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Begebenheiten in- und außerhalb der Schule
(aus der Broschüre des Klassentreffens 1952-97, das ich in Augsburg organisiert.)






Ein Bericht den 2 Volksschulklassen bezeugen.



Auszug.


Prof. Mausi sagte bei unserem ersten Klassentreffen:
"In diesen zwei Klassen wehte ein besonderer Geist."

Vorwort
Keiner von uns ist Literat geworden. So konnte ich keinen Fachmann bitten, über schulische Begebenheiten zu schreiben. Es musste aber getan werden. Es sind unsere Erlebnisse, unser gelebtes Leben vor einem halben Jahrhundert. Das festzuhalten ist meiner Ansicht nach, der Mühe wert. Dies insbesondere deswegen, weil wir einer untergehenden europäischen Kulturgruppe angehören.
Wenn etwas nach meinem Ermessen für die Allgemeinheit zu geschehen hatte und nicht geschah, fühlte ich mich immer verpflichtet es zu tun, ohne Rücksicht auf Geld, Gesundheit oder Freiheit. Dies ist der Leitfaden, der mein ganzes Leben durchzieht.
Ich glaube, hiermit doch so manches, dem einen oder anderen in Erinnerung bringen zu können, da er Zeitzeuge dieser Erlebnisse war.


Im Herbst ´49,
wurden wir, eine Gruppe von Schülern der Martinsberger Schule, nach Bartholomä, in die 5. Klasse eingeschult. Dadurch wurde die Klasse geteilt. Ein neuer Lebensabschnitt begann.

Gewohnt, mich manchmal mit der Faust durchzusetzen, geriet ich im Schulhof bald an "Tex". Nachdem ich meine Abreibe erhalten hatte, gibt es diesbezüglich aus den folgenden Jahren aus dem Schulhof nichts mehr zu vermerken.

Sigrid Brenndörfer und Anneliese Kraus haben mich einmal in die Mangel genommen. Danach wusste ich, dass das schwache Geschlecht hart zupacken kann.

Beneidet habe ich immer Hanni, wegen seiner Stimme.

Das Neueste in unseren 2 Klassen waren die tollen Mädels. Während die Jungen noch Fußball spielten, hatten sie sich nach alter Tradition zu Kränzchen zusammengetan. Der einzige, der mehr Umgang mit ihnen hatte, wurde von den andern Mädelkönig genannt. Bald schalteten wir Dazugerasten uns ein. Es war toll ins Kränzchen zu gehen. Flaschen drehen, Pfänderspiele mit Pfandauslöse, z. B. Sternezählen, oder Strom (weißt du noch, wie das ging?) oder Dunkelversteckes, wobei die ersten Küsse ausgetauscht wurden. Die ersten Tanzschritte wurden einstudiert, wobei der Volksempfänger oft abgedreht werden musste, da er sich sonst überhitzte. Wie oft haben wir abends im Dunkeln am Gassentor gefroren.

Einfach waren diese Wege nicht. Immer wieder wurden wir auf den Straßen von rumänischen Jugendlichen überfallen und verprügelt. Auf Adolf, weil er blond war, hatten sie es besonders abgesehen.

In den Jahren ´45 bis ´52 hatten wir Deutsche viel zu leiden. Verhaftungen, Deportation, Totalenteignungen, Willkür auf allen Ebenen. Auf der Straße wurden wir Kinder grundlos von den Rumänen verprügelt und das nur, wenn sie in der feigen Überzahl oder größer als wir waren.

In der zweiten Klasse (Honterusschule) überfielen uns 1945, einmal zu Mittag, als wir aus der Schule kamen, mehrere Klassen der jüdischen Schule, die von einem jüdischem Lehrer angeführt wurden, die mit Stöcken auf uns einprügelten. Am Tag darauf sind unsere Lehrer in die Nachbarschule gegangen und haben sich beschwert.

Wenn man am Nachmittag zu einem Freund ging, tat sich oft plötzlich ein Tor auf und 6 - 8 Jugendliche stürmten heraus und schlugen dich zusammen. Bei so einem Überfall habe ich ein Messer abgewehrt, das mir einer in den Bauch gestoßen hätte. Er hat nur knapp die Pulsader der linken Hand verfehlt. Die Narbe ist auch heute noch sichtbar.

In einem Nachbardorf (Heldsdorf) hatte ein Sachse weniger Glück. Einfach so im Vorbeigehen wurde ihm ein Messer grundlos in den Bauch gestoßen. Er starb daran. Sein Mörder wurde eingesperrt, tauchte aber nach kurzer Zeit im Dorf in Staatssicherheitsuniform auf. Sie haben sich die Richtigen ausgesucht.

Es kam so weit, dass wir auf dem Heimweg aus der Bartholomäer Schule größere Umwege machen mussten, um nicht verprügelt zu werden. An der rumänischen Schule konnte man nicht vorbeigehen. In meinem Hosenbein trug ich als Waffe einen Strick von 50 cm Länge, in den dicke Eisenmuttern eingeflochten waren.

Als es uns eines Tages zu bunt geworden war, ereiferten wir uns und wollten mit der rumänischen Schule abrechnen. Alle Mädchen und alle Jungen der zwei siebenten Klassen gingen geschlossen los. Auf der Brücke in der Mittelgasse blieben wir stehen und sahen, wie die Schüler aus der ungefähr 500 m entfernten rumänischen Schule herauskamen.

Nun gingen wir ihnen entgegen, dabei wurden wir immer weniger. Zum Schluss blieben wir nur zu dritt. Peter H., Werner Jedrejowsky und ich. Bevor wir an der Kreuzgasse ankamen, kam uns eine Gruppe Rumänen entgegen.

Provokativ flog uns eine Schultasche entgegen, die einer von uns mit dem Fuß in den Bach stieß. Darauf folgte der Angriff.

Ich wurde von einem Raufbold angesprungen, machte eine Drehung und schleuderte ihn in den Bach, wo er sich beim Sturz den Unterarm brach. Als er schrie, er habe die Hand gebrochen, hörte die Kampfhandlung auf.

Dieser Kampf war beendet. Einige seiner Klassenfreunde gingen mit ihm weiter, andere rannten, um Verstärkung zu holen.

Auf der Brücke der Kreuzgasse - Mittelgasse stand ich zum Schluss allein, umzingelt von einer Schar rumänischer Schüler.

Es muss Herbst gewesen sein. Ich trug eine gefütterte Lederkappe, die über die Ohren ging und unter dem Kinn festgebunden war, hatte Handschuhe an und in der Faust einen Lederriemen mit einer Schlaufe an einem Ende und einer großen Mutter am anderen. Damit wollte ich, wenn mehrere sich gleichzeitig auf mich stürzen, wie Taras Bulba mit seinem Morgenstern auf die Köpfe meiner Gegner wie mit einem Totschläger einschlagen.

Obwohl ein großer Kreis um mich war, wurde ich nicht angegriffen, bis eine lange Hopfenstange auftauchte (einen Kopf größer), der es mit mir aufnahm.

In kurzer Zeit hatte ich ihn niedergeboxt. Mit blutender Nase und Mund haute er ab. Danach ging ich weiter im Kreis herum um zu sehen, wer sich mir da noch entgegenstellen würde.

Eine Schar von rum. Schülern kam hinter einem Zerlumpten auf mich zu. (Wie ich später erfahren habe, hatten sie ihm Geld gegeben) Nun gab ich Hasenpanier. Er lief mir eine Zeit lang mit der ganzen Meute in der Langgasse nach, bis wir beide aus der Sichtweite der anderen waren. Danach hat er es sein lassen.

Jahre später fragte ich jemanden, der damals dabei war, warum sie mich nicht angegriffen hätten? Als Grund gab er an, dass sie das mit dem Armbruch mitbekommen hatten, auch glaubten sie, ich hätte ein Messer in meiner Faust versteckt.


Es müssen die Hetzparolen, die Hetzfilme und die Möglichkeit, sich am Hab und Gut der Deutschen zu bereichern, ausschlaggebend gewesen sein, die diese Situation hervorgerufen haben. Rumänien, das, unaufgefordert von der "Achse", seinen eigenen Krieg gegen Russland begonnen und geführt hatte, hatte sich, als die Russen vor der Grenze standen, nach dem Wind gedreht und verstand sich nun als tapfere, strafende Siegermacht gegen alles deutsche.

Als deutsche Bevölkerung, die sie als Minderheit, nach der Einverleibung Siebenbürgens nach dem ersten Weltkrieg vor 25 Jahren, mit 2 Millionen Ungarn mitbekommen hatten waren wir einfach über Nacht vogelfrei. Man konnte sich an uns bereichern und machen, was man wollte.

Nie in der 800-jährigen Geschichte, in der Deutsche, Rumänen und Ungarn in Siebenbürgen nebeneinander gelebt haben, hat es Ausschreitungen der deutschen Bevölkerung gegenüber der rum. Bevölkerung gegeben, die solche Maßnamen als Vergeltungsmaßnahmen gerechtfertigt hätten.


Meine Unterlippe ziert auch heute noch eine Narbe vom Schlag eines Erwachsenen, den ich als Achtjähriger in einer Autobusstation erhalten hatte, weil ich deutsch mit einem Schulfreund sprach. "Red' Rumänisch, du isst rumänisches Brot." Dann folgte der Schlag, wahrscheinlich mit einem Schlagring.

Dies, obwohl die deutsche Sprache in Rumänien nicht verboten war.

In den 70ger Jahren, obwohl die Verfassung die Benützung der Muttersprache den Minderheiten erlaubte, durften man in den Fabriken nur Rumänisch sprechen.


Die Arkade über meinem rechten Auge wurde mir geöffnet, als ich einem Schulfreund zu Hilfe sprang, den eine ganze Junioren- Fußballmannschaft aus dem einzigen Grund, weil er blond und somit als Deutscher zu erkennen war und nichts ahnend daherkam, zusammenschlagen wollte.

Ich befand mich unweit von ihnen und hatte alles mitbekommen. Zuerst kam die Provokation durch einen Jüngeren, der ihn anspuckte. Ich sprang hinzu, gab ihm eine kräftige Ohrfeige und schrie: "Falle!!"

Da setzten sich die anderen auch schon in Bewegung. Wir liefen, was wir konnten. Aber zum Schluss wurden wir auf der Tribüne ganz oben mit dem Rücken zur Wand, gestellt.

„Warum hast du den Kleinen geschlagen?“ Und schon hatte ich einen Fausthieb in der ungedeckten Magengegend.

„Ich war doch zwischen euch und habe gehört wie ihr sagtet, schaut da kommt ein Deutscher, kommt verprügeln wir ihn“. "Was hat er euch getan?".

Der nächste Fausthieb traf mich ins Gesicht.

Jekel, ein Klassenkollege, kam hinzu, doch helfen konnte er uns nicht, da einige aus seinem Stadtviertel waren. Es wäre auch nur zu seinem Nachteil gewesen. Wir wären dann auch nur 3 gegen ca. 16 gestanden und er hätte danach mehr Probleme in seinem Stadtteil gehabt. Er versuchte zu vermitteln aber es half nicht. Wir mußten unser Fett abbekommen. Ich weil ich den Kleinen geschlagen hatte und mein Schulfreund (er war in der 7, ich in der 6 Volksschulklasse) weil er als Deutscher noch nicht verprügelt war.



( Tribüne vom Bartholomäer Sportplatz)

Als der Vorschlag laut wurde, uns über die Balustrade (c.a.10 m) hinunterzuwerfen, versuchte ich einen verzweifelten Ausbruch.

Ich schrie laut „Peter“ und winkte mit beiden Händen. Alle sahen in die Richtung. Der Älteste unter Ihnen, (ich war 13, er wahrscheinlich 18) der eine Stufe tiefer vor mir stand drehte seinen Kopf auch um.

Das war der Moment. Einen kräftigen Tritt in seinen Bauch das er nach hinten stürzte.

Die nächste Reihe, die um uns stand, fing ihn auf.

Ich sprang in die somit geschlagene Breche. Doch um sonst. Die von den Seiten packten zu und ich befand mich im nächsten Moment inmitten einer Traube von Händen und Füßen, die an mir hingen. Wir rollten über die steinernen Sitzplätze die Tribüne hinunter.

Als sie sich an mir satt geschlagen hatten, ließen sie mich laufen.

Ein Steißbeinbruch, der mir jahrelang zu schaffen machte (zumal in der Schulzeit beim Sitzen und bei Wetterwechsel sich auch heute noch meldet), sowie eine Narbe, Arkadenöffnung, über meinem rechten Auge die stark blutete und von einem Arzt genäht wurde sind die bleibenden Erinnerungen.

Ich hatte das Gefühl, dass meine Gesichtshaut 2 cm angeschwollen war. Gut, dass mein Nasenbein nicht gebrochen wurde.

Der Groß der Meute hatte sich mit mir beschäftigt. Mein Schulfreund hatte weniger Gegner und ist besser davongekommen. Besser? Nach 2 oder 3 Jahren ist er an Brustkrebs gestorben. War ein Schlag der Auslöser?


Jahrelang musste man immer damit rechnen, wenn man durch die rumänische Vorstadt im Winter in die Schulerau zum Skifahren ging, von Rumänen angegriffen zu werden. Beliebt waren wir als Zielscheibe, die man heimtückisch von hinten, in Deckung eines Tores oder Zaunes mit Steinen bewarf. Eine Narbe an meinem Hinterkopf zeugt auch heute noch davon.


Das alles soll nicht sagen, dass ich nicht auch Bekannte unter den rum. Jugendlichen hatte, die sich für mich eingesetzt haben.


Physik, Chemie, Mathe, Sport, waren meine Lieblingsfächer. Zu Hause wurde viel experimentiert.

Hans Gustav Morawetz (Butzi) verfügte über ein reiches Arsenal an chemischen Substanzen, da er im Garten der Seifenfabrik wohnte, in der es auch ein chemisches Labor gab. Am Anfang war ich der Ständer, der die Probiergläser hielt und so manche Säure tapfer über die Finger innen ließ, die dann am anderen Tag, je nach Säure, eine andere Art von Verbrennungsfarbe vorwies, die ich heroisch zur Schau trug. Als wir dann gescheiter wurden, nahmen wir Seilklammern zu Hilfe.

Fantastisch waren die roten, ätzenden Dampfwolken, die durch Butzis Küche schwebten. Schießbaumwolle, und andere Substanzen mit guter Böllereigenschaft wurden hier zusammengemixt.

Zu der Zeit lief in Kronstadt der Film "Salariul groazei", in dem es um einen Nitroglyzerintransport ging.

Nitroglyzerin !
Damit könnte man in der Schulerau den verschütteten Gang in der Milchsteinhöhle (Angabe meines Großvaters, in Wirklichkeit gibt es den Gang nicht) aufsprengen! Schwefel und Salpetersäure zu besorgen war für Butzi kein Problem. Das Glyzerin, das seine Mutter sich für die Hände gekauft hatte, musste her. Peter Heichel war mit von der Partie.

Da außer uns niemand zu Hause war, stellten wir den Küchentisch vorsorglich vors Haus, stellten die Chemikalien bereit und als der letzte Tropfen im Probierglas war, fanden wir drei uns in Deckung unter dem Tisch wieder.

Das Herz pochte uns bis in den Hals. Und jetzt? Nichts geschah! Nachdem eine Zeit vergangen war, wurden wir immer mutiger. Zuerst robbte Butzi in die Küche, von wo er einen Wandspiegel holte. Nun, über den Spiegel, konnten wir sehen, was sich auf dem Tisch zutrug. Das aber war herzlich wenig. Nun wurden wir immer dreister. Peter klopfte von unten an den Tisch, um das Nitroglyzerin zu erschüttern und so zur Explosion zu bringen; ich habe mir fast in die Hosen gemacht.

Danach hielt ich zitternd den Spiegel, während Butzi mit einem Ästchen, an dem ein angezündeter Lappen hing, durch den Spiegel die Lage peilend, die paar Kubikzentimeter Nitroglyzerin zur Explosion zu bringen versuchte.

Nichts geschah. Nun nahm Butzi todesmutig das Probiergläschen in die Hand, während wir andern uns schnell in sichere Entfernung begaben.

Ein Tropfen auf einen Stein (wie im Film). Nichts. Aus größerer Höhe noch ein Tropfen auf einen Stein. Nichts geschah.

Mit Verachtung schüttete er den Inhalt in sein Krötenbassin (Siehe Etti). Experiment gescheitert.

Später analysierend, haben wir angenommen, dass Butzis Mutter die Schuld trug, weil sie Zitronensaft dem Glyzerin beigemengt hatte, um es für ihre abgearbeiteten Hände zu gebrauchen. Versucht aber haben wir es nicht mehr.

Als im Frühjahr '52 der junge Abiturient und spätere Chemieprof. Adleff von unserem großen Missgeschick erfuhr, machte er sich zu Hause an die Arbeit. Am nächsten Tag kam er mit verbundenen Händen in die Schule. Was er zusammengebraut hat, ist mir nicht klar, auf jeden Fall war er vorsichtig und hat aus seiner Büchervitrine eine Glasscheibe herausgenommen und sie vor sein Gesicht gehalten, bevor er sein brisantes Gemisch, über der Spiritusflamme schüttelnd, erhitzt hat.


Peter und Butzi haben nach dem Abitur in einem chemischem Labor gearbeitet. Ich hatte genügend Erfahrung gesammelt (siehe Etti "Die Hexenküche") und genug von chemischen Experimenten. Danach bekam Butzi all meine mir heiligen Utensilien geschenkt und ich wandte mich nur noch der Physik zu.

Als wir über das Licht lernten, fragte ich Frau Prof. Conrad: "Was ist das Licht?" Sie war entzückt, dass ein so junger Mensch sich diese Frage stellte und hat sich in den darauffolgenden Pausen des öfteren mit mir darüber unterhalten und mir von Einstein und Photonen erzählt.

Strom und Licht, in diesem Bereich sind auch 2 meiner Patentanerkennungen erfolgt.

Bevor ich aus Rumänien weg kam, habe ich nach einer Ausbildung am Atomphysikinstitut in Bukarest, 10 Jahre in der Flugzeugindustrie, in einer nuklearen Einheit mit Röntgen und Gammastrahlen gearbeitet.


1951, in der sechsten Klasse, als die Schüler in die Pionierorganisation aufgenommen werden sollten, sind wir, Edgar Weber und ich, zu jedem einzelnen unserer Klasse, der dafür in Frage kam, (die Noten waren dafür ausschlaggebend) nach Hause gegangen und haben uns abgesprochen, nicht einzutreten.

Am nächsten Tag sind alle bis auf die damals beste Schülerin Margret Götz in die Pionierorganisation eingetreten. Das sie es gewagt hatte den Eintritt, so wie sie es uns versprochen hatte, abzulehnen, war ein Schock für die Lehrer die verzweifelt nach einer Antwort suchten für den Fall das von höheren Ebene eine Anfrage kam.

Einige erzählten, sie hätten Prügel zu Hause bekommen. Dies aber nicht, weil sie oder ihre Eltern, die eben aus der Deportation zurückgekehrt waren, überzeugte Kommunisten waren, sondern weil sie Angst hatten, dass der Familie Schaden entstehen könnte.


Sport.

In der ungarischen Schule (abgerissen) hinter dem ARO gab es einen Turnsaal, wo wir Geräteturnen machen konnten. Als ich eine Rolle in den Ringen machte, entschlüpfte mir Einer unter lautem Getöse. Turnlehrer Goos sagte: "Was gibt's da, Turnen mit Musik?" Eine Zeit lang wurde ich damit aufgezogen.

Als 14-jähriger lief ich 60m in 8 Sekunden. Das ist auch heutzutage ein gutes Resultat.

Ballspielen, Team-Sport hat mich nicht gereizt.

Später habe ich einmal die Norm des "Meister des Sportes" erreicht, dann aber aus politischen Gründen das Kleinkalibergewehr niedergelegt und meine Sportlerlaufbahn beendet.

Aber als es die Bartholomäer Schule im Handball gegen die Heldsdörfer zu verteidigen galt, war ich selbstverständlich auch dabei.

Wir nähten aus schwarzen Stoffresten B H M ( Bartholomäer Handball - Mannschaft) auf unsere Turnhemden und am Sonntag darauf sollte das Spiel in Heldsdorf stattfinden. Alles gut und schön, aber leider gab es Knautsch mit meiner Mutter und ich konnte nur nach gemachter Hausarbeit von zu Hause weg.

Unterwegs traf ich Martin Olescher in der Mittelgasse vor seinem Tor, der auch nicht früher weg konnte. Ich überzeugte ihn, dass wir unbedingt dabei sein müssten und er kam mit.

Der Weg über 18 km zu Fuß war verdammt lang, das merkte auch bald mein lieber Freund Tinni, der mir liebevoll seinen Arm über meine Schultern legte und mir alles über das liebe Vieh und was mit einer Bauernwirtschaft zusammenhängt erzählte, erzählte und erzählte, während ich mich und ihn dahinschleppte.

Als wir ankamen, war die erste Halbzeit mit unserer Niederlage eben zu Ende. Frisch, wie wir nach den 18 km Landstraßenfußmarsch waren, sprangen wir in der zweiten Halbzeit ein und Tinni verbesserte unseren Punktestand. Danach wurde der Druck der Angreifer immens und als wir am Ende des Spieles zufällig bei einem Strafschuss unsere Gegner im Feld zählten, hatten die schlauen Heldsdörfer 2 Spieler mehr im Feld.

Im Burzenland sagt man "Der Heldsdörfer geht über den Juden." Hier haben wir es selber erleben können. Nach Hause hat mancher sich die 18 km Landstraße nur noch dahingeschleppt. 40 km Fußmarsch und ein Handballspiel war für manchen von uns 13Jährigen ein harter Brocken. Einige haben sich des öfteren im Straßengraben niedergelassen und sind erst bei Dunkelheit zu Hause angekommen.


1952 waren die Winterweltmeisterschaften in der Schulerau. Wir freuten uns riesig über die Erfolge der Deutschen, dabei rechneten wir die Erfolge aller deutschsprachigen Länder gegen andere Nationen und freuten uns, dazu zu gehören.

Am letzten Tag sind wir, eine größere Gruppe, bei der Siegesfeier gewesen. Es war Tauwetter; in kürzester Zeit hatten wir nasse Füße, dennoch hielten wir stundenlang im Schnee durch. Als die deutsche Fahne gehisst wurde, haben wir 14Jährige laut geschrien und uns mit Tränen in den Augen umarmt.


Am zweiten Ostertag zogen wir unsere schönsten Kleider an und mit Emil Streitfert (Satto), der auf der Ziehharmonika spielte, ging es nach alter Tradition von Mädelhaus zu Mädelhaus, die Mädels mit Patschuliwasser (Parfüm) zu bespritzen. Wir kamen uns großartig vor.

Nachdem wir überall Eierlikör und andere "geistreiche" Getränke aufgewartet bekommen hatten, versuchten wir auf den Gasrohren, die über den Mittelgässer Bach gelegt waren, als Beweis unserer Trinkfestigkeit herumzubalancieren, was freilich nicht jedem gelang.

Der Alkohol und das Süße brachten bald den einen oder anderen dazu, den Weg nach Hause zu Mutti einzuschlagen. Dennoch glaube ich, dass alle Klassenkolleginnen immer besucht worden sind.

Die Ungarn, die auch spritzen gingen, sagten ein schönes Verschen auf. Ich kam mir dabei wie ein Barbar vor, wenn wir zu Zehnt, singend und johlend ein Haus stürmten und nachdem wir gefragt hatten: "Ist's erlaubt zu spritzen?" über die Holde herfielen und sie praktisch einer Parfümdusche unterzogen.

Es hieß, dass am dritten Ostertag die Mädels spritzen gehen. Einmal im Leben habe ich Damenbesuch erhalten. Ich war ziemlich verdattert, als Margret Götz und Anneliese Kraus bei mir zum Spritzen erschienen. Ich weiß nicht, ob ich 5 richtige Worte herausgebracht habe. Gefreut aber habe ich mich doch, da ich Margret ein paar Tage zuvor, von ihrem Klavierspiel hingerissen, fast eine Liebeserklärung gemacht hatte.


In einem Zimmer der Bartholomäer Schule hatte man ein jüdische Familie einquartiert. Eines Tages war großer Aufruhr. Emil Streitfert hatte mit der Ziehharmonika auch das Lied "Auf der Heide steht ein kleines Blümelein und das heißt Erika" gespielt die Jüdin hatte die Schulleitung als "hitlerfaschistische Brutstätte" bei der Schulbehörde und der Kommunistischen Parteileitung angezeigt.

Als die Zuständigen den übersetzten Text vorgelegt bekamen, glätteten sich schnell die Wogen, weil die Rumänen aus diesem Volkslied nichts Klassenfeindliches erkennen konnten.


In die Schule wurde Erdgas eingeführt. Dafür wurde ein Acetylengenerator aufgestellt. Ein großer Kessel von ungefähr 100 Liter Wasser, in dem sich ein zweiter mit der Öffnung nach unten befand. In diesem zweiten befand sich ein Gitterkästchen, in das man vorher Karbidsteine hineingetan hatte. Durch die Gasentwicklung hob sich dieser Kessel aus dem Wasser, bis die Karbidsteine aus dem Wasser ragten und so kam die Acetylenerzeugung zum Stillstand. Am Boden des Gaskessels befand sich ein gekrümmtes Rohr, an das der Schlauch, der das Gas zum Brenner führte, befestigt war.

Für mich war das ein äußerst interessantes Gerät. Jeden Tag nach Beendung der Arbeiten wurde der Gasgenerator gereinigt und im Treppenhaus abgestellt.

Einmal kam ich früher in die Schule. Da stand das technische Wunderding, sauber und trocken und niemand dabei. Ob nach der Reinigung noch Gas da ist? Ist es eine explosive Mischung oder brennt es nur? Das musste ausprobiert werden.

Zündholz ran an das Gasaustrittsrohr und losging die Rakete. Ein Glück, dass sie Platz zum Fliegen hatte und nicht durch Abprallen auf mir gelandet ist.

Durch den Böllerschuss waren plötzlich Frau Brenndörfer und ein Haufen andere dabei, so dass mir ein unbemerkter Rückzug nicht gelang. Zugegeben habe ich mein Experiment nicht. Direktor Greger, Fachmann für Geschichte tat so, als würde er es mir glauben, dass ich nicht leichtsinnig mit Feuer gespielt habe.

Ich habe auch nicht leichtsinnig gespielt, ich habe bewusst ein Experiment durchgeführt und bin dabei zur einer lebenswichtigen Schlussfolgerung gekommen, dass Gefäße, in denen sich explosive Gemische mal befanden, auch nach ihrer Reinigung noch Gefahren bergen können.


Eines Tages erhielten alle Schulen in Kronstadt den Auftrag, Buchecker abzugeben. Das Quantum waren 2 Liter pro Schüler. Damit wir lernen, wie man sich bückt und was man unter welchem Baum aufheben soll, wurde an einem Nachmittag in den angrenzenden Buchenwald hinter dem Kuschmann ein Schulausflug organisiert.

Alles war gut und schön, bis Adolf ein Eichhörnchen entdeckte. Unser Jagdinstinkt war geweckt. Die Schleuder war auch immer dabei. Da unsere Treffsicherheit nicht allzugroß war, jagten wir zwei dem Tier immer weiter nach, bis von unserer Klasse nichts mehr zu sehen und hören war.

Es war so herrlich in diesem Wald. Bald stießen wir auf den Weg, der zum kleinen Hangestein führte. Ich erzählte Adolf von der dortigen Höhle und dem Loch, das der rum. Pfarrer aus der rum. Kirchengasse nach Angaben eines Rutengängers dort hatte graben lassen, um sich an dem legendären Schatz des ungarischen Königs Solomon (1061-1074) zu bereichern.

Das waren doch alles wichtigere Sachen als Buchecker zu sammeln. Bald war die Klasse vergessen und erst als es dämmerte, machten wir uns auf den Heimweg.

In der Zwischenzeit sammelte sich die Klasse zum Heimweg. Beim Abzählen fehlten zwei. Die waren halt auf einer Expedition, ohne sich vorher abzumelden. Wir waren doch nicht doof, das hätte auch nicht hingehauen. Die Klasse schwärmte im Wald aus, man rief unsere Namen, aber vergebens.

Auf jeden Fall hat die Lehrkraft bestimmt ein mulmiges Gefühl gehabt, mit 2 Schülern weniger aus dem Wald nach Hause zu kommen. Um 10 Uhr am Abend hielt Prof. Luca es nicht mehr zu Hause aus und stattete uns einen Besuch ab.

Große Erleichterung für sie, als sie mich zu Hause vorfand. Donnerwetter zu Hause, ein Donnerwetter speziell für uns zwei Sünder am nächsten Tag in der Schule. Zu unserer Verteidigung hatten wir nichts vorzubringen.

Als Strafe (sprich Erziehungsmaßnahme) wurde uns auferlegt, dass wir die doppelte Menge Buchecker abzugeben hätten. "Doppelt, wie doppelt? 10 Liter mehr werde ich auf den Tisch legen!" hör ich mich noch heute sagen.

An einem bestimmten Tag mussten sie abgegeben werden. Der Termin war kurz. Ich weiß auch heute noch, wo ich bis in die Dunkelheit am Schlossberg Buchecker geklaubt habe.

Zum Schluss mit Hilfe von Sigrid B., die mir bei der Abgabe beim Abmessen zu meinen Gunsten half, waren es 14 Liter, wofür ich dann bei der nächsten Schülerversammlung auch noch sehr gelobt wurde.

Wie viel Adolf auf sich genommen und danach abgegeben hatte, ist mir entgangen. Es war etwas weniger.

Wenn ich mich heute aus einer Gruppe entferne, melde ich mich immer ab.


Adolf Werner und Peter Leonhard hatten als einzige in der Klasse ein Fahrrad. Was haben wir nicht alles gemacht um damit auch eine Runde zu drehen.


Karl May wurde trotz offiziellem Verbot (in einem seiner Bücher sind die Kommunisten nicht gut weggekommen) viel ausgetauscht und gelesen. Grolla hatte die meisten. Ich hatte eine Zeit lang den Eindruck, daß da etwas abgefärbt hat.


Die Lehrer waren für uns Respektspersonen. In der zweiten und dritten Klasse gab es noch Stockhiebe, wenn wir unsere Aufgaben nicht gemacht hatten. Auch an der Wand stehen mit gehobenen Armen, die nach kurzer Zeit furchtbar schmerzten, war an der Tagesordnung.

In der 4. Klasse in Martinsberg lernten wir, gemeinsam mit unserem Lehrer Klein, Russisch. Zwei von uns konnten es bald besser als der Lehrer. Das Verhältnis zueinander stimmte.


Frühjahr 1952.
Viele, zumal Siebenbürger Sachsen, mussten Kronstadt innerhalb von 48 Stunden verlassen und sich mit ihrem Hab und Gut 60 km von Kronstadt entfernen. (Siehe SbZ) Die Familie von Adolf Werner, Peter Leonhard und Martin Olescher, sowie unsere Physik- und Chemie- Prof. Conrad hatte es ebenfalls getroffen.

Die Notsituation erkennend, habe ich meine Klassenkameraden aufgefordert, Betroffenen, bekannt oder Unbekannt, unentgeltlich in Gruppen zu je 3, zu helfen.

Ich selber bin durch die Stadt gegangen und habe mich umgeschaut, wo es nach Umzug aussah und Hilfe angeboten.

Wie ergriffen und froh war ein ältere Familie in der Burggasse, der wir Jungen: Peter Heichel, Edgar Weber und ich, ohne dafür etwas anzunehmen, dazu noch als Fremde und das aus eigener Initiative, beim Wohnungsräumen halfen.

Die Dankesworte des ehemaligen Oberst der rum. Armeer, in denen er von einem Volksbewusstsein, einer Verantwortung der Generationen füreinander als Selbstverständlichkeit und von Tradition, sprach, bewegten mich lange Zeit.

Der Rektor des Honterusgymnasium Franz von Killyen wurde, weil er solche Hilfsaktion der Schülern nicht vereitelt hatte, seines Amtes und seiner Lehrstelle enthoben und musste als Handlanger in einer Fabrik arbeiten.


Einer von uns hatte entdeckt, dass es einem gut kam, sich an einer bestimmten Stelle zu betätigen. Er glaubte es unbeobachtet in der Unterrichtsstunde tun zu können. Dabei ging er so weit, mit dem Schultaschenriemen seine Dreifaltigkeit festzuzurren. Als der Lehrer den herausragenden Riemen bemerkte, fragte er ihn: "Was ist, bändigst du einen Löwen?"


Im Schulhof spielten wir oft Räuber und Gendarm. Dabei konnte man seine Herzallerliebste einfangen und zur Sammelstelle abführen. Hierbei war Körperkontakt unvermeidlich, was oft redlich ausgenützt wurde. In so einer Situation sprang mir jemand plötzlich huckepack auf den Rücken. Von da an wusste ich, dass ich einen stillen Konkurrenten hatte. (Beide haben wir sie bis heute nicht gekriegt)


Lehrer.
Unserer Matheprof. Luca habe ich auch einmal eine Freude gemacht. In einer offenen Stunde in der ungarischen Schule hinter dem ARO hat sie uns den Pythagoras-Lehrsatz vorgetragen. Als erster in der Klasse begriff ich ihn und wandte ihn in einer Aufgabe an der Tafel an. Für sie war die Stunde gerettet. Später hat sie sich besonders bei mir bedankt.


Unsere Deutschlehrerin Petri stellte sich in der ersten Stunde als "Mausi" vor." Aber wehe, wehe, wenn mir jemand auf der Straße Mausi nachruft". Dabei rollte sie nur so ihre Augen. Wir haben es auch nicht getan. Sie lehrte uns gotisch schreiben, ich bin ihr auch heute noch dankbar dafür.


Mausi, Dete (Detesan) und die Anastasia Bulgakof habe ich mit meiner Rechtschreibung zur Verzweiflung getrieben.

Die erste Klasse hatte ich in der rum. Schule absolviert, weil meine Mutter Angst hatte, dass man die deutschen Kinder nach Russland verschleppt. Kann sein, dass ich durch den frühen Wechsel verkorkst wurde. Bis zu 100 mal habe ich ein Wort schreiben müssen und es dann doch fertig gebracht, es bei nächster Gelegenheit falsch zu schreiben.

Russisch war das einzige Fach, in dem ich in meinem Leben Nachprüfung abgelegt habe. Für Sprachen und deren Rechtschreibung hat Gott eine schlechte Partition auf meiner Festplatte ausgewählt. Physik und Mathe waren der Stoff, aus dem meine Träume gemacht waren.


"Itschu", Mausis Mann, gab uns eine eitlang Matheunterricht. Die aus den ersten Bänken hatten da ihre Probleme, denn wenn er so richtig in Fahrt geriet, hätten sie gerne einen Regenschirm aufgespannt.


Singen hatten wir mit der Frau Prof. Fleischer, "Tonika". Ich höre sie noch heute sagen "Den Text von politischen Liedern darf man nicht verdrehen, das ist für euch, eure Familie und für uns, die Schule, gefährlich. Ein deutsches Volkslied zu verschandeln ist eine Sünde." Wir haben es sein lassen. Auch heute kennt mancher aus dieser Zeit einen Text, bei dem die heutige jüngere Generation stumm bleibt.


Beim Verfassungsunterricht hatte es unser Direktor Greger besonders schwer mit uns. Wir haben ihn zur Verzweiflung getrieben, indem wir ihm die Diskrepanz zwischen dem, was in der Verfassung stand und der Realität, vorgehalten haben.

Ich sehe ihn, wie er den Klassenkatalog zuschlug und die Klasse fluchtartig mit den Worten verließ, dass er die U.T.M. verständigen wird, sie sollen kommen und uns "lamurieren" (Kommunistische Jugendorganisation, sie soll uns belehren). Wir waren bestürzt. Aber selbstverständlich hat er nichts unternommen, wir waren aus dem gleichen Holz.

Am Tag darauf, es war Sonntag, er spielte die Orgel in der Bartholomäer Kirche, hatte er ein längeres Gespräch unter 4 Augen mit einem von uns. Danach wussten wir, wie wir uns ihm gegenüber in der Verfassungsstunde zu benehmen hatten und wir taten es auch.

Wir hatten Glück. In Mühlbach wurde 5 Jugendlichen dafür ein politischer Prozess mit schweren Folgen angehängt.

In Petersberg (Heimatort meiner Mutter) wurde ein rum. Lehrer von einem Schulkind gefragt, ob die Sachsen denn nicht auch fleißige Menschen seien? In der Internationale heiße es doch: der Boden ist den Fleißigen, die Faulen sollen gehen, wohin sie wollen. Warum habe man uns enteignet?


1952 hatten wir, Weber Edgar und ich, uns abgesprochen, da laut Gesetz die Religionsfreiheit in Rumänien gewährleistet war, wir aber alle am Ostermontag in die Schule gehen mussten, den Schulunterricht zu torpedieren.

Gesagt, getan. Mit 2 Latten bewaffnet begaben wir uns frühzeitig in die Schule. Problemlos verrammelten wir die 2 Schultore von innen, sprangen über die Mauer und schicken die Schüler nach Hause. "Die schule ist geschlossen, bestimmt ist Schulfrei" war unsere Parole.


Nach einer Zeit brachte eine Mutter ihren Zögling zurück in die Schule, weil sie ihm nicht glauben wollte. Sie rüttelte fester am Tor, die Latte verschob sich und wir Unschuldslämmer gingen hinein. Was danach geschah, weiß ich nicht mehr. Etti hat mir diese Begebenheit unlängst in Erinnerung gebracht, war es doch eine belanglose Sache für uns zwei in der Zeit des kritischen Aufbegehrens, die aber leicht ins Auge hätte gehen können.


In Erdkunde mit Marianne Rudolf-Wolf hatten wir Landkarten zu kopieren. Diese Art von Lernen hat sich gut bewährt. Man wusste gleich nach den Umrissen, um welches Land es sich handelte.

dass Augsburg eine Hauptstadt ist, habe ich zum Staunen meiner hiesigen Mitbürger erst 30 Jahre später erfahren. Wenn man damit vergleicht, dass die hiesige Bevölkerung Siebenbürgen irgendwo in Sibirien vermutet, so glaube ich, dass sie uns doch so manches beigebracht hat.


Als die Not am größten war, wurden von unseren Lehrern die Familien, wo beide Elternteile vorhanden waren und arbeiteten, (durch den Krieg und die Deportation waren das wenige) aufgefordert, einmal in der Woche ein Kind zu Mittag zu verköstigen, was auch geklappt hat.


Sein Ruf war ihm vorausgeeilt, und dann stand er da. Werner Widmann, von seinen Freunden "Burschi" genannt. Nicht groß von Statur, ein sonniges Wesen.

Als Deutschland rief und aus Rumänien sich 1.000 deutsche Männer freiwillig aufmachten, war ihm der Weg bis an die Donau und von dort mit dem Schiff nach Wien zu zeitaufwendig. Mit 2 Koffern in der Hand traf er Tage vor den anderen in der Sammelstelle ein. Er sah Belgien und Frankreich. Sein Benehmen als Angehöriger der SS war solcher Art, dass er nach seiner Ausreise 1970 aus Rumänien die französische Familie, bei denen er einquartiert war, anschrieb, worauf sie ihn zu sich eingeladen haben.

Von Frankreich führte ihn das Schicksal zum Medizinstudium nach Berlin. Sein Praktikum machte er in den Katakomben von Budapest, wo er dann bei einem Ausbruchversuch aus dem Kessel in Gefangenschaft geriet. In Sibirien, im Lager, kam er wieder mit seinen Budapester Juden zusammen, die von den Russen hierher verschleppt worden waren, die er vorher, weil er ungarisch konnte, zu Sanitätsdienstleistungen einteilen musste. So mancher von ihnen war ihm dankbar, weil er sie immer korrekt behandelt hatte.

Nach 7 Jahren "begnadigt", fuhr er im bewachten Viehwaggon an Kronstadt vorbei ins Gefängnis Jilava bei Bukarest. Monate später war er endlich zu Hause. Seine Jugendzeit war für Deutschland geopfert. Jetzt hieß es neu anfangen. Prof. v Killyen, der ihn als besonders guten Turner aus seiner Jugendzeit kannte, setzte sich für ihn ein und seine Laufbahn als Sportlehrer begann, als welcher er hier in Deutschland in den achtziger Jahren in Rente gegangen ist.

Sein Umgang mit uns Jungen war einmalig: zackig, herausfordernd, motivierend, nicht überfordernd, dabei immer den mitreißenden Humor auf den Lippen, das war die Art, die ihn uns zum Idol, zum Vorbild gemacht hat. Als er uns in der ersten Stunde an den Ringen in dem Schuppen, der im Sommer unser Turnsaal war (der Bartholomäer Turnsaal wurde '44 als Lazarett requiriert und ist nie mehr zurückgegeben worden), einmal vormachte, was man da alles machen kann, und wir es dann heimlich ihm nachzumachen versuchten, was bei kläglichen Versuchen blieb, stieg unsere Achtung vor ihm noch mehr.

Seinen Schülern hat er bis zum letzten Schultag immer alles vorgeführt, wofür die Natur, ihren Tribut verlangend, ihn reichlich mit Gelenkschmerzen beschenkt hat. Er hat gewusst, was auf ihn zukommt, das hat ihn aber nicht abgehalten, alles zu geben.


Nicht zu vergessen ist Frau Brenndörfer, unsere Schuldienerin. Zu ihr durften wir nicht Frau Schuldienerin sagen, sondern mussten sie mit "Frau Brenndörfer" anreden. Mit ihrem Besen war sie die Respektsperson Nummer eins der Bartholomäer Schule.


Es gäbe noch viel zu berichten.
Bei Bohne ( Bonfert, aus der Sechsten, ich in der Siebenten.) haben wir, Peter Melzer, Bohne, Bohnes Bruder und ich, einen Einbrecher gestellt.

Als wir mit Indianergeschrei, mit Äxten und Spaten bewaffnet in die Wohnung, vom Garten aus, stürmten, flüchtete er in die Speisekammer und schloss sich ein.

Gute Worte der herbeigerufenen Polizei, sowie die Drohung, dass sie durch die Türe schießen würden, haben bei dem störrischen Einbrecher nichts bewirkt. Die Türe musste aufgebrochen werden.

Und wer kam heraus? Bohnes 84jährige Großmutter.

Das Gelächter der Zaungäste hätte man aufnehmen müssen. Die gesamte Bevölkerung der Sackgasse der rum. Kirchengasse hatte sich versammelt, um den Einbrecher zu sehn.


Erzieherisch hat auf uns auch Pfarrer Schullerus gewirkt.
Als er einmal in seiner Jugendstunde über das Rauchen sagte, es sei eine vornehmere Geste, ein Zigarettenangebot abzuweisen, anstatt anzunehmen, habe ich mir dies zu eigen gemacht und nie geraucht.

Seine Jugendstunden waren sein Beitrag, den Zusammenhalt dieses Häufleins noch mehr zu festigen. Ich habe ihn oft aufgesucht und lange Gespräche mit ihm geführt. Auf meine Aufforderung, er solle uns doch Sachsengeschichte vorlesen, da wir diesbezüglich ein großes Manko hätten, meinte er, es sei zu gefährlich. Sein Tun und Handeln würde beobachtet.

Als die Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Schwarze - Kirche - Prozess losgingen, hat er mich gewarnt, damit ich eventuell vorhandene kompromittierende Unterlagen vernichte.


Diese 3 Jahre Bartholomäer Schule haben uns geformt, geprägt, oder war es die ausschlaggebende Zeit in unserem Leben, die die Weichen zum späterem Leben legte? Ich denke gerne zurück und manches ist so, als wäre es erst vergangene Woche gewesen, nicht vor 50 Jahren.

Und doch liegt ein undefinierbarer Schleier darüber. Ich sehe und höre, wie die heutigen jungen Menschen sich für die Zukunft, fürs Leben vorbereiten. Ist das nun alles nicht mehr nötig, vorbei? Ist man mit 65 eine ausgebrannte Fackel?

Was ist heute wichtig? Sein Leben neu zu ordnen, Prioritäten zu setzen.
Warum? Die Zeit wird kürzer!

Willi


Edgar Weber
Osterspaziergang
An einem Ostersonntag morgens um 10 Uhr ereignete sich folgendes: Buzi (Hans Gustav Morawetz), Werner (Jedrejowski) und ich mussten uns bis zum Gottesdienst die Zeit vertreiben. Wir hatten die besten Sachen an und waren von unseren Müttern aufs beste herausgeputzt.

Um uns die Langeweile zu vertreiben, fiel uns nichts Besseres ein, als in voller Montur zu einem alten Wassersammelbecken zu gehen, um die dortigen Kröten mit Steinen zu bewerfen. Bei dem Becken handelte es sich um ein altes Sammelbecken einer ehemaligen Gärtnerei. Es war etwa drei Meter tief und zur Hälfte mit Regenwasser gefüllt, welches in der Trockenzeit zur Bewässerung gebraucht wurde. Die eine Hälfte des Beckens war mit Holzplanken zugedeckt.

Wir Tierfreunde stellten uns auf die Holzplanken und versuchten, die Kröten mit den Steinen zu treffen. Als wir eine der Kröten getroffen hatten, veranstalteten wir einen tollen Indianertanz mit großem Kriegsgeheul.

Als Belohnung brach das Podest ein und das tierfreundliche Trio fiel ins Wasser. Nach ein paar Sekunden unter Wasser tauchten wir aus dem Nass wieder heraus: Jeder mit einer Bohle in der Hand, um nicht unterzugehen und einer Perücke aus Algen, Schilf und Seetang auf dem Kopf. Wir schauten uns an und mussten trotz dem Schrecken, den wir in den Gliedern hatten, laut lachen.

Nach einer Ewigkeit, von unserem Geschrei angelockt, kam Buzis Vater. Als er das begossene Trio im Becken schwimmen sah, fing er laut an zu lachen. Als er sich ausgelacht hatte und wieder sprechen konnte, versuchte er ernst zu fragen: "Was macht ihr da?", anstatt uns aus dem Becken zu ziehen.

Danach holte er seine Frau, damit sie auch was zu Lachen bekommt. Nachdem sich die beiden über unseren Anblick genug amüsiert hatten, zogen sie uns aus dem Becken. Als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, dachten wir mit Schrecken an das Donnerwetter, das uns zu Hause erwarten würde.

Butzis Mutter machte sich als gute Fee daran, die Spuren von unseren Sonntagsanzügen zu beseitigen. Doch leider ließen sich die grünen Flecken nicht aus den weißen Sachen waschen. Als Werner und ich uns dann schließlich mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend auf den Heimweg machten, erwartete uns dort die große Bescherung.


Die Hexenküche
Eines Nachmittages machte ich mich auf den Weg zu meinem Freund Willi, um ihn an die Luft zu locken und dabei zusammen den Schlossberg unsicher zu machen. Es kam anders...
Im Rothischen Haus angekommen, informiert mich Willis Mutter, dass sich ihr Spross in der Küche aufhält. Als ich aber zu meinem Freund in die Küche treten wollte, ließ sich die Tür nicht öffnen. Der Schlüssel stach von innen.

Was war passiert? Ich rüttelte an der Türklinke und rufe immer wieder Willi. Doch in der Küche rührt sich nichts. Schließlich hole ich Frau Roth und wir brechen die Türe auf. Uns bietet sich ein unvergesslicher Anblick: Der Küchentisch ist voll von offenen Dosen und aufgerissenen Päckchen. Auf dem Herd steht ein Topf, in dem es brodelt, in dem Willi offensichtlich alle Päckchen entleert hat, um etwas Neues zu kreieren.

Am Boden lag der Alchimist, der keinen Mucks von sich gab. Ob er jetzt vom vielen Probieren der Zutaten oder von der noch nicht erprobten "neuen Tortenmischung" geschlafen oder im Koma lag, lässt sich nicht mehr feststellen. Sicher ist aber, dass wir es für das Beste hielten, den undefinierten Inhalt wieder aus ihm herauszubekommen. Danach kam er wieder zu sich, sah aber noch reichlich klapprig und blass aus.

Auf sein Experiment konnte man den Erfinder erst eine Woche später ansprechen, da er sich erst dann in der Lage sah, über seine Forschungen zu sprechen.

Dies ist eines der Experimente, die aus Willi's großem Forschungsdrang entstanden sind.

Zu Etis "Hexenküche".
Ich hatte damals Erwachsene von besonderen Eigenschaften des gelbem Fingerhuts, von Atropin, vom Fliegenpilz und all den anderen wunderbaren Sachen, die in der Natur nur so herumlagen, sprechen hören. An diese "materie prima" war leicht heranzukommen. Ich hatte kein Seifenfabriklabor wie Butzi zur Verfügung. Mit diesen Sachen musste man doch experimentieren und das war bei mir groß geschrieben.

Der neue Hofhund bei meiner Großmutter, zu dem ich noch keine besondere Beziehung hatte, war dazu das richtige Versuchstier. Nur leider verschmähte er meine getränkten Essenreste.

Aus der "conclusie" heraus, dass durch Verdampfung der Geruch mitgeht, wolle ich ihm einen Kuchen mit all meinen guten Zutaten, deren Herstellung ich vorher notiert hatte, backen.

Eingesperrt hatte ich mich, damit ich nicht zu viel gefragt werde, oder jemand anders, aus der Familie, auch etwas von meinem Gebackenen haben wollte.

Dabei kam ich auf die Idee, dass ganz kleine Mengen mir bestimmt nicht schaden würden. Wahrscheinlich habe ich von meinen Tinkturen etwas zu viel gekostet. Ich musste es ja doch vorher selber probieren, da ich den Hund nicht umbringen wollte, sondern nur seine Reaktionen studieren. Auf jeden Fall war Etis Auftauchen ein Werk der vielen Schutzengel, die mich in meinem Leben begleitet haben.
Willi


Erlebnisse aus der Mathematikstunde.
Wir hatten wieder einmal die Kreide versteckt. (Kreide war Mangelware und wurde pro Woche der Klasse zugeteilt. War sie verbraucht, konnte erst in der nächsten Woche wieder mit Kreide an der Tafel gearbeitet werden. W. Roth) So konnte die Lehrerin Luca die Hausaufgaben nicht an die Tafel schreiben und sie gab uns aus dem Rechenbuch auf. Dies war unser Vorteil, da wir hinten nachsehen konnten, ob unsere Lösung richtig war.

In dieser Stunde musste uns Lehrerin Luca erklären, was ein Winkel ist. Da sie keine Kreide hatte, konnte sie nicht auf die Tafel für alle sichtbar zeichnen.
Sie hatte eine gute Idee. Sie stellte sich auf das Katheder, spreizte die Beine und erklärte uns: das rechte Bein ist eine Gerade. Das linke Bein ist eine Gerade und wo sie zusammentreffen ist der Winkel."

Der Winkel war aber verhüllt. Rechnungen mit Unbekannten sind immer reizvoll. Erst viel später hat sich der Schleier für mich gelüftet. Den Winkel werde ich Zeit meines Lebens immer reizvoll finden.
Otto Schwecht.


Murmel spielen hieß bei uns Gogola spielen. Mit der Hauptkugel, die Itschu hieß, die meist aus Glas und größer als die andern war, musste man die anderen Tonkugeln treffen, die man dann behielt. Die Tonkugeln, Kigla genannt, trug man in Säckchen bei sich. Gute Spieler sackten andere im wahrsten Sinne des Wortes einfach aus. Dieses Spiel war bis Ende der Vierziger Jahre im Schulhof anzutreffen.
Willi

Wenn Frau Luca krank war, sprang Prof. Petri ein. Dieser hatte ein Glasauge. Bestimmt hatte sich einer mal vorgestellt, dass es mit so einer großen Glaskugel, die dabei bald den einen, bald den anderen anstarrt, besonders attraktiv und erfolgreich wäre, Gogola zu spielen. Wer der Namensgeber gewesen sein mag, ist uns unbekannt; auf jeden Fall hatte er den köstlichen Spitznamen " Itschu-Gogola"

Einmal sollte eine Matheaufgabe an der Tafel gelöst werden, doch es klappte nicht. Itschu wurde immer nervöser. Plötzlich brüllte er laut: "Sag mal, bist du katholisch?" Dabei machte sich sein Kauwerkzeug selbstständig. Blitzschnell hatte er es im Flug erwischt und ebenso blitzschnell verschwand es wieder auf seinen Platz. Wir waren, (ich bin es heute noch) einer solchen Geschicklichkeit eines Einäugigen, gegenüber sprachlos. Totenstille.

Nach einer kurzem Pause; "Otto, komm an die Tafel." Ich zitterte wie Espenlaub. Gott sei Dank konnte ich die Rechenaufgabe gut lösen.


Handarbeit hatten wir mit der Theodorescu, der "Nutifrica". Wir bekamen damals Impfungen gegen Typhus, Kinderlähmung usw. Dabei nahm sie sich liebevoll unserer an, wobei sie immer wieder wiederholte: "Nu-ti fie frica, nu te doare", "Keine Angst, es schmerzt dich nicht"; von da an hatte sie ihren Namen weg.

Hab keine Angst!
Erinnert ihr Euch an den Streich von Rudi Lorenz, zu der Zeit als ein stilles Wasser bekannt? Einmal als es in der Klasse ganz gewaltig krachte, wurden wir eines anderen belehrt.

Rudi L., der Schlingel, hantierte während der Handarbeitsstunde mit seiner Jausentüte. Er blies die Tüte auf, drückte sie oben fest zusammen und pletschte sie kräftig auf die Bank.

Puff. Ein Riesenkrach.


NU TI FRICA, die immer Tapfere, musste nun selber getröstet werden. Vorbei der Unterricht, vorbei die Stunde, und heute Erinnerung!!!
Sigrid Brenndörfer.


Der dritte Ostertag
Wo sind die Zeiten geblieben, wo man zu Ostern spritzen ging! Vorbei, vorbei. Wie ja bekannt, gingen die Jungen und Herren am zweiten Ostertag zu den Mädchen und Frauen spritzen, alles selbstverständlich. Weniger selbstverständlich, dass Margret Götz und Liese Kraus am dritten Ostertag jetzt aber zu den Jungen spritzen gegangen sind.

Das erste Opfer bei diesem Unterfangen war Harry Brus, der sich schön bespritzen ließ und meinte, wir sollen ihn entschuldigen, aber er sei auf einen Besuch nicht eingestellt.

Weiter ging es zu Olescher Martin, der uns zwar empfing, aber dann seiner Großmutter übergab und in die Scheune flüchtete, wo er unser Fortgehen abwartete.

Ganz toll wurden wir von Willi Roth empfangen, der das ganz locker wegsteckte, uns mit Kuchen, Likör und gefärbten Eiern persönlich bediente, ohne Hemmungen, als ob es vorprogrammiert gewesen wäre !
SCHÖN WAR ES !!
Kraus Anneliese


Unser Schlafwandler
Irgendwann nach Beendigung der siebten Klasse wurde ein gemeinsames Zeltlager im Wolkendörfer Bad organisiert.

Wie und was die Anfahrt bis dahin betrifft, sind keine klaren Erinnerungen mehr da, aber umso mehr an folgendes Erlebnis.

Wer weiß noch, wie das eigentlich war? Suchte der junge Mann, Willi, getrieben vom hellen Mondschein, das Abenteuer, die Mädchen von unserem Nachbarzelt, oder das kalte Nass, das nur ein paar Meter von unserem Nachtquartier entfernt war? Gute Frage ?? Zu der Zeit konnten wir des Rätsels Lösung nicht finden. Heute aber!!

Nur langsam, wir werden versuchen es nachzuvollziehen:

Der Mond schien helle, als der Willi blitzesschnelle in das Zelt der Mädchen kam.
Die Mädchen schliefen tief.
Der Willi kam ganz schief zu der Zelttür rein und wollte am anderen Ende durch die Zeltwand wieder raus. Das ist scheinbar bei ihm so Brauch.
Was dann geschah, war ihm vorher wahrscheinlich nicht ganz klar.
Ein richtiges Durcheinander brach aus.
Aus dem Zelt bugsierte man ihn hinaus.
Die Jagd ging los und so in Hemd und Hos', lief er auf den Sprungturm los. Und wer ihn hätte schnappen wollen, hätte sich ihm nach, ins kalte Nass begeben sollen.
Vorbei mit der ruhigen Nacht. Wir sahen uns um unsere Sicherheit in den Zelten gebracht.
Darum schlugen wir unsere Schlaflager in den Holzkabinen auf.
Mit den Jungen zusammen zu schlafen, dass war in unserem Alter (14) damals nicht Brauch.

Hand aufs Herz, wer würde da, mit den heutigen Erfahrungen, noch so viel Pi-pa-po um einen Schlafwandler machen?

Als am nächsten Morgen die Sonne aufging, wusste unser lieber Willi nicht, wie er in das Zelt geraten war. Oder doch ?? Heute glauben wir es zu wissen.
Sigrid Brenndörfer (Müller) und Kraus Anneliese (Hennei)


Zu Wolkendorf.
Wir hatten zu wenig Zeltplätze. Dennoch bin ich auch nach Wolkendorf marschiert.

Die Nacht, draußen, in eine dünne Sommerdecke eingehüllt, war bitterkalt. Ich legte mich ganz an die Zeltwand, hinter der meine Flamme schlief. Mein Herz wurde warm, das Sternenzelt, das mich zudeckte, die Erde auf der ich lag, ließ die Kälte in mir immer höher steigen.

Nur eine Leinwand trennte mich von Wärme und meinen lang ersehnten Wunschträumen. Das Herz zwischen den Zähnen trat ich ins Zelt hinein.

Das Hühnergegacker, das ich dabei auslöste, hatte ich nicht einkalkuliert. Als dann noch Sigrid und Anneliese, mit denen nicht gut Kirschen essen war, dazukamen, blieb mir nur die Flucht übrig.

Am anderen Morgen fiel das Wort Schlafwandler. Hinter diesem Strohhalm verschanzte ich mich dann.
Willi


Schön war die Jugend, sie kommt nicht mehr.