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Warum Kunstwerke
Dia-Tonmontagen.




Dia-Tonmontagen? Weswegen? Wozu?

1978 hatte ich zum ersten mal das Zeidner Kronenfest besucht. Eine Filmkamera auf meinen Kopf montieren um all das was ich sah, aufzunehmen war in diesem Moment mein innigster Wunsch.

Filmkamera? Filme? Ein für mich aus materieller Sicht unerschwinglicher Wunschtraum.

Nun erkannte ich dass es eine Möglichkeit gab, mit Diaprojektion in Überblendung und Tonuntermalung, dass was ich sah und mich bewegte, festzuhalten und weiterreichen zu können.

Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass ich wenn ich Brauchtum festhalte, wichtige Zeitdokumente schaffe.

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Der Druck der deutschen Bevölkerung, Rumänien zu verlassen war enorm. Über 80 Prozent der Deutschen die Verwandte im Westen nachweisen konnten, hatten Ende 1970 als man Ausreiseformulare bekam, sie bei der Polizei ausgefüllt und eingeben.

Es war ein Massenansturm. Man stellte sich schon am Vorabend an.

Somit hatte der Staat eine Übersicht über alle, die das Land verlassen wollten. Die dadurch zu Staatsfeinden eingestuften, hatten von nun an Konsequenzen zu tragen.

Rumänien verkaufte seine Deutschen offiziell für 2.000 DM Kopfgeld an Deutschland. Geld das mit den Zinsen des Kapitals das die BRD Rumänien zum Kauf von Industriegütern von Deutschland zur Verfügung gestellt hatte verrechnet wurde.

Bevorzugt genehmigt wurden Ausreiseanträge von kulturell aktiven Personen, die nicht locker ließen und nach jeder Absage sich weiter um die Ausreise bemühten. Dazu kamen Pfarrer und Lehrer.

Die Drangsale spitzten sich immer mehr zu. Mancher wurden seines Postens enthoben.

Lehrer die Anträge einreichten mussten ihren Beruf aufgeben und niedere unqualifizierte Arbeiten annehmen.

Als der Ev. Bischof sah, das er bald ohne Pfarrer bleiben würde, verhandelte er mit der Ev. Kirche in der BRD das die Siebenbürgischen Pfarrer nicht als Pfarrer angestellt werden sollten.

Rumänien überbot die Ausreisequoten.

Die Intelligenz verließ zuerst das sinkende Schiff.

Mitte der 70er Jahre wurden ersmals zusätzliche Zahlungen von den Ausreisewilligen verlangt was in den 80er Jahren dann offiziell wurde.

Gleichzeitig bestand das Gesetz, dass Besitz von harter Währung mit Gefängnis bestraft wird.

Das Kopfgeld stieg bis auf 5.000 DM, das der rumänische Staat, außer den 2.000 von Deutschland gezahlten, von den an Ausreise Interessierten verlangte.

Das zusätzliche Geld lieh man sich bei den Verwandten in Deutschland.

Keiner wollte der letzte sein, den Letzten beißen die Hunde.

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Wir selber hatten seit 15 Jahren uns nach jeder Absage bemüht, wieder an Ausreiseanträge zu kommen.

Solche wurde nur in kleiner Zahl und meist im Zusammenhang mit politischen Ereignissen (die sich der Staat als guten Willen zu Deutschland auslegte) ausgegeben.

Dafür stellte man sich in der Nacht vor der Polizei an. Oft wurde man verjagt.

Es war nur ein Faktor der Zeit wann Rumänien den letzten Deutschen verkaufte.

Man sagte, unter vorgehaltener Hand, es zahlt sich für Rumänien mehr aus, Deutsche als Schweine zu züchten da deren Kopfgeld mehr DM einbrächte.

Eine europäische 800 jährige Kultur stand vor ihrem Ende.

Ich gehöre ihr an, ich musste das kulturelle Zeitgeschehen, so weit meine Gesundheit und finanziellen Mittel reichten, festhalten.

Das war meine LEBENSAUFGABE.


Und ich tat diese nicht ungefährliche Gratwanderung wie es mir jemand, der es wusste, Jahre später mitgeteilt hat, ohne Rücksicht auf meine Gesundheit und finanzielle Lage.





Im Gespräch mit Landsleuten betonte ich immer wieder: "wir müssen solche Zeitdokumente schaffen." Leider sahen sie es nicht ein. Von jemandem bekam ich sogar den Vorwurf: "Willst du die Alten in den Siebenbürger Altenheimen zum weinen bringen?"

Mit meinem künstlerischen Schaffen blieb ich allein auf dieser Flur.

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