht die Goldene war, welche er für mich angefordert hatte.

2 Jahre danach musste ich mich einer Meniskusoperation unterziehen.

In den folgenden Jahren bis zu unserer Aussiedlung sind wir, trotz immer härteren Maßnahmen der Obrigkeit, so wie viele andere Siebenbürger unserer inneren Stimme gefolgt und haben uns immer wieder DDRlern angenommen.

Erst nach 1982, als Bundesbürger, hatten wir die Möglichkeit unsere Freunde und die Kulturstädte in Mitteldeutschland die wir von den vielen Ansichtskarten kannten, zu besuchen.

Einige damals geschlossene Freundschaften haben bis heute gehalten.