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Vorträge 1990 - 2010

Geschichte der Vortragsreihe

Vortrag des Herrn
Dr. Wilhelm Bruckner
Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen.


Wir saßen im Freundeskreis zusammen. Dabei stellte ich die Frage in den Raum: " wie ist es eigentlich dazu gekommen, daß wir eine Landsmannschaft der Sb. Sachsen haben?" Weder die, die schon Jahrzehnte hier lebten, noch wir, die vor kurzem den Eisernen Vorhang verlassen hatten, wussten Bescheid. Daraufhin habe ich mich an die Landsmannschaft in München gewendet, und um einen Referenten zu diesem Thema gebeten.

Dr Wilhelm Bruckner hat meiner Bitte Folge geleistet. Ich war vom Vortrag fasziniert. Zum Schluss überließ er uns eine Kopie seines Vortrages. Auf der Fahrt zum Bahnhof fragte ich ihn, ob er mir gestatte, sein Manuskript als Broschüre zum Selbstkostenpreis unter die Leute zu bringen. Er fand es als eine gute Idee. Nach einem halben Jahr hatte ich das Manuskript in Buchformat erstellt und dem Autor zugesandt. Danach erhielt ich die Genehmigung zum Druck einer begrenzten Stückzahl.

Auf die Bitte bei der Landsmannschaft um finanzielle Unterstützung wurde mir gesagt, dass ich dafür ein Projekt hätte erstellen müssen, das ich ein Jahr vorher zur Genehmigung hätte vorlegen müssen, danach hätte man weiter gesehen. Leider hatte die damalige Führung kein Verständnis, dass ihre eigene Geschichte auf diese Art billig und schnell als Werbung unter unsere Landsleute gebracht werden konnte.

Ich ließ nicht locker. Da sich eben erst vor kurzem der Eiserne Vorhang geöffnet hatte und mancher im Zusammenhang mit der Landsmannschaft argumentierte: "er brauche kein Syndikat"; fand ich es als besonders wichtig, dass diese Broschüre unter die Leute kam. So ließ ich sie auf eigene Kosten drucken. Danach stellte ich mich in Dinkelsbühl (wo mir auch noch Standtaxe für den Vertrieb ihrer Geschichte zum Selbstkostenpreis von der Landsmannschaft abgenommen wurde) und bei anderen Veranstaltungen und Festen wie in: Geretsried, Augsburg und anderen Orten, (beim Honterusfest der Kronstädter wurde mir der Verkauf trotz meines Protestes untersagt) zwischen die Landsleute und bot sie an.

In 3 Jahren habe ich 800 Exemplare unter die Leute gebracht. Bestimmt hat durch diese Broschüre angesprochen, manche Kreisgruppe einige neue Mitglieder bekommen.

Ich finde es wichtig, das Wissen über die Leistungen derer, die sich für uns alle eingesetzt haben, bekannt zu machen. Darum stelle ich den Text der Broschüre mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dr Wilhelm Bruckner in meine Internetseite zur freien Verfügung. Er war, ist und wird immer aktuell bleiben.

Diese Broschüre müsste so wie der Katechismus in jeder sächsischen Familie vorhanden sein.

Lesen, kopieren, weiterreichen.

Willi Roth

Augsburg 31. 05. 2002








Wilhelm Bruckner
Die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen



Vorwort
1990 machte ich Herrn Dr Ortfried Kotzian, Geschäftsführer des Bukowina Instituts Augsburg, den Vorschlag, eine Vortragsreihe mit dem Titel: "Die Deutschen in Rumänien" ins Leben zu rufen. Meine Anregung fand Verständnis, und die Vortragsreihe kam ins Rollen. Ausgewiesene Kenner der Materie Historiker, Volkskundler, Politologen, Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Publizisten konnten als Referenten gewonnen werden. Ihre Vorträge boten reichhaltige und zuverlässige Informationen zur Geschichte und Kultur der deutschen Siedlungsgemeinschaften in Rumänien und trugen dazu bei, das Wissen über die Südostdeutschen zu erweitern und zu vertiefen. 1993 wurde der thematische Rahmen der Veranstaltungsreihe erweitert. Sie läuft nunmehr unter dem Titel: "Die Deutschen im Osten". Da den meisten Aussiedlern die geschichtliche Entwicklung der Landsmannschaften kaum oder nur in unzureichendem Maße bekannt ist, wandte ich mich an die Geschäftsstelle der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in München und bat um einen Vortrag zu diesem Thema. Herr Dr. Wilhelm Bruckner, Mitbegründer und langjähriger Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, erklärte sich bereit, einen entsprechenden Vortrag zu halten. Am 2. April 1992 referierte er im Bukowina-Institut zu diesem Thema. Herr Dr Bruckner war damit einverstanden, dass ich seinen Vortrag als Broschüre veröffentliche, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei. Sein Vortrag geht auf frühere Vorträge und Aufsätze von ihm zurück, aus denen Absätze z.T. wörtlich übernommen wurden.

Ich bin überzeugt, dass die kenntnisreichen Ausführungen von Dr Wilhelm Bruckner zahlreiche Leser - nicht nur unter den Landsleuten - finden werden.

Die Broschüre ist von mir zum Selbstkostenpreis zuzüglich Versandkosten zu beziehen.

Wilhelm Roth
Kulturreferent der Kreisgruppe Augsburg
der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen


Die Landsmannschaft
der Siebenbürger Sachsen
von der Gründung bis zur Gegenwart


Dr Wilhelm Bruckner (München)

Einführung
Nach dem Ersten Weltkrieg waren durch die Pariser Vorortverträge neue Grenzen gezogen worden, deren Bestand von vornherein gefährdet war, weil vor allem in den von mehreren Völkerschaften bewohnten Gebieten der Länder Südosteuropas so lange kein politischer Konsens bestehen konnte, als völkische Minderheiten nicht die völlige, unantastbare Gleichberechtigung mit dem Mehrheitsvolk hatten. In ihrem Staatsgebiet hatten die Ungarn vor dem Ersten Weltkrieg – weitgehend erfolgreich - einen politischen Zusammenschluss der Banater Schwaben mit den Siebenbürger Sachsen bekämpft. Nachher waren es infolge der Friedensschlüsse mehrere deutsche Siedlungsgebiete, die sich innerhalb der Grenzen Rumäniens befanden: in der Bukowina, in Bessarabien und der Dobrudscha, die Schwaben im Banat und im Sathmarer Land sowie die Siebenbürger Sachsen und Zipser. Rechnet man das Streudeutschtum in der Moldau und in der Walachei mit Bukarest dazu, lebten in Großrumänien rund 800.000 Deutsche. Sie fanden in der Volksgemeinschaft der Deutschen in Rumänien eine gemeinsame politische Vertretung. Auch im kulturellen Bereich wuchsen Gemeinsamkeiten, die u.a. im Wirken des Kulturamts der Deutschen in Rumänien, in Zeitschriften und im Deutschen Landestheater ihren Ausdruck fanden. Im Rahmen der dörflichen Kultur blieben Gemeinsamkeiten sehr begrenzt: Mundart, Tradition, Brauchtum, z. T. auch Konfessionen, wirkten kulturellen Annäherungen entgegen. Auch die von Berlin eingesetzte Volksgruppenführung, die ab 1940 an die Stelle natürlichen politischen Miteinanders die Gleichschaltung setzte, konnte die Vielfalt kultureller Lebensäußerungen nicht durch Vereinheitlichung beseitigen. Die Weltpolitik aber schuf Verhältnisse, die mehr als die Grenzen von 1919/20 änderten. Die Umsiedlung der Bukowina- und Bessarabiendeutschen im Jahre 1940, deren Heimatgebiete zum größten Teil an die Sowjetunion fielen, während die Dobrudscha bis auf den südlichen Teil, der an Bulgarien kam, bei Rumänien blieb, doch die Deutschen auch dieses Gebietes zu Umsiedlern gemacht wurden, entvölkerte Rumänien eines ansehnlichen Teils seiner deutschen Bürger. Sie wurden mit anderen Ostdeutschen größtenteils in die vom Reich eroberten neuen Ostgebiete verbracht, um hier angesiedelt zu werden.
Für Siebenbürgen - und damit setzt ein, was später zur Gründung der Landsmannschaft seiner Sachsen führte - gab es 1940 mit der durch den das Siedlungsgebiet der Sachsen, die in der 800jährigen Geschichte einzigartig war. Als vier Jahre später - am 23. August 1944 - Rumänien auf die Seite der Gegner Deutschlands überging, konnten nur wenige Menschen aus seinem Gebiet in Richtung Westen fliehen, die Deutschen Nordsiebenbürgens fanden in weitgehend geordneter Flucht (die freilich der Schrecken nicht entbehrte, die damals alle vor dem sowjetischen Vormarsch Fliehenden erleben mussten) den Weg nach Österreich und Deutschland.
Auf solche Weise blieben bei Kriegsende Landsleute überwiegend gemeindeweise in Österreich, einige auch in Bayern. Zu diesen stießen aus der Kriegsgefangenschaft der Alliierten Siebenbürger Sachsen, die 1942 und 1943 aus Ungarn und Rumänien in die Waffen-SS eingezogen worden waren. Noch vor Ende des Krieges war Anfang Januar 1945 in Bayern, und zwar in Vaterstetten bei München eine Betreuungsstelle für die südostdeutschen Flüchtlinge eingerichtet worden, die vom Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA), dem Roten Kreuz und der Volksdeutschen Mittelstelle getragen und von Heinrich Reitinger geleitet wurde.
Mit dem Zusammenbruch waren alle Einrichtungen, die die Betreuung der Landsleute in Händen hatten, aufgehoben. Jede Tätigkeit war ihnen untersagt.
Im zerstörten Deutschland hatte durch die heimkehrenden Soldaten und die zehn Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen eine riesige Wanderung trotz völlig unzureichender Verkehrsmittel begonnen. Man fragte: Wo finde ich die Meinen? Werden sie noch leben? Und: Wo werde ich ein Dach über dem Kopf erhalten, wo Arbeit finden?

Das Zusammenfinden
Der junge Siebenbürger Sachse Dr Otto Appel hatte, sobald er feststellte, dass die Landsleute nach dem Zusammenbruch ohne Betreuung waren, schon wenige Wochen nach Kriegsende nach Möglichkeiten gesucht, eine Zentralstelle zu schaffen, die im Rahmen des Gegebenen ihren dringendsten Anliegen gerecht wurde. Von dem Nichts sich aufzuraffen, dem Leben wieder einen Sinn zu geben, den traditionellen Dienst am Nächsten wieder aufzunehmen, das waren die Ziele Otto Appels, und er verstand es, für sie seine künftigen Mitarbeiter zu begeistern. Selbsthilfe der Südostdeutschen war ausgeschlossen; dazu fehlten alle Mittel. Doch auch das Verbot der Besatzungsmacht für die Schaffung von Vereinen oder Institutionen der Ausgewiesenen blockierte einen solchen Weg. Erst nach Verkündigung des Grundgesetzes (1949) konnten sich Heimatvertriebene zusammenschließen. Die Möglichkeit, die die amerikanische Militärregierung einräumte, war die Schaffung einer Betreuungsstelle im Präsidium des Bayerischen Roten Kreuzes in München. Sie genehmigte die "Erfassung und Rückführung der sich in Bayern befindlichen Zwangsevakuierten aus Rumänien". Gerade aus Rumänien gab es aber keine Zwangsevakuierte; heute können wir uns sicher sein, dass die Militärregierung mit Zwangsevakuierten die sogenannten "displaced persons" (DP) meinte, die als Fremdarbeiter während des Krieges vor allem aus den besetzten Ostgebieten, nicht aber aus den mit dem Reich verbündeten Ländern Südosteuropas zur Zwangsarbeit in deutsche Fabriken gebracht worden waren. Millionen dieser ausländischen Arbeiter befanden sich bei Kriegsende in Deutschland und sollten in Obhut verschiedener Wohlfahrtsverbände, vor allem aber der Weltflüchtlingshilfe UNRRA, nach Russland bzw. in ihre Heimatländer, die späteren sowjetischen Satellitenstaaten, zurückgeführt werden, die damals noch nicht rein kommunistische Regierungen hatten. Das Verlangen vieler dieser DP, also dieser verschleppte Personen genannten, ehemaligen Zwangsarbeiter, nicht in ihre Heimat zurückgebracht zu werden, löste später große von der UNRRA organisierte Auswanderungsaktionen in westliche Länder, vor allem nach Übersee, aus. Die Deutschen aus Rumänien, die ihre "Meldestelle" im August 1945 einrichteten, hüteten sich, den Irrtum aufzuklären, welcherart Evakuierte sie waren.Die Rückführung dieser Deutschen in ihre bisherigen Heimatgebiete in Südosteuropa, im speziellen nach Rumänien, war so unwahrscheinlich nicht, hatte sich doch dieses Land an Ausweisungsmaßnahmen nicht beteiligt, waren nicht nur im Banat, sondern auch in Siebenbürgen die Landsleute, soweit sie nicht nach Sowjetrussland verschleppt worden waren, größtenteils zurückgeblieben, und vor allem die Bauern sahen vielfach keine andere berufliche Möglichkeit, als in der Heimat wieder ihren Boden zu bewirtschaften. Von den tatsächlichen Verhältnissen wusste man damals in Deutschland nichts, um so größer waren die Hoffnungen. Die eifrigen Exponenten der Weltflüchtlingshilfe UNRRA, die ihre Aufgabe darin sahen, die Bürger aus anderen Ländern zu repatriieren, hatten in den Lagern am leichtesten Zugriff auf die Landsleute, von denen die meisten vom Zweifel, was sie tun sollten, hin und her gerissen, zunächst die Entwicklung abwarten und noch nicht in die Heimat zurück wollten. Es kamen aber Fälle vor, dass die uniformierten UNRRA-Beamten, die für den Laien von Angehörigen der Besatzungsmacht nicht zu unterscheiden waren, Südostdeutsche gegen deren Willen auf Lastwagen zu den Heimkehrerzügen bringen ließen. Die Tatsache, dass gerade die Südostdeutschen - mit Ausnahme der Umsiedler - nie die deutsche Staatsangehörigkeit besessen hatten, erschwerte unsere Proteste. Ich hatte es mir als Stellvertreter Appels, zur wichtigsten Aufgabe gemacht, gegen solchen Zwang zu wirken, der schicksalhaft den weiteren Lebensweg von Landsleuten bestimmen konnte, und wurde darin - zum großen Teil erfolgreich - von der damaligen Bayerischen Staatsregierung unter Dr Fritz Schäffer unterstützt. Um so mehr wir amerikanische Stellen in unseren Angelegenheiten um Hilfe baten, desto klarer wurde diesen, dass wir unsere karitativen Kompetenzen längst überschritten hatten. Es war leicht vorauszusehen, dass die immer etwas misstrauische Militärregierung anordnen werde, unsere Betreuungsstelle zu schließen. Es gereicht den beiden Kirchen zur Ehre, dass sie bei der Schließung der Betreuungsstelle im Roten Kreuz nahtlos die Fortsetzung der Arbeit und die Übernahme der bisherigen Mitarbeiter in ihren Dienst ermöglichten. Wohl fand nun eine Zweiteilung dadurch statt, dass die katholischen Volksgruppen unter dem Dach der Caritas (in der Münchener Schubert Straße) ihre Hilfestelle hatten, die Evangelischen im Rahmen des 1945 unter Eugen Gerstenmaier gegründeten Hilfswerkes ihre Hilfs- und Betreuungsstelle in der Münchener Himmelreichstraße. "Wir führten", schreibt Otto Appel nach dem Wechsel vom Roten Kreuz in die Obhut des Evangelischen Hilfswerkes, die "gleiche Arbeit" wie vorher fort. Zwei Aufgaben, die sich schon angebahnt hatten, kamen jedoch hinzu: die Entlassung der Waffen-SS-Angehörigen und die Sondierung von Auswanderungsmöglichkeiten. Welche Entscheidung wird die bestmögliche für eine gemeinsame Zukunft sein? Eine Instanz, die für alle darüber hätte bestimmen können, gab es nicht. Jeder war auf sich gestellt. Und die, die sich der Betreuung der Südostdeutschen zugewandt hatten, konnten allenfalls raten. Unsere Bauern waren vor die Frage gestellt, in die Heimat zurückzukehren, ohne zu wissen, ob sie wieder auf ihrem Grund und Boden arbeiten könnten; nach Übersee auszuwandern, wo es noch landwirtschaftlichen Boden gab, oder - in der Regel als ungelernte Arbeiter - vielleicht ein neues Tätigkeitsfeld in Deutschland zu finden. Diejenigen, die heimgezogen sind - es waren nicht viele - taten es vor allem, weil ihre Angehörigen dort waren und nicht weg durften.

Zahlreiche unserer Landsleute, die sahen, dass Grund und Boden in Deutschland unmöglich für alle geflüchteten und ausgewiesenen deutschen Bauern reichen könnte, wären in andere Länder ausgewandert, wenn ihnen ein geschlossenes Siedlungsgebiet und ein deutsches Schulwesen zugesichert worden wären. Doch manche Länder, denen die Aufnahme deutscher Flüchtlinge und Vertriebener möglich gewesen wäre, lehnten die Erfüllung solcher Forderungen ab; einige, so Kanada und die Vereinigten Staaten von Amerika, hatten Aufnahmequoten für die Auswanderer, die z.T. sehr lange auf ihre Chancen warten mussten. Die Stellung zur Auswanderung war in unseren Gremien nicht einheitlich. Ich habe den Standpunkt vertreten, dass jeder hier im Land der Urahnen eine Chance habe, der hier die gleiche Energie, Mühsal und auch Unbill auf sich zu nehmen bereit sei, die ihn als Auswanderer jenseits der Meere notgedrungen erwarten. Wir haben so manche vor einem harten Schicksal in der Fremde bewahren können auch wenn wir heute angesichts der dennoch Ausgewanderten nicht ohne Genugtuung feststellen dürfen, dass die Unseren sich auch dort bewährten. Die Arbeiten für die Entlassung unserer Kriegsgefangenen waren noch nicht abgeschlossen, als auf Hilfsstelle und Hilfskomitee die Betreuung der aus Sowjetrussland zurückkehrenden Landsleute zukam, die gegen jedes internationale Recht, als Zivilisten: Frauen und Männer, zur Zwangsarbeit vor allem in Bergwerke verschleppt worden waren. Sie hatten den Hungerwinter, in dem auch die Russen selbst kaum etwas zu Essen hatten, überstehen müssen und wurden nun ganz willkürlich in Eisenbahntransporten teils nach Rumänien, teils als Deutsche nach Deutschland entlassen. Bevor 1949 die Möglichkeit für die Gründung von Landsmannschaften bestand, musste dafür gesorgt werden, dass nicht nur den reichsdeutschen Vertriebenen, sondern auch den Volksdeutschen in den Deutschland verbliebenen Gebieten Heimat- und Bürgerrecht gesichert wurde. Diese entfalteten politische Aktivitäten und sicherten, dass ins Grundgesetz der Art. 116 aufgenommen wurde, der die Gleichstellung aller im Bundesgebiet lebenden Menschen deutschen Volkstums bestimmt. Die Südostdeutschen verbanden dies politische Wirken mit der Aufstellung eines gemeinsamen Kandidaten für den Deutschen Bundestag. Es war Dr Josef Trischler aus der Batschka, der im August 1949 einziger volksdeutscher Bundestagsabgeordneter wurde. Im Mai 1949 war das Grundgesetz verkündet worden; am 26. Juni gründeten in München Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben (etwas mehr als 20 Männer und Frauen) ihre neue Gemeinschaft, beschlossen eine Satzung, deren von Heinrich Zillich verfasster Vorspruch programmatisch aussagte: Siebenbürger Sachsen, denen die Heimat genommen wurde und die fern von ihr in Deutschland leben, treten zusammen und gründen, die Heimat im Herzen, einen Verband zur gegenseitigen Hilfe, überzeugt davon, dass Recht und Zukunft zu erringen der tätigen Treue gelingen wird.

"Heimat im Herzen" hieß auch die seit jenem Jahr erscheinende Buchreihe, die weitgehend durch das Wirken unseres Landsmannes Volkmar Fromm im Akademischen Gemeinschaftsverlag Salzburg herausgebracht wurde, deren erster Band "Wir Siebenbürger" von Heinrich Zillich zusammengestellt worden war. Mit diesem Werk - andere Vertriebenengruppen waren bald auch in der Reihe vertreten - der ersten kulturellen Nachkriegsmanifestation der Siebenbürger Sachsen wurde das Selbstbewusstsein der Landsleute, die hier ja nur ein Splitter eines der kleinsten deutschen Volkssplitter waren, gefestigt, das Zusammengehörigkeitsgefühl gefördert. Doch gerade die kulturelle Komponente schied zugleich die Siebenbürger Sachsen von den Banater Schwaben, die sich nach Gründung einer Banater Landsmannschaft überwiegend dieser anschlossen. Die Siebenbürger Sachsen hielten an ihrer Tradition des Miteinanders zwischen politischer und kirchlicher Führung zunächst fest und wählten zu ihrem Vorsitzenden den Schriftsteller Fritz Reimesch, der schon seit 1947 Vorsitzender ihres Evangelischen Hilfskomitees war und nun in Personalunion an der Spitze beider sächsischer Organisationen stand. Wenige Jahre später folgte ihm in der Landsmannschaft Heinrich Zillich, im Hilfskomitee der Universitätsprofessor der Theologie Erich Roth. Die Deutschen, die mit leeren Händen ins Mutterland gekommen waren, brachten in den neuen Staat nichts ein als ihre Kenntnisse, Fertigkeiten und ihre Zuverlässigkeit. Das Kapital aber, auf das sich die Siebenbürger Sachsen stützen konnten, war das Ansehen und die Achtung, die ihre Volksgruppe seit Jahrzehnten in Deutschland genoss. Es zu wahren, war eine unserer vornehmsten Aufgaben. Zu den alten Freunden und Gönnern fanden sich neue, darunter viele, die in den Kriegsjahren Siebenbürgen und seine Menschen kennen gelernt hatten. Mit ihrer Hilfe entstand all das, was die kleine Gemeinschaft und jeder einzelne in den zurückliegenden mehr als drei Jahrzehnten in der Bundesrepublik Deutschland schufen.

Anfänge der Eingliederung.
Die Verbindung zueinander übernahm die "Siebenbürgische Zeitung", seit 1950 Organ der Landsmannschaft und das stärkste geistige Band zwischen unseren Landsleuten nicht nur in Deutschland und Österreich. Sie erscheint zwanzigmal im Jahr und ist ebenso Vermittler siebenbürgischer Nachrichten in weitestem Sinne, insbesondere Sprachrohr für Anliegen in innenpolitischen und heimatpolitischen Fragen, wie Wahrer und Übermittler sächsischer Kultur und Helfer in Eingliederungsfragen. Ein Festakt vereinte 1950 in München die Siebenbürger Sachsen aus Deutschland und aus Österreich sowie binnendeutsche Gäste zu Ehren jener Deutschen, die im 12. Jahrhundert nach Siebenbürgen gezogen waren. Am anschließenden Empfang nahm auch der Deutsche Bundespräsident Theodor Heuss teil, der in einer Tischrede die geschichtlichen und kulturellen Leistungen der Siebenbürger Sachsen würdigte. Im Jahr darauf kamen in Dinkelsbühl die Siebenbürger Sachsen zum ersten Heimattag zusammen. Zum ersten Mal nach dem Krieg wurden hier die Schicksalsfragen der Sachsen auf breiter Basis diskutiert, zum ersten Mal fand am Weinmarkt vor der Schranne eine Kundgebung der Landsmannschaft statt.

Die Vorstellung, man werde eines Tages die aussiedlungswilligen Landsleute aus Siebenbürgen, und das heißt letztlich alle, in der Bundesrepublik Deutschland ansiedeln können, mag 1951 der Wunschtraum einzelner gewesen sein. Doch stand der Verwirklichung solcher Gedanken damals die weltpolitische Lage entgegen, die durch den Europa teilenden "Eisernen Vorhang" gekennzeichnet war. Dazu kam, dass die Siebenbürger Sachsen in Deutschland und in Österreich sechs Jahre nach dem Krieg noch nicht sicher waren, mögen dabei auch Heimweh und andere Gefühlsmomente mitgespielt haben, dass ihnen nicht doch die Rückkehr in die geliebte Heimat im Hochland von Siebenbürgen beschieden sei. So bekannte man sich am ersten Heimattag in einer Resolution zur "Charta der Vertriebenen" und erklärte: "Eingebettet in die deutsche Schicksalsgemeinschaft, mit der sie sich unlösbar verbunden wissen, bekräftigen die Siebenbürger Sachsen aufs neue ihr heiliges Recht auf die Rückkehr in die Heimat. Sie sind gleich allen anderen heimatvertriebenen Schicksalsgefährten überzeugt, dass sie die jahrhundertealte friedliche Kulturleistung, mit der ihre Vorfahren das Antlitz Siebenbürgens entschieden mitgeprägt haben, einmal fortsetzen können." Im Rahmen dieses Heimattages fand eine Beratung über die Zukunft des Sachsentums statt; nicht nur bezüglich der Aussicht auf Heimkehr ins Karpatenland, sondern auch hinsichtlich der eigenen jungen Gemeinschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Der eindeutige Entschluss zusammenzustehen und sich weder durch Parteizugehörigkeit, noch durch die politische Vergangenheit des einzelnen auseinander dividieren zu lassen - Grundsatz, der letztlich erst Gemeinsamkeit ermöglicht - ist durch vier Jahrzehnte lebendig geblieben. Wenn heute Ahnungslose und auch Übelwollende behaupten, dieses Einvernehmen sei zum Schutze ehemaliger Nationalsozialisten zustande gekommen, betätigen sie sich als unberufene Geschichtsklitterer. Denn die Siebenbürger Sachsen tun gut daran, nicht nach der Partei oder sonst einer Kategorie zu fragen, der ein Landsmann angehört, sondern nach seiner Anständigkeit, seinem Können, seiner Leistung und Einsatzbereitschaft für das Ganze. Auf diesem Fundament, so ist zu hoffen, wird die inzwischen weltweite Stammesgemeinschaft der Deutschen aus Siebenbürgen auch außerhalb der Karpatenheimat weiter bestehen.
Dem ersten Heimattag der Siebenbürger Sachsen sind bis heute alljährlich weitere gefolgt; je einer fand in Rothenburg o. T. und im oberösterreichischen Wels statt, die anderen alle in Dinkelsbühl. Sie wurden von unseren Landsmannschaften in Deutschland und Österreich gemeinsam ausgerichtet.
1952 konnte das erste Siebenbürgische Altenheim in Rimsting - überwiegend ein Verdienst des damaligen Geschäftsführenden Vorsitzenden Erwin Tittes - gegründet werden. Vier weitere siebenbürgische Altenheime sind seither entstanden, wohl in der Obhut von Hilfsvereinen, doch aus der Mitte der Landsmannschaft gewachsen: in Gundelsheim a. N., Wiehl-Drabenderhöhe, Osterode/Harz und Lechbruck im Allgäu. Sie sind und bleiben in Deutschland der erste und einzige immobile Gemeinschaftsbesitz des Stammes - der in Siebenbürgen einst so viel gemeinsames Vermögen, vor allem an Wald, Weide und Weingärten nutzte - bis Ernst Habermann als Begründer der aus seinem Eigentum geschaffenen Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung drei Jahrzehnte nach Gründung der Landsmannschaft den Siebenbürger Sachsen weiteren Immobilienbesitz schenkte. Im Altenheim auf Schloss Horneck in Gundelsheim besteht ein Heimathaus, in dem die bei den Siebenbürger Sachsen überall anzutreffenden kulturellen und sozialen Komponenten ihr Zuhause haben: die Siebenbürgische Bücherei, die Arbeitsstelle mit Archiv, und in den Gängen des Heimes prangen Bilder mit siebenbürgischen Motiven. Das ebenfalls dort untergebrachte Siebenbürgische Museum gilt nicht nur als zentrale Sammelstelle wertvoller Exponate, sondern gewährt auf anschauliche Weise Einblick in Leben und Kunsthandwerk der Siebenbürger Sachsen. Von Jahr zu Jahr hat das Museum zunehmende Besucherzahlen zu verzeichnen und wird als kulturelles Angebot von den Reisenden im Neckartal gern angenommen. Vieles, was einst über viele Orte zwischen Nösen und der Törzburg verstreut war, ist hier an einem Ort konzentriert. Zu den Einrichtungen ist der aus dem Arbeitskreis junger Siebenbürger Sachsen 1962 hervorgegangene Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) zu zählen, dessen wissenschaftliche Publikationen mit Verantwortung die Tradition des heimatlichen Landeskundevereins fortführen. Hierher gehört auch die Nachfolgeorganisation des Siebenbürgischen Lehrertages, die Stephan-Ludwig-Roth-Gesellschaft für Pädagogik (RGP), die in Vortragsveranstaltungen und Veröffentlichungen nicht nur pädagogische Anliegen fördert.
Gegenüber diesen in die heimatliche Vergangenheit zurückreichenden Einrichtungen kultureller Selbstbehauptung war der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreis eine Neuerung, wie wir sie in unserer Geschichte als ehrende Auszeichnung nicht kannten. Er wurde seit 1968 als Dank und Anerkennung an 34 schöpferische Persönlichkeiten verliehen, die sich durch ihr Wirken in künstlerischer oder wissenschaftlicher Hinsicht allgemein verdient gemacht haben.

Das berufliche Unterkommen in der Zeit des Wiederaufbaus bereitete unseren Landsleuten - freilich unter Verzicht darauf, weiterhin freie Bauern zu sein - in der Bundesrepublik Deutschland nicht allzu viele Schwierigkeiten. Anders war es in Österreich. Nach dem Krieg dort verbliebene Soldaten sowie Frauen und Männer aus Nordsiebenbürgen fanden jahrelang keine Arbeit. So entschlossen sich viele von ihnen, ein Angebot, das der frühere Abgeordnete und nachmalige Stellvertretende Bundesvorsitzende unserer Landsmannschaft, Dr Eduard Keintzel, vermittelt hatte, anzunehmen und mit ihren Familien nach Nordrhein-Westfalen zu ziehen, wo sie als Bergleute tätig wurden und die Siedlungen Setterich, Oberhausen-Osterfeld und Herten-Langenbochum errichteten. Wenig später übernahm die Landesregierung Nordrhein-Westfalens die Patenschaft für die Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, über die der Arbeits- und Sozialminister Heinrich Hemsath dem Bundesvorsitzenden Heinrich Zillich in einem Festakt in Düsseldorf am 26.Mai 1957 die Patenschaftsurkunde überreichte. Hemsath, seine Nachfolger und mit ihnen viele der besten Repräsentanten dieses Landes an Rhein und Ruhr haben echte Patenschaft oft weit über unsere Erwartungen hinaus Wirklichkeit werden lassen.

Familienzusammenführung
Seit 1954 die Vertreter unserer Landsmannschaften anlässlich einer Tagung in Rimsting die Überzeugung gewannen, dass für unsere Landsleute in Siebenbürgen ein Fortbestand als ethnische Gruppe nicht mehr gegeben ist, haben sie verstärkt ihre Bemühungen darauf gerichtet, den Deutschen in Rumänien zur Aussiedlung nach Deutschland zu verhelfen. In diesem Sinne wurde nach Heinrich Zillich vor allem dessen Nachfolger, Erhard Plesch, tätig, unter dessen Leitung die Landsmannschaft - wie die der Banater Schwaben - die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien 1967 befürwortete. Von jenem Tag an bemühen sich die Siebenbürger Sachsen, jedem, der sich aus freien Stücken dazu entscheidet, den Weg nach Deutschland zu öffnen. Damals schon haben hier aus dem Krieg zurück gekehrte Landsleute neun Jahre lang auf ihre Familien gewartet, für viele wurden es 15 und mehr Jahre. Nicht anders als bei den Siebenbürger Sachsen wurde das Problem der auseinander gerissenen Familien bei den Banater Schwaben behandelt. In der ersten Phase der Bemühungen, Familien in Deutschland zusammenzuführen, wurde der humanitäre Aspekt herausgestellt und damit das Deutsche Rote Kreuz - zumal es noch keine diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien gab - federführend. Dessen Präsident, Dr Weitz, wandte sich schon im Januar 1954 an den rumänischen Ministerpräsidenten Gheorghe Gheorghiu Dej und an die Präsidentin des Rumänischen Roten Kreuzes, Constanta Craciun, in dieser Angelegenheit, doch erst mehr als zweieinhalb Jahre später, im August 1956, kam unter Assistenz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz eine Vereinbarung über eine "Regruppierung" von Familien deutscher Abstammung zwischen Westdeutschland und Rumänien zustande. In den folgenden drei Jahren (1957-59) konnten aber nur weniger als 2500 Deutsche Rumänien verlassen, also nur ein Bruchteil gegenüber jenen, die nach Kriegsende in umgekehrter Richtung freiwillig zu ihren Familien nach Rumänien heimgekehrt waren, ein Bruchteil auch nur von der Liste mit 8432 Namen, von Vertretern des Deutschen Roten Kreuzes im Oktober 1956 in Bukarest überreicht. Unsere Landsmannschaft versuchte auf allen Wegen, das kommunistische Rumänien in der Frage der Familienzusammenführung zu beeinflussen: über das Internationale und das Deutsche Rote Kreuz, die Bundesregierung und ihre Delegationsleiter bei Wirtschaftsgesprächen mit Rumänien, den Vertreter des Auswärtigen Amtes, RA Garlepp, der mit Rumänien wegen humanitären Fragen verhandelte, den in London ansässigen Leiter der Firma Unilever, Jakober, der auf dem Gebiet der Wirtschaft Kontakte zu Bukarest hatte und dort mit Hilfe entsprechender finanzieller Mittel über den RA Serbanescu mitunter erreichte, dass Landsleute zu ihren Angehörigen ausreisen konnten. Hoch stiegen die Landsmannschaften ein, als ihre Vertreter, Peter Ludwig für die Banater Schwaben und Dr Hans Krauss für die Siebenbürger Sachsen, bei den Ost-West-Handelsbesprechungen in Genf ad hoc eine "Interessengemeinschaft der getrennten Familien aus Rumänien in der Bundesrepublik Deutschland" ins Leben riefen, in deren Namen sie, da die rumänische Delegation bereits abgereist war, einem Mitglied der sowjetrussischen Delegation eine Bittschrift an den Außenminister Molotow überreichten und die Zusage erhielten, dass diese an den Adressaten weitergeleitet würde. Solche Versuche, auch wenn sie zu keinen konkreten Ergebnissen führten, bedeuteten zunächst ein Abtasten der Möglichkeiten, zeigten aber auch den Machthabern in Rumänien, dass die aus ihrem Lande ausgesiedelten Deutschen mit Beharrlichkeit ihr Ziel verfolgten. Wenn in jener Zeit, der ersten Hälfte der 50er Jahre, an ein umfassendes finanzielles Engagement, das allen aussiedlungswilligen Landsleuten den Weg nach Deutschland eröffnet hätte, noch nicht gedacht wurde, so lag das wohl hauptsächlich an der erst allmählich einsetzenden positiven wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland und sicher auch an der Besorgnis, dem deutschen Steuerzahler werde die Aufbringung der dafür notwendigen Mittel nicht zumutbar sein. So konzentrierte man sich weiterhin auf die Frage der Handelsbeziehungen, für die die ersten offiziellen Verhandlungen im Mai 1958 in Bukarest stattfanden. Die Landsmannschaften hatten erreicht, dass der deutschen Delegation der Siebenbürger Sachse Dr Oskar Schuster als Beamter des Vertriebenenministeriums mit der Aufgabe angehörte, dort die Vorstellungen der Bundesregierung zu vertreten - nämlich 500-600 Aussiedlern monatlich die Ausreiseerlaubnis aus Rumänien zu erteilen. Die Rumänen verweigerten eine schriftliche Vereinbarung - der Begriff der "Republikflucht" spielte fraglos auch hier eine Rolle, wie in allen kommunistischen Ländern - und fanden sich nur zur mündlichen Erklärung bereit, die monatlichen (völlig unzureichenden) Aussiedlerzahlen zu erhöhen. Als diese Zusage schon im November 1958 - mit nur 15 Aussiedlern - nicht eingehalten wurde, antwortete Deutschland im Januar 1959 mit einem Handelsstopp, der erst aufgehoben wurde, nachdem Rumänien - auch wieder inoffiziell - mit einer Anhebung der Aussiedlerzahlen begann. Der Schritt der Bundesregierung hatte Rumänien gezeigt, dass sie voll hinter der Forderung auf Familienzusammenführung stand und diese ihr wichtiger war als die wirtschaftlichen Beziehungen mit Rumänien. In den folgenden zehn Jahren beliefen sich dann die jährlichen Aussiedlerzahlen zwischen 500 und 3000. Für die Landsmannschaften galt es, in drei Richtungen aktiv zu werden:
1. Die Landsleute, die bis auf verschwindende Ausnahmen keine andere Konzeption als die Landsmannschafts-Vorstände hatten, so mit Argumenten auszustatten, dass sie ihre reichsdeutschen Nachbarn und die Politiker ihrer Wahlkreise von der Notwendigkeit der Aussiedlung überzeugen konnten; 2. Politiker und Presse unmittelbar für eine Forcierung der Aussiedlung zu gewinnen; 3. in Bukarest zu sondieren, auf welche Weise Rumänien, ohne sein Gesicht vor allem gegenüber anderen kommunistischen Ländern zu verlieren, bereit wäre, die Aussiedlerzahlen zu erhöhen. Diese Aktivitäten fanden große Resonanz bei den Landsleuten in Deutschland und Österreich, aber auch in den USA und in Kanada; weit über Erwarten waren für sie Politiker aller Parteien aufgeschlossen, die Presse zog etwas langsamer nach, zeigte Interesse vor allem seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Rumänien (1967), die übrigen Medien wohl erst, seit das Fernsehen Aufnahmen vom Leben in sächsischen und schwäbischen Dörfern bringen konnte. Seit ein rumänischer Botschafter in Bonn residierte, bestand die Möglichkeit, Kontakt mit den Verantwortlichen aus dem früheren Heimatland (auch mit der Asociatia Romania) zu bekommen. Bei einer interministeriellen Konferenz in Bonn, unter Vorsitz des damaligen Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, Karl Carstens, konnten 1964 die Vertreter der Landsmannschaften, Plesch und Ludwig, die als Begleiter der Repräsentanten ihrer Patenländer zugezogen waren (Arbeitsminister Konrad Grundmann, NRW, und Innenminister Dr Hans Filbinger, BW), auf die verzweifelte Lage der Landsleute in Rumänien mit zahlreichen Informationen hinweisen und einen Teil der Argumente wiederholen, die ihre Landsmannschaften in ihrem Memorandum vom 17.12.1962 an die Bundesregierung schon vorgebracht hatten. Darin fand sich der Passus, es lägen Anzeichen dafür vor, dass Bukarest grundsätzlich nicht abgeneigt sei, deutsche Familien in größerer Zahl gegen entsprechende materielle Vorteile freizugeben. Man erwarte, dass die Bundesregierung auch diesen Weg beschreite, um eine stufenweise Aussiedlung herbeizuführen. Gerhard Schröder (CDU) war 1961 Bundesaußenminister geworden. Gegenüber Schröder hat Plesch bei einer Vorsprache in Bonn auf die Frage des Außenministers nach der Gesamthöhe des für Kopfquoten zu zahlenden Betrags die Summe von 600.000.000 DM genannt (ausgehend von 1500 DM pro Person). Da es sich um einen Betrag handelte, der selbst bei günstigsten Aussiedlerzahlen über mehrere Jahre hinweg fällig würde, hielt Schröder ihn für akzeptabel. Doch erst seit dem Jahr 1969 war es soweit, dass einige Tausend Landsleute jährlich - wenn auch mit Schwankungen - die alte Heimat verlassen konnten. Durch die Preisentwicklung und durch rumänische Begehrlichkeit musste der Kopfpreis mehrmals hinaufgesetzt werden. Als dann im Januar 1978 Bundeskanzler Helmut Schmidt im Gespräch mit Staatschef Ceausescu einen schriftlich nicht festgehaltenen Konsens erreichte, wonach Rumänien angesichts einer neuen Kopfquote jährlich rund 11.000 Deutschen die Ausreise ermöglichte, begann, ganz im Sinne der Landsmannschaften, die Familienzusammenführung sich allmählich zur Aussiedlung auszuweiten. Bukarest bestand auch weiterhin auf dem Begriff Ausreiseerlaubnis aus humanitären Gründen und auf dem der Familienzusammenführung. Das machte Ausreisewilligen ohne nähere Verwandte in Deutschland die Antragstellung in der alten Heimat schwer. Es hat selbstverständlich auch nicht zu unterschätzende Widerstände gegen die Aktion gegeben, aussiedlungswilligen Landsleuten zur Verwirklichung ihres Menschenrechts auf Freizügigkeit zu verhelfen. Solche bestanden in Deutschland und in Rumänien: in Deutschland in den Reihen der Ostdeutschen und bei einer kleinen Gruppe von Siebenbürger Sachsen, die der Vorsitzende des Hilfskomitees Hans Philippi um sich geschart hatte; in Rumänien bei der Regierung in Bukarest, die einerseits angesichts von Abwanderern Prestigeverlust befürchtete, ja überhaupt den Eindruck vermeiden wollte, sie könne von außen beeinflusst werden, andererseits durch verschiedene Maßnahmen den Kopfpreis hinauftreiben wollte; dann bei der Evangelischen Kirche in Siebenbürgen. Allen aussiedlungshemmenden Tendenzen und Aktionen entgegenzuwirken kostete es die Vertreter der beiden Landsmannschaften der Deutschen aus Rumänien, die ihre Aufgaben damals wie heute neben ihrem Beruf ehrenamtlich wahrnehmen, ungeheure Kräfte, die zugunsten der Eingliederung der Landsleute in Deutschland und zur Hilfe der in Rumänien Verbliebenen unendlich viel besser hätten eingesetzt werden können. 1981 war es notwendig geworden, zur Förderung der Aussiedlung auch bei der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid präsent zu sein. Dr Kurt Schebesch, der inzwischen verstorbene heimatpolitische Sprecher der Landsmannschaft, hat dort nicht nur erwirkt, dass der bundesdeutsche Delegationsleiter, Jörg Kastl, unser Problem ansprach und auch Rumänien an seine in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen auf dem Gebiet der Menschenrechte erinnerte, sondern auch unmittelbar den rumänischen Diplomaten demonstrierte, dass die im Westen lebenden Deutschen aus Rumänien nicht nachlassen würden, für das Recht ihrer Brüder und Schwestern im Donau- und Karpatenland einzutreten, die Entscheidung selbst zu treffen, wo sie künftig leben wollen. Es war den Vertretern unserer Landsmannschaften immer bewusst, dass nicht nur die Aussiedlung, sondern auch die Eingliederung unserer Landsleute eines breiten Konsenses in der Öffentlichkeit bedarf. Er blieb lange Zeit aus, weil die Landsmannschaften nicht ausreichend publizistische Mittel hatten, um die Probleme der Menschen in der alten Heimat weit hinaus zu tragen. Die Sensationen, die hierfür die bundesdeutsche Presse benötigte, lieferte das rumänische Regime selbst durch die Not und das Elend, die mit den Deutschen alle Bürger Rumäniens traf: durch die miserable Versorgung mit Lebensmitteln, die langen Menschenschlangen vor meist leeren Kaufläden, durch eine Brennstoffversorgung, die keine mehr ist, durch Strom- und Wasserabschaltung und schließlich durch die von Ceausescu "Systematisierung" genannten, wahnwitzigen Pläne der Dorfzerstörung. Diese Publizität fiel zeitlich zusammen mit der Forderung unserer Landsmannschaft, die Zahl der Aussiedler aus Rumänien mindestens zu verdreifachen, die ich vor 12 Jahren bereits einmal beim Heimattag in Dinkelsbühl erhoben hatte, fiel auch zusammen mit der Steigerung der Zahl der Aussiedler aus Polen und Russland und der ständigen Zuwanderung von Asylanten und solchen, die es gern sein wollen. Die ansteigende Zahl der in die Bundesrepublik Deutschland einwandernden Menschen stellt nicht nur an den Haushalt des Bundes, sondern auch an den der Länder und Kommunen nicht zu geringe Ansprüche. Sicher fürchten manche entsprechend der Erfahrung mit den Bundeszuschüssen für die Anforderungen aus dem Fremdrentengesetz neue, bisher nicht vorgesehene Belastungen. So wird verständlich, dass der Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel (CDU) sich erst skeptisch gegenüber einer verstärkten Aussiedlung äußerte, dann - in völliger Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse - Absprachen mit den Regierungen der alten Heimatländer empfahl, Aussiedlerquoten zu vereinbaren, die eine "geregelte" Aufnahme in die Bundesrepublik ermöglichen. Wenn der Ministerpräsident des Saarlandes, Oskar Lafontaine (SPD), angesichts der Finanzsituation seines Landes sicher von größeren Sorgen geplagt, gar zu unqualifizierten Äußerungen greift und Aussiedler und Asylanten gegeneinander auszuspielen versucht (wofür er - wenn auch ohne Namensnennung - vom EKD - Rats Vorsitzenden und Berliner Bischof, Dr Martin Kruse, getadelt wurde), kann das bestenfalls der Auftakt für einen Wahlkampf sein. Es hat immer Äußerungen von schlecht informierten Politikern zu unseren Problemen gegeben; oft war es schwer, ihnen die wahren Verhältnisse darzulegen. Diesmal war es nicht nötig. Die beiden genannten Politiker sind nicht nur - wie üblich - vom politischen Gegner angegriffen worden, sie wurden, z. T. recht heftig, von ihren eigenen Parteien zurückgepfiffen. Im Rückblick auf die landsmannschaftlichen Aktivitäten in der Frage der Zusammenführung der Deutschen aus Rumänien in der Bundesrepublik Deutschland kann festgestellt werden, dass Heinrich Zillich gemeinsam mit Peter Ludwig die ersten - zahlreichen - Schritte unternommen haben. Erhard Plesch suchte mit Hilfe des Patenlandes das diesbezügliche Engagement der Bundesregierung stärker zu aktivieren, knüpfte aber auch direkt Kontakte zu den Machthabern in Bukarest, die darin gipfelten, dass er zweimal von Ceausescu empfangen wurde. Von ihm wurden 1963 die Grundsätze formuliert, die bis heute die Heimatpolitik der Siebenbürger Sachsen bestimmen: 1. Niemand darf einen Siebenbürger Sachsen zwingen, seine alte Heimat zu verlassen. 2. Niemand darf einen Siebenbürger Sachsen zwingen, in seiner alten Heimat zu bleiben. 3. Wir sehen es als unsere Pflicht an, jedem Siebenbürger Sachsen, der sich aus freier Entscheidung dazu entschließt, die alte Heimat zu verlassen, jede nur mögliche Hilfe zu geben. 4. Wir sehen es aber gleichzeitig auch als unsere Pflicht an, jedem Siebenbürger Sachsen, der sich aus eigener freier Entscheidung entschlossen hat, in seiner alten Heimat zu bleiben, zu helfen, wenn er in Not gerät. Diese Grundsätze bleiben auch gültig, nachdem an der Jahreswende 1989/90 mit der "unvollendeten Revolution" in Rumänien die Ausreise freigegeben wurde, während die Bundesrepublik Deutschland sich veranlasst sah, die Einreise von Aussiedlern hierher zu bremsen und den Vertreibungsdruck von aussiedlungswilligen Landsleuten aus Rumänien zu verneinen, d.h. ihnen den Vertriebenenstatus zu nehmen, auch wenn angesichts der Erklärung "Das Tor bleibt offen" den Menschen deutscher Volkszugehörigkeit der Zuzug ins Mutterland nicht verwehrt werden soll. Von der Landsmannschaft beschäftigte Aussiedlerbetreuer - deren Zahl erhöht werden musste - bekamen in den letzten mehr als zwei Jahren neue Aufgaben. Die Landsmannschaft aber erhält die schwerste: der bundesdeutschen Politik verständlich zu machen, dass Regelungen notwendig sind, die zum Thema der aussiedelnden Deutschen aus Rumänien den sinnwidrigen Unterschied vermeiden, dass es hier zwei Arten von Siebenbürger Sachsen gibt, solche, die in den Genuss der Vergünstigungen der Vertriebenengesetze kommen, und solche, nämlich diejenigen, die am längsten alle Unbill, unter kommunistischer Herrschaft leben zu müssen, ertrugen, denen man diese Vorteile versagt. Zu lange hat unser Stamm in den letzten 52 Jahren Auseinanderreißungen und willkürliche Behandlung durch andere erduldet er wird nicht ausgerechnet im Lande aller Deutschen eine unterschiedliche Behandlung seiner Zugehörigen hinnehmen.

Abschied von der alten Heimat
Der feierliche Rückblick auf 850 Jahre Geschichte der Siebenbürger Sachsen, der 1991 in der Frankfurter Paulskirche die Leistung und den Mut unserer Vorfahren vor dem geistigen Auge der Zuhörer erstehen ließ, war zugleich eine Bestandsaufnahme, die das Sein des Sachsentums beleuchtete. Im Sinne des Verlassens der alten Heimat hat sich seither wieder einiges in Richtung des Schwindens der dort verbliebenen Zahl geändert: Sie ist heute eine unbedeutende Größe nicht zu vergleichen mit der enormen Zahl von Fremden, die derzeit nach Deutschland hereindrängen. In Siebenbürgen leben die Deutschen vorwiegend in den Städten, die Dörfer sind fast ganz von ihnen entvölkert. Etwa die Hälfte ist aussiedlungswillig. Nur in den anderen Landesteilen Rumäniens, vor allem in Bukarest, leben einige Siebenbürger Sachsen, deren Ausreisewille schwer ermittelbar ist. Wer allerdings glaubt, durch wirtschaftliche Anreize das Verbleiben von Landsleuten in der alten Heimat zu fördern, geht am Hauptmotiv für die Auswanderung vorbei: dem Willen als Deutscher unter Deutschen zu leben. Doch auch ein wirtschaftliches Motiv, in Rumänien zu bleiben, wird es nur selten geben, denn gerade die dortigen Kenner der Lage haben keine Hoffnung auf generelle Besserung und werden keine positive Änderung abwarten wollen, die vielleicht erst in Jahrzehnten eintritt. Das "unus sit populus" des Andreanischen Freibriefs von 1224 gewann in unserem Jahrhundert eine neue, bis dahin unvorstellbare Perspektive. Nicht nur wurden die familiären und freundschaftlichen Kontakte der Siebenbürger Sachsen in Deutschland zu den in Siebenbürgen Zurückgebliebenen enger geknüpft, sobald Post, Zoll und grenzüberschreitender Verkehr dies in der Nachkriegszeit ermöglichten, auch die ständigen, nie unterbrochenen Beziehungen zu den Landsleuten in Österreich und ihrer Landsmannschaft fanden eine Entsprechung in dem Zusammenwirken mit der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Kanada und der Alliance of Transilvanian Saxons (Zentralverband der Siebenbürger Sachsen) in den Vereinigten Staaten von Amerika. Seither bestehen ein reger Austausch von Blasmusikorchestern, Chor-, Jugend- und Tanzgruppen von Kontinent zu Kontinent und die inzwischen institutionalisierten Spitzengespräche der Bundesvorsitzenden. Diese haben 1972 feierlich erklärt: "Wir bekennen uns zum Grundsatz der Erhaltung siebenbürgisch sächsischer Eigenart und Tradition. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, uns für die Pflege des Gemeinschaftsbewusstseins einzusetzen, und betrachten die von uns vertretenen siebenbürgisch sächsischen Gruppen über Grenzen hinweg als eine durch Abstammung, Sprache und Schicksal geprägte Einheit. Wir setzen es uns zum Ziel, als loyale Bürger der Länder, in denen wir leben, dem Interesse unserer Landsleute und auf der Grundlage der Menschenrechte der Verständigung von Volk zu Volk zu dienen." So war auch die Hilfe weltweit, die den in Siebenbürgen Verbliebenen zugute kam, zu deren politischer, nationaler und menschlicher Not in immer stärkerem Maße die wirtschaftliche hinzukam, besonders auf dem Gebiet der Ernährung. Vor allem das Sozialwerk der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland hat unendlich viel Gutes getan und seine Hilfen ausschließlich den Landsleuten in Siebenbürgen zugute kommen lassen, nicht zuletzt die Versorgung mit Medikamenten, bei der das Deutsche Rote Kreuz behilflich war. Binnendeutsche karitative Einrichtungen, private und öffentliche, haben das Sozialwerk unterstützt. Doch auch jeder einzelne Landsmann hat Opfer für die Seinen daheim erbracht - doppelt belastet durch diese und den Aufbau der eigenen Existenz in Deutschland. Darüber hinaus aber sammelten die Sachsen - vor allem durch die Heimatortsgemeinschaften - um in der alten Heimat hier eine Kirchenglocke, dort ein Kirchendach, hier eine alte Orgel oder die Restaurierung eines dem Verfall preisgegebenen ganzen Gotteshauses zu verwirklichen, anzuschaffen oder instand zu setzen. Unsere Landsmannschaft hat als Vertretung des Sachsentums allen großen Dank zu sagen. Millionenbeträge sind von Landsleuten und anderen für die Schwestern und Brüder im Karpatenland aufgebracht worden; und dies hat sich bis heute nicht geändert. Unverfälscht besteht auch das sächsische kulturelle Leben weiter - nun wohl im Westen sicherer als in der siebenbürgischen Heimat. An den Heimattagen in Dinkelsbühl kommt ein Großteil der Landsleute zusammen; die vielen Trachten, die Tänze der Jugend sind nur zwei Ausdrucksformen lebender Tradition. Und am Abend pilgert man bei Fackelschein zu der hier von der Landsmannschaft errichteten Gedenkstätte, um den Toten der Kriege und auch denen in der ganzen Welt nahe zu sein.

Einen großen Strauß von Aufgaben und Pflichten hat die Landsmannschaft seit ihrer Gründung auf sich genommen. Sie alle wären nicht zu bewältigen, stünden nicht in den Kreisen, Städten und Dörfern siebenbürgisch sächsische Gruppen zueinander und bereit, jeden Ruf zu hören, den die Leitung der Landsmannschaft an sie ergehen lässt. Eine unendliche Fülle ehrenamtlicher Arbeit haben Landsleute vor ihnen schon 40 Jahre lang auf sich genommen, um unserer Gemeinschaft zu dienen, ebenso viele Ungenannte, die immer bereit sind, sich zur Verfügung zu stellen, wenn sie gebraucht werden. So verkörpern sie beste sächsische Tradition. Das Land, in das die Ahnen einst aus Deutschland zogen, wird in alten Urkunden "deserta" (Wüstenei) genannt, womit ungerodete, nicht unter den Pflug genommene Landstriche gemeint sind. Die Nachfahren, die kein "desertum" zurückließen, als sie ins Mutterland zurückkehrten, erfahren nun den "Horror vacui" (den "Schrecken vor der Leere"), wenn sie an die Mauern, Kirchen, Schulen und Häuser zurückdenken, die einst ihnen oder den Ihren gehörten. Auch das, was andere in Besitz genommen haben, ist nicht mehr das, was es war - es fehlt dort der sächsische Laut, die sächsische Seele.
Die Aktivitäten, die unsere neue Heimat im Mutterland schufen, waren nicht allein von Gefühl und Sehnsucht bestimmt, sondern auch von der geschichtlichen Erfahrung durch Generationen, von Verstand und einem weitblickenden politischen Urteil. Sie ermöglichten es, der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen im Herzen Europas ein neues Zuhause zu geben, als sie im Karpatenland nicht mehr das sein konnte, was sie einst war und zu ihrem Fortbestand sein musste. Die Entscheidung, in das Land der Vorväter zurückzukehren, ist im richtigen Zeitpunkt mit der notwendigen Würde vollzogen worden.


Frühere Aufsätze von Herrn Dr Wilhelm Bruckner aus denen Absätze z.T wörtlich übernommen wurden:

Am Vorabend des Exodus. In: Südostdeutsche Vierteljahresblätter, Jg. 3 7/1988, Folge 2, 5. 135 ff.

Die Südostdeutschen in der Urheimat. In:
Südostdeutsche Vierteljahresblätter,
Jg. 37/1988, Folge 3, 5. 219 ff.

Die Landsmannschaft als neue Gemeinschaftsform. In: Wir Siebenbürger.
Wort und Welt Verlag Innsbruck 1986, S. 108 ff.

Politik als geschichtliche Aufgabe - die Aussiedlung der Deutschen aus Rumänien in die Bundesrepublik Deutschland. In: Rumänien nach 1945. Kulturreferat der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. München 1989, S 152 ff.

Ein weiterer Abdruck des Vortrags erfolgt in der Vierteljahresschrift "Kaindl-Archiv" Heft 12/4 Neue Folge des Bukowina-Instituts Augsburg



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Seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg in unserer Vortragsreihe im Bukowina-Institut.



Es ist nicht schlecht wenn ein Europaabgeordneter diese Broschüre in seiner Bibliothek hat.